Holi – Fest der Farben und des Feinstaubs

Menschen streuen verschiedne Farben auszum Vergrößern anklicken
Bei Holi-Festivals wird stündlich von den Teilnehmenden Farbpulver in die Luft geworfen
Quelle: Dollars / Fotolia.com

Holi ist ursprünglich ein traditionelles indisches Frühlingsfest mit hinduistischen Wurzeln. Die Menschen feiern den Sieg des Frühlings über den Winter, bzw. den Triumph des Guten über das Böse und bewerfen sich deshalb mit gefärbtem Pulver. Alles wird bunt und gesellschaftliche Unterschiede in Kaste, Geschlecht, Alter und sozialem Status scheinen für die Dauer des Festes aufgehoben zu sein.

Seit 2012 finden Holi-Feste als kommerzielle Open-Air-Veranstaltungen auch in Europa statt und sind besonders unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen beliebte, gut besuchte Ereignisse. Bei diesen u.a. „Holi Festival of Colours“ oder „Holi Gaudy“ genannten, mit Musik unterlegten Veranstaltungen tanzen die Besucher und werfen stündlich nach einem Countdown Farbpulver in die Luft, das sich beim Herabsinken auf die Teilnehmenden und das Gelände verteilt. Ähnlich verhält es sich bei den sogenannten „Color Runs“. Hierbei werden die Läuferinnen und Läufer nach bestimmten Teilstrecken und am Ziel mit dem bunten Pulver besprüht oder beworfen.

Die gesundheitliche Relevanz dieses Holi-Farben, Gulal-Pulver oder auch Mikro-Konfetti genannten  Farbpulvers, von dem bis zu mehreren Tonnen pro Veranstaltung in die Luft geworfen werden, ist bislang nur ansatzweise untersucht. Holi-Farben werden von verschiedenen Herstellern vertrieben und unterschiedlich deklariert (z.B. „entspricht den Maßgaben der EU-Kosmetikverordnung“ oder „in Deutschland nach strengsten Qualitätsstandards produziert“), aber bisher fehlt eine einheitliche rechtliche Zuordnung, nach der die Sicherheit der Farben bewertet werden könnte. Auch werden vom Farbhersteller, bzw. Holi-Festival-Veranstalter nicht immer alle Inhaltsstoffe angegeben.

Hauptbestandteil der Holi-Farben ist die Trägersubstanz an der die Farbpigmente anhaften. Hierfür wird, soweit bekannt, meist Reis- oder Maisstärke oder Talkum verwendet. Für die Farbgebung werden laut Herstellerangaben stets Lebensmittelfarben verwendet und im Falle weiterer Zusätze wie Rieselhilfen oder Konservierungsmittel handelt es sich um Substanzen, die als Lebensmittel oder Lebensmittelzusätze zugelassen sind.

Die Wirkung, die das Holi-Pulver jedoch beim Einatmen und bei Haut-und Schleimhautkontakt haben kann, ist bislang noch nicht hinreichend dokumentiert und untersucht. Vorsorglich raten einige Holi-Festival-Veranstalter den Teilnehmenden, auf Kontaktlinsen zu verzichten, Schutzbrillen zu tragen und Augen und Mund beim Werfen des Pulvers geschlossen zu halten. Ähnliche Hinweise werden auch vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gegeben.

Um eine mögliche gesundheitliche Gefährdung von Holi-Farben besser einordnen zu können, hat die Länderarbeitsgruppe Umweltbezogener Gesundheitsschutz (LAUG) eine Bewertungshilfe zur Farbpulver- und Feinstaub-Exposition der Bevölkerung bei Holi-Veranstaltungen und Color-Runs erstellt. In die Bewertungshilfe eingeflossen sind auch Untersuchungen des UBA.

Wie erste Analysen des UBA zeigten, weisen Holi-Farben einen Feinstaubanteil von bis zu 70% auf, eine Problematik, die bei der Betrachtung von Holi-Farben z.B. als kosmetisches Mittel vollkommen außer Acht gelassen wird. Als Feinstaub gelten Partikel mit einem maximalen Durchmesser von 10 µm. Partikel dieser Größe können eingeatmet werden und in Abhängigkeit von ihrer Größe bis ins Lungengewebe vordringen. Bekannte Wirkungen von Feinstaub sind z.B. Schleimhautentzündungen und lokale Entzündungen der Bronchien. Außerdem deuten Untersuchungen des UBA darauf hin, dass einzelne Bestandteile einiger Farbpulver entzündungsfördernde Eigenschaften besitzen.

Um einen möglichst repräsentativen Überblick über die tatsächlich auftretende gesundheitliche Wirkung von Holi-Farben zu erhalten, plant das UBA, Teilnehmende von Holi-Veranstaltungen in einer breit angelegten internetbasierten Erhebung zu ihren Erfahrungen zu befragen.

Es ist bekannt, dass beim Einatmen von Holipulvern oder Hautkontakt allergische Reaktionen oder andere Überempfindlichkeitsreaktionen auftreten können. Außerdem sind während oder nach dem Besuch von Holi-Veranstaltungen Atembeschwerden und Schleimhautreizungen, wie Husten und gerötete Augen möglich und Sanitätsdienste berichteten über verklebte Augen und Nasengänge, die gespült werden mussten.

Vor diesem Hintergrund empfiehlt das UBA,  die gesundheitlichen Hinweise der Holi-Festival-Veranstalter, die z.B. auf den entsprechenden Internetseiten, den Eintrittskarten oder den Verpackungen der Holi-Farben erhältlich sind, zu beachten. Menschen mit bekannten Allergien gegen Bestandteile des Holi-Pulver, bzw. relevanten Vorerkrankungen wie z.B. Asthma sollten Holi-Veranstaltungen besser nicht besuchen.

Die Bewertungshilfe zur Farbpulver- und Feinstaub-Exposition der Bevölkerung bei Holi-Veranstaltungen und Color-Runs der LAUG kann von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern genehmigender Behörden wie z.B. Gesundheitsämtern über das Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des UBA oder beim Senator für Gesundheit Bremen bestellt werden.

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 Feinstaub in der Luft  Farben
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