KLIMWALD – Erfolgreiche Klimaanpassung im Kommunalwald in Nordhessen

  • Gruppe von Personen befindet sich auf Exkursion im Wald auf einem Wirtschaftsweg an einer Böschung. Die Sonne scheint durch die jungen, schlanken hohen Bäume
    Veranschaulichen und von Erfahrung lernen: Jäger und Förster bei der gemeinsamen KLIMWALD-Exkursion zu erfolgreichem Jagdmanagement.
  • Man sieht eine Windwurf-Fläche im Projektgebiet. Vereinzelt sind nach einem Sturm Bäume stehen geblieben. Die Fläche ist grün bewachsen.
    Windwurf-Fläche im Projektgebiet. Häufigere Winterstürme greifen vor allem Fichtenreinbestände im Altersklassenwald an und sind ein Einfallstor für Schädlinge. Auf solchen Flächen einen jungen Wald zu etablieren ist eine Herausforderung für Förster und andere Akteure.
  • Der Blick geht hinein in einen Mischwald, in dem junge Bäume neben Altbestand nachwachsen.
    Naturverjüngung im Mischwald. Zur Entwicklung robuster Wälder wird die standortsgemäße Diversifizierung von Baumarten und die Bildung mehrschichtiger Bestände gefördert. So kann Risikostreuung und physikalisch Stabilität erreicht werden.
  • Man sieht Wildschäden im Wald: Einem Baumstamm fehlt der Großteil seiner Rinde und ein junger Baum wurde verbissen.
    Wildschäden im Wald. Links: Durch den mehrfachen Verbiss ist dieser Ahorn nicht mehr forstwirtschaftlich nutzbar. Rechts: Eine vom Rotwild geschälte Buche. Schälschäden führen zur Wertreduktion des betroffenen Holzes.
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Maßnahmen zur Klimaanpassung im Wald müssen vor Ort entschieden und umgesetzt werden. Für erfolgreiche Klimaanpassung im Wald sind Wildschäden ein entscheidender Erfolgsfaktor. KLIMWALD hat zum Ziel, einerseits Methoden zur klimarobusten Entwicklung der Bestände im Wald zu entwickeln und andererseits Lösungsansätze für die bisherigen Hürden erfolgreicher Klimaanpassung im Wald zu etablieren. Erarbeitet werden daher waldbauliche Konzepte für die Förster vor Ort sowie Konzepte zum Wildtiermanagement als entscheidender Erfolgsfaktor für gelingende Klimaanpassung im Wald. Die Projektergebnisse sollen auf vergleichbare Regionen übertragbar sein.
Der Wald hat viele verschiedene Funktionen. Neben der ökologischen Funktion und der Bedeutung als Naherholungsgebiet hat der Wald für die Kommunen eine Einkommensfunktion. Klimaangepasste Waldbewirtschaftung setzt voraus, dass die Ziele der Bewirtschaftung klar definiert sind. Zu einer erfolgreichen Klimaanpassung im Wald gehört daher auch der Umgang mit den unterschiedlichen Interessen von Waldeigentümern, Naturschutz, Jägerschaft, Erholungsnutzern usw. Das Besondere an dem KLIMWALD-Projekt ist die ausdrückliche Orientierung an Umsetzungserfordernissen und der Anspruch, dauerhaft wirksame Lösungen zu erarbeiten. Dazu wird ein intensiver Informations-, Kommunikations- und Beteiligungsprozess konzipiert und durchgeführt, um Interessensausgleich und Akzeptanz der gemeinsam erarbeiteten Lösungen zu gewährleisten.
Die KLIMWALD-Projektregion liegt in Nordhessen; vier Kommunalwälder stehen im Fokus. Bei der Erarbeitung der Lösungsansätze und Konzepte werden Kenntnisse zu Waldbau, Ökologie, Wildbiologie sowie Ökonomie von Wissenschaftlern und Praktikern eingebracht.

Bisherige Erfolge der Maßnahme

Der von KLIMWALD verfolgte Ansatz der kleinräumigen Konkretisierung waldbaulicher Strategien mit Hilfe von hochauflösenden Daten und Erfahrungswissen ist ein wesentlicher methodischer Entwicklungsschritt für die Klimaanpassung kommunaler Wälder. Die Ergebnisse finden Niederschlag in angepassten Pflegekonzepten und Anbauempfehlungen für die KLIMWALD-Kommunalwälder; sowie darüber hinaus in Empfehlungen für die Forstpraxis.
KLIMWALD adressierte bewusst den bestehenden Konflikt zwischen Jagd und Forst. Es herrschte eine große Beteiligungsbereitschaft. Die Notwendigkeit von Klimaanpassung in den Kommunalwäldern wurde dabei öffentlichkeitswirksam thematisiert. Teile der örtlichen Jägerschaft wurden dadurch sensibilisiert und beteiligten sich umfassend am gemeinsamen Arbeitsprozess.

Erfolgt eine systematische Evaluation der Maßnahme? Ja

Zusätzliche Nutzen über die Anpassung an den Klimawandel hinaus

Klimaschutz: Einsparung von Treibhausgasemissionen oder Entfernung von Treibhausgasen aus der Atmosphäre

Klimaschutz durch die Zukunftssicherung der Wälder

andere Umweltziele: z.B. Erhaltung der biologischen Vielfalt, Luftreinhaltung, Gewässerschutz, Ressourceneinsparung

Durch den Erhalt der anderen Waldfunktionen (Luftreinhaltung; biologische Vielfalt) werden außerdem weitere Umweltziele gefördert.

Lebensqualität / soziale Ziele: z.B. Erhöhung der Wohnqualität in Städten, Beitrag zu sozialem Ausgleich und sozialer Integration, besondere Berücksichtigung der Interessen benachteiligter Bevölkerungsgruppen

Konfliktlösungsbeiträge zu tradiertem Problemfeld zwischen Jagd und Forst

Welche Hindernisse wurden überwunden?

Es liegen Konflikte zwischen Nutzergruppen und Eigentümerinteressen vor. Dies führte zum Rückzug von Teilen der organisierten Jägerschaft von der Kooperation mit dem Projekt. Durch den Rückzug wurde deutlich, dass Unklarheit über die Art der Beteiligung der Jägerschaft an der Erarbeitung der Projektergebnisse besteht. Der Rückzug von Teilen der organisierten Jägerschaft von der Kooperation beeinträchtigt einerseits die Arbeit während des KLIMWALD-Projektes. Andererseits sind die deutlichen Vorbehalte von Teilen der Jägerschaft eine Hürde für die Replikation der Projektergebnisse.

Während der Projektlaufzeit konnte durch die gewählten Arbeitsmethoden ein fruchtbarer Kooperationsprozess zwischen relevanten Akteuren realisiert werden. Für die Replikation der Arbeitsmethoden und Arbeitsergebnisse soll dieser – trotz anfänglicher Vorbehalte – konstruktive Gestaltungsprozess ein positives Beispiel sein.

Welche zusätzlichen Konflikte gab es?

KLIMWALD greift ein bestehendes Problemfeld auf, das als Hürde für gelingende Klimaanpassung im Wald identifiziert wurde: das Wald-Wild Problemfeld. Die Hintergründe dieses schon lange bestehenden Interessenskonfliktes zwischen jagdlichen Nutzergruppen und Eigentümerinteressen sind komplex, sie umfassen in verschiedener Hinsicht wirtschaftliche, ökologische, politische und habituelle Aspekte.

KLIMWALD verfolgt den Ansatz, einen Handlungsraum zu gestalten, in dem über Sachorientierung, Erarbeitung gemeinsamer Ziele und gemeinsame Erarbeitung von Lösungsansätzen ein Interessensausgleich erreicht und konkrete Maßnahmen realisiert werden.

Wer war beteiligt?

Breite Öffentlichkeit, Grundstücksbesitzer, Kommunen, Landwirte, Presse

Kommunen als Waldbesitzer, Forst, Jagdausübungsberechtigte, Jagdgenossenschaften, Naturschutz, Hegegemeinschaften, Wissenschaft (Daten- und Sachgrundlage, neutrale Prozessführung).

Formen der Beteiligung

Vortragsveranstaltungen mit Raum für Diskussionen, Exkursionen, Leitlinienworkshop, Fokusgruppen als Forum der zielgerichteten und sachbezogenen Kooperation der relevanten Akteursgruppen.

Kooperationspartner

HessenForst, Forstamt Wolfhagen; Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA) Universität Kassel, Fachgebiet Landschafts- und Vegetationsökologie; Universität Kassel, Fachgebiet Ökonomie der Stadt- und Regionalentwicklung; Gemeinde Calden, Stadt Naumburg, Stadt Wolfhagen, Stadt Zierenberg Zudem Hegegemeinschaft Naumburg, Jagdgenossenschaft Naumburg, NABU, Untere Jagdbehörde Landkreis Kassel, Verband der Jagdgenossenschaften und privaten Eigenjagdbesitzer im Landkreis Kassel e.V. (VJE), Jagdgenossenschaft Zierenberg, Jagdpächter Zierenberg Bis August 2016: Kreisjagdverein Wolfhagen e.V., Landesjagdverband Hessen e.V., Rotwild-Hegegemeinschaft Wattenberg-Weidelsburg, Hegegemeinschaft Warmetal, Hegegemeinschaft Wolfhagen

Wie wurde die Maßnahme umgesetzt?

Hauptverantwortliche Institution (Maßnahmenträger)CliMA - Kompetenzzentrum für Klimaschutz und Klimaanpassung, Universität Kassel; Fachgebiet Ökonomie der Stadt- und Regionalplanung, Universität Kassel; Fachgebiet Landschafts- und Vegetationsökologie, Universität Kassel; Forstamt Wolfhagen, HessenForst
http://www.uni-kassel.de/go/clima
Welches Steuerungsinstrument ist Bestandteil der Maßnahme?Freiwillige Vereinbarung, Kooperation, Informationsbereitstellung und Sensibilisierung, Planungsinstrument (z.B. Planfeststellungsverfahren), Rechtsinstrument (z.B. Ge- und Verbote), Umweltbeobachtung und Erforschung von Folgen des Klimawandels

Während des Projektes werden Instrumente eingesetzt, um sowohl wissensbasiert als auch sachorientiert zusammenzuarbeiten. Dazu gehören lokal spezifizierte Kenntnisse zu den Klimawandelfolgen für die Wälder der Projektkommunen und gezielt aufbereitete sowie sukzessive verbesserte Informationsgrundlagen für gemeinsame Planungs- und Entscheidungsprozesse. Daneben wird angestrebt, für die Umsetzung und Verstetigung der erarbeiteten Konzepte und Lösungsansätze verbindliche Steuerungsinstrumente zu gestalten und zu nutzen. Dazu gehören Empfehlungen zur Vertragsgestaltung, Kooperationsvereinbarungen (etwa zum Monitoring der Maßnahmen nach der Projektlaufzeit), Informationsgrundlagen und Vorlagen für Beschlussfassung durch kommunale Politik und weitere Institutionen. Schließlich werden die Projektergebnisse für interessierte Personengruppen außerhalb der Projektregion so aufbereitet, dass die Ziele, die Vorgehensweise und die Erkenntnisse von KLIMWALD einerseits niederschwellig nachvollziehbar werden. Andererseits sollen für vertiefte Auseinandersetzung mit dem KLIMWALD-Ansatz umfassende Informationen bereitgestellt werden.

Kosten 

Fördersumme des Projektes: 295.000€, Gesamtvolumen ca. 500.000€.

Finanzierung Bund

Nach Beendigung von KLIMWALD ist geplant, den Erfolg der gemeinsam erarbeiteten Maßnahmen kontinuierlich zu überprüfen und auf Grundlage der Monitoringsergebnisse die Maßnahmen anzupassen. Dazu werden von KLIMWALD Indikatoren und ein Monitoringskonzept erarbeitet.

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