Auszubildende begegnen dem Klimawandel - klimAZUBI: Förderung von Bewusstsein und Handlungskompetenz zur betrieblichen Klimaanpassung

  • Konzeptioneller Aufbau des Bildungsprojekts "klimAZUBI" der Reserch Group for Earth Observation (rgeo), Abteilung Geographie der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, Quelle: rgeo
  • Personen stehen an einer mit Gras bewachsenen Böschung. Im Hintergrund grasen Schafen. Im Vordergrund zeigt eine Teilnehmerin mit gestreckten Arm in eine Richtung; eine andere Teilnehmerin steht hinter einem Holzzaun. Alle Personen schauen in die Richtung des gestreckten Armes.
    Auszubildende erkunden regionale Folgen des Klimawandels im Rahmen des "klimAZUBI"-Basismoduls vor Ort. (Heidelberg 2016), Quelle: rgeo
  • Gruppenbild aus dem Labor. Personen tragen weiße Kittel. Im Hintergrund befinden sich Labormaterilien in und außerhalb von verglasten Laborschränke. Eine Mann im linken Vordergrund trägt Alltagskleidung: Hose und Hemd.
    Auszubildende führen im Rahmen des "klimAZUBI"-Basismoduls im Geco-Lab, Kompetenzzentrum für geoökologische Raumerkundung der Abteilung Geographie, vertiefende Analysen durch. (Heidelberg 2016), Quelle: rgeo
  • Personen schauen auf einen Tisch mit bunten Moderationsmaterialien und Stiften und greifen danach.
    Auszubildende erstellen im Design-Thinking-Workshop des "klimAZUBI"-Vertiefungsmoduls Prototypen zur unternehmensspezifischen Anpassung an Klimawandelfolgen. (Wiesloch-Walldorf 2017), Quelle: rgeo
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Zum langfristigen Erhalt des wirtschaftlichen Erfolgs von Unternehmen sind nachhaltige Anpassungsstrategien an die regional- und branchenspezifischen Folgen des Klimawandels notwendig. Märkte, Produktion und Distribution sind insbesondere durch Extremereignisse wie andauernde Starkniederschlags- oder Hitzephasen betroffen. Für die Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen an den fortschreitenden Klimawandel auf betrieblicher Ebene bedarf es neben Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung v.a. auch der nachhaltigen Förderung von Gestaltungs- und Handlungskompetenz von Mitarbeiter/innen.
In dem durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit geförderten klimAZUBI-Projekt werden daher in Kooperation der Abteilung Geographie – Research Group for Earth Observation (rgeo) der Pädagogischen Hochschule Heidelberg mit ausgewählten Unternehmen der Metropolregion Rhein-Neckar (ABB, HeidelbergCement, REWE) sowie der IHK Rhein-Neckar Lernmodule zur Klimaanpassung entwickelt, erprobt und optimiert. Zielgruppe im Sinne eines Bottom-Up Bildungsansatzes sind Auszubildende als zukünftige betriebliche Akteure und Entscheidungsträger. Die Module, die durch den praktischen Einsatz in der betrieblichen Ausbildung Wissenserwerb mit gesellschaftlich aktivem Handeln verknüpfen (Service Learning), basieren auf einem innovativen doppelten methodisch-didaktischen Dreiklang.
Bezogen auf die „natürliche“ Umwelt umfasst dieser Dreiklang (1) das Erkennen der Folgen des Klimawandels im Gelände, (2) die vertiefende Analyse einzelner Prozesse im Labor und (3) die Beurteilung der Nachhaltigkeit von Anpassungsmaßnahmen und Handlungsoptionen mit Hilfe von Modellen. Bezogen auf die „betriebliche“ Umwelt umfasst er (1) das Erkennen der branchenspezifischen Vulnerabilität, (2) die vertiefende Analyse der spezifischen Resilienz einzelner Unternehmen als „Reallabor“ und (3) die Beurteilung der Nachhaltigkeit von Anpassungsmaßnahmen und Handlungsoptionen mit Hilfe der Szenariotechnik und des Design Thinking. Hierbei erfolgt eine integrative Erarbeitung regionaler Klimafolgen auf die natürlichen Ressourcen Boden, Vegetation und Wasser, verzahnt mit einer branchen- und betriebsspezifischen Betrachtung nachhaltiger Anpassungsoptionen hinsichtlich Märkten, Produktion und Distribution.
Komponenten der Basismodule sind u.a. der Einfluss von Starkniederschlägen und Trockenperioden auf die Hoch- bzw. Niedrigwasserproblematik am Neckar in Hinblick auf die Unternehmenslogistik und Energieversorgung sowie Auswirkungen des Klimawandels auf den regionalen Obstanbau bzw. Vermarktung am Beispiel des Apfels. Methodisch kommen Kartierungen und Messungen, Recherchen, Rollenspiele, die standortbezogene Analyse von digitalen Klimafolgenkarten sowie die lösungsorientierte Anwendung von Laborexperimenten und Modellen zur Beurteilung von Schutz- und Anpassungsstrategien zum Einsatz. In den Vertiefungsmodulen wird die Kreativitätsmethode Design Thinking zur Erarbeitung innovativer Anpassungsoptionen an hitzebedingte Unternehmensrisiken genutzt, und mit Hilfe eines rückwärtsgerichteten Einsatzes der Szenariotechnik (Zeitungsberichte aus der Zukunft) werden ökologische, ökonomische und soziale Konsequenzen der verschiedenen Anpassungsoptionen anhand von Worst-Case- und Best-Case-Szenarien beurteilt.
Instrumente zur Dissemination und dauerhaften Verankerung der Bildungsmodule sind neben Multiplikatorenschulungen und Workshops für betriebliche Ausbilder auch die Bereitstellung modulspezifisch ausgestatteter Methodenkoffer sowie die Einbindung von Lehramtsstudierenden (Peer Teaching).

Wie wurde die Maßnahme umgesetzt?

Hauptverantwortliche Institution (Maßnahmenträger)Pädagogische Hochschule Heidelberg, Abteilung Geographie
https://www.ph-heidelberg.de/geographie/abteilung.html
Kooperationspartner

HeidelbergCement AG, Heidelberg/Leimen, ABB Training Center (ATC) GmbH & Co. KG, Heidelberg, REWE Markt GmbH, Wiesloch, IHK Rhein-Neckar, Mannheim

Steuerungsinstrumente

Welches Steuerungsinstrument ist Bestandteil der Maßnahme?Freiwillige Vereinbarung, Kooperation, Informationsbereitstellung und Sensibilisierung, Umweltbeobachtung und Erforschung von Folgen des Klimawandels

Beteiligung und Finanzierung

Unternehmen der Metropolregion sowie IHK Rhein-Neckar (Auszubildende, Ausbilder, HR-, Nachhaltigkeits- und Marketing-Manager, Geschäftsführer Berufsbildung)

Welche Formen der Beteiligung fanden statt?

Unternehmen der Metropolregion sowie IHK Rhein-Neckar (Auszubildende, Ausbilder, HR-, Nachhaltigkeits- und Marketing-Manager, Geschäftsführer Berufsbildung)

FinanzierungBund

Erfolg und Nutzen

Erfolgt eine systematische Evaluation der Maßnahme?Ja
Bitte beschreiben Sie die Evaluationsmethode

- Kriterienbasierte Projektevaluation durch den Maßnahmenträger selbst
- Mitarbeit bei der externen Evaluation des Förderprogramms zur DAS

Welche Erfolge wurden bis jetzt mit der Maßnahme erreicht?

Alle Kooperationspartner haben nach verschiedenen Planungsgesprächen dem ausgearbeiteten Projektkonzept zugestimmt und sich bei der inhaltlichen Ausgestaltung der Lernmodule eingebracht. Es wurden Lernsettings konzipiert, durchgeführt, evaluiert & optimiert, dabei wurden bisher 5 Basismodul-Kurse á 2 Tage mit insgesamt 66 Auszubildenden von drei Unternehmen sowie 3 Vertiefungsmodulkurse á 2 Tage mit insgesamt 35 Auszubildenden von zwei Unternehmen durchgeführt (Stand 5/17). Die Auszubildenden wurden für den Klimawandel, seine Folgen und den betrieblichen Anpassungsbedarf sensibilisiert und haben eigene innovative Ideen oder Konzepte dazu erarbeitet sowie hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit geprüft. Die Zwischenergebnisse des Projektes wurden bereits auf mehreren Konferenzen präsentiert.

Bringt die Maßnahme Nutzen für weitere Zielsetzungen außer dem Ziel der Anpassung an den Klimawandel?Ökonomische Ziele: z.B. Innovation, Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen oder Regionen
Erläuterung

Zum langfristigen Erhalt des wirtschaftlichen Erfolgs von Unternehmen sind nachhaltige Anpassungsstrategien an die regional- und branchenspezifischen Folgen des Klimawandels notwendig.

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