3.4 Wie können Sie Maßnahmen analysieren?

Die Maßnahmen, die Sie auf Grundlage von Betroffenheiten entwickelt haben, sind wichtige Ansatzpunkte für den Umgang mit den Folgen des Klimawandels. Doch was können Sie tun, wenn sich verschiedene Maßnahmen auf die gleiche Betroffenheit beziehen oder Sie aufgrund Ihrer zeitlichen und finanziellen Ressourcen nur eine begrenzte Zahl von Maßnahmen umsetzen können?

In diesem Fall ist es sinnvoll, Ihre Aktivitäten anhand einheitlicher Kriterien zu analysieren und sie so vergleichbar zu machen. Eine weitergehende Bewertung hilft Ihnen nicht nur bei der Auswahl der wichtigsten Aktivitäten, sondern auch bei der Kommunikation von Handlungserfordernissen gegenüber Entscheidungsträgern in Ihrer Kommune.

Der Klimalotse schlägt eine Reihe von Kriterien vor, die Ihnen bei der Analyse von Maßnahmen helfen können:

Wirksamkeit

Wie effektiv mindert die Anpassungsmaßnahme eine oder mehrere Betroffenheiten Ihrer Kommune? 

Flexibilität

Kann die Maßnahme mit geringem Ressourceneinsatz an neue Bedingungen angepasst werden? Gibt sie Ihnen die Möglichkeit, aus zukünftigen Ereignissen zu lernen und mit neuen und bisher unbekannten Entwicklungen umzugehen?

Robustheit

Wirkt sich die Maßnahme unter verschiedenen Klimaszenarien positiv aus? 

Umsetzbarkeit

Wird die Maßnahme akzeptiert oder könnten bei der Umsetzung Konflikte entstehen? Wie groß ist der Planungsaufwand? Sind viele verschiedene Ebenen oder Bereiche innerhalb Ihrer Kommune beteiligt?

Finanzielle Tragbarkeit

Ist die Maßnahme für die Umsetzenden mit vertretbarem Aufwand finanzierbar? Weisen alternative Maßnahmen keinen höheren Nutzen bei gleichen Kosten auf? 

Positive Nebeneffekte

Weist die Maßnahme Synergien mit anderen Maßnahmen auf oder hilft sie dabei, wichtige Ziele Ihrer Kommune zu erreichen?  Erleichtert die Maßnahme die Umsetzung anderer Anpassungsmaßnahmen? Welche weiteren Eigenschaften hat die Maßnahme? Trägt sie beispielsweise zur Kostensenkung bei?

Nachhaltigkeit

Trägt die Maßnahme dazu bei, soziale, wirtschaftliche oder  Umweltziele zu erreichen und ermöglicht sie eine dauerhaft umwelt- und sozial gerechte Entwicklung der Gesellschaft?

Maßnahmen, die diese Kriterien erfüllen tragen damit auch zur Steigerung der Widerstandsfähigkeit  Ihrer Kommune bei. Besonders positiv zu bewerten sind dabei solche Maßnahmen, die mehrere Betroffenheiten wirkungsvoll adressieren und gleichzeitig Synergien mit Maßnahmen aus anderen Tätigkeitsbereichen Ihrer Kommune aufweisen.

Neben diesen eher qualitativen Nutzen-Kriterien sollten Sie Ihre Maßnahmen auch nach quantitativen Kriterien bewerten. Welche Kosten – also Investitionskosten und laufende Kosten – fallen für eine Maßnahme an? Wenn Sie die Kosten für verschiedene Maßnahmen vergleichen wollen, kann es sinnvoll sein, die gesamten jährlichen Kosten zu berechnen, also die Summe der jährlichen laufenden Kosten und der jährlichen Investitionskosten auf Basis der gesamten Lebensdauer der Maßnahme.

Eine detaillierte ökonomische Bewertung der Maßnahmen mithilfe einer Kosten-Nutzen-Analyse kann gerade bei Maßnahmen, die mit großen Kosten verbunden sind, wichtige Hinweise liefern. Sie erfordert jedoch eine umfangreiche Informationsgrundlage und gute methodische Kenntnisse und geht damit über die hier dargestellten Methoden hinaus. Externe Akteure können Sie jedoch dabei unterstützen, eine umfangreiche Kosten-Nutzen-Analyse für wichtige Maßnahmen durchzuführen.

"Um zu wissen welche Maßnahmen wir als erstes durchführen können, haben wir in das Excel-Dokument des Klimalotsen alle Maßnahmen einsortiert und nach ihrer Effektivität beurteilt. Diese Einschätzung gemeinsam mit Informationen dazu, was sich besonders gut umsetzen lässt, etwa weil etwas in irgendeiner Art und Weise schon begonnen wurde oder leicht zu finanzieren ist, wurde dann dem Gemeinderat vorgelegt. In der Praxis hat man sich dann aber von der ursprünglichen Methodik wieder entfernt. Das harte Ergebnis aus der Arbeitsgruppe kann man nicht einfach abarbeiten, dann bräuchte man vorab schon einen großen Topf aus dem man dann schöpft, um die hochpriorisierten Maßnahmen umzusetzen. Das ist schwierig. Anpassung ist eine Querschnittsaufgabe, aber letztlich finanziert immer das Amt, welches die Maßnahme umsetzt." 

 

Dr. Ulrich Reuter, Abteilung Stadtklimatologie im Amt für Umweltschutz der Stadt Stuttgart, Stuttgart

Aufgabe: Maßnahmen bewerten

Analysieren Sie gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Anpassungsteam und weiteren Akteuren aus der Kommune Ihre Maßnahmen anhand der dargestellten Kriterien.

  • Ergänzen Sie die Ergebnisse der Bewertung in den Maßnahmenblättern aus der Arbeitsmappe zum Klimalotsen.
  • Überlegen Sie, in welche laufenden Prozesse und Aktivitäten eine qualitative Bewertung von Maßnahmen eventuell integriert werden kann. Gibt es laufende Bürgerbeteiligungen oder interne Querschnitts-Treffen zu Klima- oder Umweltthemen? Bestehen in der Verwaltung bereits Erfahrungen mit der integrierten Bewertung von Maßnahmen, vielleicht zum Thema Nachhaltigkeit und Agenda21-Prozesse?
  • Welche Hemmnisse können bei der Umsetzung der jeweiligen Maßnahmen oder Lösungsansätze auftreten? Beziehen Sie auch diese in die Bewertung ein.

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