Warum wir uns an den Klimawandel anpassen

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Eine typische Maßnahme bei Hochwasser ist das Aufstapeln von Sandsäcke zu Dämmen.
Quelle: Susanne Kambor/KomPass

Der Klimawandel ist längst da. Auch in Deutschland spüren wir ihn schon. Wetterextreme wie Hitzewellen oder Starkniederschläge werden häufiger und heftiger. Der Hitzesommer 2003 ist nur ein Beispiel dafür. Künftig wird sich dieser Trend noch verstärken. Anpassung an den Klimawandel hilft, besser mit dessen Folgen umzugehen, Schäden zu verringern und gegebenenfalls existierende Chancen zu nutzen.

Inhaltsverzeichnis

 

Was heißt „Anpassung an den Klimawandel“ eigentlich?

Das Klima wandelt sich: Auch wenn uns der Klimawandel häufig erst durch sintflutartige Regenfälle oder heftige Stürme ins Bewusstsein kommt. Es sind vor allem schleichende Veränderungen, die auf lange Sicht das Leben in unserem Land nachhaltig verändern werden. Die Treibhausgase, die sich bereits in unserer Atmosphäre befinden, werden noch viele Jahrzehnte oder Jahrhunderte lang wirken und unser Klima beeinflussen. Selbst wenn wir erfolgreich Klimaschutz betreiben, schreitet der Klimawandel voran.

Die Folgen sind vielfältig: Der Klimawandel hat Einfluss auf unser Wohnen, Arbeiten und unsere Gesundheit. Hier einige Fragen, die sich in diesem Zusammenhang stellen:

  • Wie können wir uns vor zu großer Wärmebelastung schützen? Müssen in Deutschland künftig viel mehr Wohn- und Arbeitsgebäude mit Klimaanlagen ausgestattet werden? Wie viel Energie brauchen wir dafür?
  • Wie können wir unsere Städte auf kommende Starkregen und Überflutungen vorbereiten? Müssen Kanalisationen angepasst werden? Gibt es andere Möglichkeiten, das Wasser aufzufangen und aus den Städten zu leiten? Wie können Unternehmen gegebenenfalls Produktionsausfälle kompensieren?
  • Welchen Einfluss hat der Klimawandel auf unsere Gesundheit? Was bedeutet er für verschiedene Krankheiten und Krankheitsüberträger, denen wir schon heute oder in Zukunft ausgesetzt sind?

Die gute Nachricht ist: Wir können etwas tun. Wir können mit den bereits zu beobachtenden Folgen der Klimaänderungen umgehen und uns effektiv auf Kommendes vorbereiten. Dafür müssen wir jetzt handeln. Denn rechtzeitige und aktive Anpassung an den Klimawandel kann Schäden mindern oder sogar vermeiden. Anpassung kann auch heißen, gegebenenfalls durch den Klimawandel entstehende Chancen zu nutzen. Welche Möglichkeiten ergeben sich zum Beispiel für die Baubranche, wenn Winter künftig milder sind und die Arbeiten weniger lang wegen Frost unterbrochen werden?

Anpassung ist also wichtig. Und hier sind alle gefragt. Denn zur Klimaanpassung gehören neben Maßnahmen auf allen politischen Ebenen auch Aktionen von Unternehmen, Organisationen und Privatpersonen.

Warum wir uns an den Klimawandel anpassen

 

Wer muss sich anpassen?

Der Klimawandel beeinflusst zahlreiche Bereiche unseres täglichen Lebens und es gibt viele verschiedene Arten, sich anzupassen. Daher beteiligen sich verschiedenste Akteure an wirkungsvollen Anpassungsmaßnahmen. Dies sind einige Beispiele:

Die Politik: Die Bundesregierung hat im Dezember 2008 die Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) beschlossen. 2011 folgte der Aktionsplan Anpassung (APA), der Schritte zur Weiterentwicklung und Umsetzung der DAS festlegt. Für Ende 2014 ist ein Fortschrittsbericht zur Strategieumsetzung geplant. Auch viele Bundesländer haben bereits eine Anpassungsstrategie ausgearbeitet. Die Strategie der EU wird ab 2013 umgesetzt.

Kommunen: Kommunen spielen bei der Klimaanpassung eine besondere Rolle. Denn viele Maßnahmen werden lokal umgesetzt. Zentrale Bestandteile unserer Infrastruktur, beispielsweise Straßen, Kanalisation, öffentliche Gebäude oder Krankenhäuser, liegen häufig in kommunaler Hand. Kommunen haben somit vielfältige Möglichkeiten, Klimaanpassung voranzutreiben.

Unternehmen: Auch Unternehmen werden in verschiedenster Weise vom Klimawandel betroffen sein. So können steigende Temperaturen Produktionsbedingungen ändern. Extremwetterereignisse können Lieferketten unterbrechen und die Infrastruktur beschädigen. Hitze beeinflusst das Wohlbefinden der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ebenso kann sie die Verfügbarkeit von Kühlwasser einschränken. Prinzipiell gilt, dass unterschiedliche Wirtschaftssektoren mit verschiedenen Klimafolgen zu rechnen haben und daher branchenspezifische Strategien und Maßnahmen entwickeln, um damit umzugehen.

Privatpersonen: Nicht zuletzt kann sich jeder an den Klimawandel anpassen. Wir können beispielsweise Eigenheime verschatten, wenn sie sich im Sommer zu sehr aufheizen. Wir können zu Ostern ans Mittelmeer fahren, wenn es uns im Sommer dort zu heiß ist – oder auf Nord- und Ostsee ausweichen. Des Weiteren können wir sportliche Aktivitäten in die Morgen- und Abendstunden verlegen, wenn die Temperaturen tagsüber den Kreislauf zu stark belasten. Dies ist nur eine kleine Auswahl der zahlreichen Möglichkeiten der privaten Klimaanpassung.

Beispiele für Anpassung an den Klimawandel

Schon die oben genannten Beispiele zeigen, dass zwei Formen von Maßnahmen zur Klimaanpassung existieren. Auf der einen Seite gibt es passive Schutzmaßnahmen wie Dämme gegen Hochwasser und Überflutungen. Auf der anderen Seite stehen Verhaltensänderungen. Beispiele hierfür sind: das Anpflanzen neuer, angepasster Obstsorten oder die Nicht-Bebauung Hochwassergefährdeter Gebiete.

Gründe, sich nicht dem Klimawandel anzupassen, sind oft mangelnde Information, zu hohe Kosten oder ein zu geringer individueller Nutzen durch die Anpassungsmaßnahme. Trotzdem gibt es bereits viele Beispiele erfolgreich umgesetzter Anpassungsmaßnahmen. Einige davon finden Sie in unserer Tatenbank.

Wer muss sich an den Klimawandel anpassen?

 

Heißt das, wir betreiben keinen Klimaschutz mehr?

Nein. Obwohl wir viele Möglichkeiten haben, mit dem Klimawandel umzugehen, dürfen wir den Klimaschutz nicht vernachlässigen. Beim Klima handelt es sich um ein komplexes System und wir können nicht genau vorhersagen, was passiert, wenn wir immer mehr Treibhausgase in die Atmosphäre emittieren. Vor allem das Überschreiten sogenannter Kipp-Punkte im Klimasystem kann irreversible Folgen haben. Kipp-Punkte sind dann erreicht, wenn geringe Antriebe zu einer plötzlichen und starken Reaktion des Klimasystems führen. Doch selbst wenn das Klimasystem in seinen Ausgangszustand zurückkommen könnte, würde das sehr lange Zeit beanspruchen.

Außerdem ist Klimaschutz auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Anpassungsmaßnahmen kosten Geld. Die Anpassung an einen ungebremsten Klimawandel kostet jedoch noch viel mehr, das haben verschiedene Studien ergeben. Anpassung ist also nur sinnvoll, wenn gleichzeitig auch der Ausstoß von Treibhausgasen gemindert wird. Die UN-Klimarahmenkonvention verdeutlicht dies, indem sie Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel den gleichen Stellenwert zuschreibt.

Wie gehen wir mit Unsicherheiten um?

Wir haben eine Vorstellung davon, wie sich das Klima unter verschiedenen Voraussetzungen entwickeln wird. Genau vorhersagen können wir es nicht. Es bestehen also Unsicherheiten, die sich auch auf die Planung von Anpassungsmaßnahmen auswirken. Diese werden in vielen Fällen mithilfe sogenannter no-regret-Maßnahmen umgangen. Diese Maßnahmen sind auch im Falle eines geringen Klimawandels nützlich.

 

Wichtige Begriffe im Zusammenhang mit Anpassung

Folgende Begriffe werden Ihnen auf den kommenden Seiten häufiger begegnen:

  • Akteur: Dieser Begriff wird häufig verwendet, um wichtige Entscheidungsträger und Handelnde zusammenzufassen, beispielsweise Staaten, Unternehmen, Organisationen und Privatpersonen.
  • Klimarobustheit: Klimarobustheit beschreibt, wie gut Systeme/Akteure mit verschiedenen Klimabedingungen umgehen können. Je klimarobuster Systeme/Akteure sind, desto weniger negative Auswirkungen haben sie durch Klimaänderungen zu erwarten. Sie können also mit einer größeren Bandbreite an Klimabedingungen umgehen.
  • Empfindlichkeit (Sensitivität): Die Empfindlichkeit oder auch Sensitivität bildet ab, wie stark Systeme/Akteure durch Klimaänderungen beeinflusst werden.
  • Anpassungskapazität: Die Anpassungskapazität, auch Anpassungsfähigkeit genannt, von Systemen/Akteuren gibt an, inwieweit diese dazu in der Lage sind, sich an veränderte oder sich künftig verändernde Klimabedingungen und deren Folgen anzupassen. Erfolgreiche Anpassung verringert die Verwundbarkeit gegenüber dem Klimawandel.
  • Verwundbarkeit (Vulnerabilität): Der Begriff der Verwundbarkeit oder auch Vulnerabilität gibt an, wie anfällig Systeme/Akteure gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels sind. Sie sind besonders verwundbar beziehungsweise vulnerabel, wenn sie gar nicht oder nur sehr schwer mit Auswirkungen des Klimawandels umgehen können. Die Verwundbarkeit ist dabei abhängig von der Empfindlichkeit und der Anpassungskapazität der Systeme/Akteure, aber auch von der zu erwartenden Klimaänderung.
  • Handlungsfelder (Sektoren): In der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) sind verschiedene Handlungsfelder definiert, für die jeweils Klimafolgen und Anpassungsmaßnahmen betrachtet werden. Hierunter fallen beispielsweise Gesundheit, Landwirtschaft, Wasserwirtschaft, Energiewirtschaft, Verkehr oder Tourismus.
  • Integrierter Ansatz: Für die Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) und den Aktionsplan Anpassung (APA) wurde ein integrierter Ansatz gewählt. Das bedeutet, dass Auswirkungen des Klimawandels und Anpassungsmaßnahmen nicht nur in den jeweiligen Handlungsfeldern betrachtet werden. Auch die Wechselwirkungen zwischen diesen Handlungsfeldern sind von Interesse.
 

Quellen