Bundesland Mecklenburg-Vorpommern

Die Folgen des Klimawandels sind nicht überall gleich. Auch die daraus resultierenden Anpassungsmaßnahmen unterscheiden sich in den Bundesländern. Hier finden Sie einen Überblick, welche Auswirkungen des Klimawandels in Mecklenburg-Vorpommern erwartet werden und mit welchen Maßnahmen das Bundesland darauf reagiert.

Klimafolgen

Länderspezifische Klimaänderungen

BEREITS AUFGETRETENE UND ERWARTETE KLIMAÄNDERUNGEN

  • Anstieg der Jahresmitteltemperatur um durchschnittlich 1,8°-3,0° Celsius
  • Anstieg der Wintertemperatur um durchschnittlich 2,8°-4,0° Celsius
  • Anstieg der Sommertemperatur um durchschnittlich 1,0°-3,5° Celsius
  • Verringerung der durchschnittlichen jährlichen Niederschlagsmengen
  • Erhöhung der Winterniederschlagsmengen um 5-50 Prozent
  • Verringerung der Sommerniederschlagsmengen um 0-50 Prozent

(Quelle: Auswirkungen des Klimawandels auf Mecklenburg-Vorpommern im Bereich der Regionalentwicklung/ Tourismus, Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Institut für Geographie und Geologie, Leuphana Universität Lüneburg (Tourismus), Landgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern GmbH, Dez. 2008)

WICHTIGE STUDIEN UND PROJEKTE

Folgen des Klimawandels in Mecklenburg-Vorpommern 2010
Die wissenschaftlich fundierte Studie befasst sich mit den Folgen des Klimawandels bezogen auf Mecklenburg-Vorpommern. Es wurde dargelegt, welche Auswirkungen für die Entwicklung der Temperatur, den Küstenverlauf, den Grundwasserspiegel, die Gesundheitsvorsorge anhand aktueller Daten und Modelle prognostiziert werden. Die vorliegende, von Experten des Landes erarbeitete Studie enthält neben den Chancen und Risiken für das Land auch Handlungsempfehlungen mit einer zeitlichen Einstufung zur Notwendigkeit der Umsetzung.

The BACC Author Team 2008: Assessment of Climate Change for the Baltic Sea Basin
Springer-Verlag Berlin Heidelberg, 473 S., Überblick über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse in der regionalen Klimaforschung im Ostsee-Becken, dazu gehören Klimaveränderungen in der jüngsten Vergangenheit, Klimaprojektionen bis 2100 und eine Beurteilung der Auswirkungen des Klimawandels auf Land-, Süßwasser-und Meeresökosysteme.

Weitere Studien und Berichte:

  • Community Medicine, Prävention, Gesundheitstourismus- Auswirkungen des klimatischen Wandels in M-V auf die Gesundheit, das medizinische Versorgungssystem und die Gesundheitswirtschaft unter der Leitung von Prof. Dr. W. Hoffmann
  • Studie zu Infektionsspezifischen Folgen einer Klimaveränderung in M-V unter Leitung von Prof. Dr. Dr. Podbielski
  • Auswirkungen des Klimawandels auf Mecklenburg-Vorpommern im Bereich der Regionalentwicklung/ Tourismus
  • Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Institut für Geographie und Geologie, Leuphana Universität Lüneburg (Tourismus), Landgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern GmbH, Dez. 2008
  • Ostseeküste im Klimawandel, Handbuch Meinke, I. Reckermann, M.: Handbuch (Norddeutsches Klimabüro; Internationales BALTEX Sekretariat 2012)
  • Regionale Klimaszenarien in der Praxis – Beispiel deutsche Ostseeküste, Meinke, I., Weisse, R., von Storch, H. (2011); Helmholtz-Zentrum Geesthacht
  • Aktualisierung der forstlichen Klimagliederung Mecklenburg-Vorpommerns für die Klimaperiode 1971-2000 und auf der Basis ausgewählter Klimaszenarien für die Prognoseperioden 2041-2070 und 2071-2100

LÄNDERSPEZIFISCHE KLIMAMODELLE UND KLIMAPROJEKTIONEN

Norddeutscher Klimaatlas

Ensemble von 12 regionalen Klimaszenarien (SRES-Szenarien A1B, B1, A2, B2, Modelle COSMO-CLM, REMO, RCAO)

Auswertungen für alle Norddeutschen Bundesländer, Ostseeküste u.a.

Hintergrund: Grundlage des Norddeutschen Klimaatlas sind für Norddeutschland verfügbare Klimarechnungen, die mit dynamischen regionalen Klimarechenmodellen durchgeführt wurden. Hierzu zählen bisher folgende Klimarechenmodelle: COSMO-CLM, das gemeinschaftliche regionale Klimarechenmodell von über 30 internationalen Forschungseinrichtungen (Rockel et al. 2008) sowie REMO, das regionale Klimarechenmodell des Max-Planck-Instituts für Meteorologie (Jacob 2001) und RCAO das regionale Klimarechenmodell des Schwedischen Wetterdienstes (Döscher et al. 2002). In die regionalen Klimarechenmodelle sind jeweils unterschiedliche Treibhausgaskonzentrationen eingegangen, die vom UN-Weltklimarat IPCC erstellt wurden (IPCC 2000). Bisher sind insgesamt 12 verschiedene Klimarechnungen in den Klimaatlas eingegangen.

Im Einzelnen handelt es sich dabei um folgende Klimarechnungen:

  • 4 Klimarechnungen wurden mit dem regionalen Klimarechenmodell COSMO-CLM berechnet (Hollweg et al. 2008).
  • 3 Klimarechnungen wurden im Auftrag des Umweltbundesamtes durch das Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg mit dem regionalen Klimarechenmodell REMO berechnet (Jacob et al. 2008).
  • 1 Klimarechnung wurde im Auftrag der Bundesanstalt für Gewässerkunde durch das Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg mit dem regionalen Klimarechenmodell REMO berechnet.
  • 4 Klimarechnungen wurden mit dem regionalen Klimamodell RCAO des schwedischen Wetterdienstes SMHI im Rahmen des EU Projektes PRUDENCE erstellt (Räisänen et al. 2002).

Länderspezifische Klimafolgen und Vulnerabilität

BEOBACHTETE UND ERWARTETE KLIMAFOLGEN

  • Temperaturänderung (höhere Luft- und Wassertemperaturen)
  • Veränderung der Niederschläge
  • Verlängerte Vegetationsperioden
  • Beschleunigter Anstieg des Meeresspiegels
  • Sturmfluten / Extremwetterereignisse
  • Küstenrückgang
  • Veränderte Strömungsdynamik mit entsprechenden Auswirkungen auf Sedimenttransporte
  • Gewässerqualität: Beeinträchtigung der Wasserqualität aufgrund erhöhter Durchschnittstemperaturen und zeitweise verstärkter Nährstoffeinträge durch verändertes Abflussverhalten der Zuflüsse
  • Auswirkungen auf die natürlichen Bodenfunktionen sowie die Funktion der Böden als Standort der Land- und Forstwirtschaft durch:
    - Risiko abnehmender Humusgehalte und -vorräte
    - Risiko zunehmender Wasser- und Winderosion
    - Risiko zunehmender Bodenschadverdichtung
    - Veränderungen des Bodenwasserhaushaltes
  • Trinkwasserknappheit
  • Gesundheit (Hitzewellen und Verbreitung von Krankheitserregern wie zum Beispiel Zecken)

WICHTIGE STUDIEN UND PROJEKTE

Studien:

  • Krämer, I., K. Borenäs, A. Daschkeit, C. Filies, I. Haller, H. Janßen, S. Karstens, L. Kūle, J. Lapinskis and R. Varjopuro (2013). Climate change impacts on infrastructure in the Baltic Sea region. In: Sectoral impact assessments for the Baltic Sea Region : climate change impacts on biodiversity, fisheries, coastal infrastructure and tourism. Ed. by O. Krarup Leth, K. Dahl, H. Peltonen, I. Krämer and L. Kūle. Rostock: EUCC - Die Küsten Union Deutschland (Coastline reports ; 21): 55-90, 978-3-939206-08-8

Modellierungen jeweils für SRES-Szenarien A1B und B1 mit Zeithorizont bis 2100:

Weitere Studien und Berichte:

RADOST-Jahresberichte - Informationen zu Stand und Ergebnissen der einzelnen RADOST-Arbeitsbereiche:

Untersuchungen zu Auswirkungen des Klimawandels auf die Potenziale erneuerbarer Energien an der deutschen Ostseeküste:

Seegangsmodellierungen:

  • Gräwe, U. and Burchard, H. (2011): Storm surges in the Western Baltic Sea: the present and a possible future. Climate Dynamics.

Gewässerqualität in Ostseegewässern:

  • Neumann, T. (2010): Climate-change effects on the Baltic Sea ecosystem: A model study, Journal of Marine Systems 81(3), 213-224.
  • Friedland, R, T. Neumann & G. Schernewski (2012): Climate Change and the Baltic Sea Action Plan: Model simulations on the future of the western Baltic Sea. J Marine Systems 105-108: 175-186

Auswirkungen von Klimawandel und Klimaschutzmaßnahmen auf Seevögel:

  • Die Eisente als Modell der ökologischen Klimafolgenforschung: projizierte Winterquartiere in der Ostsee in Abhängigkeit von Eisbedeckung und Wassertiefe; Weidauer, A., Schulz, A., Kulemeyer, C., Schleicher, K., Rohrbein, V., Coppack, T. (2011) Vogelwarte 49: 241
  • Bleiben Eisenten Wintergäste? Küste und Meer; Coppack, T., Weidauer, A. (2012) 3: 7
  • Birds and windfarms: A double-edged sword? Coastal and Marine; Coppack, T., Dittmann, T., Schulz, A., Weidauer, A. (2013). 22: 18-19

Einzelne Beiträge:

  • Gräwe, U., Burchard, H., Regionalisation of Climate Scenarios for the Western Baltic Sea (pp. 3-22)
  • Neumann, T., Friedland, R., Climate Change Impacts on the Baltic Sea (pp. 23-32)
  • Störmer, O., Climate Change Impacts on Coastal Waters of the Baltic Sea (pp. 51-69)
  • Heidecke, C., Kreins, P., Stonner, R., Gömann, H., Global Change Impacts on Agricultural Land Use in the German Baltic Sea Catchment Area (pp. 71-89)
  • Fröhle, P., Schlamkow, C., Dreier, N., Sommermeier, K., Climate Change and Coastal Protection: Adaptation Strategies for the German Baltic Sea Coast (pp. 103-116)
  • Schernewski, G., Adaptation to Climate Change: Viniculture and Tourism at the Baltic Coast (pp. 233-247)

Buch: Global Change and Baltic Coastal Zones; Springer, 2011. Coastal Research Library-Series (1), ISSN: 2211-0577; Abstracts

Anpassung

Politischer Rahmen

STRATEGIEPAPIERE ZUR KLIMAANPASSUNG UND AKTUELLE ENTWICKLUNGEN

Aktionsplan Klimaschutz Mecklenburg-Vorpommern - Teil A Grundlagen und Ziele

Die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern hat sich schon frühzeitig dem Problem Klimaschutz gestellt und im Ergebnis dessen im Jahr 1997 das erste Klimaschutzkonzept veröffentlicht. Die dritte Fortschreibung unter der Bezeichnung Aktionsplan Klimaschutz soll dynamisch nicht nur die Aktivitäten der Landesregierung darstellen, sondern vor allem Projekte auf regionaler, kommunaler und privatwirtschaftlicher Ebene anregen, erfassen und publizieren.

Teil A widmet sich der Ausgangslage und den Zielsetzungen des Aktionsplans. Es werden die Rahmenbedingungen auf internationaler, nationaler und Landesebene erläutert. Dabei werden die spezifischen Besonderheiten des Nordostens herausgestellt und die Stellung des Landes Mecklenburg-Vorpommern im Vergleich zu den benachbarten norddeutschen Bundesländern benannt. Weiterhin werden Zielstellungen für das Jahr 2020 formuliert. Solche Zielvorgaben sind immer mit Risiken behaftet, hängt die Entwicklung doch von schwer einzuschätzenden Rahmenbedingungen ab.

Aktionsplan Klimaschutz Mecklenburg-Vorpommern - Teil B Klimaschutzaktionen

Die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern hat sich schon frühzeitig dem Problem Klimaschutz gestellt und im Ergebnis dessen im Jahr 1997 das erste Klimaschutzkonzept veröffentlicht. Die dritte Fortschreibung unter der Bezeichnung Aktionsplan Klimaschutz soll dynamisch nicht nur die Aktivitäten der Landesregierung darstellen, sondern vor allem Projekte auf regionaler, kommunaler und privatwirtschaftlicher Ebene anregen, erfassen und publizieren. Im Teil B sind 55 Aktionen zu finden, die direkt und indirekt zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen im Land beitragen sollen. Gegliedert in sieben Bereiche, dokumentieren sie ganz unterschiedliche Projekte, die das gemeinsame Anliegen Klimaschutz haben.

Maßnahmenkonzept zur Anpassung der Wälder Mecklenburg-Vorpommerns an den Klimawandel

In dem Konzept werden die aus Sicht des Landes aktuell wichtigsten Maßnahmen zur Waldanpassung an den Klimawandel zusammengefasst dargestellt. Inhalt: mögliche Wirkungen des Klimawandels auf den Wald und die Forstwirtschaft; Standorte und Waldstruktur; Klimawandel und Leitlinien der Waldbewirtschaftung; Klimawandel - Anpassungsstrategien; forstliche Standortkartierung; Baumarteneignung; standortbezogene Baumartenwahl; genetische Vielfalt; Waldumbau; Bestandesmischung; Waldschutz, Stand: 2010

Klimaanpassungsstrategie für den Ostseeraum (BALTADAPT)

Das BALTADAPT Projekt (Baltic Sea Region Climate Change Adaptation Strategy) hat sich zum Ziel gesetzt, gemeinsame transnationale Lösungsansätze zu entwickeln, um angesichts des Klimawandels ein nachhaltiges Management im Ostseeraum aufzubauen.

 

MONITORING- ODER EVALUATIONSPROZESSE DER STRATEGIEN

Aktionsplan Klimaschutz Mecklenburg-Vorpommern - Teil B Klimaschutzaktionen

Überarbeitung der Aktionen Januar 2013, z. Z. erneute Aktualisierung

Länderspezifische Anpassungsmaßnahmen

WICHTIGE STUDIEN UND PROJEKTE ZU ANPASSUNGSOPTIONEN/-MASSNAHMEN

SCHLÜSSELMASSNAHMEN IN DEN AKTIONSPLÄNEN

  • Waldaktie: Mit dem Kauf einer Waldaktie erwirbt der Käufer das Versprechen, dass 10 Quadratmeter Fläche aufgeforstet werden. Zunächst in erster Linie für Touristen konzipiert, erfreut sich die Waldaktie auch über Interessensbekundungen beispielsweise von Unternehmen. Mittlerweile konnten etwa 72.000 Waldaktien verkauft und allein in Mecklenburg-Vorpommern 13 Klimawälder begründet werden (07/15).
  • MoorFutures: MoorFutures sind Kohlenstoffzertifikate, die auf der Basis von Moorwiedervernässungen generiert werden. Durch den Kauf und die Stilllegung von MoorFutures können Unternehmen aber auch Privatpersonen  ihre Treibhausgasbilanz freiwillig verbessern. Ein MoorFutures entspricht dabei dem Einsparungspotential von einer Tonne CO2. Die MoorFutures in der Version 2.0 berücksichtigen weitere Ökosystemleistungen und die Biodiversität. Bislang konnten in Mecklenburg-Vorpommern und in Brandenburg knapp 11.000 MoorFutures verkauft werden.
    BfN-Skipt: Integration von weiteren Ökosystemdienstleistungen einschließlich Biodiversität in Kohlenstoffzertifikate – Standard, Methodologie und Übertragbarkeit in andere Regionen


DATENBANKEN ZU FALLSTUDIEN ODER PROJEKTEN BEREITS UMGESETZTER MASSNAHMEN

  • „Reduktion von Treibhausgasemissionen im Rapsanbau insbesondere Stickstoffdüngung“, FuE Vorhaben, LFA-Forschungs-Nr.: 2.45 Laufzeit: 01.02.2013-30.06.2015. Teil des Verbundprojekts „Minderung von Treibhausgasemissionen im Rapsanbau“ mit neun beteiligten Forschungsinstituten unter Projektleitung von Prof. Dr.  Heinz Flessa, vTi  Braunschweig.

Lokale Maßnahmen

ANPASSUNGSSTRATEGIEN UND -KONZEPTE EINZELNER STÄDTE ODER KOMMUNEN

Regionaler Planungsverband Westmecklenburg: Im Rahmen des Interreg-Projektes BalticClimate wurden regionalplanerische Anpassungsstrategien für Westmecklenburg erarbeitet. Dies betraf alle Bereiche der Regionalplanung von Freiraumplanung bis technische Infrastruktur. Grundlage war ein Gutachten zu Chancen und Risiken des Klimawandels in Westmecklenburg. Die Region war eine von 22 internationalen Partnern. Die Akademie für Raumforschung, Hannover fungierte als Lead-Partner.

Regionale Bewertung des Klimawandels und Entwicklung von Klimaschutz-und Klimaanpassungsstrategien in der Biosphärenreservatsregion Schaalsee: Im Rahmen dieses ambitionierten Projektes, sollen das Thema Klimaschutz langfristig in alle regionalen Planungen, Entscheidungsprozesse und Handlungen eingebunden werden sowie entsprechende Projekte zur Klimavorsorge und zum Klimafolgenmanagement entwickelt und umgesetzt werden. Diese Initiative des Biosphärenreservats Schaalsee stellt einen wichtigen Beitrag des Landes Mecklenburg-Vorpommern zur Umsetzung des UNESCO-Programms „Der Mensch und die Biosphäre“ (MaB) dar.

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