Bundesland Berlin

Die Folgen des Klimawandels sind nicht überall gleich. Auch die daraus resultierenden Anpassungsmaßnahmen unterscheiden sich in den Bundesländern. Hier finden Sie einen Überblick, welche Auswirkungen des Klimawandels in Berlin zu erwarten sind und mit welchen Strategien und Maßnahmen das Bundesland darauf reagiert.

Klimafolgen

Länderspezifische Klimaänderungen

BEREITS AUFGETRETENE UND ERWARTETE KLIMAÄNDERUNGEN

In der Region Berlin-Brandenburg stieg innerhalb des letzten Jahrhunderts die Jahresmitteltemperatur um durchschnittlich 1 °C an. In den vergangenen 50 Jahren hat die Anzahl der heißen Tage und tropischen Nächten in den Sommermonaten deutlich zugenommen. Trotzdem es immer wieder kalte Winter gab, hat sich die Anzahl der Frost- und Eistage generell vermindert. Dieser Trend wird sich fortsetzen und Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich in Berlin im Jahr 2100 das heutige Klima des südfranzösischen Toulouse ausgeprägt haben wird.
Die durchschnittlichen jährlichen und monatlichen Niederschlagssummen sind im Berliner Raum innerhalb der letzten 100 Jahre weitestgehend konstant geblieben. Das Niederschlagsgeschehen hat sich jedoch dahingehend verändert, dass häufiger lange Trockenphasen auftreten, nach denen es zu Starkregenereignissen kommt.

WICHTIGE STUDIEN UND PROJEKTE

Im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung des Landes Berlin wurde 2009 die Studie „Klimawandel und Kulturlandschaft Berlin“ erstellt. Sie liefert einen Beitrag zur Verbesserung der notwendigen Informations- und Entscheidungsgrundlagen für Anpassungsmaßnahmen, die zur Bewältigung bereits nicht mehr vermeidbarer Klimawirkungen notwendig werden.

LÄNDERSPEZIFISCHE KLIMAMODELLE UND KLIMAPROJEKTIONEN

Im August 2008 wurde zwischen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Abteilung „Geoinformation, Referat Informationssystem Stadt und Umwelt“ und dem Deutschen Wetterdienst (DWD), Abteilung „Klima- und Umweltberatung“ eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Ziel dieses Pilotprojektes war und ist es, die räumliche Struktur und die Häufigkeit künftiger gesundheitlich relevanter Wärmebelastung zu bestimmen und für Berlin kleinräumig auszuprägen. Mit der Erweiterung des Stadtbioklimamodells UBIKLIM und den Flächennutzungsdaten des Informationssystems Stadt und Umland (ISU) der Senatsverwaltung von Berlin konnten detaillierte Bioklimakarten von Berlin und dem Berliner Umland berechnet werden. Diese berücksichtigen sowohl die lokale, im Wesentlichen durch die Flächennutzung bestimmte Ausprägung, als auch die regional übergreifenden klimatischen Bedingungen (Hintergrundbelastung). Um Aussagen über die künftigen bioklimatischen Verhältnisse zu gewinnen, wurde UBIKLIM mit Ergebnissen der Regionalmodelle REMO und WETTREG angetrieben.

Länderspezifische Klimafolgen und Vulnerabilität

BEOBACHTETE UND ERWARTETE KLIMAFOLGEN

Im Zuge der voranschreitenden Klimaerwärmung und verstärkt durch den städtischen Wärmeinseleffekt kommt es bereits jetzt in Berlin in den Sommermonaten zu hohen thermischen Belastungen. Das spiegelt sich deutlich in einer Zunahme der Tropennächte wider, die lokal sehr unterschiedlich ausgeprägt, jedoch generell häufiger zu verzeichnen sind. Ausbleibende Niederschläge haben zur Folge, dass sich Luftschadstoffe und Feinstaubpartikel anreichern und in Kombination mit erhöhten Temperaturen verstärkt gesundheitliche Risiken darstellen. Durch Starkregenereignisse kann die Qualität der Oberflächengewässer beeinträchtigt werden, indem es neben den üblichen oberflächlichen Einspülungen zu Überläufen der Mischwasserkanalisation kommt. Ebenso sind wichtige Infrastrukturen wie z.B. Verkehrsanlagen betroffen. Hier kommt es immer wieder zu Flutungen von U-Bahnhöfen und Tunneln. Auf Grundlage der bisherigen Klimaentwicklung und der aktuellen regionalen Klimaprojektionen ist davon auszugehen, dass sich die bislang zu beobachtenden Klimafolgen zukünftig verstärken werden.

WICHTIGE STUDIEN UND PROJEKTE

In einem „Ersten Bericht zum Klimawandel in Berlin“ aus dem Jahr 2009 werden Klima- und Entwicklungstrends für die Region Berlin-Brandenburg ausgeführt und Handlungserfordernisse für die Stadt Berlin in den Bereichen Stadtklima, Gesundheitswesen, Wasserwirtschaft, Biodiversität und Naturschutz sowie Land- und Forstwirtschaft abgeleitet

In der Studie „Klimawandel und Kulturlandschaft Berlin“ werden darüber hinaus konkrete Anpassungsempfehlungen gegeben, die zukünftig weiterentwickelt und in die gesamtstädtische räumliche Planung einbezogen werden können.

Um die Arbeits- und Entscheidungsgrundlagen in den Berliner Senats- und Bezirksverwaltungen zu verbessern, hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt – bundesweit erstmalig – ein neues Stadtbeobachtungssystem (Umweltgerechtigkeitsmonitoring) entwickelt. Dieses zweistufige kleinräumige Monitoringsystem besteht aus einem Kern- und einem Ergänzungsindikatorensatz und identifiziert die mehrfach belasteten Quartiere im Land Berlin. Der Kernindikatorensatz besteht aus den gesundheitsrelevanten Bereichen Lärmbelastung, Luftgüte, Grünflächenversorgung, soziale Problematik und Thermische Belastung. Die Aussagen zu den einzelnen Themenfeldern wurden auf einer Ebene zu einem Gesamtüberblick über die Umweltsituation im Land Berlin zusammengeführt. Die in diesem Zusammenhang entwickelte „Berliner Umweltgerechtigkeitskarte 2015“ kennzeichnet die Stadtbereiche, die aus umweltmedizinischer Sicht besonders belastet sind. Räume mit Mehrfachbelastungen werden gleichzeitig als vulnerable Gebiete im Hinblick auf den Klimawandel eingestuft. In diesem Zusammenhang – und mit Blick auf den Klimawandel – wurden auch die auf Berlin bezogenen Klimaprojektionen (2046 -2055) kleinräumig, das heißt quartiersbezogen ermittelt und als potentielle weitere Belastung in den Umweltgerechtigkeitsansatz einbezogen. Durch die integrierte Sichtweise des Berliner Umweltgerechtigkeitsansatzes können über die Ressortgrenzen hinaus gemeinsame Zielvorstellungen entwickelt und Handlungsfelder identifiziert werden, die dann durch klimabezogene Strategien, Maßnahmen und Projekte untersetzt werden.
Einen Überblick über das Thema bietet die Rubrik „Umweltgerechtigkeit“ auf der Internetseite der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz.

Link: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/umweltatlas/i901.htm
 

Anpassung

Politischer Rahmen

STRATEGIEPAPIERE ZUR KLIMAANPASSUNG UND AKTUELLE ENTWICKLUNGEN

Am 17.03.2016 wurde das Berliner Energiewendegesetz (EWG Bln) durch das Abgeordnetenhaus verabschiedet. Mit diesem Landesgesetz zur Umsetzung der Energiewende und zur Förderung des Klimaschutzes in Berlin wurde erstmals auch die Anpassung an die Folgen des Klimawandels als eine Aufgabe von Politik und Verwaltung festgeschrieben.

2016 wurde im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt ein Konzept zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels in Berlin (AFOK) erarbeitet. Darin wurden die auf einem Ensemble globaler und regionaler Klimaszenarien basierenden Klimaänderungen für Berlin in naher Zukunft (bis 2050) und ferner Zukunft (bis 2100) aufgezeigt. Vor diesem Hintergrund erfolgte eine Verwundbarkeitsanalyse, die in einem breiten Beteiligungsprozess erarbeitet wurde, bei dem Vertreter aus Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft und NGOs einbezogen worden waren. Dabei wurden systematisch die bisherigen Wirkungen von Witterungsereignissen und Wetterextremen zusammenzutragen und Handlungsbedarfe formuliert. Für neun identifizierte Handlungsfelder wurden daraufhin konkreten Anpassungsmaßnahmen formuliert, die dazu beitragen sollen, den Folgen des Klimawandels vorausschauend zu begegnen und Schäden weitestgehend zu vermeiden.
Die aus Verwaltungssicht kurz- und mittelfristig umsetzbaren Maßnahmen aus dem Anpassungskonzept wurden in das Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm (BEK) 2030 implementiert. Damit umfasst das BEK 2030 rund 100 Maßnahmen für die Bereiche Klimaschutz und Anpassung an die Folgen des Klimawandels, die im Zeitraum bis 2021 umgesetzt werden sollen. Der Senatsbeschluss zum BEK 2030 erfolgte am 20.06.2017. Der Beschluss des Berliner Abgeordnetenhauses zum BEK 2030 steht noch aus. Um die geplanten Maßnahmen zügig anschieben bzw. vorantreiben zu können, wird derzeitig ein Umsetzungskonzept zum BEK 2030 erarbeitet.

Der Stadtentwicklungsplan (StEP) Klima bietet einen Orientierungsrahmen für die räumlichen und stadtplanerischen Aspekte der Anpassung an den Klimawandel in Berlin. Aufbauend auf dem StEP Klima wurde mit dem StEP KONKRET ein Maßnahmenprogramm geschaffen, mit dessen Hilfe die Anpassung der städtischen Strukturen der wachsenden Stadt an die Folgen des Klimawandels realisiert werden kann. Ziel ist es, das Stadtwachstum von negativen Folgen auf das Klima zu entkoppeln. Das Hauptaugenmerk ist dabei auf einzelne Stadtstruktur- und Flächentypen gerichtet, für die konkrete Maßnahmen und Optimierungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Die Ergebnisse des StEP KONKRET wurden in Form einer Broschüre veröffentlicht.

Die Ergebnisse des EFRE-Vorhabens „Stadtklima Berlin“ (Langtitel: „GIS-gestützte Modellierung von stadtklimatisch relevanten Kenngrößen auf der Basis hochaufgelöster Gebäude- und Vegetationsdaten“) repräsentieren den Baustein „EFRE_Stadtklimakarte Berlin“ der Klimaanpassungsstrategie Berlin. Die Planungshinweiskarte Stadtklima 2016 ist über das Geoportal Berlin verfügbar. Karten und Dokumentation sind direkt über folgende Links erreichbar: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/umweltatlas/ib411.htm
Die Darstellung der neuen Bewertungskarten und die Sachdaten für das Medium Stadtklima werden ergänzt durch einen Katalog von 30 individuellen Maßnahmenvorschläge sowie ein Begleitdokument, in welchem neben methodischen Erläuterungen vor allem diese Maßnahmen, die den einzelnen Flächen der digitalen Grundkarte sowie dem Straßenraum zugeordnet sind, erläutert werden. Alle Daten sind via WFS verfügbar.
Mit der Online-Stellung der für die Bewertung entscheidenden Analysedaten sind für jeden thematischen Rasterdatensatz rund 17 Millionen Einzeldaten in der Auflösung von 10 * 10 m² für Berlin und das einbezogene Umland verfügbar. An einem weiteren Auftrag zur Ableitung von klimatologischen Kennwerten für die Zeiträume (2011-20140, 2041-2070, 2071-2100) wird gearbeitet.

Am 19.07.2016 haben das Brandenburger Kabinett und der Berliner Senat auf Empfehlung der Gemeinsamen Landesplanungskonferenz den Entwurf des Landesentwicklungsplanes Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg (LEP HR) zur Kenntnis genommen und die Gemeinsame Landesplanungsabteilung der Länder Berlin und Brandenburg mit der Durchführung des Beteiligungsverfahrens beauftragt. Die Beteiligung begann am 15. September 2016 und endete am 15. Dezember 2016. Nach Aufbereitung und Prüfung der zum Planentwurf eingegangenen Anregungen und Bedenken soll durch die beiden Landesregierungen und ggf. eine 2. Auslegung der Planentwurf weiterentwickelt und als Rechtsverordnung festgesetzt werden.
Der LEP HR soll als übergeordnetes, überörtliches und zusammenfassendes Planungsinstrument eine wichtige Grundlage für die Raumordnung und für alle nachfolgenden raumbedeutsamen Planungen und Maßnahmen bilden. Damit sollen mögliche Konflikte vermieden und bestehenden Chancen genutzt werden, die sich beispielsweise hinsichtlich des Klimawandels und der Energiewende ergeben.

MONITORING- ODER EVALUATIONSPROZESSE DER STRATEGIEN

Um Anpassungsmaßnahmen zielgerichtet durchzuführen zu können und Fehlentwicklungen zu vermeiden, wurde ein auf Indikatoren basierendes Klimafolgenmonitoring errichtet. Dabei dienen sogenannte State-Indikatoren der Zustandsbeschreibung klimatischer Parameter (Temperatur, Niederschlag, Temperaturkenntage) in der Vergangenheit und Gegenwart und sind so Grundlage für abzuleitende Entwicklungstrends. Mit Hilfe von Impact-Indikatoren sollen eingetretene Klimafolgen frühzeitig erkannt werden. Bislang umfasst das Monitoring 14 Impact-Indikatoren aus den Handlungsfeldern Boden, Luft, Gesundheit, Naturschutz/Biodiversität, Forstwirtschaft, Stadt-/Landschaftsplanung. Die Auswahl der Indikatoren erfolgte ohne Gewichtung und ist auf die jeweilige Datenverfügbarkeit zurückzuführen. Der Erste Sachstandsbericht zum Klimafolgenmonitoring des Landes Berlin ist im Oktober 2016 auf der Internetseite der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt veröffentlicht worden. Das Monitoring soll zukünftig fortgeführt und erweitert werden.

Um die im Rahmen des BEK 2030 ergriffenen Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung zukünftig hinsichtlich ihrer Umsetzung und Effizienz überprüfen zu können, wird zurzeit ein digitales Monitoring- und Informationssystem (diBEK) entwickelt, das in 2018 auf der Internetseite der für Klimaschutz zuständigen Senatsverwaltung online gestellt werden soll.

Länderspezifische Anpassungsmaßnahmen

WICHTIGE STUDIEN UND PROJEKTE ZU ANPASSUNGSOPTIONEN/-MASSNAHMEN

Die deutliche Zunahme von Extremwetterereignissen wie beispielsweise heiße Tage, Tropennächte und Starkniederschläge nach langen Trockenphasen stellen Politik und Verwaltung vor enorme Herausforderungen.
Mit dem in 2011 vom Berliner Senat beschlossenen StEP Klima werden bereits Handlungsempfehlungen für die räumliche Planung gegeben. Diese werden im 2015/2016 erarbeiteten StEP Klima KONKRET aktualisiert und auf die Herausforderungen der wachsenden Stadt fokussiert. Mit Hilfe der seit 2016 vorliegenden Planungshinweiskarte Stadtklima ist es möglich, Handlungsempfehlungen für blockscharfe Erfordernisse auszugeben. Das in 2016 erstellte AFOK betrachtet keine räumliche, sondern eine sektorale Perspektive. Mit Hilfe von Maßnahmenvorschlägen und dem Verweis auf strategische Ansatzpunkte wird das Ziel verfolgt, eine Verbesserung der Anpassungsfähigkeit natürlicher, gesellschaftlicher und ökonomischer Systeme und den Erhalt der Funktionsfähigkeit städtischer Infrastrukturen sowie den Erhalt der urbanen Lebensqualität zu gewährleisten.

SCHLÜSSELMASSNAHMEN IN DEN AKTIONSPLÄNEN

Im AFOK wurden für 9 Handlungsfelder konkrete Maßnahmenvorschläge zur Klimaanpassung formuliert:

  • Gesundheit und Bevölkerungsschutz

Hier wurde in erster Linie auf die Notwendigkeit eines angepassten Frühwarnsystems eingegangen, mit dem die betroffenen Personengruppen erreicht werden können. Darüber hinaus wurde die Relevanz von Beratungsangeboten für Betroffene und betreuende Stellen hervorgehoben sowie der Forschungsbedarf zu klimabedingten Gesundheitsrisiken.

  • Gebäude, Stadtentwicklung, Grün- und Freiflächen

Die Maßnahmen zielen auf eine klimatische Qualifizierung der Stadtoberfläche ab. Dabei sollen klimatische Entlastungsräume gesichert und qualifizierte Frei- und Grünflächen (auch in Form von Fassaden- und Dachbegrünungen) geschaffen werden. Bessere Informationen für Mieter und Wohneigentümer können dazu beitragen, den Gebrauch konventioneller Klimaanlagen einzuschränken. Darüber hinaus wurde angeregt, bei starker Hitze der Bevölkerung öffentlich zugängige gekühlten Räumen anzubieten.

  • Wasserhaushalt und Wasserwirtschaft

Die Maßnahmen zielen auf eine Anpassung der Infrastruktur sowohl an Starkregenereignisse, als auch an Trockenheit und Hitze ab. Das soll beispielsweise durch eine überflutungstaugliche Gestaltung der Oberflächen erreicht werden. Bei Starkregen können so größere Wassermengen aufgenommen werden. Nicht versickertes Wasser kann bei Hitze verdunsten und zur Kühlung beitragen. Weiterhin wurde der Ausbau des Trinkbrunnennetzes angeregt.

  • Umwelt und Natur

Im Zusammenhang mit einem vorsorgenden Bodenschutz wurde auf die Notwendigkeit der Schaffung eines Berliner Bodenmonitorings und der Fortschreibung des Moormonitorings verwiesen. Bereits ergriffene Schutz- und Renaturierungsmaßnahmen von Moorstandorten sollen fortgeführt und ausgeweitet werden. Die Sicherung, Pflege und Entwicklung der Berliner Wälder soll durch einen Ausbau des forstlichen Umweltmonitorings gewährleistet werden. Für zielgerichtete Schutzmaßnahmen wurde eine generelle Überprüfung bestehender Schutzgebiete empfohlen. Bei Pflanzungen im Stadtgrün sollte auf standortangepasste und klimaresiliente Arten geachtet werden. Darüber hinaus wurde die Einrichtung eines Flächenpools, bzw. Ökokontos angeregt.

  • Energie- und Abfallwirtschaft

Mit den zunehmend heißer werdenden Sommern wird die Nachfrage nach Gebäudekühlung ansteigen. Im Interesse des Klimaneutralitätsziels müssen energieeffiziente Kühlsysteme entwickelt und alternative passive Maßnahmen (z.B. Verschattung, Verdunstungskälte) genutzt werden. Hinsichtlich der Energieinfrastruktur wird eine Optimierung der Netze und Speicher empfohlen. Notfallpläne sollen eine störungsfreie Stromversorgung gewährleisten. Bei der Abfallwirtschaft steht nach wie vor die Abfallvermeidung im Fokus. 

  • Industrie, Gewerbe und Finanzwirtschaft

Durch die Folgen des Klimawandels können Gebäude und Anlagen betroffen sein, wirtschaftliche Abläufe beeinträchtigt und die Arbeitsproduktivität der Beschäftigten vermindert werden. Mit Hilfe von zu entwickelnden betrieblichen und branchenspezifischen Klimaanpassungskonzepten sollen diese Risiken vermieden, bzw. weitestgehend vermindert werden. Es wurde darauf verwiesen, dass flexibilisierte Arbeits- und Öffnungszeiten sowohl dem Schutz der Beschäftigten dienen, als auch eine Chance für die Berliner Wirtschaft sein können.

  • Verkehr

Vor dem Hintergrund der Gesundheitsvorsorge ist ein umweltgerechter Verkehrsträgermix anzustreben, um so die Stickoxid-Emissionen aus dem motorisierten Individualverkehr zu minimieren. Mit steigenden Temperaturen steigt die Zahl der Straßenverkehrsunfälle, in die Fahrradfahrer involviert sind, an. Konkrete Sicherheitsmaßnahmen sollen den Schutz der Radfahrer gewährleisten und das Fahrrad weiterhin als lukratives Verkehrsmittel erscheinen lassen. Der ÖPNV soll durch angenehm temperierte Fahrzeuge die Alternative zum Individualverkehr sein. Um Verkehrsbeeinträchtigungen durch Starkregenereignisse zu vermeiden, müssen Straßenentwässerungen entsprechend angepasst werden.

  • Tourismus, Kultur und Sport

Im Bereich Kultur und Sport wird auf eine tageszeitliche Anpassung von Trainings und Veranstaltungen verwiesen. Darüber hinaus wird angeregt, dass bei Großveranstaltungen in den Sommermonaten kostenlos Trinkwasser ausgegeben wird. Um der „Überflutung“ von Sportplätzen bei Starkregen entgegenzuwirken, wird eine Einrichtung von Drainagesystemen empfohlen.

  • Bildung

Eine wesentliche Maßnahme ist die Ertüchtigung der Schulgebäude für die Erfordernisse im Zuge des Klimawandels. Darüber hinaus wurde als besonders wichtig herausgestellt, dass die Themen Klimawandel und Anpassung an dessen Folgen in das Bildungsangebot von Vorschulen, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen aufgenommen wird, um eine Sensibilisierung für dieses Thema zu erreichen.

Im StEP Klima sind vier Handlungsfelder mit zahlreichen Anpassungsmaßnahmen definiert:

  • Bioklima im Siedlungsraum:

    Pflege und Pflanzung von Bäumen, Erhaltung und Schaffung von Grün- und Freiflächen, Fassaden- und Dachbegrünung, Nutzung von Verschattung und Kühlung bei Neubauten, Erhöhung der Albedo durch geeignete Materialien und Farben, Sicherung von Kaltluftentstehungsgebieten,

  • Grün- und Freiflächen:

    Ausbau des Grünflächenmanagements, Gestaltung versickerungsoffener Grünflächen, Nachrüstung von Bewässerungsanlagen für Grünflächen, Pflanzung hitze- und trockenstresstoleranter Gehölze, Waldumbau und naturgemäße Waldbewirtschaftung, Wassermanagement für Moore und Feuchtgebiete, Vernetzung von Grün- und Freiflächen,

  • Gewässerqualität und Starkregen:

    Umsetzung der EG-WRRL, Erarbeitung von Entwicklungskonzepten für Berliner Gewässer, Realisierung und Umsetzung des „Handlungskonzepts der Bundesländer Berlin und Brandenburg zur Reduzierung der Nährstoffbelastungen“, Schutz und Renaturierung von Uferbereichen, Verbesserung von Gewässerhabitaten, Entwicklung und Einsatz innovativer Technologien bei der Regenwasserreinigung, Verringerung der Überläufe der Mischkanalisation, Verringerung des Oberflächenabflusses,

  • Klimaschutz:

    Energetisch optimierte Planung und Realisierung von Neubauten, energetische Sanierung des Gebäudebestandes, Nutzung geeigneter Flächen für die Erzeugung regenerativer Energien, Erhaltung und Renaturierung von Mooren und Feuchtgebieten, qualitative Verbesserung von Grünflächen im Siedlungsbereich, naturgemäße Waldwirtschaft und Waldumbau.

    Mit dem ergänzenden StEP Klima KONKRET ist eine Fokussierung auf ein wirkungsvolles Regenwassermanagement vorgenommen worden, das nach dem Prinzip der Schwammstadt dafür Sorge trägt, dass die Stadt mittels Evaporation gekühlt und gleichzeitig durch Retention eine Überlastung der Kanalisation vermieden wird.

Lokale Maßnahmen

Projekt: „Entsiegelungspotentiale in Berlin“ (Umweltatlas Berlin, 01.16 Entsiegelungspotenziale)

Das Projekt hat die Erfassung und Bewertung von Flächen mit Entsiegelungspotenzial zum Inhalt und soll dazu dienen, Flächen im Land Berlin aufzufinden, die in absehbarer Zukunft dauerhaft entsiegelt werden können. Dabei soll durch eine gesamtstädtische Erfassung und einheitliche Systematik bei der Bewertung eine räumliche Entkopplung zwischen den Orten der Beeinträchtigung und der Aufwertung erreicht werden.
In den Projektphasen der Jahre 2010-2012 erfolgte eine Zusammenfassung der recherchierten Daten in einer Datenbank und deren Kartierung (Umweltatlas Berlin, 01.02 Versiegelung).
Aktuell geplant ist die Entwicklung einer „Handreichung zur Wiederherstellung der natürlichen Bodenfunktionen nach einer Entsiegelungsmaßnahme“.

Projekt: „Berliner Moore im Klimawandel – Entwicklung einer Anpassungsstrategie zur Sicherung ihrer Ökosystemdienstleistungen“

Das Projekt wurde von 2011 bis 2015 am Fachgebiet für Bodenkunde und Standortlehre der Humboldt-Universität zu Berlin realisiert. Ziel des Projektes war eine Abbildung der aktuellen Gefährdungssituation, das Aufzeigen des Umweltentlastungspotenzials Berliner Moore und eine Darstellung interdisziplinärer Lösungsansätze. Dazu erfolgte eine flächendeckende Erfassung und bodenkundliche Beurteilung aller Moorgebiete in Berlin. Mithilfe eines im Rahmen des Projektes entwickelten Indikatorensystems können die verschiedenen Ökosystemleistungen auf der Grundlage von Boden- und Vegetationsmerkmalen sowie verschiedenen Standorteigenschaften differenziert bewertet und Handlungsschwerpunkte konkretisiert werden. Die Ergebnisse des Projektes wurden auf folgender Website veröffentlicht: http://www.berlinermoore.hu-berlin.de/

Leuchtturmprojekt: Am 13. April 2017 wurde im Berliner Grunewald die Ausstellung "Wald.Berlin.Klima." eröffnet. Entlang eines ca. 4 km langen Wald-Rundweges wurden Informationsinseln angelegt, sogenannte "Waldwohnzimmer", die über die Zusammenhänge zwischen Klimawandel, Wald und der Bedeutung für die Großstadt Berlin informieren und den Besuchern einen Einblick in die Arbeit der Berliner Förster geben. Übergeordnetes Thema der Ausstellung ist die Anpassung der Berliner Wälder an den Klimawandel. Die Umgestaltung der Kiefernbestände zu Mischwäldern unter konsequenter Weiterentwicklung der naturnahen Waldbewirtschaftung (Berliner Mischwaldprogramm) werden genauso erklärt, wie die Bedeutung von Mooren und Wäldern als CO2-Senke.

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