Handlungsfeld Verkehr

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Wetterextreme beeinträchtigen Verkehr und Verkehrsinfrastruktur.
Quelle: Christian Müller/fotolia.com

Der Klimawandel wirkt sich sehr unterschiedlich auf die verschiedenen Bereiche der Natur und Gesellschaft aus. Auch die daraus resultierenden Anpassungsmaßnahmen unterscheiden sich. Mehr zu den Auswirkungen auf den Verkehr und die Verkehrsinfrastruktur und möglichen Anpassungsoptionen lesen Sie hier.

Klimafolgen

Inhaltsverzeichnis

 

Niederschlag

Zunehmender Stark- und Dauerregen kann Auswirkungen auf den Verkehr haben: Zum einen führt Hochwasser als direkte Folge solcher Wetterphänomene zu Überschwemmungen von Straßen und Schienen. Verkehrsleitsysteme wie Ampeln und Signale nehmen Schaden und Verkehrswege werden unterspült. Derartige Unterspülungen mindern die Stabilität von Bahndämmen, Gleisbetten und Straßen.

Starkregen und Hochwasser beeinflussen auch die Bodenstabilität und können so Massenbewegungen auslösen. Murenabgänge und Bodenrutschungen beschädigen oder zerstören Verkehrsinfrastruktur und -leitsysteme. Außerdem kann zunehmende Bodenfeuchte die Stabilität von Brücken und Tunneln gefährden.

Nicht zuletzt beeinträchtigt Starkregen auch die Fahrsicherheit und die Pünktlichkeit auf Straßen und Schienen. Plötzliche starke Regenfälle setzen zum Beispiel die Sichtweite der Verkehrsteilnehmer deutlich herab.

 

Temperatur

Sowohl Frost als auch Hitze wirken auf Verkehrsinfrastruktur und -teilnehmer ein und können die Sicherheit der verschiedenen Verkehrsarten gefährden. Hohe Temperaturen führen zum Beispiel zu Material- und Strukturschäden an Straßenbelag und Schienen. Auch die Stabilität von Brücken kann durch Hitze beeinträchtigt werden (thermische Expansion).

Mit den steigenden Temperaturen verlängert sich die Vegetationsperiode von Laubbäumen. Das bedeutet, dass Bäume an Schienen und Straßen schneller wachsen und im Herbst mehr Laub verlieren. Die Folge sind Gleitfilme auf Gleisen und Straßen und mit ihnen verlängerte Bremswege.

Hitzewellen in Verbindung mit Trockenheit, wie sie künftig voraussichtlich häufiger auftreten werden, erhöhen das Risiko von Vegetations-, Böschungs- und Schwellenbränden entlang von Schienen und Straßen. Des Weiteren beeinflusst Hitze neben Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit auch die Gesundheit von Verkehrsteilnehmern und Passagieren. Die Gefahr von Unfällen steigt.

Hitzewellen können zudem die Binnenschifffahrt einschränken. In den letzten Jahren hat sommerliches Niedrigwasser in Deutschland bereits mehrfach die Schifffahrt in einigen Flüssen behindert oder sogar unterbrochen. Selbst geringes Niedrigwasser kann dazu führen, dass Schiffe nicht mehr voll beladen werden können. Auch bei Hochwasser muss die Schifffahrt eingestellt werden.

Verkehrsbeeinträchtigungen aufgrund von Frost, Schnee und Eis können mit dem Klimawandel hingegen abnehmen, denn insgesamt ist mit weniger Frosttagen zu rechnen. Allerdings verschleißen die häufigeren Wechsel zwischen Frosttagen und Tagen ohne Frost Straßenbelag und Schienen.

 

Weitere Extremwetterereignisse

Wenn häufigere und intensivere Stürme zunehmende Gewitteraktivität und Blitzschlag mit sich bringen, kann dies zu Ausfällen von oder Schäden an Signalen und anderen elektronischen Verkehrsleitsystemen führen. Hochragende Anlagen wie Oberleitungen und Verkehrsschilder sind naturgemäß besonders empfindlich gegenüber Stürmen. Starke Winde können den Verkehr auch durch auf Fahrbahnen und Schienen gewehte Äste und andere Gegenstände unterbrechen.

Meeresspiegelveränderungen

Vor allem für den Schiffsverkehr sind der Meeresspiegelanstieg und häufigere Sturmfluten ein Problem, da Häfen und maritime Einrichtungen beschädigt werden können. Höhere Wasserstände können dazu beitragen, dass Häfen häufiger und stärker überflutet werden. Betriebsunterbrechungen und eine stärkere statische Belastung der Hafenanlagen sind die Folge. Meeresspiegelanstieg und Sturmfluten können auch den Landverkehr beeinträchtigen, wenn Trassen und Verkehrswege beschädigt werden oder gar verlegt werden müssen.

Wenn Sie sich für mögliche Anpassungsmaßnahmen im Handlungsfeld Verkehr interessieren, klicken Sie bitte hier.

 

Quellen

Anpassung

Technische Maßnahmen

Technische Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel spielen für die Verkehrsinfrastruktur eine wichtige Rolle. Hier liegt viel Potenzial, um die Infrastruktur auf Klimaänderungen vorzubereiten und Schäden vorzubeugen. Viele Anpassungsmaßnahmen sind bereits mit dem gegenwärtig vorhandenen Wissen umzusetzen und sollten in die Instandhaltungsplanung integriert werden.

Technische Maßnahmen für den Umgang mit hohen Temperaturen können beispielsweise die Verwendung von hitzebeständigen Asphaltmischungen und endlos verschweißten Schienen sowie eine verbesserte Kühlung der elektronischen Bestandteile von Infrastrukturen sein. Investitionen in den Schutz gegen Fahrbahnvereisung sind hingegen langfristig aufgrund der voraussichtlichen Reduktion von Frosttagen weniger notwendig.

Um Schäden durch Starkregenereignisse vorzubeugen, muss vor allem die Planung und Dimensionierung von Entwässerungsanlagen angepasst werden. Dies betrifft Drainage- und Pumpanlagen für Tunnel, Brücken und Straßen. In Gebieten, die von Erd- oder Hangrutschungen gefährdet sind, können Hangbefestigungen Streckenteile bei Starkregen schützen. Durch Wasser auf Straßen bedingte Risiken können durch ein Ausfräsen von Spurrillen oder eine angepasste Straßenführung vermieden werden.

Anpassungsmaßnahmen an Stürme können Planungs- und Baustandards beinhalten. Zum Beispiel kann das Design von Brücken so angepasst werden, dass die Verbindung zwischen Fahrbahn und Fundamentkonstruktion verbessert wird. Hierfür werden Baumaterialien mit erhöhter Stabilität benötigt. Zusätzlich können Schutzwälder und -wälle an Straßen und Schienen zur Vorsorge beitragen.

Der Anstieg des Meeresspiegels kann zudem die küstennahe Verkehrsinfrastruktur gefährden. Hier empfiehlt sich, die Verlagerung von Trassen zu erwägen und Ausweichrouten einzuplanen.

Ökosystemare Maßnahmen

Ökosystemare Maßnahmen spielen bei der Anpassung der Verkehrsinfrastruktur eine untergeordnete Rolle. Beim Umgang mit zunehmenden Starkwindereignissen und Stürmen können die Anpassung der Baumarten und der Vegetationszusammensetzung an Trassen helfen. Möglich ist zum Beispiel das Pflanzen von anderen Baumarten, um die Gefahr von Baumfall zu verringern. Eine stärkere Vegetationskontrolle kann dazu beitragen, Böschungsbränden vorzubeugen. Zudem können größere Schneisen ohne Bepflanzung in beiden Fällen helfen. Allerdings kann hier ein Zielkonflikt entstehen, da die Vegetation an Straßen und Schienen grundsätzlich die wichtige Funktion der Beschattung erfüllt, die entscheidend dazu beiträgt, dass Verkehrswege und Fahrzeuge vor Überhitzung geschützt werden. Gesunde Schutzwälder schirmen Fahrzeuge zudem vor Sturmböen ab.

Rechtliche, politische und Management-Maßnahmen

Rechtliche, politische und Management-Maßnahmen unterstützen die Anpassung des Verkehrssektors an die Folgen des Klimawandels in drei Bereichen: In der Planung (Neubau), im Infrastrukturbestand (vorbeugend) und zur Bewältigung von Wetterschäden (nachträglich). Da sowohl der private Sektor als auch die öffentliche Hand für die Verkehrsinfrastruktur zuständig sind, müssen Verantwortlichkeiten und Aufgaben angemessen verteilt werden. Nur so kann umgangen werden, dass die Verkehrsinfrastruktur, die zu den Kritischen Infrastrukturen zählt, dauerhaft geschädigt wird.

Da allerdings die Klimafolgen für diesen Sektor bislang noch ungenügend erforscht sind, ist ein Ausbau der Wissensgrundlage wichtig. Dazu gehört auch ein angepasstes Monitoring der Infrastruktur.

Einzelne Verkehrsträger stehen speziellen Herausforderungen gegenüber. So muss vor allem die Seeschifffahrt Überwachungs-, Vorhersage- und Warndienste erweitern und das Risikomanagement sowie die technischen Anforderungen für Schiffe und Hafeninfrastruktur anpassen. Denn infolge des Klimawandels werden Sturmereignisse und stärkerer Seegang wahrscheinlicher. Mit Blick auf die Binnenschifffahrt ist Anpassung bei der Unterhaltung der Wasserstraßen an mögliche Niedrigwasserstände notwendig.

Zusätzlich ist die öffentliche Hand gefragt, Richtlinien und Regelwerke zu überarbeiten. Dies betrifft unter anderem Richtlinien des Katastrophenmanagements, der Notfallrettung, Bau- und Planungsentscheidungen sowie weitere Normen und Standards. Dabei ist eine verbesserte Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Industrie, Verbänden und Behörden wichtig.

Auch organisatorische Maßnahmen können zur Anpassung des Verkehrssektors beitragen:

  • Monitoring von Schäden
  • Verkürzung der Intervalle für Wartung und Instandhaltung
  • Ersatz geschädigter Verkehrsinfrastruktur
  • Risiko- bzw. Betroffenheitsanalyse für den Infrastrukturbestand
  • Risikokartierung für Extremwetterereignisse
  • Vorbereitung auf Ausfälle

Durch verbesserte Kommunikation kann darüber hinaus das Problembewusstsein bei allen Akteuren und Verkehrsteilnehmern gesteigert und so Eigenvorsorge und die Akzeptanz von Anpassungskosten erhöht werden.

Wenn Sie sich für die konkreten Folgen des Klimawandels im Handlungsfeld Verkehr interessieren, klicken Sie bitte hier.

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