Handlungsfeld Landwirtschaft

Stopelacker mit landwirtschaftlichem Anhänger der mit Strohballen beladen ist - im Vordergrund steht noch eine einzelne Ährezum Vergrößern anklicken
Veränderungen des Niederschlags im Zuge des Klimawandels wirken sich auf die Landwirtschaft aus.
Quelle: suze / photocase.com

Der Klimawandel wirkt sich sehr unterschiedlich auf die verschiedenen Bereiche der Natur und Gesellschaft aus. Auch die daraus resultierenden Anpassungsmaßnahmen unterscheiden sich. Mehr zu den Auswirkungen auf die Landwirtschaft und möglichen Anpassungsoptionen lesen Sie hier.

Klimafolgen

Inhaltsverzeichnis

 

Niederschlag

Im Zuge des Klimawandels verändern sich in Deutschland Niederschlagsmenge und -verteilung. Dies wirkt sich direkt auf die zeitliche und die regionale Verfügbarkeit von Wasser aus. Veränderte Niederschläge führen zu Schwankungen im Bodenwasser- und im Grundwasserhaushalt. Dadurch werden die Bodengüte sowie die Produktivität von Agrarflächen beeinflusst. Steigen gleichzeitig die Temperaturen, werden die Folgen für die landwirtschaftliche Produktion noch verstärkt.

Vor allem in Südwestdeutschland und Teilen der östlichen Bundesländer ist als Folge des Klimawandels mit abnehmenden Niederschlagsmengen im Sommerhalbjahr zu rechnen. In diesen bereits heute vergleichsweise warmen oder trockenen Regionen wird der Klimawandel für die Landwirtschaft zunehmend problematisch. Die Szenarien der Klimaforschung gehen von einem Rückgang der Sommerniederschläge um bis zu 30 Prozent bis 2080 aus. Hitze- und Trockenschäden können sowohl den Ertrag als auch die Qualität der Ernte mindern.

Auch ein Übermaß an Regen aufgrund des Klimawandels kann Folgen für die Landwirtschaft haben, da zu viel Nässe ebenso wie Trockenheit das Pflanzenwachstum negativ beeinflusst.

 

Temperatur

Auch die Anzahl der heißen Tage wird infolge des Klimawandels deutlich zunehmen. Diese Temperaturänderungen wirken sich vielfältig auf die Landwirtschaft aus: Sie haben Folgen für Vegetations- und Wachstumsperioden von Feldfrüchten, für die Pflanzen- und Tiergesundheit und somit für die Produktivität der gesamten Agrarwirtschaft.

Als Folge der steigenden Temperaturen ist mit der Verbreitung von Pflanzenkrankheiten und bisher nur in wärmeren Gebieten heimischen Schädlingen zu rechnen. Dies hat zum Beispiel Auswirkungen auf den Obstanbau. So hat insbesondere in Südwestdeutschland die Pilzkrankheit Apfelschorf bereits jetzt zu hohen Qualitätseinbußen und Ertragsverlusten geführt. Befallene Pflanzen sind weniger resistent gegenüber Wasser- und Temperaturstress und damit noch verwundbarer gegenüber den Folgen des Klimawandels.

Durchschnittlich höhere Temperaturen und mildere Winter führen zu einer Verschiebung von Anbaugebieten in Richtung Norden sowie zu veränderten Vegetations- und Wachstumsperioden von Pflanzen. Vor allem weniger Frosttage im Frühjahr können zu einem früheren Wachstumsbeginn führen. Der Anbau neuer Sorten, insbesondere von Wärme liebenden Arten wie Mais oder Hirse, wird möglich. Speziell Anbaugebiete in Norddeutschland und in Mittelgebirgslagen, die heute vergleichsweise kühl und feucht sind, können von diesen Entwicklungen profitieren. Dort ist bei einem moderaten Temperaturanstieg und einer ausreichenden Wasserversorgung mit einem erhöhten Ertragspotenzial für viele Fruchtarten zu rechnen.

Einige Pflanzenarten können durch den Klimawandel jedoch auch in ihrem Wachstum gestört werden. So sind beispielsweise einige Getreidepflanzen wie der Weizen während der Blüte äußerst empfindlich gegenüber Hitze. Temperaturen über 30 Grad Celsius in diesem Zeitraum können zu einem starken Ertragsabfall führen.

Die Produktivität der Tierhaltung und die Tiergesundheit sind in Deutschland zunehmend durch sogenannte vektorübertragene Krankheiten gefährdet. Das sind Krankheiten, die durch Schädlinge oder Parasiten übertragen werden. Mit steigenden Temperaturen und selteneren Frosttagen können diese sich neue Lebensräume erschließen. So breiten sich auch die von ihnen übertragenen Krankheiten aus. In den letzten Jahren haben zum Beispiel bestimmte Mückenarten die Blauzungenkrankheit und das Schmallenberg-Virus verbreitet.

Mit dem Klimawandel nimmt auch für das Nutzvieh der Hitzestress zu. Insbesondere Milchkühe sind aufgrund ihrer hohen Stoffwechselleistung und der damit einhergehenden Wärmeproduktion empfindlich gegenüber Temperaturänderungen. Zunehmende Wärme kann daher zu Ertragseinbußen in der Milchwirtschaft führen. Eine verminderte Qualität der Futtermittel durch Klimafolgen im Bereich der Agrarwirtschaft verstärkt diesen Trend noch.

 

Extreme Wetterereignisse

Experten gehen davon aus, dass Wetterextreme wie Trocken- und Dürreperioden, Starkniederschläge, Hagel und Gewitter in Deutschland in den nächsten drei Jahrzehnten mit hoher bis sehr hoher Wahrscheinlichkeit zunehmen. Lediglich die Zunahme der Stürme ist weniger gewiss. Extreme Hitze, Frost oder anhaltende Trockenheit sowie übermäßige Nässe führen zu erheblichen Ertragsausfällen. Besonders stark sind die Auswirkungen, wenn Temperatur- oder Wasserstress während empfindlicher Wachstumsphasen von Pflanzen auftreten, etwa während der Blattbildung.

Starkregen geht zudem mit verstärktem Oberflächenabfluss und daher häufig mit Bodenerosion einher oder verursacht durch Hochwasser Schäden an landwirtschaftlicher Infrastruktur. Auch Sturm kann fruchtbaren Oberboden abtragen.
Die steigende Variabilität (von Jahr zu Jahr sehr unterschiedliche Wetterlagen) und vermehrte Extremwetterereignisse können generell zu stärkeren Ertragsschwankungen führen und die Anpassung  erschweren.

 

CO2-Düngung

Mehr Kohlendioxid (CO2) lässt Pflanzen besser wachsen. Die Wirkung ist jedoch nicht bei allen Pflanzen gleich. Für die Landwirtschaft sind insbesondere C3- und C4-Pflanzen von Bedeutung, die sich in ihrer Blattanatomie und beim Stoffwechselvorgang während der Photosynthese unterscheiden. C4-Pflanzen können Kohlenstoff besser binden.

Die meisten in Deutschland angebauten Nutzpflanzen zählen zu den C3-Pflanzen, zum Beispiel Weizen, Zuckerrübe und Kartoffel. Für sie gilt bei normalen Temperatur- und Lichtverhältnissen, dass die Photosyntheseleistung umso höher ist, je höher die CO2-Konzentration in der Luft ist. Bei Hitze oder Trockenheit lässt dieser Effekt jedoch nach.

Im Vergleich dazu besitzen C4-Pflanzen – wie Mais, Zuckerrohr und Hirse meist tropischer oder subtropischer Herkunft – die Möglichkeit, selbst geringere CO2-Konzentrationen in der Luft zu nutzen. Damit sind sie unter Hitze- und Trockenstress den C3-Pflanzen überlegen. Eine Veränderung des CO2-Gehalts in der Luft zeigt kaum Auswirkungen auf ihr Wachstum.

CO2-Veränderungen beeinflussen also das Wachstum einiger Pflanzenarten positiv. Zudem profitieren sowohl C3- als auch C4-Pflanzen von einem Effekt, der bei hoher atmosphärischer CO2-Konzentration ihre Effizienz bei der Wassernutzung verbessert. Dies könnte bei sinkender Wasserverfügbarkeit von Bedeutung sein. Insgesamt wird jedoch davon ausgegangen, dass beide Effekte die limitierenden Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft nicht ausgleichen können.

Wenn Sie sich für mögliche Anpassungsmaßnahmen im Handlungsfeld Landwirtschaft interessieren, klicken Sie bitte hier.

 

Quellen

Anpassung

Technische Maßnahmen

Für die Anpassung an den Klimawandel in der Landwirtschaft sind vor allem technische Maßnahmen relevant, die Wettervorhersagen und Warnsysteme verbessern. Sie ermöglichen den Landwirten, sich rechtzeitig auf Wetterveränderungen und Extremereignisse einzustellen und Schutzmaßnahmen einzuleiten.

Pflanzen und Tiere können durch technische Maßnahmen auch direkt geschützt werden, vor allem vor Extremwetterereignissen. So hilft das Spannen von Netzen über Obstbäume oder Weinreben, diese vor Schäden durch Hagel zu schützen. Eine zusätzliche Hagelversicherung ist für besonders wertvolle Kulturen empfehlenswert. Bewässerung von Pflanzen bei Hitze kann den steigenden Wasserbedarf decken. Eine angepasste Tröpfchen-Bewässerung kann zudem zum Wassersparen beitragen. Um Nutzvieh vor Hitze zu schützen, können Ställe mit ausreichender Wärmedämmung und hellen Dachflächen ausgestattet werden.

Ökosystemare Maßnahmen

Ökosystemare Maßnahmen sind von besonderer Bedeutung für die Anpassung an den Klimawandel in der Landwirtschaft. Mit veränderten Aussaatterminen kann beispielsweise der Verschiebung von Jahreszeiten begegnet werden: Sommergetreide sollte früher ausgesät werden, um die Bodenfeuchte des Frühjahrs zu nutzen. Wintergetreide hingegen sollte später im Jahr gesät werden, damit die für das Getreide wichtige Kältephase nicht zu spät eintritt. In den Übergangsphasen kann der Einsatz von tief wurzelnden Kulturen, beispielsweise Gräsern, die Gefahr von Trockenschäden im Sommer reduzieren und den Boden gegen Erosion schützen.

Auch die Auswahl des Saatguts sollte an die Klimaveränderungen angepasst werden. Vor allem Sorten, die weniger anfällig gegen Trockenstress sind und sich generell als robust gegenüber Schädlingen und Klimaschwankungen erweisen, sind geeignet, dem Klimawandel effektiv zu begegnen. Darüber hinaus erlauben die Klimaveränderungen auch die Einführung von Fruchtarten, die bislang in Deutschland kaum angebaut wurden. Besonders geeignet sind bestimmte Maissorten, Hirse und weitere wärmeliebende Arten, die über eine hohe Wassernutzungseffizienz verfügen.

Der erhöhte CO2-Gehalt in der Luft lässt in Deutschland verbreitete C3-Pflanzen wie Weizen oder Kartoffeln schneller wachsen und steigert ihre Wassernutzungseffizienz. Trockenstress kann durch eine verringerte Bestockungsdichte reduziert werden, während eine Diversifizierung der Fruchtarten das Risiko von starken Ernteeinbußen senkt.

Auch in der Tierhaltung sind ökosystemare Maßnahmen relevant: Durch Zucht können Nutztierrassen an den Klimawandel angepasst werden. Unter anderem können auf diesem Wege die Wärmetoleranz und die Resistenz gegenüber Parasiten oder Krankheiten verbessert werden. Darüber hinaus muss die Einführung neuer Rassen und Kreuzungen geprüft werden. Zusätzlich kann die Aussaat von trockentoleranten Gräsern die Begrünung der Weiden sichern.

Rechtliche, politische und Management-Maßnahmen

Sowohl der Bund als auch die EU fördern Anpassungsmaßnahmen in der Landwirtschaft. Auf europäischer Ebene zum Beispiel dient der Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) als Instrument zur Finanzierung, das die Lebensqualität in ländlichen Gebieten erhöhen und die Diversität der ländlichen Wirtschaft steigern soll. In Deutschland erfolgt eine Finanzierung derartiger Projekte über die Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (">GAK). Insbesondere die Förderung der Bewässerungs-Infrastruktur geschieht maßgeblich über die GAK.

Zudem setzt die Bundesregierung zur Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel auf eine Vernetzung der Akteure: Der Wissenstransfer in Bezug auf angepasste Landbewirtschaftung, Tierhaltung, -ernährung und -gesundheit wird zum Beispiel im Rahmen von Dialogvorhaben mit Experten gefördert.

Darüber hinaus werden in Deutschland verschiedene Management-Maßnahmen verfolgt: Eine bodenschonende und wassersparende Landwirtschaft kann Ernteeinbußen aufgrund von Veränderungen der Niederschlagsmengen und den daraus resultierenden Änderungen im Grund- und Bodenwasserhaushalt entgegenwirken. Mögliche Alternativen der effizienten Wassernutzung sind unter anderem das Mulchverfahren, bei dem abgemähte Pflanzenteile zerkleinert auf der gemähten Fläche zurückbleiben, oder die pfluglose Bodenbearbeitung. Die Anwendung beider Verfahren verringert den Wasserverbrauch durch Verdunstung im Vergleich zu herkömmlichen Methoden, senkt die Erosionsgefahr und reduziert die Freisetzung von Kohlenstoff. Darüber hinaus kann Regen besser versickern, Überschwemmungen wird somit vorgebeugt.

Auch das Dünge-Management und der Pflanzenschutz müssen an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst werden. Für eine umwelt- und bedarfsgerechte Düngung sollte der Stickstoffanteil des Düngers mit dem steigenden CO2-Gehalt der Luft zunehmen, jedoch gleichzeitig in Balance mit dem durch den zusätzlichen Stickstoff ansteigenden Wasserbedarf der Pflanzen stehen. Ist dies der Fall, können höhere Erträge realisiert werden. Daneben müssen im Pflanzenschutz Gefahren, die von (neuen) Schädlingen ausgehen, möglichst frühzeitig erkannt und gebannt werden.

Im Bereich der Tierhaltung sollten Weidemanagement-Maßnahmen eingesetzt werden, um den Folgen des Klimawandels zu begegnen. Durch eine angepasste Nutzungsintensität sowie kurzer oder nächtlicher Beweidung können ausgedörrte und abgefressene Wiesen verhindert und die Tiere vor Hitzestress geschützt werden.

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