Handlungsfeld Industrie und Gewerbe

Rohre auf einem Fabrikgeländezum Vergrößern anklicken
Auch auf die Industrie hat der Klimwandel Auswirkungen.
Quelle: Thorsten Schier/fotolia.com

Der Klimawandel wirkt sich sehr unterschiedlich auf die verschiedenen Bereiche der Natur und Gesellschaft aus. Auch die daraus resultierenden Anpassungsmaßnahmen unterscheiden sich. Mehr zu den Auswirkungen auf Industrie und Gewerbe und möglichen Anpassungsoptionen lesen Sie hier.

Klimafolgen

Inhaltsverzeichnis

 

Temperatur

Steigende Temperaturen und die im Zuge des Klimawandels häufiger auftretenden Hitzewellen beeinträchtigen die Arbeitsproduktivität und die Gesundheit von Arbeitnehmern. Hitze kann das Herz-Kreislaufsystem belasten und die Konzentrationsfähigkeit stark einschränken. Zudem kann die Funktionsfähigkeit von Maschinen und die Lagerung temperatursensibler Produkte wie Lebensmitteln gestört werden.

Dementsprechend steigt der Kühlbedarf von Betriebsgebäuden durch Klimaanlagen oder Ventilatoren, was die Energiekosten für Unternehmen erhöht. Außerdem können Investitionen in leistungsfähigere Kältetechnik notwendig werden. Inwieweit diese zusätzlichen Aufwände im Sommer durch reduzierte Heizkosten im Winter ausgeglichen werden können, ist derzeit noch nicht abschätzbar und voraussichtlich nicht zu verallgemeinern. Besonders betroffen von Hitzebelastungen sind Innenstadtlagen mit einem hohen Anteil an asphaltierten Flächen, wenig Grünflächen und mangelnder Kaltluftzufuhr aus dem Umland.

 

Wasserverfügbarkeit

Mit dem Klimawandel steigt die Gefahr von Hochwasser. Besonders gefährdet sind Betriebsanlagen in Hang- und Muldenlagen in direkter Nähe zu Gewässern und in Gewerbe- oder Innenstadtgebieten mit einer hohen Baudichte und geringen Abflussmöglichen. Mögliche Folgen sind Schäden an Betriebsstätten, Einschränkungen in der Produktion oder gar Betriebsausfälle.

Im Sommer hingegen ist bei abnehmenden Niederschlagsmengen und steigenden Temperaturen vermehrt mit sinkenden Grundwasserpegeln und geringeren Wasserständen in Flüssen zu rechnen. Zudem erwärmen sich Fließgewässer. Kühlwasser ist dann für Unternehmen nur noch in eingeschränktem Maße verfügbar, insbesondere während längerer Trockenphasen. Auch können daraus Konflikte mit den Ansprüchen des Gewässerschutzes resultieren.

Der Wasserbedarf von Industrie und Gewerbe variiert von Branche zu Branche leicht, doch er ist generell hoch, so dass eine starke Anfälligkeit gegenüber Wassermangel besteht. Dieser kann den Produktionsprozess verzögern oder gar unterbrechen. Des Weiteren erschwert Niedrigwasser den Schifftransport von Gütern, wodurch es zusätzlich zu Lieferengpässen und erhöhten Transportkosten kommen kann.

Die steigende Wassertemperatur beeinträchtigt außerdem die Gewässergüte. Für Unternehmen, die auf eine hohe Wasserqualität angewiesen sind, beispielsweise Papier- und Chemiebetriebe, steigt dadurch der Energiebedarf ebenso wie die Kosten für die Wasseraufbereitung. Zukünftig wird somit eine bezahlbare und zuverlässige Wasserversorgung für die Unternehmen eine immer wichtigere Rolle spielen.

 

Extremwetterereignisse

Bereits bei einmaligem Auftritt können Extremwetterereignisse Betriebsimmobilien und technische Einrichtungen beschädigen oder zerstören. Bei derartigen Schadensfällen können darüber hinaus schädliche Stoffe freigesetzt werden. Diese gefährden die menschliche Gesundheit und belasten die Natur und ihre Lebensräume für Tiere und Pflanzen langfristig stark.

Gewerbegebiete haben ein besonders hohes Schadenspotenzial aufgrund der hohen Sachwerte, die hier gegeben sind. Hinzu kommt, dass der Trend bei Produktions-, Logistik- und Handelsimmobilien in Richtung funktioneller, flexibler und teils wenig robuster Gebäudehüllen geht, die anfälliger gegenüber Wetterextremen sind.

Durch die steigenden Temperaturen wird künftig häufiger Regen auf Schneedecken fallen, was deren Gewicht maßgeblich erhöht. Bleibt der Schnee dann längere Zeit auf den Trägerkonstruktionen von Betriebsgebäuden liegen, kann dies Auswirkungen auf die die Statik haben und im schlimmsten Fall zum Einsturz führen, mit erheblichen Personen-, Sach- und Produktionsschäden.

Wetterturbulenzen können darüber hinaus zu Störungen oder Ausfällen der Betriebsabläufe führen, auch wenn Unternehmen nicht direkt vom Extremwetterereignis betroffen sind. Beispielsweise indem Zufahrtswege überflutet werden und so Wege für Beschäftigte oder Material blockiert werden. Oder indem es in Folge von Infrastrukturschäden zu Unterbrechungen der Strom-, Brennstoff-, Telekommunikations- oder Wasserversorgung kommt. Dies kann längere Produktions- oder Lieferausfälle mit sich bringen. Insbesondere bei Unternehmen mit zeitlich eng aufeinander abgestimmten Produktionsschritten kann dies Probleme verursachen.

 

Globaler Klimawandel

Für global agierende Unternehmen besteht das Risiko, dass durch klimatische Ereignisse in anderen Regionen der Welt klimabedingte Störungen in der Lieferkette auftreten. Das kann zu Produktionsverzögerungen oder -ausfällen führen. Es besteht ein erhöhter Planungsbedarf für deutsche Unternehmen bei der Standortwahl von Produktionsstätten sowie der Zuliefererauswahl. Eine besondere Herausforderung sind dabei weltweit veränderte Rohstoffqualitäten und -verfügbarkeiten.

Gleichzeitig steigt der Bedarf an innovativen Umwelttechniken, nicht nur zur Minderung der globalen Abhängigkeit von Rohstoffen und zur Reduzierung der unternehmenseigenen Anfälligkeit gegenüber Klimaänderungen. Auch die Verringerung klimarelevanter Emissionen und damit die Erfüllung klimapolitischer Vorgaben seitens Deutschlands und der EU bedürfen innovativer „grüner“ Technologien. Vor allem für Betriebe, die derartige Güter herstellen, bietet der Klimawandel auch Chancen. Deutsche Unternehmen sind im Bereich der Umwelttechnologien bisher sehr erfolgreich. Insbesondere für Firmen im Bereich Elektroindustrie sowie Fahrzeug- oder Maschinenbau hat der Klimawandel bereits neue Märkte geschaffen.

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Quellen

Anpassung

Technische Maßnahmen


Die Hauptrisiken des Klimawandels für Industrie und Gewerbe liegen in durch Extremwetterereignisse verursachten Schäden an Standorten und Infrastrukturen. Außerdem ist mit Versorgungsengpässen, beziehungsweise einer Verteuerung bei Rohstoffen, Wasser und Energie zu rechnen.

Innovative, technische Maßnahmen bieten für Unternehmen nicht nur die Chance, effizienter zu produzieren, sondern auch unabhängiger von Rohstoffen oder Kühlwasser zu werden. Darüber hinaus ermöglichen sie es Unternehmen, sich leichter an Regulierungen zum Klimaschutz anzupassen oder sogar von diesen zu profitieren. Klimaangepasste Produkte und Prozesstechnologien wie wassersparende Produktionsverfahren oder Lösungen zur Emissionsreduzierung eröffnen neue Marktchancen und Exportpotenziale und werden zunehmend zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor.

Risiken für Standorte bedingt durch Extremwetterereignisse können oft durch bauliche Präventionsmaßnahmen gemindert werden. Schutzvorrichtungen, beispielsweise tiefere Fundamente, erhöhen die Gebäudestabilität gegenüber Sturm oder Hochwasser. Mobile Barrieren können etwa technische Anlagen absichern und die Gefährdung der Umwelt reduzieren. Durch Wärmedämmung der Gebäude kann zudem einer möglichen Überhitzung im Sommer und Einschränkungen in der Arbeitsproduktivität vorgebeugt werden.

Politische, rechtliche und Management-Maßnahmen

Eine erfolgreiche Anpassung setzt ein systematisches, vorausschauendes Risikomanagement voraus, das Maßnahmen zur Minderung und Kontrolle von Klima- und Wetterrisiken vorsieht. Bei Neubaumaßnahmen sollte zunächst eine standort- beziehungsweise regionsbezogene Risikoanalyse durchgeführt werden, so dass klimabedingte Anforderungen an die Anlagenplanung berücksichtigt werden können. Zur Risikokontrolle sind in Unternehmen zudem Frühwarn- und Monitoringsysteme, Notfalleinsatzpläne sowie ein entsprechender Versicherungsschutz notwendig.

Möglichen Versorgungsengpässen bei Rohstoffen und hierdurch bedingte Produktionsverzögerungen können Unternehmen begegnen, indem sie Standorte, Lieferanten und Rohstoffe stärker diversifizieren und zunehmend auf alternative Rohstoffe zurückgreifen. Zudem sind die Lagerung von Rohstoffen und zeitlich flexible Produktionsschritte wirksame Anpassungsmaßnahmen. Auf diese Weise sind Unternehmen auch weniger anfällig für Störungen oder Beschädigungen der Verkehrsinfrastruktur in Folge extremer Wetterereignisse.

Darüber hinaus kommt der Normung und dem technischen Regelwerk eine zunehmend zentrale Rolle im Anpassungsprozess von Industrie und Gewerbe zu. Normen beschreiben beispielsweise, wie Technologien und Produkte beschaffen sein müssen, um zu funktionieren und zusammenzupassen. Für den technologischen Wandel, den der Klimawandel erfordert, müssen bestehende technische Standards zum Teil aktualisiert und vereinheitlicht sowie neue Normen geschaffen werden, um innovative Produkte marktfähig zu machen und bestehende an die sich verändernden klimatischen Bedingungen anzupassen. Derzeit arbeitet das Deutsche Institut für Normung e.V. (DIN) an der Überarbeitung von Normen in den Bereichen Energieversorgung, Transportwesen, Bauwesen, produzierendes Gewerbe sowie Land-, Forst- und Abfallwirtschaft. Hierfür wurde der Expertenkreis „Anpassung an den Klimawandel“ eingerichtet, der das DIN bei der Einbeziehung des Klimawandels in nationale, europäische und internationale Normen unterstützt. Doch auch außerhalb der DIN gilt es, technische Regeln und Standards zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen, zum Beispiel in der Anlagensicherheit oder in branchenspezifischen Regelwerken.

Des Weiteren können Managementnormen wie EMAS zur Anpassung an den Klimawandel beitragen, da auch sie beispielsweise die Senkung von Risiken zum Ziel haben. Unternehmensbezogenes Krisenmanagement und das Business Continuity Management (nach ISO TC 223) werden den Klimawandel künftig stärker berücksichtigen müssen. Die ISO-Norm 26000 zur gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen (CSR und Nachhaltigkeitsmanagement) gibt Anleitung zur Reduzierung der Störanfälligkeit infolge des Klimawandels und benennt Beispiele für Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel.

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