Handlungsfeld Bauwesen

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Im Zuge des Klimwandels muss sich auch der Baubereich umstellen.
Quelle: 106313/photocase.com

Der Klimawandel wirkt sich sehr unterschiedlich auf die verschiedenen Bereiche der Natur und Gesellschaft aus. Auch die daraus resultierenden Anpassungsmaßnahmen unterscheiden sich. Mehr zu den Auswirkungen auf das Bauwesen und möglichen Anpassungsoptionen lesen Sie hier.

Klimafolgen

Inhaltsverzeichnis

 

Niederschlag

Veränderte Niederschläge haben Auswirkungen auf den Wasserhaushalt und den Grundwasserspiegel. Schwankende Grundwasserpegel können Hebungs- und Senkungsbewegungen im Baugrund bewirken und zu Setzungsrissen in Gebäuden und Infrastrukturen führen.

Auch Schnee kann zunehmend Schäden an Gebäuden verursachen. Zwar wird die Schneemenge in Deutschland langfristig abnehmen, doch die Klimaänderungen werden kurz- bis mittelfristig zunächst zu einer Zunahme des Schneefalls führen. Auch die Eigenschaften des Schnees werden sich ändern. Er wird feuchter und somit schwerer werden als zum Beispiel trockener Pulverschnee. Somit erhöht sich insbesondere in den schneereichen Regionen Deutschlands die Schneelast auf den Dächern. Die Akkumulation und die Verdichtung von Schnee können schlimmstenfalls Dacheinstürze zur Folge haben.

 

Temperatur

Die steigenden Temperaturen stellen das Bauwesen vor verschiedene Herausforderungen. Der sommerliche Temperaturanstieg sowie zunehmende Hitzewellen im Sommer sind für Gebäude und Bauwirtschaft von besonderer Bedeutung. Da diese Klimaveränderungen die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen beeinflussen, bringen sie neue Anforderungen an Gebäudegestaltung und -technik mit sich. Um ein angenehmes Innenraumklima zu schaffen, wird mehr Kühlung, Beschattung, Dämmung und Isolation benötigt. Kann darauf nur in unzureichendem Maß zurückgegriffen werden, steigt der Stromverbrauch für Klimaregelungssysteme im Sommer voraussichtlich, während der Heizwärmebedarf im Winter sinkt.

Der Hitzestress in Wohn- und Arbeitsstätten wird noch verstärkt durch die verkürzte nächtliche Abkühlung und die damit einhergehende verminderte Auskühlung der Gebäude. Besonders in Städten, wo Hitzeinseln entstehen können, ist das Bauwesen gefordert, das sich wandelnde Stadtklima und die Luftqualität mit einzubeziehen und durch geeignete Maßnahmen eine übermäßige Aufheizung der Innenstädte zu vermeiden.

Die Baubranche kann von den steigenden Temperaturen durch eine längere Bausaison auch profitieren. Jedoch können sich die hohen Temperaturen nachteilig auf die Gesundheit und die Produktivität des Personals auswirken, so dass spezielle Schutzmaßnahmen gegen Hitze und Sonneneinstrahlung für die Arbeitskräfte erforderlich werden.

Die veränderten Klimabedingungen können zudem biotische Folgewirkungen haben. Besonders bei Gebäuden mit einem hohen Holzanteil werden Fäulnisschäden und Pilzbefall durch die Ausbreitung von Materialschädlingen wahrscheinlicher.

 

Extreme Wetterereignisse

Die Zunahme von Starkniederschlägen, Stürmen und Starkböen sowie Gewittern mit Hagel kann für Gebäude und das Bauwesen insgesamt große Probleme mit sich bringen. Starkregen führt auf vielfältige Weise zu Bauschäden an unterschiedlichen Gebäudekomponenten wie Dach, Außenwänden, Fenster, Sockelbereich oder Keller. In versiegelten städtischen Gebieten wird es voraussichtlich häufiger zu Überschwemmungen kommen, wenn die vorhandenen Entwässerungssysteme, hierzu zählen Dach- und Grundstücksentwässerung sowie Kanalisation, überlastet werden. Allgemein gilt, dass sich das Oberflächenwasser bei Starkregen anstauen kann und Keller somit überflutet werden können. Auch die Überlastung der Dachentwässerung kann zu Wasserschäden an Gebäuden beitragen. Des Weiteren werden Feuchteschäden an Gebäuden sowie eine beschleunigte Verwitterung von Fassaden und anderen Bauteilen durch vermehrten Schlagregen wahrscheinlicher.

Starkregen führt also zu direkten Bauschäden. Aber auch indirekt kann Starkregen Gebäudeschäden bewirken, indem er Hochwasser und Erdrutsche zur Folge hat. Letztendlich kann durch all diese Beschädigungen sogar Einsturzgefahr bestehen.

Durch zunehmende Stürme wird es voraussichtlich vermehrt zu Schäden an den Außenanlagen von Gebäuden wie Satellitenschüsseln, Jalousien, Fenstern und Fassaden kommen. Hierdurch sind Bewohner und Personen im unmittelbaren Umfeld gefährdet.

Auch die Zunahme von starkem Hagelschlag und Hochwasser bedeutet zusätzliche wetter- und klimaabhängige Risiken für Gebäude.

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Quellen

Anpassung

Technische Maßnahmen

Technische Maßnahmen zur Anpassung von Gebäuden an den Klimawandel sollten an der Gebäudehülle, der Konstruktion, dem Standort sowie an der Gebäudetechnik ansetzen. Durch angepasste Architektur, Bauplanung, Materialien und Technologien können Gebäude widerstandsfähiger gegenüber klimatischen Bedingungen und Witterungserscheinungen werden. Vor allem in Hanglagen, in Gebieten mit quellfähigen Böden oder in hochwassergefährdeten Bereichen werden Anpassungsmaßnahmen im Gebäudebereich zunehmend wichtiger.

Bauliche Maßnahmen können zudem verschiedene Folgen des Klimawandels adressieren. Bei steigenden Temperaturen und Hitzewellen im Sommer kann ein guter Wärmeschutz helfen, die Gebäudenutzer vor Hitzestress zu schützen. Beispielsweise durch Verschattung, Wärmedämmung oder eine klimagerechte Architektur. Auf diese Weise kann der Überhitzung von Gebäuden entgegengewirkt werden, ohne auf technische Gebäudekühlung wie Klimaanlagen zurückgreifen zu müssen, die den Energieverbrauch stark erhöht.

Folgende weitere Maßnahmen gegen Hitze sind möglich:

  • Eine Automatisierung des Sonnenschutzes sorgt für optimale Verschattung und verhindert so ein Aufheizen von Gebäuden.
  • Die Nutzung natürlicher Wärmesenken zur Gebäudekühlung, beispielsweise über eine automatisierte Nachtlüftung, senkt den Bedarf technischer Kühlung.
  • Eine optimierte Gebäudeausrichtung kann ebenfalls das Aufheizen von Gebäuden verhindern.
  • Kontrollierte Lüftungssysteme, wie sie bereits in Passivhäusern genutzt werden, dienen der energieeffizienten und ausgewogenen Be- und Entlüftung von Gebäuden.

Andere bauliche Anpassungsmaßnahmen können Gebäude vor Überflutung schützen. Äußere Gebäudeteile lassen sich beispielsweise durch Barrieresysteme sichern. Für Wände, Decken und Fußböden empfehlen sich bei der Konstruktion Schichtenfolgen, die weniger schadensanfällig sind. In gefährdeten Gebieten kann bei Neubauten erwogen werden, auf die Unterkellerung zu verzichteten, um deren Volllaufen zu verhindern. Anstelle eines grundsätzlichen Bauverbots können Gebäude aufgeständert, also auf Säulen gebaut werden.

Auch bei anderen extremen Wetterereignissen tragen bauliche Anpassungsmaßnahmen dazu bei, Schäden vorzubeugen. Gegen Schäden durch Starkregen hilft unter anderem eine Überprüfung des Entwässerungskonzepts, der Abdichtungssysteme und der Außenflächen. Zum Schutz vor Hagelschäden können Materialien und Bauformen mit hoher Widerstandskraft verwendet oder geeignete Schutzschichten angebracht werden.

Rechtliche, politische und Management-Maßnahmen

Rechtliche, politische und Management-Maßnahmen dienen dazu, Rahmenbedingungen herzustellen, die es der Bauwirtschaft und Gebäudeeigentümern erleichtern, die beschriebenen technischen und baulichen Anpassungsmaßnahmen umzusetzen.

Ein erster Schritt ist dabei die Bewusstseinsbildung und Wissensvermittlung hinsichtlich der Klimarisiken und des bestehenden Anpassungsbedarfs. Beispielsweise können Weiterbildungen von Berufsverbänden organisiert und in die Veranstaltungsprogramme der Ingenieur-, Handwerks-, und Architektenkammern aufgenommen werden. Zusätzlich sollten auch Gebäudeeigentümer, Verwaltungen und Mieter sensibilisiert werden. Auf diese Weise wird nicht nur das Bewusstsein für die Vulnerabilität im Gebäudebereich erhöht, sondern auch die Kompetenz und Akzeptanz für Anpassungsmaßnahmen erweitert.

Auf politischer Ebene sollten Anpassungserfordernisse in baulichen Richtlinien stärker berücksichtigt und auf Basis der Erkenntnisse zum Klimawandel weiterentwickelt werden. Mögliche Maßnahmen könnten Wärmeschutzmindestanforderungen für Kindergärten und Schulen oder eine Verletzbarkeitsprüfung von Standorten sein, die dazu beiträgt, Bauweisen anzupassen oder die Bebauungsgenehmigung auf besonders gefährdeten Flächen einzuschränken.

Darüber hinaus sind Instrumente der Bau- und Planungspraxis weiterzuentwickeln. In integrierten Stadtentwicklungskonzepten können beispielsweise Klimaanpassungsmaßnahmen an Gebäuden für Sanierungs-, Modernisierungs- und Neubauvorhaben vorgesehen werden. Gleichsam sollten auch Strategien, die in erster Linie auf die Verbesserung der Energieeffizienz oder den Klimaschutz zielen, einbezogen werden. Vor diesem Hintergrund gilt es, Forschungsanstrengungen in den Bereichen Nachhaltigkeit und Energieeffizienz von Gebäuden sowie die Übertragbarkeit der Ergebnisse in die Praxis zu fördern. Außerdem sollten Kartenmaterialien aktualisiert und die Verfügbarkeit von Informationen verbessert werden, zum Beispiel durch ein Monitoring der Klimaeinflüsse.

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