PFC in Feuerlöschmitteln

Ein Feuerwehrmann hält den Schlauch, aus dem Schaumlöschmittel quillt, im Hintergrund ist Feuerzum Vergrößern anklicken
Feuerwehr löscht einen Großbrand
Quelle: Kzenon / Fotolia.com

Derzeit werden noch vielfach PFC als Feuerlöschmittel eingesetzt. Aber sie sind durch ihre schlechte Abbaubarkeit eine Gefahr für Mensch und Umwelt, wirken zudem toxisch und können sich in Umwelt und Organismen anreichern. Das UBA empfiehlt daher, Löschalternativen einzusetzen oder den Einsatz fluorhaltiger Löschmittel auf Brandfälle zu beschränken, bei denen keine wirksame Alternative existiert.

Inhaltsverzeichnis

Poly- und perfluorierte Chemikalien in Feuerlöschmitteln – ein Problem für Mensch und Umwelt

Derzeit werden zur erfolgreichen Brandbekämpfung, insbesondere von Bränden der Brandklasse B (Brände von Flüssigkeiten und schmelzenden Feststoffen), Feuerlöschmittel eingesetzt, die poly- und perfluorierte Chemikalien (PFC) - häufig auch unter dem Begriff perfluorierte Tenside (PFT) zusammengefasst - enthalten. Fluorhaltige Schaumlöschmittel sind auch besser bekannt als AFFF (wasserfilmbildende Schaumlöschmittel) bzw. AFFF-AR (wasserfilmbildende Schaumlöschmittel - alkoholbeständig), FFFP (filmbildende Fluor-Proteinschaummittel). Der Nutzen dieser Löschmittel ist noch unbestritten, jedoch nicht die Gefahren für Mensch und Umwelt.

PFC sind nicht bzw. kaum abbaubar und werden dadurch über Meeres- und Luftströmungen global verteil. Letztlich finden Wissenschaftler sie in den Weltmeeren bis zur Tiefsee und in der Arktis wieder. Selbst in Eisbären, Robben und vielen anderen Organismen wurden PFC gefunden. Auch im menschlichen Blut werden PFC gemessen. Besonders kritisch zu bewerten ist die Übertragung der PFC von der Mutter zum Kind während der Schwangerschaft und Stillzeit sowie die langsame Ausscheidung mittellanger bis langkettiger PFC aus dem menschlichen Körper.

Mehr Information zu PFC sind auch im Hintergrundpapier: „Per- und polyfluorierte Chemikalien: Einträge vermeiden – Umwelt schützen“ zu finden.

Zur Reduzierung der Gefahren für die Umwelt, ausgehend von PFC-haltigen Löschmitteln, empfiehlt das Umweltbundesamt folgende Leitlinien:

  1. PFC-haltige Löschmittel durch wirksame fluorfreie Alternativmittel oder Alternativtechniken ersetzen.
    Wo dies nicht möglich ist, gilt:

  2. PFC-haltige Löschmittel vermeiden, d.h. den Einsatz fluorhaltiger Löschmittel auf die Brandfälle begrenzen, wo keine wirksamen Alternativen existieren.
    Wo es zum unvermeidlichen Einsatz kommt, gilt:

  3. Löschwasser von PFC-haltigen Löschmitteln auffangen und ordnungsgemäß entsorgen.

Dialog zwischen Herstellern, Anwendern und Umweltbundesamt

Im Februar 2008 fand auf Initiative des Bundesverbandes Technischer Brandschutz e.V. (bvfa) und verschiedener Feuerwehrverbände ein Gespräch mit dem Umweltbundesamt in Dessau statt. In diesem Fachgespräch wurde der gegenwärtige Stand der Bewertung fluorierter Verbindungen in flüssigen Feuerlöschmitteln und die Entwicklungstendenzen aus Sicht der Hersteller, Anwender und des Umweltbundesamtes erläutert und diskutiert. Zur Verstärkung des Dialogs wurde eine kleine Arbeitsgruppe - bestehend aus Vertretern des technischen Brandschutzes, der Feuerwehrverbände, Schadensversicherer, Löschmittelhersteller und Behörden - gegründet. Diese Arbeitsgruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht, Anwender über PFC-haltige Löschmittel aufzuklären. Hierzu wurde u.a. eine Beitragsserie in der vfdb-Zeitschrift (Verein zur Förderung des Deutschen Brandschutzes e.V.) veröffentlich und ein Merkblatt („Fluorhaltige Schaumlöschmittel umweltschonen einsetzten“) erstellt. Neben der Aufklärung, ist es das Ziel der Arbeitsgruppe und auch der Teilnehmer der Fachgespräche, PFC-freie Feuerlöschmittelalternativen mit hoher Löschleistung zu entwickeln, um Mensch und Umwelt gleichermaßen zu schützen.

Fachgespräch 21.02.2008:
Protokoll

Fachgespräch 17.09.2010:
Protokoll

Präsentationen:

Häufige Fragen

  1. Ab wann gilt das Verwendungsverbot von Perfluoroktansulfonsäure (PFOS) in Feuerlöschmitteln?
    Seit 27.Juni 2008 darf PFOS weder als Stoff noch als Bestandteil von Gemischen in einer Konzentration von ≥ 50 mg/kg (0,005 Gew.-%) in Verkehr gebracht oder verwendet werden. Für Feuerlöschmittel, die vor dem 27. Dezember 2006 in Verkehr gebracht wurden, gilt eine Aufbrauchfrist bis zum 27. Juni 2011. (Richtlinie 2006/122/EG)

  2. Sind alle PFC-haltigen Feuerlöschmittel verboten?
    Dieses Verbot betrifft derzeit nur PFOS-haltige Feuerlöschmittel. Jedoch sollten PFC-haltige Feuerlöschmittel nur dann verwendet werden, wenn es notwendig ist (siehe Merkblatt). Bei Übungen sollten grundsätzlich keine PFC-haltigen Schäume verwendet werden. Für verschiedene Anwendungsgebiete können herkömmliche Protein- oder Mehrbereichschaummittel erfolgreich zur Brandbekämpfung eingesetzt werden, z. B.
    • bei Bränden der Brandklasse A, Papierlager, holzverarbeitende-und Textilindustrie;
    • bei Bränden von Altreifen, Heizöl, Hausmülldeponien, -sortier- oder -verbrennungsanlagen,
    • wenn Erfahrungen oder Nachweise über eine wirkungsvolle Brandbekämpfung mit diesen Schaummitteln vorliegen,
    • wenn stationäre Anlagen dafür ausgelegt sind oder das Brandschutzkonzept es vorsieht
  3. Welche fluorhaltigen Verbindungen sind in Schaumlöschmitteln enthalten?
    PFOS wird seit mehreren Jahren nicht mehr in Löschmitteln verwendet, kann jedoch in älteren Schaummitteln in höheren Konzentrationen enthalten sein. Anstelle von PFOS werden in fluorhaltigen Schaumlöschmitteln andere PFC eingesetzt, die häufig auch als Fluortelomeralkohole bezeichnet werden.

  4. Welche Schaumlöschmittel enthalten PFC?
    Fluorhaltige und fluorfreie Löschmittel sind an ihrer Kennzeichnung zu unterscheiden:

    Fluorhaltige Schaumlöschmittel*
    • AFFF – wasserfilmbildende Schaummittel
      AFFF (AR) -alkoholbeständig
    • FP - Fluor-Proteinschaummittel
      FP (AR) -alkoholbeständig
    • FFFP – wasserfilmbildende Fluor-Proteinschaummittel
      FFFP (AR) -alkoholbeständig
    Fluorfreie Schaumlöschmittel*
    • P - Proteinschaummittel
      P (AR) -alkoholbeständig
    • S - Synthetische oder Mehrbereichschaummittel
      S (AR) -alkoholbeständig
  5. Sind Schaumlöschmittel, die auf Fluortelomeralkoholen basieren ungefährlich für Mensch und Umwelt?
    PFOS-freie Schaummittel, die Fluortelomeralkohole oder andere per- und polyfluorierte Chemikalien enthalten, werden in der Umwelt zu stabilen kaum abbaubaren PFC umgewandelt und sind daher genauso kritisch zu bewerten.

  6. Was ist bei einem unvermeidlichen Einsatz von PFC-haltigen Löschmitteln zu beachten?
    Es gilt zuerst abzuwägen, ob PFC-haltige Löschmittel zur erfolgreichen Brandbekämpfung notwendig sind. Für bestimmte Anwendungsgebiete können herkömmliche Protein- oder Mehrbereichschaummittel  erfolgreich eingesetzt werden. Hier muss die Aufklärung der Verantwortlichen noch gestärkt werden. Bei Übungen und Tests muss auf den Einsatz PFC-haltiger Löschmittel verzichtet werden. Kommt es jedoch zum unvermeidlichen Einsatz von PFC-haltigen Löschmitteln, ist auf die sachgerechte Entsorgung zu achten. In Werken und in stationären betrieblichen Anlagen sind geeignete Löschwasserrückhalteinrichtungen vorzusehen und anzuwenden. Im mobilen Einsatz sind die Löschwässer, soweit möglich, einzudämmen, aufzunehmen und zu entsorgen. In Zweifelsfällen sind die notwendigen Maßnahmen mit den zuständigen Umweltämtern abzustimmen.

  7. Warum sind PFC so besorgniserregend für die Umwelt?
    PFC bestehen aus Kohlenstoffketten verschiedener Länge, bei denen die Wasserstoffatome vollständig (perfluoriert) oder teilweise (polyfluoriert) durch Fluoratome ersetzt sind. Diese sehr stabile Bindung zwischen Kohlenstoff und Fluor lässt sich nur unter sehr hohem Energieaufwand lösen. Weder biotische Prozesse (Bakterien) noch abiotische Prozesse (Wasser, Luft, Licht) können zum Abbau der PFC beitragen. Somit verbleiben diese Chemikalien sehr lange in der Umwelt und werden über Flüsse und Meere sowie über die Luft global verteilt. Sogar in Organismen der Arktis wurden PFC gefunden (u.a. Eisbären, Robben, Fische). PFOS reichert sich zudem in Organismen an und ist giftig. Deshalb wurde es in die Liste der persistenten organischen Schadstoffe (POPs) der Stockholmer Konvention aufgenommen.

    Beim unkontrollierten Einsatz von PFC-haltigen Feuerlöschmitteln gelangen PFC ins Oberflächenwasser oder durch Versickerung im Boden ins Grundwasser. Ebenfalls ins Grundwasser können PFC über Uferfiltration (über Gewässersohle und Gewässerufer) aus belasteten Gewässern gelangen. Durch die Verlagerung  von PFC aus dem Boden in Pflanzen bzw. über aquatische Organismen gelangen PFC dann in die Nahrungskette des Menschen. Langzeitwirkungen von PFOS-Ersatzstoffen in der Umwelt liegen noch nicht vor.

  8. Sind PFC gefährlich für den Menschen?
    Im Menschen binden PFC wie z.B. PFOS an Proteine in Blut, Leber und Niere. Besonders kritisch zu bewerten sind die Weitergabe der PFC von der Mutter zum Kind während der Schwangerschaft und Stillzeit und die langsame Ausscheidung mittellanger bis langkettiger PFC aus dem menschlichen Körper.

    In Tierversuchen erwiesen sich die bekanntesten PFC-Vertreter (Perfluoroktansulfonsäure (PFOS) und Perfluoroktansäure (PFOA)) nach kurzzeitiger Belastung über die Nahrung, die Luft und die Haut als mäßig toxisch. In Langzeitstudien mit Ratten und Mäusen förderten beide Verbindungen die Entstehung von Leberkrebs und anderen Tumoren. Des Weiteren besteht der Verdacht, dass einige PFC die Fruchtbarkeit von Frauen und die männliche Spermatogenese negativ beeinflussen können. Langzeitwirkungen von PFOS-Ersatzstoffen hinsichtlich der menschlichen Gesundheit liegen noch nicht vor.