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Raumbezogene Umweltplanung

Reduzierung der Flächeninanspruchnahme

Letzte Änderung: 13.07.2010

Stichwort: Flächenverbrauch

Von „Zersiedelung”, „Flächenverbrauch” oder „Flächenfraß” spricht der Volksmund, wenn die Neuinanspruchnahme von Flächen für Siedlungen und Verkehr gemeint ist. Die Siedlungs- und Verkehrsflächen haben in Deutschland in den Jahren 2003 bis 2006 um 113 ha pro Tag zugenommen. Sie wurden für Wohnen, Straßen oder Gewerbe besiedelt und dabei etwa zur Hälfte bebaut oder anderweitig befestigt. Damit verlangsamte sich die Flächeninanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrszwecke nur geringfügig. Der als gleitender Vierjahresdurchschnitt berechnete tägliche Flächenzuwachs hatte zwischen 1997 und 2000 noch 129 Hektar betragen und hat dann über 115 Hektar zwischen 2001 und 2004 über 114 Hektar zwischen 2002 und 2005 bis zum aktuellen Wert abgenommen (s. Tab. Nutzung von Fläche und Raum).

Jeder und jede Deutsche beansprucht laut Statistik 564 Quadratmeter Siedlungs- und Verkehrsfläche – Tendenz steigend. Die wachsende Zersiedelung hat Konsequenzen für den Klimaschutz und die Ressourcenschonung: Mehr Siedlungs- und Verkehrsflächen bedeuten mehr Gebäude, die wir warten, instand halten, beheizen oder kühlen müssen. Weitere Entfernungen verursachen mehr Verkehr und ein höheres Fahrzeugaufkommen. Das Ergebnis: höhere Treibhausgasemissionen und ein höherer Energie- und Materialverbrauch.

Nutzung von Fläche und Raum

 

Siedlungs- und Verkehrsfläche nach Art der tatsächlichen Nutzung

Nutzungsart

2004

2005

2006

km²

%

km²

%

km²

%

Siedlungs- und Verkehrsfläche insgesamt

45.621

100,0

46.050

100,0

46.438

100,0

davon

Gebäude- und Freifläche

23.938

52,5

24.047

52,2

24.156

52,0

Betriebsfläche ohne Abbauland

754

1,7

775

1,7

774

1,7

Erholungsfläche

3.131

6,9

3.338

7,2

3.526

7,6

Verkehrsfläche

17.446

38,2

17.538

38,1

17.627

38,0

Friedhof

352

0,8

353

0,8

354

0,8

Quelle: Statistisches Bundesamt

Stopp dem Flächenfraß

Sparsamer Umgang mit Grund und Boden - Minderung der Flächeninanspruchnahme für Siedlungen und Verkehr im Rahmen der (deutschen) nationalen Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung

Eines der sieben prioritären Handlungsfelder in der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie ist die Minderung der Flächeninanspruchnahme für Siedlungen und Verkehr. Wenn der Umgang mit der Fläche nachhaltig organisiert werden soll - so die Zielsetzung der Bundesregierung - muss das Wachstum der für Siedlungen und Verkehr in Anspruch genommenen Flächen von 120 ha/Tag im Durchschnitt der letzten 10 Jahre auf 30 ha/Tag im Jahre 2020 zurückgeführt werden. Weil ein durchgreifender Wandel der Konsumgewohnheiten, Investitionsentscheidungen und staatlichen Rahmenbedingungen weiterhin aussteht, ist damit zu rechnen, dass bei einer Belebung der Konjunktur auch die Flächeninanspruchnahme wieder zunehmen wird.

Warum wir mit Flächen sorgsam und intelligent umgehen müssen

In einem Hintergrundpapier und einem Flyer beschreibt das UBA die Folgen für die Umwelt und die volkswirtschaftlichen und sozialen Probleme, die durch den Raubbau an Lebensräumen für die biologische Vielfalt und die Zerstörung fruchtbarer Böden entstehen und zeigt auf, was Entscheidungsträger und jeder einzelne Bürger tun können, um den Trend zur Zersiedelung zu stoppen.

Das Hintergrundpapier Schutz der biologischen Vielfalt und Schonung von Ressourcen informiert dazu und in Kurzform auch der Flyer Grenzen setzen für Asphalt und Beton.

Die Alternativen zum Flächenfraß sind Innenentwicklung und Erhalt, Modernisierung und Pflege der vorhandenen Gebäude. Auch die Qualität des Wohnumfeldes muss aufgewertet werden, wo immer das möglich ist, damit Menschen sich in bestehenden Siedlungen zuhause fühlen können.

Empfehlungen zur Reduzierung der Flächenverbrauchs

Wir machen uns zu breit, sagte der Vizepräsident des Umweltbundesamtes – Herr Dr. Holzmann – bereits 2004. In einem Vortrag PDF / 97 KB stellte er die immer noch aktuelle These vor: Wie künftig mit den Themen Flächenverbrauch und Zersiedlung umgegangen wird, könnte ein sehr gutes Beispiel für eine praktische Umsetzung des politischen Leitbildes der nachhaltigen Entwicklung werden. Wirtschaftliche, soziale und ökologische Aspekte müssen miteinander verknüpft und in Einklang gebracht werden.

Dazu gehört eine klare Aufgabenverteilung sowie ein besserer Finanzausgleich zugunsten derjenigen Kommunen, die Leistungen erbringen, von denen andere profitieren. Eine klare Prioritätensetzung der künftigen Förderung wirtschaftsnaher Infrastruktur und des Wohnungsbaus durch die öffentliche Hand ist ebenfalls notwendig. Und die Kommunen sind gefordert, sich an regionalen Abstimmungsprozessen zu beteiligen.

Wie die bisherige Entwicklung zeigt, führt die Ausweisung neuer Wohn- und Gewerbeflächen und sonstiger Infrastruktur nicht zwangsläufig zu mehr Wachstum und Wohlstand. Überhöhte Infrastrukturkosten durch übertriebene Erschließung neuen Baulands, eine zu umfangreiche Erschließung oder die geringe Mobilität der Arbeitskräfte, die sich an ein Eigenheim gebunden fühlen, können auch Wachstumshindernisse sein.

Öffentliche Gelder sollten deshalb künftig nur gezielt und wohldosiert in neue Infrastruktur fließen. Besser angelegt sind die Gelder in der Regel für Ertüchtigung und Pflege des bereits Vorhandenen.

Eine ausführliche Darstellung und Begründung von Strategien, Maßnahmen und Instrumenten zum Flächensparen hat das UBA in seinen Materialienband „Reduzierung der Flächeninanspruchnahme für Siedlungen und Verkehr UBA-Texte 90/03 vorgelegt.

Entwicklungstrends und Treiber der Flächeninanspruchnahme

Die Flächeninanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrszwecke hat im Jahr 2006 um 387 km² oder 0,8% gegenüber 2005 zugenommen. Der Zuwachs der Siedlungsfläche beträgt dabei 298 km² oder 1,0%, die Zunahme der Verkehrsfläche 89 km² oder 0,5%. Gegenüber 1992, dem ersten Jahr, in dem für Deutschland in seinen heutigen Grenzen Zahlen vorliegen, hat die Siedlungs- und Verkehrsfläche um 6 133 km² (+15,2%) zugenommen. Davon entfallen 4 946 km² auf die Siedlungsfläche (+20,7%) und 1 186 km² auf die Verkehrsfläche (+7,2%). (Tabelle: Flächennutzung in Deutschland, Statistischen Bundesamt, s. auch Daten zur Umwelt - Umweltzustand in Deutschland: Flächennutzung)

Unablässig entstehen neue Wohnsiedlungen, Industrie- und Gewerbeflächen, Flächen für öffentliche Zwecke, Erholungsflächen und die dazugehörige Verkehrsinfrastruktur. Diese Zunahme erfolgt fast ausschließlich zu Lasten landwirtschaftlich genutzter Böden.

Die Siedlungsexpansion gründet sich in den alten Ländern auf Bevölkerungswachstum, einen über die Jahre gewachsenen Wohlstand verbunden mit höheren Ansprüchen an die Wohnung und das Wohnumfeld, verbunden mit einer Zunahme privater Pkw und niedrigen Energiepreisen. So wurde es für Viele möglich, sich den Wunsch nach mehr Platz für Wohnen, Freizeit und Sport, nach dem Eigenheim im Grünen oder nach „Shoppen im Erlebnispark” zu erfüllen - zu moderaten Preisen im Umland der Städte. Ob die mit dem Wohnen im Grünen verbundenen Hoffnungen auf Gesundheit und Lebensqualität wirklich so eintreten und die Belastungen durch längere Wege der Erwachsenen und Kinder zu Arbeit, Schule und Ausbildungsplatz auf die Dauer aufwiegen, ist fraglich. Jedenfalls wurde die wohnungsnahe Infrastruktur – vor allem im Einzelhandel und im öffentlichen Personennahverkehr – ausgedünnt, und die Wohnumfeldqualität verschlechterte sich durch die Belastungen des wachsenden Verkehrs.

In den neuen Bundesländern hat zuerst Nachholbedarf im Hinblick auf die Wohnraumversorgung, Verkehrs- und Versorgungsinfrastrukturen das Wachstum der Siedlungs- und Verkehrsflächen angetrieben. Reichhaltige öffentliche Fördermittel haben aber das Wachstum von Wohn- und Gewerbeflächen auch dann noch in Gang gehalten, als wegen wirtschaftlicher Rückschläge und abgewanderter Bevölkerung kein Bedarf mehr an neuer Siedlungsfläche bestand. Das Resultat sind tausende leerstehender Wohnungen und großflächige Gewerbebrachen. 

Treibende Kräfte sind aber auch die Kostenminimierungsstrategien von Unternehmen. So sparen beispielsweise Handelsunternehmen Kosten für Verkaufspersonal und die Auslieferung von Waren in kleine Läden, wenn sie stattdessen ihre Standorte in großflächigen Supermärkten auf der grünen Wiese konzentrieren und die Kosten und den Zeitaufwand für die Anreise dem Kunden aufbürden. Ein Anreiz zur Zersiedelung sind auch die planungsbedingten Bodenwertgewinne, wenn Ackerland in Bauland umgewandelt wird, und die interkommunale Konkurrenz um Einwohner und Steuerzahler.

Die Regional- und Landesplanung, deren Aufgabe es ist, die Bauleitplanung der Kommunen in vernünftige Bahnen zu lenken, macht von den ihr zur Verfügung stehenden Instrumenten zu wenig Gebrauch. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und schrumpfender Bevölkerung in vielen Regionen ist es in Zukunft dringend erforderlich, durch klare Ziele der Raumordnung und Landesplanung die Aktivitäten der Kommunen zu koordinieren. Übermäßige Baulandausweisungen, mangelhaft ausgenutzte Baugebiete und das Entstehen von Siedlungsbrachen könnte damit vermieden werden.      

Gesetzliche und rechtsverbindliche Grundlagen:

Einige gute Praxisbeispiele:

Forschungsberichte, Informationsmaterialien, Tagungsdokumentationen und andere Produkte

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