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Letzte Änderung: 08.12.2011
Zu den Hygienepapieren, die in der öffentlichen Beschaffung eine Rolle spielen, zählen:
Ferner gehören zu dieser Produktgruppe Spezialpapiere wie etwa Liegenabdeckungen für den medizinischen Bereich.
Wichtigster Aspekt bei der umweltfreundlichen Beschaffung von Hygienepapieren ist der konsequente Einsatz von 100 Prozent Recyclingpapier, das die Kriterien des Blauen Engel einhält. Hygienepapiere werden in der Regel nur einmal verwendet und gehen anschließend der Papierkette verloren, weil sie über die Kanalisation oder als Abfall entsorgt werden. Deshalb sollte in diesem Bereich ausschließlich Recyclingpapier, wenn möglich Sekundärfasern unterer und mittlerer Sorten, zur Anwendung kommen. Dies sind Altpapiere niedriger bis mittlerer Qualität, die den Großteil des Altpapieraufkommens ausmachen.
Mit dem Blauen Engel zertifizierte Hygienepapiere erfüllen diese Anforderungen. Die damit verbundenen Vorteile für die Umwelt sind:
Die ökologischen Vorteile des Altpapiereinsatzes in der Papierherstellung sind im Kapitel Papierprodukte ausführlich erläutert.
Jährlich werden in Deutschland pro Kopf fast 18 kg Papier allein für Hygienezwecke verbraucht, was einem Gesamtverbrauch von bundesweit über 1,4 Million Tonnen entspricht (VDP 2010, S.50).
Die Nutzung von Altpapier zur Herstellung von Recycling-Hygienepapieren trägt erheblich zur Schonung der Wälder bei, da pro Kilogramm Sekundärfaserpapier bis zu 2,4 kg Holz eingespart werden. Außerdem benötigt die Produktion von Recyclingpapier gegenüber der von Primärfaserpapier nur etwa die Hälfte an Energie und nur rund ein Drittel der Wassermenge. Der CO2-Ausstoß sinkt, das Abfallaufkommen wird verringert und die Transporte sind vermindert. (Stiftung Eine Welt – Eine Zukunft 2008, S.14)
Für stabilere Papierqualitäten werden überwiegend die langen Fasern von Nadelbäumen nordischer Wälder verwendet. Die zumeist kurzfaserigen Hölzer tropischer Wälder eignen sich hingegen vor allem für Hygienepapiere, an die geringere Ansprüche hinsichtlich Zugfestigkeit und Stabilität gestellt werden. So stammt deren Rohstoff vielfach aus Primärwäldern tropischer Regionen sowie aus Eukalyptusplantagen - mit negativen ökologischen und sozialen Folgen (Papierprodukte).
Für inländisch erzeugte Hygienepapiere liegt der durchschnittliche Altpapiereinsatz bei 55 Prozent (VDP 2010, S.60). Im Gegensatz zum Endverbraucher können Großabnehmer über den Großhandel problemlos auf Recyclingprodukte selbst spezieller Sorten (zum Beispiel Liegenabdeckungen für ärztliche Zwecke oder Reinigungstücher für Werkstätten) zugreifen.
Hygienepapiere aus Recyclingfasern mit Blauem Engel sind für alle Anwendungen geeignet und erfüllen sämtliche Anforderungen an ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit (Umweltzeichen). Farbmittel, die Schwermetalle wie Quecksilber, Blei, Cadmium oder Chrom-VI enthalten, sind verboten. Gleiches gilt für Stoffe, die als krebserzeugend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend eingestuft sind.
Da bei der Bleiche von Altpapier grundsätzlich kein Chlor zum Einsatz kommt, ist eine Belastung mit chlororganischen Substanzen ausgeschlossen. Im Trocknungsprozess bei der Herstellung wird Papier einer so hohen Temperatur ausgesetzt, dass Keime und Bakterien abgetötet werden. Sowohl Öko-Test als auch Stiftung Warentest bestätigten mehrfach die Unbedenklichkeit von Hygienepapieren in Recyclingqualität. Zuletzt im Juli 2006 in einem Test von 27 Sorten Toilettenpapier (Stiftung Warentest 2006).
Hygieneprodukte mit Blauem Engel erfüllen die notwendigen Ansprüche an Festigkeit und Weichheit. In Bezug auf die Helligkeit, sollten die ökologischen Vorteile höher bewertet werden als der optische Aspekt. Hygienepapiere aus Recyclingfasern sind aus zwei Gründen mitunter dunkler als Hygienepapiere aus Frischfasern:
Krepp-Toilettenpapiere haben als einfachste Hygienepapiersorte die besten Umweltwerte, weil für sie ein höherer Anteil unterer Altpapiersorten verwendet werden kann und der Aufwand für die Reinigung des Faserstoffes geringer ist.
Tissue-Produkte hingegen erhalten ihre Flauscheigenschaft zum Teil dadurch, dass extrem dünne Papierbahnen mit hohem Energieeinsatz durch Heißluft aufgebläht und zu mehrlagigen Papieren zusammengefügt werden. Im Wasseraufnahmevermögen gibt es keine merklichen Unterschiede. Eher nachteilig beim Tissuepapier ist die schnellere Auflösung nach Nässeaufnahme.
Sollten im Bereich der Händetrocknung Papierhandtücher eingesetzt werden, empfehlen wir bei der Ausschreibung die Anforderungen des Umweltzeichens Blauer Engel – RAL-UZ 5 „Hygienepapiere” – zu fordern.
Blauer Engel, RAL-UZ 5
Der Blaue Engel für Hygienepapiere aus Altpapier (RAL-UZ 5) Hygienepapiere mit Blauem Engel werden aus 100 Prozent Altpapier gefertigt. Krepp-Toilettenpapiere enthalten ausschließlich Altpapierqualitäten der unteren, mittleren und Sondersorten. Alle anderen Hygieneprodukte müssen zu mindestens 60 Prozent aus unteren, mittleren, krafthaltigen und Sondersorten bestehen. Bei der Herstellung dürfen nur Fabrikationshilfsstoffe eingesetzt werden, die in der XXXVI. Empfehlung für Papiere für Lebensmittelkontakt des Bundesinstituts für Risikobewertung angeführt sind. Ferner legt der Blaue Engel maximale Schadstoffgehalte fest zum Beispiel für Formaldehyd und Pentachlorphenol. Der Einsatz von Chlor, halogenierten Bleichmitteln, optischen Aufhellern sowie biologisch schwer abbaubaren Komplexbildnern ist verboten. Gleiches gilt für Azofarbstoffe und weitere Farb- und Hilfsmittel, die in der jeweils gültigen Fassung der TRGS 905 als krebserzeugend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend eingestuft sind. Damit werden an Hygienepapiere mit dem Umweltengel schärfere Maßstäbe angelegt als an solche aus Primärfasern!
Die Kriterien werden vom Umweltbundesamt in Kooperation mit Herstellern, Prüfinstituten, weiteren Fachleuten und Verbrauchervertretern erarbeitet. Die unabhängige Jury Umweltzeichen prüft und beschließt die Vergabegrundlagen. Die Vergabe erfolgt durch die RAL gGmbH im Auftrag des Umweltbundesamtes.
EU-Umweltzeichen „EU-Blume”Die „EU-Blume" ist das EU-Umweltzeichen. Zeicheninhaber ist die Kommission der Europäischen Gemeinschaft.
Auf dem Markt erhältlich sind mit der EU-Blume gekennzeichnete Hygienepapiertücher und –rollen. Es wird - anders als beim Blauen Engel - nicht strikt darauf gedrängt, dass bei deren Herstellung zu 100 Prozent Altpapier eingesetzt wird. Diese Hygienepapiere können aus rezyklierten ebenso wie aus frischen Fasern bestehen. Dabei müssen 50 Prozent der frischen Holzfasern aus Wäldern stammen, die nach den Grundsätzen einer nachhaltigen Forstwirtschaft bewirtschaftet werden und von unabhängigen Dritten entsprechend zertifiziert wurden.
Die mit der Herstellung der Hygienepapiere verbundenen Umweltbelastungen werden durch folgende Maßnahmen minimiert:
Das EU-Umweltzeichen wird durch zuständige nationale Einrichtungen verliehen, in Deutschland durch die RAL gGmbH.
Es wird empfohlen, Hygienepapiere zu beschaffen, die die Kriterien des Blauen Engels erfüllen. Den in der Herstellung einfachen, einlagigen Krepppapieren ist dabei der Vorrang vor verarbeitungsintensiveren, mehrlagigen Tissueprodukten einzuräumen.
Quelle: Jupp Trauth, Evelyn Schönheit, forum ökologie und papier, hunsrueckvelo@gmx.de, März 2009
Überarbeitung: Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), August 2011