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Umweltfreundliche Beschaffung

Reinigung/Hygiene

Letzte Änderung: 17.03.2009

Graffitientfernung

Einführung

In diesem Abschnitt sind Informationen und Vorschläge zu folgenden Arbeiten zusammengestellt:

Das Entfernen alter Beschichtungen ist bei vielen Renovierungsarbeiten eine Grundvoraussetzung für die fachgerechte Ausführung der sich anschließenden Arbeiten. Entsprechende Arbeiten werden von vielen Bereichen der öffentlichen Hand in Auftrag gegeben, u.a.von Bau- und Liegenschaftsverwaltungen, Straßenbauämtern, Wasserwerken und Wasserstraßenbehörden. Beauftragt werden in der Regel private Bau- und Reinigungsfirmen sowie Malerbetriebe. Ein kostenträchtiges Ärgernis ist dabei die sich häufig wiederholende Entfernung von Graffiti. Hier ist auf Innovationen hinsichtlich der Umweltverträglichkeit und Wirksamkeit durch neue Schutzsysteme zu verweisen, zum Beispiel „Anti-Graffiti-Beschichtungen“.

Die Entlackung kleinerer Holzflächen wird z.B. bei Renovierungsarbeiten an Fenstern und Türen oder in Hobbykursen der Volkshochschulen oder Jugendzentren durchgeführt.

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Umweltbezogene Produkteigenschaften

Abbeiz- und Reinigungsarbeiten können mit erheblichen Umweltbelastungen verbunden sein, wenn die bestehenden Möglichkeiten zur Vermeidung bzw. zur Verminderung von Emissionen nicht so weit wie möglich ausgeschöpft werden:

Dichlormethanhaltige Abbeizer: Acht Prozent aller dem Umweltbundesamt entsprechend dem Wasch- und ReinigungsmittelgesetzGesetz über die Umweltverträglichkeit von Wasch- und Reinigungsmitteln (Wasch- und Reinigungsmittelgesetz - WRMG) vom 20.08.1975 in der Neufassung vom 05.03.1987 (BGBl. I S. 875), zuletzt geändert am 27.06.1994 (BGBl. I S. 1440) mitgeteilten aktuellen Abbeizer und Graffitientferner für die Fassadenreinigung und andere Verwendungen enthalten noch Dichlormethan.

Darunter sind einige Produkte, die mit Tonnagen von 100 bis 1000 Tonnen in Verkehr gebracht werden. Der Anteil von Dichlormethan (Methylenchlorid) in Abbeizern für die Fassadenreinigung schwankt zwischen 60 und 90 Prozent. Hierdurch werden Chlorkohlenwasserstoffemissionen (CKW) in die Luft und in geringeren Mengen in Boden und Wasser verursacht.

Dichlormethan ist auch gesundheitlich sehr problematisch, da es Reizungen und Entzündungen der Haut, der Augen und der Schleimhäute der Atem- und Verdauungswege verursacht. Außerdem kann der Stoff das zentrale Nervensystem schädigen. In hohen Konzentrationen wirkt Dichlormethan ähnlich wie ein Narkosemittel und führt zu Müdigkeit, Konzentrationsstörungen bis hin zu Bewußtlosigkeit und Tod. 1994 wurde der Stoff in der TRGSTechnische Regeln für Gefahrstoffe, zu beziehen bei der Bau-Berufsgenossenschaft, Frankfurt a.Main 905 als Chemikalie mit dem begründeten Verdacht auf ein krebserzeugendes Potential eingestuft.

Dichlormethanfreie Abbeizer: CKW-freie Abbeizer enthalten als Lösemittel meist Gemische aus Diglykolethern, Dibaseestern, Testbenzinen und N-Methylpyrrolidon. Auch durch diese Abbeizer werden Lösemittelemissionen verursacht, allerdings in deutlich geringeren Mengen.

Im Handel werden daneben auch CKW-freie Abbeizmittel angeboten, die aromatische Lösemittel enthalten und damit gesundheitlich problematischer zu beurteilen sind als andere CKW-freie und aromatenfreie Abbeizer. Zu beachten ist außerdem, dass im Gegensatz zu CKW-basierenden Abbeizmitteln CKW-freie Produkte brennbar sind.

Ersatzstoffe und -verfahren für Dichlormethan

n der TRGS 612TRGS 612: Ausgabe März 1998: Ersatzstoffe, Ersatzverfahren und Verwendungsbeschränkungen für dichlormethanhaltige Abbeizmittel, Bundesarbeitsblatt 1998, Nr. 3, S. 50 sind Ersatzstoffe und -verfahren für dichlormethanhaltige Abbeizmittel aufgeführt. Folgende Ersatzstoffe werden dort genannt:

Als Ersatzverfahren werden genannt: Damit stehen für Entschichtungsarbeiten verschiedene Techniken zur Verfügung. Wie unten dargelegt, kann hinsichtlich einer zunehmenden Umweltbelastung folgende Reihenfolge angeführt werden: mechanische, thermische und chemische Verfahren.
Vergleich der Umweltaspekte

n der folgenden Tabelle sind Umweltaspekte bei der Fassadenreinigung und beim Abbeizen zusammengefaßt. Bei der Auftragsvergabe sind Auflagen zur Begrenzung umweltschädigender Wirkungen geboten. Insbesondere ist ein gesonderter Posten für die Entsorgung anzuset zen, weil nur so eine „Dumping“-Kalkulation der Entsorgung verhindert werden kann. Das Land Hamburg hat erstmals ein Merkblatt für die Fassadenreinigungspraxis erarbeitet und damit Bedingungen für die Auftragsvergabe festgelegt.

Umweltaspekte bei der Fassadenreinigung und beim Abbeizen

Geregelt sind u.a. die Entsorgungsverfahren sowie ein Verbot CKW-haltiger Reinigungsmittel. Auch das Land Hessen stellt diesbezüglich Anforderungen an die Erfassung und Behandlung des beim Reinigen und Abbeizen von Fassaden anfallen den Abwassers. Produkte, die chlorierte oder aromatische Stoffe enthalten, sind demnach nur in begründeten absoluten Ausnahmefällen einsetzbar.

Abbeiz- und Entschichtungstechniken

n vielen Fällen ist es möglich, ausschließlich mechanisch zu entschichten. Hierzu kommen vor allem Strahlgeräte zum Einsatz, so etwa Wasserhochdruckstrahlgeräte oder Sandstrahlgeräte. Durch Variation der Parameter Druck, Düsenform, Strahlmit tel, Zusatzmittel und Temperatur kann das Verfahren den Gegebenheiten angepaßt werden.

Die thermische Entschichtung durch Abbrennen oder durch starkes Erhitzen mittels Heißluftpistole ist eine weitere Möglichkeit, nicht hitzebeständige Lacke zu entfernen. Geeignet ist es vor allem für kleinere Flächen, die eine gewisse Hitzebeständigkeit aufweisen, wie Fenster, Türen und Möbel. Heißluftpistolen sind einfacher und unproblematischer zu handhaben als die in der Vergangenheit verwendeten Propangasbrenner. In einem Warentest ist den meisten Heißluftpistolen Stiftung Warentest: Warentest Heißluftpistolen, "test", Nr. 7/90 eine zufriedenstellende, einigen sogar eine gute bzw. sehr gute Gebrauchstauglichkeit bescheinigt worden. Die Temperaturen liegen hierbei zwischen 600 °C und 1000 °C. Verbliebene Lackreste werden anschließend mittels Schwingschleifer abgeschliffen.

Die Methode des Ablaugens kann zur Entfernung von verseifbaren Anstrichen wie Alkydharzlacken oder Ölfarben eingesetzt werden. Da die verwendeten alkalischen Produkte stark ätzend wirken, müssen entsprechende Schutzmaßnahmen beachtet werden.

Abbeizmittel enthalten organische Lösemittel, die die Altanstriche chemisch anlösen, so dass sie anschließend mechanisch entfernt werden können.

Während dichlormethanhaltige Mittel aufgrund ihrer hohen Flüchtigkeit nur auf einer kleinen Fläche aufgetragen werden können, da sie andernfalls bis zum Arbeitsschritt des mechanischen Abhebens bereits wieder verdunstet wären und sich die zuvor angelöste Lackschicht damit wieder verfestigt hätte, können CKW-freie Mittel in der Regel mit ihrer längeren Einwirkzeit auf großen Flächen aufgetragen werden und lösen dann häufig auch die tieferliegende Lackschichten an, die dann gleichzeitig in einem Arbeitsgang entfernt werden können. Die längere Einwirkzeit dieser Produkte kann mit entsprechender Arbeitstechnik somit positiv genutzt werden. Insgesamt sollte bei den Kalkulationen der Arbeitszeit eine bei Verwendung von CKW-freien Produkten häufig längere Arbeitszeit berücksichtigt werden.

Entfernen von Graffiti

in neuer zunehmender Anwendungsbereich stellt die Entfernung von Graffiti dar.

Hierfür kommen folgende Verfahren in Frage:

Bisher fehlen noch hinreichende Erfahrungen über die umweltgerechte Durchführung und die Wirksamkeit der angebotenen Verfahren. Informationen über Qualitätsstandards für die Graffitientfernung und -prophylaxe erteilt die Gütegemeinschaft Anti-Graffiti.

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Ausschreibungsempfehlungen

  1. Zur Entfernung von Beschichtungsstoffen kann keine universell anwendbare Methode empfohlen werden, da die Eignung der verschiedenen Verfahren sehr von der Art und Beschaffenheit des Beschichtungsstoffes wie auch des Untergrundes abhängt. Es sollten jedoch möglichst mechanische Verfahren vor thermischen und thermische vor chemischen Verfahren angewandt werden.
  2. Produkte, die Chlorkohlenwasserstoffe enthalten, sind zu vermeiden. Dichlormethanhaltige Produkte sollten entsprechend den Vorschlägen der TRGS 612 gegen andere Produkte ausgetauscht oder Ersatzverfahren angewendet werden.
  3. Empfohlen wird eine fachliche Beratung,um den Erfolg der Reinigung sicherzustellen.
  4. A bbeiz- und Reinigungsarbeiten an harten Untergründen sollten mit dem Strahlverfahren (Niederdruck-/Hochdruckreinigungsverfahren/Naß -und Nebelstrahlverfahren etc.) ohne eine Anwendung von Chemikalien durchgeführt werden. Dies gilt in vielen Fällen auch für Putzfassaden. Eine Beseitigung der anfallenden festen Rückstände mit dem Haus-, Gewerbe- oder Bauschuttmüll ist in der Regel zu verantworten.
  5. Auch für die Entfernung von Dispersionsfarben und Kunstharzputzen an verputzten Fassaden setzt sich zunehmend der Einsatz von Hochdruckstrahlgeräten durch, da das Abbeizen ganzer Fassaden zu erheblichen Belastungen der Umwelt und für die Bewohner führen kann. Kann auf die Anwendung lösemittelhaltiger Abbeizmittel nicht verzichtet werden, sollte den beauftragten Firmen in Anlehnung an die Tabelle "Umweltaspekte der Fassadenreinigungs- und Abbeizpraxis" (s. Produktinformationen) folgende Umweltschutzauflagen erteilt werden:
    • Es ist zu prüfen, ob „vor Ort “ die Kanalisation in eine biologische Kläranlage führt oder ob es sich um eine Regenwasserkanalisation handelt. Im letzten Fall ist das Spritzwasser aufzufangen und gesondert abzufahren. Dafür das angrenzende Straßenpflaster bzw. Erdreich mit stabilen Plastikfolien abdecken und eine Rinne anlegen. Die Rinne mit Sägespänen belegen, um das Spülwasser zu absorbieren. Entsorgung zusammen mit den Farbschlämmen als Sondermüll.
    • Die bei Abbeizarbeiten anfallenden abbeizmittelhaltigen Farbschlämme sind ebenfalls gesondert aufzufangen und als Sondermüll zu entsorgen.
  6. Bei der Entlackung kleinerer Holzflächen wie Fenster sollte den ausführenden Firmen die Verwendung von Heißluftpistolen empfohlen werden. Geprüft werden könnte ferner, ob der Lack auch durch mechanische Verfahren entfernt werden kann.
  7. Es ist zu prüfen, ob die sich an der Ausschreibung beteiligenden Firmen über Techniken und Einrichtungen zur Erfassung, Trennung und Behandlung sowie Beseitigung der Rückstände verfügen.
  8. Bei der Auftragsvergabe an private Firmen sollten Auflagen für die Begrenzung von Chemikalien auf das unabdingbare Maß sowie für eine sachgerechte Entsorgung erteilt werden. In die Ausschreibung sollte ein Posten für die Entsorgung des Abfalls bzw. die Behandlung des Abwassers aufgenommen werden.
  9. Es ist zu prüfen, ob umweltverträgliche Arbeitsmethoden bei der Entfernung von Graffiti entsprechend den hier beschriebenen Vorschlägen eingesetzt werden können. An häufig betroffenen Wänden ist eine vorbeugende Behandlung des Untergrundes, die eine schadstoffarme und einfache Entfernung erlaubt, in Betracht zu ziehen.

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