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Letzte Änderung: 09.12.2011
Innenräume von Gebäuden öffentlicher Auftraggeber sind vielfach mit Papiertapeten oder Raufaser dekoriert. Heimwerker verwenden sie ebenfalls in großem Umfang. Die Entscheidung über die Beschaffung von Wand- und Deckenbekleidungen stellt sich bei der Innenraumdekoration von Neubauten und bei Renovierungsarbeiten.
Jährlich werden in Deutschland etwa 90 Millionen Eurorollen (10,05 x 0,53 Meter) Tapeten und Raufaser hergestellt. Davon haben Papiertapeten einen Marktanteil von etwa 20 Prozent (telefonsiche Auskunft des Deutschen Tapeten-Instituts im Januar 2011) . Wandbekleidungen werden großflächig im Innenbereich durch Verkleben angebracht. Zu den Voraussetzungen gehört, dass der Untergrund tragfähig und ohne Unebenheiten ist. Eventuelle Schimmelflecken sollten saniert sein (siehe dazu Umweltbundesamt 2005 b).
Tapeten werden aus verschiedenen Materialien hergestellt. Sind sie mehrlagig aufgebaut, bestehen sie aus einer Trägerschicht, die auf der Oberfläche beschichtet ist. Die obere Schicht ist bedruckt und/oder strukturiert. Neben Papier/Altpapier kommen Tapetendruckfarben, synthetische oder natürliche Fasern, Klebstoffe oder Kunststoffe zum Einsatz. Die verarbeiteten Materialien bestimmen die Eigenschaften der Tapete. Dazu gehören Wasch-, Scheuer- und Farbbeständigkeit, für die es entsprechende Symbole gibt.
Als Trägermaterial finden Papier oder Vlies Verwendung. Werden spaltbare mehrschichtige Papiersorten verwendet, können die Tapeten bei Renovierungsarbeiten ebenso wie Vliestapeten von der Wand abgezogen werden. Bei den spaltbaren Tapeten verbleibt die Unterlage an der Wand, auf sie kann die neue Tapete geklebt werden. Für die Beschichtung des Trägermaterials werden verschiedene natürliche oder synthetische Materialien eingesetzt (siehe Tapetenarten). Für deren Befestigung sind teilweise Klebstoffe erforderlich. Meist werden wasserbasierte Dispersionskleber verwendet. Tapeten mit Kunststoffbeschichtungen haben oftmals eine geringe Durchlässigkeit für Feuchtigkeit und können dadurch das Raumklima nachteilig beeinflussen.
Farbdruck und Prägung verleihen der Oberfläche eine farbige Musterung und Struktur. Hierfür gibt es verschiedene Verfahren. Der Farbauftrag kann wie beim Prägedruck auch kombiniert geschehen. Ist der Kunststoffanteil hoch, erfolgt zur Strukturierung eine Heißprägung.
Üblicherweise werden in Deutschland wasserlösliche Druckfarben aus anorganischen und organischen Verbindungen eingesetzt. Sie eignen sich für das Tiefdruck- und Siebdruckverfahren zum Bedrucken von Papier- oder Vinyltapeten. Sie sind teils wasserlöslich, teils sind organische Lösemittel zu verwenden.
Tapeten werden unter anderem nach den eingesetzten Materialien unterschieden. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit werden im Folgenden einige Tapetenarten vorgestellt (Maleg 2006, www.raumausstattung.de/wohnen/rubrik-rubrik-Wandbekleidung.htm).
Sie bestehen vollständig aus Papier und können einlagig (Simplexpapier) oder mehrlagig (Duplexpapier) sein. Bei Duplextapeten besteht die obere Schicht aus holzfreiem Papier, die untere Schicht (Träger) kann holzhaltig sein. Meist besitzen Papiertapeten eine leichte Prägung (Gaufrage), auf die farbige Muster aufgedruckt sind. Duplierte Prägetapeten garantieren auch nach dem Tapezieren eine sichtbare Prägung.
Meist sind Raufasern mehrlagig. Die raue Oberfläche entsteht durch Holzspäne unterschiedlicher Größe, die zwischen zwei Lagen aus Papier fixiert sind. Inzwischen wird auch Raufaser mit einem Vliesträger gefertigt. Raufaser muss in der Regel einen Farbauftrag erhalten und behält die Struktur auch nach mehreren Anstrichen.
Bei Textiltapeten sind Fäden oder Gewebe aus natürlichen oder synthetischen Fasern mit auf kunstharzbasierenden Dispersionsklebstoffen auf dem Trägermaterial befestigt, das meist aus Papier ist. Die Tapete ist bei dieser Kaschierung luftdurchlässig. Bevorzugte Naturfasern sind Flachs, Baumwolle, Jute, Wolle und Seide. Bei der Herstellung von Chemiefaser-Tapeten kommen Viskose, Polyethersulfon und Polyacrylnitril zum Einsatz.
Vliestapeten bestehen aus speziellen Zellstoff- und Polyesterfasern, die mit polymeren Bindemitteln fixiert sind. Sie sind sehr haltbar und lassen sich beim späteren Renovieren von der Wand abziehen. Es gibt, fertig bedruckte Vliese, überstreichbare Vliese und Tapeten auf Vliesträgern. Kleinere Risse im Untergrund lassen sich überbrücken.
Das Trägermaterial aus Papier, Textilgewebe oder Vlies ist mit Wasser abweisendem Lack oder Kunststoff beschichtet. In Abhängigkeit von deren Schichtdicke sind diese Tapeten mehr oder weniger diffusionsfähig. Die Schicht kann als Folie oder aufgeschäumte Farbpaste aufgetragen sein. Die Oberfläche ist bedruckt und glatt oder strukturiert. Als Kunststoffe werden Acryl, Polyvinylacetat (PVA) oder weichmacherhaltiges Polyvinylchlorid (PVC) verwendet. Bei Vinyltapeten besteht diese Schicht aus weichmacherhaltigem PVC. PVC verbirgt sich auch hinter Bezeichnungen wie CV oder VC. Wählen Sie Produkte, die ohne Weichmacher und Polyethylen und -propylen (PE/PP) auskommen.
Bei Glasfasertapeten sind die Glasfasern zu Garnen unterschiedlicher Dicke gesponnen, flächig verwoben und mittels Erwärmen oder Bindemittel auf Kunstharzbasis miteinander verbunden. Sie werden in verschiedenen Strukturen und meist ohne Papierträger hergestellt Glasfasertapeten sind überstreichbar, sehr strapazierfähig und nicht brennbar. Das Gewebe armiert die Wand, Risse und Fugen lassen sich überbrücken. Da sie wasserfest sind, sind sie auch für Feuchträume wie Bad und Küche geeignet. Um beim Tapezieren eine Freisetzung von Glasfasern zu verhindern, sind die Tapeten oft mit einer Kunststoffschicht versehen.
Die Verwendung von Flüssig- und Spritztapeten empfiehlt sich dort, wo größere Spannungen im Wand- oder Deckenbereich zu erwarten sind. Sie werden als Trockenmasse in unterschiedlichen Strukturen und auch farbig angeboten. Sie bestehen aus Dekorfasern und Bindemittel sowie Effektmaterial. Als Dekorfasern werden meist Baumwollfasern verwendet, die im Vergleich zur Raufaser der Oberfläche eine rauere Struktur verleihen. Als Bindemittel kommen Spezialkleber auf Zellulosebasis zum Einsatz. Die Trockenmasse wird vor dem Gebrauch mit Wasser angerührt. Flüssigtapete wird mittels Glättkelle oder – bis zu einer gewissen Dicke – mittels Spritzpistole aufgetragen. Vor Renovierungsarbeiten lassen sich die gut mit Wasser eingeweichten Tapeten mit einem Spachtel problemlos entfernen. Sie können unter Beachtung der Herstellerangaben mit Dispersionswandfarben überstrichen werden. Diese Tapeten besitzen eine gute Schall- und Wärmedämmung.
Daneben gibt es eine Reihe weiterer Tapeten, die teilweise unter dem Begriff „Spezialtapeten” angeboten werden.
Bei Velourstapeten ist das Trägermaterial aus Papier oder Vlies mit geschnittenen oder gemahlenen, meist synthetischen Textilfaser beflockt. Sie bewirken eine samtartige Oberfläche.
Naturwerkstofftapeten bestehen meist aus Papier, auf welches Gras, Kork, Bast, Sand oder andere Naturmaterialien aufgeklebt sind.
Bei Metalltapeten wird meist Aluminiumfolie verwendet, die auf einen Papierträger kaschiert ist. Die Oberfläche kann durch Bedrucken, Ätzen oder Oxidieren weiter behandelt sein. Wegen der elektrischen Leitfähigkeit dürfen sie nicht mit den Metallrahmen von Steckdosen in Berührung kommen. Sie sollten auch nicht in Feuchträumen eingesetzt werden, weil die Aluminiumfolie als Dampfsperre reagiert. Bei Metallic-Tapeten handelt es sich demgegenüber um metallisch bedampfte Kunststofffolien, die sich ebenfalls auf einem Trägermaterial befinden. Diese Tapeten sind nicht elektrisch leitend.
Isoliertapeten sind eigentlich Wärmedämmfolien, auf die weitere Wandbekleidungen aufgebracht werden können. Sie bestehen aus einer etwa 0,5 Zentimeter dicken Lage Styropor, die mit kartonähnlichem Papier oder mit Aluminiumfolie beklebt ist. Sie sind keine Alternative zu einer Wärmedämmung des Gebäudes von außen und keine Sanierungsmaßnahme. Sie kaschieren bauliche Mängel, die unter den Isoliertapeten das Schimmelpilzwachstum begünstigen.
EMV-Tapeten (EMV – elektromagnetische Verträglichkeit) sollen nieder- und hochfrequente elektromagnetische Felder aus dem Außenbereich abschirmen. Zum einen ist die Wirksamkeit nicht immer gewährleistet. Sie ist abhängig von der Frequenz des elektromagnetischen Feldes und von der Ausführung. Zum anderen werden derartige Abschirmmaßnahmen vom Bundesamt für Strahlenschutz für nicht notwendig erachtet. Die gemessenen Intensitäten der elektromagnetischen Felder liegen in der Regel weit unterhalb der Grenzwerte, die durch die 26. Verordnung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (26. BImSchV ) festgelegt sind. Bei Strahlungsquellen im Innenraum kann es aufgrund von Reflexionen an metallischen Abschirmungen zu lokalen Felderhöhungen kommen (weitere Informationen zum Thema Abschirmung siehe www.bfs.de, Bayerisches Landesamt für Umwelt 2008).
Verschiedene Industriezweige sind in die Tapetenherstellung einbezogen. Es sind vor allem Unternehmen aus der Papier-, Kunststoff- und Farbenbranche. Neben Papier/Altpapier kommen Tapetendruckfarben, synthetische oder natürliche Fasern, Klebstoffe oder Kunststoffe zum Einsatz.
In Abhängigkeit von den verwendeten Materialien können Tapeten eine Schadstoffquelle sein. Dann beeinträchtigen sie während und nach dem Verarbeiten die Gesundheit und die Umwelt. Eine weitere Schadstoffquelle können die verwendeten Tapetenkleister, die nachträglich aufgetragenen Lacke und Wandfarben sowie die zur Entfernung der Tapeten notwendigen Lösemittel sein (Horn et al. 2007).
Um gesundheitlichen Beeinträchtigungen vorzubeugen, ist die deutsche Tapetenindustrie eine Selbstverpflichtung eingegangen. Der Verband der Deutschen Tapetenindustrie e.V., dem alle deutschen Tapetenhersteller sowie verschiedene Zulieferbetriebe angehören, gründete 1991 die Gütegemeinschaft Tapete e.V. und entwickelte in Verbindung mit dem RAL gGmbH das Gütezeichen RAL-GZ-479 (RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung 2006). Tapeten mit diesem Gütezeichen erfüllen europäische Normen und verbürgen sich für gesundheitliche Unbedenklichkeit (Deutsches Tapeten-Institut).
Tapeten sind während und nach dem Tapezieren im Allgemeinen als eine relativ unproblematische Produktgruppe anzusehen, wenn sie mit dem Gütezeichen RAL-GZ-479 gekennzeichnet sind. Unkontrolliert nach Deutschland importierte Tapeten aus Herkunftsländern, in denen keine vergleichbaren Gütesiegel gelten, können Schadstoffe enthalten.
Die im RAL-GZ 479 festgelegten Güte- und Prüfbestimmungen beinhalten neben technischen Qualitätsanforderungen nach europäischen Normen (EN 233: Fertige Papier-, Vinyl- und Kunststoffwandbekleidungen; EN 234: Wandbekleidungen für nachträgliche Behandlung; EN 259: hoch beanspruchbare Wandbekleidungen; EN 266: Textilwandbekleidungen) auch Anforderungen an die ökologische und gesundheitliche Unbedenklichkeit. Hierzu gehören beispielsweise der Verzicht auf Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), auf toxische Elemente in Druckfarben und in Stabilisatoren sowie auf leichtflüchtige Weichmacher und Festlegungen zur Emissionsbegrenzung für flüchtige organische Verbindungen (englisch: Volatile Carbon Compounds, Abk. VOC), für chlorierte und aromatenhaltige Lösemittel und für Formaldehyd; das Monomer Vinylchlorid darf nicht nachweisbar sein. Vinylchlorid kann beim Menschen Krebs erzeugen (Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe 2008). Im Hinblick auf FCKW, bestimmte Schwermetalle und Formaldehyd sind diese Vorgaben mit den Anforderungen des Blauen Engels für „Tapeten und Raufaser überwiegend aus Recyclingpapier” (RAL-UZ 35) identisch. Der Blaue Engel hat allerdings noch weitergehende gesundheitliche sowie auch ökologische Kriterien (siehe auch Ausschreibungsempfehlung).
Bei der Herstellung von PVC-Tapeten kann auf Weichmacher nicht verzichtet werden. Sie verleihen der Tapete Elastizität und ermöglichen das Aufschäumen. Weichmacher können ein Problem in Innenräumen sein, auch wenn mittlerweile die leichtflüchtigen Weichmacher durch schwerflüchtige Verbindungen (englisch: Semi-Volatile Organic Compounds, Abk. SVOC) ersetzt wurden. Diese gasen bei Zimmertemperatur ebenfalls aus, das geschieht aber langsamer und über einen längeren Zeitraum.
Zu den SVOC gehören Phthalate, die von ÖKO-TEST in PVC-haltigen, d.h. Vlies-Tapeten nachgewiesen wurden (ÖKO-TEST 2010). Besonders gefährlich ist das Di(2‑ethylhexyl)phthalat (DEHP). PVC-Hersteller verwenden vorrangig DINP (Diisononylphthalat) und DIDP (Diisodecylphthalat). Diese Phthalate sind von der Europäischen Union nicht als gefährliche Stoffe eingestuft. Das Umweltbundesamt bewertet das anzunehmende Umweltverhalten dieser Stoffe jedoch als bedenklich. Sie stehen im Verdacht, sich in hohem Maße in Organismen anzureichern und eine lange Lebensdauer im Boden und in Sedimenten aufzuweisen (Umweltbundesamt 2007).
In den meisten 2010 von ÖKO-TEST getesteten Vliestapeten wurden mindestens Spuren der giftigen zinnorganischen Verbindungen Dibutyl- und Tributylzinn nachgewiesen. Sie werden als Stabilisatoren bei der Produktion eingesetzt. Dibutyl- und Tributylzinn können beim Menschen schon in sehr kleinen Mengen das Immun- und Hormonsystem beeinträchtigen. Das Stoffgemisch der Tapete kann zudem eine Vielzahl von flüchtigen organischen Verbindungen ausgasen, die die Raumluft belasten und Augen und Schleimhäute reizen können.
Nach Renovierungsarbeiten kann manchmal das Phänomen „Schwarze Wohnungen”, auch als „Fogging-Phänomen” bezeichnet, auftreten. Dieses Phänomen hängt mit der Emission von SVOC in die Raumluft zusammen. Sie kommen nicht nur in PVC-haltigen Tapeten, sondern auch in PVC-Bodenbelägen und gegebenenfalls in Wandfarben vor. SVOC lagern sich an vorhandene Staubpartikel an und führen zum „Verkleben” kleinerer zu größeren Staubteilchen. Diese werden vom Luftstrom erfasst und schlagen sich bevorzugt an kalten Oberflächen nieder. An Zimmerdecken und Wänden entstehen schwarze, schmierige Beläge. Diese sind ein ästhetisches Problem, eine Gesundheitsgefahr besteht nicht. Abwaschen oder Überstreichen hilft nicht, die Ursache muss beseitigt werden (Umweltbundesamt 2004).
Schimmelpilze sind in der Umwelt weit verbreitet. Unter günstigen Bedingungen siedeln sie sich auch in der Wohnung an. Dazu gehört vor allem Feuchtigkeit, denn das Nahrungsangebot ist groß. An Wandbekleidungen, die sich an der Innenfläche vor allem von kalten Außenwänden und hinter Möbeln befinden, kann sich die Luftfeuchtigkeit als „Schwitzwasser” niederschlagen. Das kann die Ansiedlung von Schimmelpilzen begünstigen. Die Schimmelpilzkolonien können fast unbemerkt bleiben, zu „muffigem” Geruch oder an den Wänden zu sichtbaren Verfärbungen führen. Schimmelpilze und deren Sporen sind gesundheitsschädlich. Sie werden eingeatmet und können eine Reizung der Atemwege bis hin zum Asthma verursachen.
Die Herstellung von Tapeten erfolgt nach den besten verfügbaren Techniken. Es gelten die gesetzlichen Vorschriften zum Betrieb einer Anlage. Diese erfordern den Einsatz produktionsintegrierter und nachgeschalteter Techniken zur Vermeidung von negativen Umweltauswirkungen. Beispielsweise werden das Abwasser in einer effizienten Kläranlage und das Rauchgas in einer thermischen Nachbehandlung mit Energierückgewinnung gereinigt.
Papier gehört mit zu den wichtigsten Rohstoffen für die Herstellung von Tapeten und Raufaser. Die Umweltbelastungen, die mit der Papierherstellung verbunden sind, sind auf verschiedenen Ebenen angesiedelt, wie dem Verbrauch von Holz, von Frischwasser und von Energieträgern, der Abwasserbelastung (Umweltbundesamt 1999). Erfreulicherweise nimmt das Papierrecycling zu. Im Jahr 2009 wurden 71 Prozent des Altpapiers von deutschen Papierherstellern verwertet (VDP 2010, Leistungsbericht Papier, S. 60). Recyclingpapier kann für die Herstellung von Trägermaterial bei Duplextapeten sowie für die Herstellung von Raufaser verwendet werden.
Die Papierherstellung gehört zu den großen Energie verbrauchenden und Wasser belastenden Wirtschaftszweigen. Sie erfolgt in zwei Schritten: Zunächst wird der Faserrohstoff aus Holz (Primärfasern) oder Altpapier (Sekundärfasern) gewonnen. Um die Fasern aus dem Holz herauszulösen, sind Chemikalien, Wasser und Energie erforderlich. Altpapier gibt demgegenüber seine Fasern durch Auflösen und Reinigen im Wasser frei.
Aus dem Faserbrei wird das Papier unter Zugabe von Hilfsstoffen hergestellt. Zu diesen Hilfsstoffen gehören Füllstoffe, wie Kaolin oder Kreide, und Leimungsstoffe, die das Papier weniger saugfähig machen. Auch Tenside und Konservierungsmittel sind erforderlich, letztere um Störungen in der Papierherstellung infolge einer mikrobiellen Besiedlung der Produktionsanlage zu verhindern.
Die Verwendung von Altpapier bei der Herstellung von Tapeten verringert die Abfallbelastung durch Altpapier, insbesondere beim Einsatz unterer und mittlerer Altpapiersorten. Die mit der Zellstoff- und Holzstofferzeugung verbundenen Umweltbelastungen werden größtenteils umgangen.
Papierprodukte aus Altpapier weisen beim ökologischen Systemvergleich folgende Vorteile gegenüber Papierprodukten aus Primärfasern auf, die Holz als Faserrohstoffquelle nutzen:
Insbesondere Raufasertapeten sind atmungsaktiv, was ein gesundes Raumklima begünstigt.
Für die Fertigung von Papiertapeten kommen auch Primärfasern zum Einsatz. Für deren Herstellung sollte Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft verwendet werden. Es ist mit dem FSC- oder dem PEFC-Siegel gekennzeichnet. In den 1990er Jahren gründeten sich die internationalen Organisationen FSC (Forest Stewardship Council) und PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes), die sich dafür einsetzen, dass nur Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft verarbeitet wird. Hierbei geht es nicht nur um Sozialverträglichkeit für die dort lebenden Menschen, sondern auch darum, nachteilige Auswirkungen auf Klima und Artenvielfalt zu minimieren.
Kunststoffe, synthetische Fasern und teilweise auch Druckfarben werden aus Erdöl hergestellt. Erdöl gehört zu den begrenzten, knapper werdenden Ressourcen. Neben der Effizienzsteigerung bei Förderung, Transport und Nutzung als wertvollen Rohstoff in der petrochemischen Industrie und einer adäquaten Umwelttechnik sollten daher alternative Produkte auch bei Tapeten eingesetzt werden. Hierzu gehören Papiertapeten und Raufaser oder auch Glasfasertapeten. Letztere sind äußerst strapazierfähig und nicht brennbar.
Für die Herstellung von Schaumtapeten werden PVC und Acryl eingesetzt. Die Aufschäumung erfolgt mittels Heißprägung, wodurch die Tapeten zugleich eine Struktur erhalten. Halogenierte Fluorkohlenwasserstoffe (FCKW) dürfen nicht mehr als Treibmittel verwendet werden. Sie sind mit dem Montreal-Protokoll seit 1989 weltweit verboten. Deutsche Tapetenhersteller verwenden zum Aufschäumen von PVC-Tapeten chemische Treibmittel, die sich bei erhöhter Temperatur zersetzen. Hierbei entsteht auch Stickstoff, der die Schaumstruktur bildet. Beim Aufschäumen von Acryltapeten sind Kunststoff-Pellets das Ausgangsmaterial. Sie sind mit einem Treibgas aus leichtflüchtigen organischen Verbindungen (englisch: Very Volatile Carbon Compounds, Abk. VVOC) gefüllt. Die Pellets dehnen sich bei der Erwärmung aus. Reste des Treibgases können noch nach dem Tapezieren langsam in die Raumluft ausgasen. Sie sollten bei Prüfkammerversuchen unter Wohnbedingungen nicht nachweisbar sein (RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung 2006). Über die Zusammensetzung dieser gasförmigen Verbindungen liegen keine Informationen vor. Um gesundheitlichen Beeinträchtigungen vorzubeugen, sollte regelmäßig gelüftet werden.
Üblicherweise werden in Deutschland wasserlösliche Druckfarben eingesetzt - vorrangig organische Verbindungen. Sie eignen sich für das Tiefdruck- und Siebdruckverfahren zum Bedrucken von Papier- oder Vinyltapeten. Azofarbstoffe, die krebserzeugende Amine abspalten und verboten sind, werden nicht mehr verwendet (Deutsches Tapeten-Institut).
Nicht immer kann bei der Tapetenherstellung auf organische Lösemittel verzichtet werden. Dann sollte in geschlossenen Systemen produziert werden. In die Umwelt gelangende organische Lösemittel begünstigen die Entstehung von Sommersmog. Sommersmog ist pflanzenschädigend und kann beim Menschen zu starken Reizungen der Augenbindehaut und der Schleimhaut der oberen Atemwege führen sowie die Lungenfunktion beeinträchtigen (mehr dazu unter Umweltbundesamt 2005 a).
Wandbeläge mit langer Lebensdauer sind ökologisch sinnvoll – insbesondere dann, wenn sie mehrfach überstreichbar sind. Das reduziert das erneute Tapezieren, spart Rohstoffe und vermindert dadurch das Restmüllaufkommen. Tapeten sind nach ihrem Gebrauch nicht wiederverwertbar und müssen über den Rest-/Hausmüll entsorgt werden.
Tapetenablöser
In Tapetenablösern können Formaldehyd/-abspalter enthalten sein, wie ÖKO-TEST 2008 beanstandete. Formaldehyd kann bei Freisetzung Allergien auslösen und steht unter Verdacht krebsverursachend zu sein. (siehe ÖKO-TEST Jahrbuch Bauen, Wohnen & Renovieren 2008).
Blauer Engel, RAL-UZ 35Der Blaue Engel zeichnet Produkte aus, die innerhalb einerProduktgruppe besonders umweltfreundlich sind und zudem hohe Ansprüche an Gesundheits- und Arbeitsschutz sowie die Gebrauchstauglichkeit erfüllen. 1978 wurde der Blaue Engel zum ersten Mal vergeben und ist damit das älteste Umweltzeichen weltweit.
Tapeten und Raufaser erhalten das Umweltzeichen Blauer Engel (RAL-UZ 35) dann, wenn sie umweltschonend hergestellt sind, überwiegend aus Altpapier bestehen und aus gesundheitlicher Sicht unbedenklich sind – das heißt, besonders arm an Formaldehyd, Schwermetallen und anderen Schadstoffen. Die eingesetzten Primärfasern müssen von Holz aus ökologischer Waldbewirtschaftung (z.B. FSC, PEFC) stammen.
Die Kriterien werden vom Umweltbundesamt in Kooperation mit Herstellern, Prüfinstituten, weiteren Fachleuten und Verbrauchervertreter/innen erarbeitet. Die unabhängige Jury Umweltzeichen prüft und beschließt die Vergabegrundlagen. Die Vergabe erfolgt durch die RAL gGmbH im Auftrag des Umweltbundesamtes. An dem Vergabeprozess sind auch verschiedene Interessengruppen beteiligt.
Forest Stewardship Council (FSC)Der Forest Stewardship Council (FSC) ist eine internationale nichtstaatliche, gemeinnützige Organisation, die sich für eine umweltgerechte, sozialverträgliche und ökonomisch tragfähige Nutzung der Wälder auf der Erde einsetzt. Die Organisation wird weltweit von Umweltorganisationen, Gewerkschaften, Interessensvertretern indigener Völker sowie zahlreichen Unternehmen aus der Forst- und Holzwirtschaft unterstützt.
Der FSC legt verbindliche Prinzipien und Kriterien für eine nachhaltige Forstwirtschaft fest. Sie betreffen Ökologie, Sozialverträglichkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit und werden von den nationalen Arbeitsgruppen an die regionalen Verhältnisse in Form von nationalen FSC-Standards angepasst. Tapeten, die ein FSC-Zertifikat tragen, stammen nachweislich von einem zertifizierten und verantwortungsvoll bewirtschafteten Forstbetrieb. Mit dem Zertifikat wird sichergestellt, dass Holz aus zertifizierten Wäldern auf dem Weg über die Be- und Verarbeiter sowie Händler bis hin zum Endverbraucher nicht mit unzertifiziertem Holz vermischt wird (lückenlose Verarbeitungskette) und eine eindeutige Identifizierung der Ware gewährleistet ist.
Mit der Vergabe beauftragt der FSC Zertifizierungsorganisationen, die weltweit nach einheitlichen Maßstäben arbeiten. Die Kennzeichnung gilt weltweit.
natureplusZeicheninhaber ist der Internationale Verein für zukunftsfähiges Bauen und Wohnen e.V. (natureplus e.V.). Zu den Mitgliedern gehören Hersteller, Händler, Verbraucher- und Umweltorganisationen, Planer, Berater und Anwender sowie Prüfinstitute.
Papier- und Prägetapeten sowie Raufaser können mit dem natureplus-Label gekennzeichnet sein. Die Kriterien für die Zertifizierung werden im Auftrag von natureplus e.V. durch unabhängige Experten aus Prüfinstituten sowie Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden gemeinsam mit der Wirtschaft entwickelt. Es werden nur solche Produkte zertifiziert, die zu mindestens 85 Prozent aus nachwachsenden und/oder mineralischen Rohstoffen bestehen und die die Anforderungen der festgelegten Kriterien hinsichtlich Gesundheits- und Umweltverträglichkeit sowie Gebrauchstauglichkeit während des gesamten Lebenszyklus erfüllen.
Das Zeichen wird von natureplus e.V. vergeben.
PEFCDas PEFC Council (Programm für die Anerkennung von Waldzertifizierungssystemen) ist die weltweite Organisation zur Förderung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung durch Forstzertifizierung und die Kennzeichnung von Holzprodukten.
Das Technische Dokument sowie die Satzung des PEFC definieren Mindestanforderungen hinsichtlich ökonomischer, ökologischer und sozialer Standards, die die gekennzeichneten Produkte auf nationaler und regionaler Ebene erfüllen müssen. Tapeten mit PEFC-Deklaration geben Gewissheit, dass das zur Produktion eingesetzte Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammt (lückenlose Verarbeitungskette/ Produktkettennachweis).
Das PEFC Council vergibt die Anerkennung an nationale Forstzertifizierungssysteme, die den Anforderungen des PEFC Councils genügen müssen. Diese unabhängigen Zertifizierungsstellen stellen die PEFC-Urkunde aus, die Waldbesitzer dazu berechtigt, das PEFC-Label zu verwenden.
Bei der Auswahl von Tapeten sollte möglichst auf schadstoffarme Produkte zurückgegriffen werden.
Die tabellarisch zusammengestellte Ausschreibungsempfehlung für überwiegend aus Papier-Recycling hergestellte Tapeten und Raufaser orientieren sich an den Vorgaben des Umweltzeichens Blauer Engel (RAL-UZ 35).
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Quelle: Dr. Jutta Dürkop, 2009
Überarbeitung: Umweltbundesamt und Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), September 2011