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Letzte Änderung: 17.03.2009
Innenräume von Gebäuden öffentlicher Auftraggeber sind vielfach mit Papiertapeten oder Raufaser dekoriert. Heimwerker verwenden sie ebenfalls in großem Umfang. Die Entscheidung über die Beschaffung von Wand- und Deckenbekleidungen stellt sich bei der Innenraumdekoration von Neubauten und bei Renovierungsarbeiten.
Jährlich werden in Deutschland etwa 80 Millionen Eurorollen (10,05 x 0,53 Meter) Tapeten und Raufaser hergestellt. Davon haben Papiertapeten einen Marktanteil von etwa 15 bis 20 Prozent, Raufaser etwa ein Drittel und Vliestapeten etwa die Hälfte.
Wandbekleidungen werden großflächig im Innenbereich durch Verkleben angebracht. Zu den Voraussetzungen gehört, dass der Untergrund tragfähig und ohne Unebenheiten ist und eventuelle Schimmelflecken sollten saniert sein (siehe dazu Umweltbundesamt 2005 b).
Tapeten werden aus verschiedenen Materialien hergestellt. Sind sie mehrlagig aufgebaut, bestehen sie aus einer Trägerschicht, die auf der Oberfläche beschichtet ist. Die obere Schicht ist bedruckt und/oder strukturiert. Neben Papier/Altpapier kommen Tapetendruckfarben, synthetische oder natürliche Fasern, Klebstoffe oder Kunststoffe zum Einsatz. Die verarbeiteten Materialien bestimmen die Eigenschaften der Tapete. Dazu gehören Wasch-, Scheuer- und Farbbeständigkeit, für die es entsprechende Symbole gibt.
Als Trägermaterial finden Papier oder Vlies Verwendung. Werden spaltbare mehrschichtige Papiersorten verwendet, können die Tapeten bei Renovierungsarbeiten ebenso wie Vliestapeten von der Wand abgezogen werden. Bei den spaltbaren Tapeten verbleibt die Unterlage an der Wand, auf sie kann die neue Tapete geklebt werden. Für die Beschichtung des Trägermaterials werden verschiedene natürliche oder synthetische Materialien eingesetzt (siehe Tapetenarten). Für deren Befestigung sind teilweise Klebstoffe erforderlich. Meist werden wasserbasierte Dispersionskleber verwendet. Tapeten mit Kunststoffbeschichtungen haben oftmals eine geringe Durchlässigkeit für Feuchtigkeit und können dadurch das Raumklima nachteilig beeinflussen.
Farbdruck und Prägung verleihen der Oberfläche eine farbige Musterung und Struktur. Hierfür gibt es verschiedene Verfahren. Der Farbauftrag kann wie beim Prägedruck auch kombiniert geschehen. Ist der Kunststoffanteil hoch, erfolgt zur Strukturierung eine Heißprägung.
Druckfarben wurden in früheren Jahren oft aus giftigen Schwermetallverbindungen mit Arsen, Blei, Chrom, Cadmium oder Quecksilber hergestellt. Heute sind diese Verbindungen durch weniger gefährliche anorganische und organische Verbindungen ersetzt. Druckfarben sind teils wasserlöslich, teils sind organische Lösemittel notwendig.
Tapeten kann man unter anderem nach den eingesetzten Materialien unterscheiden. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit werden im Folgenden einige Tapetenarten vorgestellt (Maleg 2006, www.raumausstattung.de/wohnen/rubrik-rubrik-Wandbekleidung.htm).
Sie bestehen vollständig aus Papier und können einlagig (Simplexpapier) oder mehrlagig (Duplexpapier) sein. Bei Duplextapeten besteht die obere Schicht aus holzfreiem Papier, die untere Schicht (Träger) kann holzhaltig sein. Meist besitzen Papiertapeten eine leichte Prägung (Gaufrage), auf die farbige Muster aufgedruckt sind. Duplierte Prägetapeten garantieren auch nach dem Tapezieren eine sichtbare Prägung.
Meist sind Raufasern mehrlagig. Die raue Oberfläche entsteht durch Holzspäne unterschiedlicher Größe, die zwischen zwei Lagen aus Papier fixiert sind. Inzwischen wird auch Raufaser mit einem Vliesträger gefertigt. Raufaser muss in der Regel einen Farbauftrag erhalten und behält die Struktur auch nach mehreren Anstrichen.
Bei Textiltapeten sind Fäden oder Gewebe aus natürlichen oder synthetischen Fasern mit auf kunstharzbasierenden Dispersionsklebstoffen auf dem Trägermaterial befestigt, das meist aus Papier ist. Die Tapete ist bei dieser Kaschierung luftdurchlässig. Bevorzugte Naturfasern sind Flachs, Baumwolle, Jute, Wolle und Seide, bei den Chemiefasern kommen Viskose, Polyethersulfon und Polyacrylnitril zum Einsatz. Tapeten aus natürlichen Fasern können zum Schutz vor Mottenbefall entsprechend ausgerüstet sein.
Vliestapeten bestehen aus speziellen Zellstoff- und Polyesterfasern, die mit polymeren Bindemitteln fixiert sind. Sie sind sehr haltbar und lassen sich beim späteren Renovieren von der Wand abziehen. Es gibt, fertig bedruckte Vliese, überstreichbare Vliese und Tapeten auf Vliesträgern. Kleinere Risse im Untergrund lassen sich überbrücken.
Das Trägermaterial aus Papier, Textilgewebe oder Vlies ist mit Wasser abweisendem Lack oder Kunststoff beschichtet. In Abhängigkeit von deren Schichtdicke sind diese Tapeten mehr oder weniger diffusionsfähig. Die Schicht kann als Folie oder aufgeschäumte Farbpaste aufgetragen sein. Die Oberfläche ist bedruckt und glatt oder strukturiert. Als Kunststoffe werden Acryl, Polyvinylacetat (PVA) oder weichmacherhaltiges Polyvinylchlorid (PVC) verwendet. Bei Vinyltapeten besteht diese Schicht aus weichmacherhaltigem PVC.
Bei Glasfasertapeten sind die Glasfasern zu Garnen unterschiedlicher Dicke gesponnen, flächig verwoben und mittels Erwärmen oder Bindemittel auf Kunstharzbasis miteinander verbunden. Sie werden in verschiedenen Strukturen und meist ohne Papierträger hergestellt Glasfasertapeten sind überstreichbar, sehr strapazierfähig und nicht brennbar. Das Gewebe armiert die Wand, Risse und Fugen lassen sich überbrücken. Da sie wasserfest sind, sind sie auch für Feuchträume wie Bad und Küche geeignet. Um beim Tapezieren eine Freisetzung von Glasfasern zu verhindern, sind die Tapeten oft mit einer Kunststoffschicht versehen.
Die Verwendung von Flüssig- und Spritztapeten empfiehlt sich dort, wo größere Spannungen im Wand- oder Deckenbereich zu erwarten sind. Sie werden als Trockenmasse in unterschiedlichen Strukturen und auch farbig angeboten. Sie bestehen aus Dekorfasern und Bindemittel sowie Effektmaterial. Als Dekorfasern werden meist Baumwollfasern verwendet, die im Vergleich zur Raufaser der Oberfläche eine rauere Struktur verleihen. Als Bindemittel kommen Spezialkleber auf Zellulosebasis zum Einsatz. Die Trockenmasse wird vor dem Gebrauch mit Wasser angerührt. Flüssigtapete wird mittels Glättkelle oder – bis zu einer gewissen Dicke – mittels Spritzpistole aufgetragen. Vor Renovierungsarbeiten lassen sich die gut mit Wasser eingeweichten Tapeten mit einem Spachtel problemlos entfernen. Sie können unter Beachtung der Herstellerangaben mit Dispersionswandfarben überstrichen werden. Diese Tapeten besitzen eine gute Schall- und Wärmedämmung.
Daneben gibt es eine Reihe weiterer Tapeten, die teilweise unter dem Begriff „Spezialtapeten“ angeboten werden.
Bei Velourstapeten ist das Trägermaterial aus Papier oder Vlies mit geschnittenen oder gemahlenen, meist synthetischen Textilfaser beflockt. Sie bewirken eine samtartige Oberfläche.
Naturwerkstofftapeten bestehen meist aus Papier, auf welches Gras, Kork, Bast, Sand oder andere Naturmaterialien aufgeklebt sind.
Bei Metalltapeten wird meist Aluminiumfolie verwendet, die auf einen Papierträger kaschiert ist. Die Oberfläche kann durch Bedrucken, Ätzen oder Oxidieren weiter behandelt sein. Wegen der elektrischen Leitfähigkeit dürfen sie nicht mit den Metallrahmen von Steckdosen in Berührung kommen. Sie sollten auch nicht in Feuchträumen eingesetzt werden, weil die Aluminiumfolie als Dampfsperre reagiert. Bei Metallic-Tapeten handelt es sich demgegenüber um metallisch bedampfte Kunststofffolien, die sich ebenfalls auf einem Trägermaterial befinden. Diese Tapeten sind nicht elektrisch leitend.
Isoliertapeten sind eigentlich Wärmedämmfolien, auf die weitere Wandbekleidungen aufgebracht werden können. Sie bestehen aus einer etwa 0,5 Zentimeter dicken Lage Styropor, die mit kartonähnlichem Papier oder mit Aluminiumfolie beklebt ist. Sie sind keine Alternative zu einer Wärmedämmung des Gebäudes von außen und keine Sanierungsmaßnahme. Sie kaschieren bauliche Mängel, die unter den Isoliertapeten das Schimmelpilzwachstum begünstigen.
EMV-Tapeten (EMV – elektromagnetische Verträglichkeit), die auch über das Internet angeboten werden, sollen nieder- und hochfrequente elektromagnetische Felder aus dem Außenbereich abschirmen. Zum einen ist die Wirksamkeit nicht immer gewährleistet. Sie ist abhängig von der Frequenz des elektromagnetischen Feldes und von der Ausführung. Zum anderen werden derartige Abschirmmaßnahmen vom Bundesamt für Strahlenschutz für nicht notwendig erachtet. Die gemessenen Intensitäten der elektromagnetischen Felder liegen in der Regel weit unterhalb der Grenzwerte, die durch die 26. Verordnung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (26. BImSchV ) festgelegt sind. Bei Strahlungsquellen im Innenraum kann es aufgrund von Reflexionen an metallischen Abschirmungen zu lokalen Felderhöhungen kommen (weitere Informationen zum Thema Abschirmung siehe www.bfs.de, Bayerisches Landesamt für Umwelt 2008).
Verschiedene Industriezweige sind in die Tapetenherstellung einbezogen. Es sind vor allem Unternehmen aus der Papier-, Kunststoff- und Farbenbranche. Neben Papier/Altpapier kommen Tapetendruckfarben, synthetische oder natürliche Fasern, Klebstoffe oder Kunststoffe zum Einsatz.
In Abhängigkeit von den verwendeten Materialien können Tapeten eine Schadstoffquelle sein. Dann beeiträchtigen sie während und nach dem Verarbeiten die Gesundheit und die Umwelt. Eine Schadstoffquelle können aber auch die verwendeten Tapetenkleister oder die nachträglich aufgetragenen Lacke und Wandfarben sein (Horn et al. 2007).
Um gesundheitlichen Beeinträchtigungen vorzubeugen, ist die deutsche Tapetenindustrie eine Selbstverpflichtung eingegangen. Der Verband der Deutschen Tapetenindustrie e.V., dem alle deutschen Tapetenhersteller sowie verschiedene Zulieferbetriebe angehören, gründete 1991 die Gütegemeinschaft Tapete e.V. und entwickelte in Verbindung mit dem RAL gGmbH das Gütezeichen RAL-GZ-479 (RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung 2006). Tapeten mit diesem Gütezeichen erfüllen europäische Normen und verbürgen sich für gesundheitliche Unbedenklichkeit (Deutsches Tapeten-Institut). Dieses Gütezeichen berücksichtigt allerdings keine Nachhaltigkeitskriterien wie der „Blaue Engel“. Auch „natureplus“ bezieht ökologische Kriterien ein. Bisher gibt es aber noch keine Tapeten, die von natureplus e.V. zertifiziert sind (Stand November 2008).
Tapeten sind während und nach dem Tapezieren im Allgemeinen als eine relativ unproblematische Produktgruppe anzusehen, wenn sie mit dem Gütezeichen RAL-GZ-479 gekennzeichnet sind. Bei unkontrollierten Importen aus Herkunftsländern, in denen keine vergleichbaren Gütesiegel gelten, können Schadstoffe in den in Deutschland verkauften Tapeten vorkommen.
Die im RAL-GZ 479 festgelegten Güte- und Prüfbestimmungen beinhalten neben technischen Qualitätsanforderungen nach europäischen Normen (EN 233: Papier-, Vinyl- und Kunststoffwandbekleidungen; EN 234: Wandbekleidungen für nachträgliche Behandlung; EN 259: hoch beanspruchbare Wandbekleidungen; EN 266: Textilwandbekleidungen) auch Anforderungen an die gesundheitliche Unbedenklichkeit. Hierzu gehören beispielsweise der Verzicht auf Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW ), auf toxische Elemente in Druckfarben und in Stabilisatoren sowie auf leichtflüchtige Weichmacher und Festlegungen zur Emissionsbegrenzung für flüchtige organische Verbindungen (englisch: Volatile Carbon Compounds, Abk. VOC), für chlorierte und aromatenhaltige Lösemittel und für Formaldehyd; das Monomer Vinylchlorid darf nicht nachweisbar sein. Vinylchlorid kann beim Menschen Krebs erzeugen (Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe 2008). Im Hinblick auf FCKW, bestimmte Schwermetalle und Formaldehyd sind diese Vorgaben mit den Anforderungen des Blauen Engels für „Tapeten und Raufaser überwiegend aus Recyclingpapier“ (RAL-UZ 35) identisch. Der Blaue Engel hat allerdings noch weitergehende gesundheitliche sowie auch ökologische Kriterien (siehe auch Ausschreibungsempfehlung).
Auf Weichmacher kann bei der Herstellung von PVC-Tapeten nicht verzichtet werden. Sie verleihen der Tapete Elastizität und ermöglichen das Aufschäumen. Weichmacher können nach wie vor ein Problem in Innenräumen sein, auch wenn mittlerweile die leichtflüchtigen Weichmacher durch schwerflüchtige Verbindungen (englisch: Semi-Volatile Organic Compounds, Abk. SVOC) ersetzt wurden. Diese gasen bei Zimmertemperatur ebenfalls aus, das geschieht aber langsamer und über einen längeren Zeitraum.
Zu den SVOC gehören Phthalate, die von Öko-Test in PVC-haltigen Tapeten nachgewiesen wurden (Öko-Test 2002). Besonders gefährlichen sind die Phthalate DEHP (Di(2-ethylhexyl)phthalat), DBP (Dibutylphthalat) und BBP (Benzylbutylphthalat). Sie haben hormonähnliche Eigenschaften und können schädliche Wirkungen auf die Fortpflanzungsfähigkeit haben. Sie stellen auch ein Risiko für die Umwelt dar. DBP und BBP sind beispielsweise giftig für Wasserorganismen. Ihre Anwendung in einigen verbrauchernahen Produkten ist daher verboten. PVC-Hersteller ersetzten mittlerweile vor allem DEHP durch DINP (Diisononylphthalat) und DIDP (Diisodecylphthalat). Diese Phthalate sind von der Europäischen Union nicht als gefährliche Stoffe eingestuft. Das Umweltbundesamt bewertet das anzunehmende Umweltverhalten dieser Stoffe jedoch als bedenklich. Sie stehen im Verdacht, sich in hohem Maße in Organismen anzureichern und eine lange Lebensdauer im Boden und in Sedimenten aufzuweisen (Umweltbundesamt 2007).
Nach Renovierungsarbeiten kann manchmal das Phänomen „Schwarze Wohnungen“, auch als „Fogging-Phänomen“ bezeichnet, auftreten. Dieses Phänomen hängt mit der Emission von SVOC in die Raumluft zusammen. Sie kommen nicht nur in PVC-haltigen Tapeten, sondern auch in PVC-Bodenbelägen und gegebenenfalls in Wandfarben vor. SVOC lagern sich an vorhandene Staubpartikel an und führen zum „Verkleben“ kleinerer zu größeren Staubteilchen. Diese werden vom Luftstrom erfasst und schlagen sich bevorzugt an kalten Oberflächen nieder. An Zimmerdecken und Wänden entstehen schwarze, schmierige Beläge. Diese sind ein ästhetisches Problem, eine Gesundheitsgefahr besteht nicht. Abwaschen oder Überstreichen hilft nicht, die Ursache muss beseitigt werden (Umweltbundesamt 2004).
Schimmelpilze sind in der Umwelt weit verbreitet. Unter günstigen Bedingungen siedeln sie sich auch in der Wohnung an. Dazu gehört vor allem Feuchtigkeit, denn das Nahrungsangebot ist groß. An Wandbekleidungen, die sich an der Innenfläche vor allem von kalten Außenwänden und hinter Möbeln befinden, kann sich die Luftfeuchtigkeit als „Schwitzwasser“ niederschlagen. Das kann die Ansiedlung von Schimmelpilzen begünstigen. Die Schimmelpilzkolonien können fast unbemerkt bleiben, zu „muffigem“ Geruch oder an den Wänden zu sichtbaren Verfärbungen führen. Schimmelpilze und deren Sporen sind gesundheitsschädlich. Sie werden eingeatmet und können eine Reizung der Atemwege bis hin zum Asthma verursachen.
Für die Herstellung von Tapeten gelten die gesetzlichen Vorschriften zum Betrieb einer Anlage. Das erfordert die Erfüllung verschiedener Anforderungen an die Umwelttechnik. Beispielsweise verfügen die meisten Hersteller über eine eigene Kläranlage. Die rauchgasbeladene Abluft wird in der Regel zur Wärmegewinnung einer thermischen Nachverbrennungsanlage zugeführt.
Papier gehört mit zu den wichtigsten Rohstoffen für die Herstellung von Tapeten und Raufaser. Die Umweltbelastungen, die mit der Papierherstellung verbunden sind, sind auf verschiedenen Ebenen angesiedelt, wie dem Verbrauch von Holz, von Frischwasser und von Energieträgern, der Abwasserbelastung und den Entsorgungsproblemen durch das stetige Aufkommen von Altpapier (Umweltbundesamt 1999). Erfreulicherweise nimmt das Papierrecycling zu. Im Jahr 2007 wurden knapp 70 Prozent des Altpapiers von deutschen Papierherstellern verwertet (Umweltbundesamt 2008). Recyclingpapier kann für die Herstellung von Trägermaterial bei Duplextapeten sowie für die Herstellung von Raufaser verwendet werden.
Die Papierherstellung erfolgt in zwei Schritten: Zunächst wird der Faserrohstoff aus Holz (Primärfasern) oder Altpapier (Sekundärfasern) gewonnen. Um die Fasern aus dem Holz herauszulösen, sind Chemikalien, Wasser und Energie erforderlich. Altpapier gibt demgegenüber seine Fasern durch Auflösen und Reinigen im Wasser frei. Das ist auch der Grund für die günstigere Bewertung von Altpapier, denn die Gewinnung der Sekundärfasern aus Altpapier erfordert nur ein Drittel der Wassermenge und nur die Hälfte der Energie.
Aus dem Faserbrei wird dann das Papier unter Zugabe von Hilfsstoffen hergestellt. Zu diesen Hilfsstoffen gehören Füllstoffe, wie Kaolin oder Kreide, und Leimungsstoffe, die das Papier weniger saugfähig machen. Auch Tenside und Konservierungsmittel sind erforderlich, letztere um Störungen in der Papierherstellung infolge einer mikrobiellen Besiedlung der Produktionsanlage zu verhindern.
Tapeten und Raufaser aus Altpapier sparen nicht nur Ressourcen, sie verhindern die mit der Herstellung von Primärfasern verbundenen Umweltbelastungen. Für Altpapierrecycling sprechen auch die Knappheit fossiler Energieträger und der Vorteil beim Treibhauspotenzial, das in der Diskussion um den Klimawandel eine große umweltpolitische Priorität hat. Zudem werden die Waldbestände geschont und damit der Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen.
Für die Fertigung von Papiertapeten kommen auch Primärfasern zum Einsatz. Für deren Herstellung sollte Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft verwendet werden. Es ist mit dem FSC- oder dem PEFC-Siegel gekennzeichnet. In den 1990er Jahren gründeten sich die internationalen Organisationen FSC (Forest Stewardship Council) und PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes), die sich dafür einsetzen, dass nur Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft verarbeitet wird. Hierbei geht es nicht nur um Sozialverträglichkeit für die dort lebenden Menschen, sondern auch darum, nachteilige Auswirkungen auf Klima und Artenvielfalt zu minimieren.
Kunststoffe, synthetische Fasern und teilweise auch Druckfarben werden aus Erdöl hergestellt. Erdöl gehört zu den begrenzten, knapper werdenden Ressourcen. Neben der Effizienzsteigerung bei Förderung, Transport und Nutzung als wertvollen Rohstoff in der petrochemischen Industrie und einer adäquaten Umwelttechnik sollten daher alternative Produkte auch bei Tapeten eingesetzt werden. Hierzu gehören Papiertapeten und Raufaser oder auch Glasfasertapeten. Letztere sind äußerst strapazierfähig und nicht brennbar.
Für die Herstellung von Schaumtapeten werden PVC und Acryl eingesetzt. Die Aufschäumung erfolgt mittels Heißprägung, wodurch die Tapeten zugleich eine Struktur erhalten. Halogenierte Fluorkohlenwasserstoffe (FCKW) dürfen nicht mehr als Treibmittel verwendet werden. Sie sind mit dem Montreal-Protokoll seit 1989 weltweit verboten. Deutsche Tapetenhersteller verwenden zum Aufschäumen von PVC-Tapeten chemische Treibmittel, die sich bei erhöhter Temperatur zersetzen. Hierbei entsteht auch Stickstoff, der die Schaumstruktur bildet. Beim Aufschäumen von Acryltapeten sind Kunststoff-Pellets das Ausgangsmaterial. Sie sind mit einem Treibgas aus leichtflüchtigen organischen Verbindungen (englisch: Very Volatile Carbon Compounds, Abk. VVOC) gefüllt. Die Pellets dehnen sich bei der Erwärmung aus. Reste des Treibgases können noch nach dem Tapezieren langsam in die Raumluft ausgasen. Sie sollten bei Prüfkammerversuchen unter Wohnbedingungen nicht nachweisbar sein (RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung 2006). Über die Zusammensetzung dieser gasförmigen Verbindungen liegen keine Informationen vor. Um gesundheitlichen Beeinträchtigungen vorzubeugen, sollte regelmäßig gelüftet werden.
Die Druckfarben sind heutzutage durch weniger gefährliche, meist organische Verbindungen ersetzt worden. Azofarbstoffe, die krebserzeugende Amine abspalten und verboten sind, werden nicht mehr verwendet (Deutsches Tapeten-Institut). Üblicherweise werden in Deutschland wasserlösliche Farben eingesetzt. Sie eignen sich für das Tiefdruck- und Siebdruckverfahren zum Bedrucken von Papier- oder Vinyltapeten.
Nicht immer kann bei der Tapetenherstellung auf organische Lösemittel verzichtet werden. Dann sollte in geschlossenen Systemen produziert werden. In die Umwelt gelangende organische Lösemittel begünstigen die Entstehung von Sommersmog. Sommersmog ist pflanzenschädigend und kann beim Menschen zu starken Reizungen der Augenbindehaut und der Schleimhaut der oberen Atemwege führen sowie die Lungenfunktion beeinträchtigen (mehr dazu unter Umweltbundesamt 2005 a).
Wandbeläge mit langer Lebensdauer sind ökologisch sinnvoll – insbesondere dann, wenn sie mehrfach überstreichbar sind. Das reduziert das erneute Tapezieren, spart Rohstoffe und vermindert dadurch das Restmüllaufkommen. Tapeten sind nach ihrem Gebrauch nicht wiederverwertbar und müssen über den Rest-/Hausmüll entsorgt werden.
Quelle: Dr. Jutta Dürkop
Blauer Engel, RAL-UZ 35Der „Blaue Engel“ ist das älteste offizielle Umweltzeichen in Deutschland. Zeicheninhaber ist das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Von dem Umweltzeichen geht ein Anreiz aus, umwelt- und gesundheitsverträglichere Produkte zu entwickeln.
Tapeten und Raufaser erhalten das Umweltzeichen Blaer Engel (RAL-UZ 35) dann, wenn sie umweltschonend hergestellt sind, überwiegend aus Altpapier bestehen und aus gesundheitlicher Sicht unbedenklich sind – das heißt, besonders arm an Formaldehyd, Schwermetallen und anderen Schadstoffen. Die eingesetzten Primärfasern müssen von Holz aus ökologischer Waldbewirtschaftung (z.B. FSC, PEFC) stammen.
Die Kriterien werden vom Umweltbundesamt in Kooperation mit Herstellern, Prüfinstituten, weiteren Fachleuten und Verbrauchervertretern erarbeitet. Die unabhängige Jury Umweltzeichen prüft und beschließt die Vergabegrundlagen. Die Vergabe erfolgt durch die RAL gGmbH im Auftrag des Umweltbundesamtes. An dem Vergabeprozess sind auch verschiedene Interessengruppen beteiligt.
Forest Stewardship Council (FSC)Der Forest Stewardship Council (FSC) ist eine internationale nichtstaatliche, gemeinnützige Organisation, die sich für eine umweltgerechte, sozialverträgliche und ökonomisch tragfähige Nutzung der Wälder auf der Erde einsetzt. Die Organisation wird weltweit von Umweltorganisationen, Gewerkschaften, Interessensvertretern indigener Völker sowie zahlreichen Unternehmen aus der Forst- und Holzwirtschaft unterstützt. Die FSC-Zertifizierung des eingesetzten Holzes oder Holzwerkstoffes ist Bestandteil der Vergabegrundlage des Blauen Engels. Auch gleichwertige Zertifizierungssysteme (z. B. PEFC) werden anerkannt.
Der FSC hat zehn verbindliche Prinzipien und 56 Kriterien für eine nachhaltige Forstwirtschaft festgelegt. Sie berücksichtigen soziale, ökologische und wirtschaftliche Aspekte. Nationale Arbeitsgruppen passen diese Prinzipien und Kriterien an die regionalen Verhältnisse in Form von nationalen FSC-Standards an. Das FSC-Label kennzeichnet die Erzeugung des Rohstoffs Holz, aus dem das jeweilige Produkt gefertigt wurde und garantiert die lückenlose Verarbeitungskette.
Mit der Vergabe beauftragt der FSC Zertifizierungsorganisationen, die weltweit nach einheitlichen Maßstäben arbeiten. Die Kennzeichnung gilt weltweit.
natureplusZeicheninhaber ist der Internationale Verein für zukunftsfähiges Bauen und Wohnen e.V. (natureplus e.V.). Zu den Mitgliedern gehören Hersteller, Händler, Verbraucher- und Umweltorganisationen, Planer, Berater und Anwender sowie Prüfinstitute.
Papier- und Prägetapeten sowie Raufaser können mit dem natureplus-Label gekennzeichnet sein. Die Kriterien für die Zertifizierung werden im Auftrag von natureplus e.V. durch unabhängige Experten aus Prüfinstituten sowie Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden gemeinsam mit der Wirtschaft entwickelt. Es werden nur solche Produkte zertifiziert, die zu mindestens 85 Prozent aus nachwachsenden und/oder mineralischen Rohstoffen bestehen und die die Anforderungen der festgelegten Kriterien hinsichtlich Gesundheits- und Umweltverträglichkeit sowie Gebrauchstauglichkeit während des gesamten Lebenszyklus erfüllen.
Das Zeichen wird von natureplus e.V. vergeben. Derzeit ist allerdings keine Tapete mit natureplus-Label erhältlich.
PEFCDas Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC) ist ein internationales Waldzertifizierungssystem, dem neben europäischen Ländern auch Länder anderer Kontinente angehören.
Das Technische Dokument sowie die Satzung des PEFC definieren Mindestanforderungen hinsichtlich ökonomischer, ökologischer und sozialer Standards, die auf nationaler und regionaler Ebene erfüllt werden müssen.
Unabhängige Zertifizierungsstellen stellen die PEFC-Urkunde aus, die Waldbesitzer dazu berechtigt, das PEFC-Label zu verwenden. Holz und Holzprodukte, die den Anforderungen des PEFC genügen, können ebenfalls gekennzeichnet werden, wenn ein glaubwürdiger Produktkettennachweis sichergestellt ist.
Bei der Auswahl von Tapeten sollte möglichst auf schadstoffarme Produkte zurückgegriffen werden.
Die tabellarisch zusammengestellte Ausschreibungsempfehlung für überwiegend aus Papier-Recycling hergestellte Tapeten und Raufaser orientieren sich an den Vorgaben des Umweltzeichens Blauer Engel (RAL-UZ 35).
Der Bieter erklärt die Einhaltung der Anforderungen und legt zum Nachweis Prüfprotokolle und Zertifikate vor. Näheres zu den Prüfmethoden ist der Vergabegrundlage für RAL-UZ 35 zu entnehmen.
Wenn für das angebotene Produkt ein Zeichennutzungsvertrag für den Blauen Engel besteht, kann ungeprüft die Einhaltung aller Anforderungen angenommen werden.
Quelle: Dr. Jutta Dürkop
Quelle: Dr. Jutta Dürkop