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Umweltfreundliche Beschaffung

Gebäudeinnenausstattung

Letzte Änderung: 17.03.2009

Raumtextilien

Einführung

Unter Raumtextilien versteht man Vorhänge, Gardinen, Dekorationsstoffe, Tischwäsche und evt. noch Möbelbezugsstoffe und Sitzbezüge. An textile Stoffe, die für diese Zwecke verwendet werden, werden völlig andere Anforderungen gestellt als zum Beispiel an Bekleidungstextilien.

Anforderungen an Vorhänge / Gardinen / Dekorationsstoffe:
Anforderungen an Möbelbezugstoffe / Tischwäsche:

Die Produktion von solchen textilen Stoffen ist gekennzeichnet durch den Einsatz einer Vielzahl von Chemikalien, von denen viele umweltbelastend und gesundheitsgefährdend sind, einige zu den gefährlichsten bekannten Stoffen überhaupt gehören (z.B. Dioxine). Die fertigen Textilien können durch ihre Schadstofffracht bei Hautkontakt (Sitzbezüge), durch Ausdünstungen oder beim Einatmen von Stäuben gesundheitsschädlich sein. Auch die spätere Entsorgung ist problematisch.

Eine Reihe von Herstellern bemüht sich seit einigen Jahren um eine ökologisch optimierte Textilproduktion. So ist der Einsatz von Naturfasern aus kontrolliert biologischer Erzeugung mittlerweile in vielen Bereichen möglich geworden. Es ist sogar gelungen, Flugzeugsitzbezüge, Textilien mit einem besonders schwierigen Eigenschaftsprofil also, in umweltverträglicher Qualität zu entwickeln.

Zur Orientierung über die ökologische Qualität von Textilien eignen sich eine Reihe von Ökolabeln. Teilweise ist jedoch eine enge Zusammenarbeit mit dem Hersteller sinnvoller, da nicht alle ökologisch optimierten Textilien durch ein Ökolabel gekennzeichnet sind.

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Umweltbezogene Produkteigenschaften

Der Lebensweg eines Textils ist von der Erzeugung bis zur Entsorgung gekennzeichnet durch einen massenhaften Einsatz von Chemikalien unterschiedlichster Art. Es beginnt mit Pestiziden, die auf Baumwollfeldern versprüht werden, oder Prozesschemikalien bei der Chemiefaser-Erzeugung, geht dann weiter mit Bleichmitteln, Farbstoffen, chemischen Ausrüstungsmitteln, Web- und Strickhilfsmitteln, bis hin zu Wasch- und Reinigungsmitteln während des Gebrauchs. Nicht selten sind die Textilien im Laufe ihrer Herstellung bereits mehrmals um den Globus gereist, da die einzelnen Arbeitsschritte in verschiedenen Ländern durchgeführt werden. Umweltbelastungen, Gesundheitsgefährdungen für die Beschäftigen und soziale Probleme begleiten die Textilien dabei auf ihrer Weltreise.

Weitgereiste Textilien

Textile Stoffe haben, wenn sie bei uns im Verkaufsraum hängen, bereits eine Weltreise hinter sich. Kaum ein Händler ist heute in der Lage genau zu sagen, woher seine Waren bzw. deren Bestandteile kommen, denn jeder Schritt der Herstellung erfolgt möglicherweise in einem anderen Land. Billige Löhne, Steuerfreiheit und fehlende soziale Absicherungen machen arme Länder für Textilproduzenten profitabel. Ein Produkt könnte wie folgt entstanden sein: "Die Baumwolle aus Kasachstan wird in der Türkei zu Garn versponnen, aus dem in Taiwan Gewebe entsteht. Das Gewebe wird möglicherweise in Frankreich unter Verwendung von Farbstoffen aus Polen und China bedruckt und im Rahmen der passiven Lohnveredlung für eine Firma in Bulgarien zusammen mit Futterstoff aus der Schweiz zur Herstellung eines Kleidungsstückes verwendet. (Gesamtverband der Textilindustrie, 1.3.1993) Diese Internationale Arbeitsteilung bedeutet häufig Kinderarbeit und ausbeuterische Arbeitsbedingungen in den sogenannten "Weltmarktfabriken". Hinzu kommen Umweltbelastungen durch die Transporte rund um den Globus. Dabei können rund 19.000 Kilometer zustande kommen, die das Textil zurücklegt. (Enquete-Kommission "Schutz des Menschen und der Umwelt")


Phase Umweltbelastungen Gesundheitsprobleme
Fasererzeugung

1.Naturfasern
(Anbau, Tierhaltung)

  • hoher Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln, Belastung des Grund- und Oberflächenwassers mit Nährstoffen (Eutrophierung) und Pestiziden
  • Bewässerungsanbau führt zu Bodenversalzung und Austrocknung von Gewässern
  • Einsatz von Konservierungsstoffen (u.a. PCP) bei Transport und Lagerung von Naturfasern
  • Einsatz nicht erneuerbarer Ressourcen für Transporte und die Synthese der verwendeten Einsatzstoffe (Düngemittel, Pestizide)
  • Vergiftungen durch Pestizide
  • Langzeitschäden durch Pestizideinsatz
  • durch Flächenverbrauch für den Baumwollanbau stehen weniger Flächen für den Anbau von Nahrungsmitteln zur Verfügung
  • Grundwasserabsenkung bei Bewässerungsanbau kann zur Austrocknung von Trinkwasserbrunnen führen
2.Chemiefasern
  • Einsatz nicht regenerativer Ressourcen (Erdöl) als Rohstoff
  • Energiebedarf
  • Emissionen bei der Herstellung synthetischer Fasern
  • Einsatz von z.T. schwermetallhaltigen Katalysatoren
  • · Abwasserbelastung bei der Produktion der Chemiefasern
  • · Bildung von Neben- und Kuppelprodukten
  • Gefährdung durch Schadstoffe in Flüssen und in der Luft
  • Gefährdung durch Anreicherung von Schadstoffen über die Nahrungskette in Lebensmitteln
  • Gefahren durch Chemieunfälle
Spinnen, Weben,
Stricken, Wirken
  • Energiebedarf
  • Einsatz von Hilfsmitteln (Spinnöle, Schlichten, die bei nachfolgenden Verarbeitungsschritten wieder entfernt werden müssen und dann das Abwasser belasten
  • Staub- und Lärmbelastungen
  • textile Abfälle
  • Lärm (Lärmschwerhörigkeit)
  • Staub (Berufskrankheit Byssinose durch Baumwollstaub)
  • Baumwollspinnerkrebs durch krebserregende Verunreinigungen in den Spinnölen
Veredlung
  • Einsatz großer Mengen an Textilhilfs- und Ausrüstungschemikalien
  • Emissionen in die Umwelt (Wasser und Luft)
  • hoher Energieverbrauch
  • hoher Wasserbedarf
  • Klärschlammanfall
  • Kontakt mit krebserregenden Stoffen (Blasenkrebs durch Farbstoffe)
  • Chlorakne
  • Kontakt mit giftigen Pestiziden und anderen giftigen Stoffen Hautallergien
  • Lungen- und Bronchialerkrankungen
  • Schleimhautreizungen
Konfektionierung(Nähen)
  • Energieverbrauch
  • textile Abfälle (Zuschnittreste)
  • Allergien durch Textilchemikalien in den frisch ausgerüsteten Stoffen
  • Kinderarbeit
  • Ausbeuterische Arbeitsbedingungen in "Weltmarktfabriken" in Niedrig Lohn-Ländern
Transport zwischen den einzelnen Stufen der textilen Kette
  • hoher Verbrauch nicht erneuerbarer Ressourcen (Sprit, Flugzeugbenzin)
  • hohe CO2-Emissionen (Treibhauseffekt)
Baumwoll-Anbau

Die Reise der Textilien beginnt bei der Fasererzeugung. Baumwolle, die weltweit am meisten verbrauchte Naturfaser (48% des weltweiten Faserverbrauchs für Textilien) wird in intensiver Landwirtschaft erzeugt. Die schädlingsanfälligen Baumwoll-Pflanzen werden bis zu 14mal mit zum Teil hoch gefährlichen Pestiziden besprüht. Baumwolle gehört zu den Kulturen, in denen die meisten Pestizide ausgebracht werden. Nach Ansicht internationaler Fachgremien dürfen alle bedeutsamsten Baumwollinsektizide nur durch ausgebildetes Personal ausgebracht werden, das Schutzmaßnahmen einhält. Tatsächlich ist dies besonders in baumwollanbauenden Entwicklungsländern sehr oft nicht der Fall. Vergiftungen durch Pestizide sind daher an der Tagesordnung. Darüber hinaus werden durch den intensiven Pestizideinsatz in den Anbaugebieten Böden, Grundwasser und Oberflächenwasser auf Dauer vergiftet.

Ein weiteres großes Problem ist der Bewässerungsanbau in trockenen Gebieten. Hier werden rund 29 Kubikmeter Wasser für den Anbau von einem Kilogramm Baumwolle benötigt. Auf die Dauer führt diese Art von Anbau zur Versalzung der Böden und zum Austrocknen von Flüssen und Seen (Bsp. Aralsee in Usbekistan).

Erzeugung Chemiefasern

Auf der anderen Seite steht die industrielle Erzeugung von Chemiefasern, die ebenfalls mit Umweltbelastungen verbunden ist. Chemiefasern machen ca. 40% des weltweiten Faserverbrauchs aus, wovon immerhin 38% im Heimtextilbereich eingesetzt werden. Das Umweltkonto der chemisch erzeugten Fasern wird durch den Verbrauch nicht erneuerbarer fossiler Rohstoffe (Erdöl) belastet, aus denen die Ausgangsprodukte für Synthetics wie Polyester, Polyamid oder Polyacryl erzeugt werden. Außerdem verbleiben Abfallprodukte, Restmonomere und Nebenprodukte, die zum Teil krebserregend oder gesundheitsschädlich und zum großen Teil umweltbelastend sind.

Spinnen, Weben, Stricken, Wirken

Die folgenden Arbeitsgänge Spinnen, Weben, Stricken, Wirken laufen vollautomatisiert ab. Das größte Problem in diesen Betrieben ist der ohrenbetäubende Lärm. Dabei sind auch die modernsten Geräte kaum besser als die alten, denn sie laufen noch schneller und Schallschutz ist kaum möglich. Nach Aussage der Bundesanstalt für Arbeitsschutz arbeiten etwa 40% der Beschäftigten in diesen Betrieben bei gesundheitsgefährdendem Lärm. 59% der anerkannten Fälle von Berufskrankheit sind Lärmschwerhörigkeit. (Enquete-Kommission Schutz des Menschen und der Umwelt) Hinzu kommen Spinnöle, die die Fasern gleitfähiger machen. Es handelt sich um Mineralöle, die als Verunreinigung polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe enthalten (PAK), die krebserzeugend sind. Der Baumwollspinnerkrebs wird durch solches Spinnöl hervorgerufen. Gesundheitsschädlich ist außerdem der Baumwollstaub. Er kann schwere Atembeschwerden und Asthma verursachen. Diese sogenannte Byssinose ist als Berufskrankheit anerkannt.

Bleichen, Färben, chemisch Ausrüsten

Die anschließende, sogenannte Veredlung von Textilien umfasst das Bleichen, Färben und Ausrüsten. Dabei werden pro Kilogramm Stoff durchschnittlich 100 Liter Wasser verbraucht. Von den nach dem Chemikaliengesetz seit 1980 neu eingereichten chemischen Verbindungen sind 15% Farbstoffe und weitere 2% sind Hilfsstoffe für die Textilherstellung. Von diesen Textilchemikalien ist rund ein Drittel als gesundheitsgefährlich eingestuft. Im einzelnen erwiesen sich vier Prozent als schwach giftig, 13% als haut-/schleimhautreizend sowie 20% als allergieauslösend. Bei den ca. 100.000 Altstoffen liegen Daten zu direkten Gesundheitsauswirkungen oder Langzeitwirkungen häufig nicht vor.

Im Durchschnitte fließen 90% der eingesetzten Chemikalien der Textilherstellung ins Abwasser. Von weltweit 1,7 Millionen t Textilhilfsmitteln kommen in Deutschland etwa 110.000t zum Einsatz, das sind immerhin 6,5% des Weltverbrauchs. Hinzu kommen durchschnittlich 100.000t Chemikalien (Säuren, Laugen, Salze) und fast 12.000t Farbstoffe. Im Abwasser landeten davon 1986 etwa 71% der eingesetzten Textilhilfsmittel, 100% der Chemikalien sowie 20% der eingesetzten Farbstoffe.

Für die Beschäftigten in der Bleicherei, Färberei und Veredlung bedeutet der Umgang mit den Chemikalien ein Gesundheitsrisiko. In modernen Betrieben laufen viele Arbeitsschritte vollautomatisch ab. Der direkte Kontakt mit den Chemikalien wird dadurch weitgehend vermieden. Dennoch waren Farbstoffe bzw. Farbstoffstäube die häufigste Ursache für Berufskrankheiten in 8% der Fälle für allergische Atemwegserkrankungen und in 38% der Fälle für wiederholt rückfällige Hauterkrankungen. Verätzungen, Chlorakne, Allergien, Schleimhaut-, Hautreizungen und Kontakt mit krebserregenden oder giftigen Chemikalien sind weitere mögliche Gesundheitsgefahren in diesen Betrieben. Wird dieser Schritt in armen Ländern durchgeführt, so ist mit größeren Gesundheitsschäden bei den Beschäftigten zu rechnen. Bilder von Arbeitern, die barfuß in einer Färbebrühe waten und mit bloßen Händen den gefärbten Stoff herausziehen, gingen vor ein paar Jahren durch die Medien.

Viele der eingesetzten Chemikalien sind ökotoxisch, fischgiftig oder persistent. Schwermetalle, Dioxine und Furane aus bestimmten Farbstoffen, Chlorbleichlauge, chlorierte Kohlenwasserstoffe, zinnorganische Verbindungen und viele höchst umweltschädliche Substanzen gelangen ins Abwasser oder in die Abluft, zum Teil auch in das fertige Textil, aus dem bei jeder Wäsche ein weiterer Teil der Schadstoffe ins Abwasser geschwemmt wird.

Schwerentflammbarkeit nach DIN 4102 B1, DIN 66082, DIN 66084

Für den Objektbereich, d.h. öffentliche Einrichtungen wie Büroräume, Hotels, Gaststätten, Veranstaltungsräume, öffentliche Verkehrsmittel, Krankenhäuser u.ä., bestehen zur Vermeidung von Brandunfällen besonders hohe baupolizeiliche Auflagen. Möbelstoffe und Dekostoffe müssen schwerentflammbar im Sinne der Baunorm DIN 4102 B1 sein. Für Vorhänge gilt entsprechend die DIN 66082 und für Polstermöbel oder Polster von Schienenfahrzeugen die DIN 66084. Die Textilien müssen einen Brandtest gemäß der jeweiligen Norm bestehen. Dabei wird zum Beispiel ein Bunsenbrenner für kurze Zeit an die Kante des Vorhangs gestellt. Die verbrannte Fläche darf eine bestimmte Größe nicht überschreiten. Der Vorhang darf nicht wie eine Fackel hell aufbrennen.

Die Lieferanten müssen den Nachweis über die Einhaltung der Norm erbringen. Da die Vorschriften bezüglich des Flammschutzes regional sehr unterschiedlich sind, ist es ratsam sich vor der Anschaffung von Raumtextilien über die örtlichen Bestimmungen zu informieren.

Bildschirmarbeitsschutzverordnung - BildscharbV

Wenn es sich um Räume mit Bildschirmarbeitsplätzen handelt, sind außerdem die Bestimmungen der Bildschirmarbeitsschutzverordnung zu berücksichtigen. Es handelt sich um die Umsetzung der EU-Richtlinie 90/270/EWG vom 29. Mai 1990 in nationales Recht. Seit dem 31.12.1999 muss in den entsprechenden Betrieben für sämtliche Bildschirmarbeitsplätze die BildscharbV umgesetzt werden.

Bildschirmarbeitsplätze sind so einzurichten, dass leuchtende oder beleuchtete Flächen keine Blendung verursachen und Reflexionen auf dem Bildschirm soweit wie möglich vermieden werden. Die Fenster müssen mit einer geeigneten verstellbaren Lichtschutzvorrichtung ausgestattet sein, durch die sich die Stärke des Tageslichteinfalls auf den Bildschirmarbeitsplatz vermindern lässt.
(Bundesgesetzblatt Jahrgang 1996 Teil 1 Nr. 63, ausgegeben zu Bonn am 10. Dezember 1996)

Unfallverhütungsvorschrift

Außerdem sind einzelne Paragraphen der Unfallverhütungsvorschrift zu beachten:

Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV)

Auch Bestimmungen der seit 1974 gültigen Arbeitsstättenverordnung sind zu berücksichtigen:

Aus diesen Bestimmungen wird die Schwierigkeit bei der Wahl der Fensterdekoration deutlich: Einerseits sollen die Fenster einen wirksamen und verstellbaren Sonnenschutz / Blendschutz besitzen, auf der anderen Seite darf hierdurch die Sicht nach draußen nicht verhindert werden. Mit simplen Vorhängen ist es hier meist nicht getan. Bevorzugt werden daher derzeit Vertikal-Lamellenvorhänge, die sich stufenlos verstellen lassen und damit Beschattung und Blendschutz ermöglichen und trotzdem einen Blick aus dem Fenster gestatten.

Quelle: Meike Ried, Umweltjournalistin, Meike.Ried@web.de

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Umweltzeichen

FairWertung

www.fairwertung.de

Textilsammlungen mit diesem Siegel dienen gemeinnützigen Zwecken und werden von gemeinnützigen Organisationen in eigener Verantwortung durchgeführt.

 

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