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Letzte Änderung: 17.03.2009
Matratzen gehören zu den Einrichtungsgegenständen, die von öffentlichen Auftraggebern wie Krankenhäuser, Kasernen und Gefängnissen in großen Mengen beschafft werden. Private Haushalte sind in der Summe ebensolche Großabnehmer.
In Deutschland gibt es etwa 50 Matratzenhersteller. Die Hälfte dieser Unternehmen, die ungefähr 95 Prozent des Produktionsvolumens repräsentieren und etwa 28.000 direkte und indirekte Arbeitnehmer beschäftigen, hat sich zur „Gütegemeinschaft Matratzen e.V.“ zusammengeschlossen, deren Zweck in der Qualitätssicherung hinsichtlich der Gebrauchstauglichkeit und gesundheitsverträglicher Eigenschaften besteht.
Bei Matratzen handelt es sich um Polster, die mit festem Bezugsstoff umgeben sind, auf Lattenroste oder Sprungfederrahmen in Bettgestelle gelegt oder auf einem integrierten Rahmen freistehend aufgestellt werden. Bei Polsterbetten ist die Matratze fester Bestandteil des Bettes. Der Handel bietet verschiedene – heute meist einteilige – Matratzen in mehreren Standardgrößen an, die sich hinsichtlich ihres Matratzenkerns und der Aufpolsterung unterscheiden. Lattenroste und Sprungfederrahmen bilden für die Matratze eine elastische Unterlage, die ein Durchhängen der Matratze verhindert. Lattenroste ermöglichen zudem die Kopf- und Fußhochlagerung und können so das Bett im Krankheitsfall etwas veränderten Funktionen anpassen.
Gesunde Erwachsene schlafen täglich etwa sieben Stunden. Schlaf dient der Entspannung und Regeneration und ist daher entscheidend für die Gesundheit. Eine geeignete Schlafunterlage kann Schlafstörungen vorbeugen. Schlafstörungen gehören zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden in der Bevölkerung. Umfragen zufolge leiden etwa 25 Prozent der Erwachsenen an Schlafstörungen und zehn Prozent erleben ihren Schlaf häufig oder dauerhaft als nicht erholsam. Die Ursachen sind vielfältig, spezifische schlafmedizinische Erkrankungen bilden allerdings nur einen vergleichsweise geringen Anteil (Robert Koch-Institut 2005).
Die Anforderungen an Matratzen hinsichtlich Funktionsfähigkeit und Sicherheit sind in den Vorschriften DIN EN 1957 (Prüfverfahren zur Bestimmung der funktionellen Eigenschaften) und DIN EN 1725 (Sicherheitstechnische Anforderungen und Prüfverfahren) niedergelegt. Eine Reihe von Gütesiegeln mit unterschiedlichen Kriterien begrenzt den Gehalt an Schadstoffen, sie versprechen gesundheitsverträgliche Eigenschaften der verwendeten Materialien. Hierzu gehören beispielsweise „Öko-Tex® Standard 100“ für Textilien, das Siegel „LGA schadstoffgeprüft“ der Landesgewerbeanstalt Bayern, das Siegel des eco-Umweltinstituts, bei welchem auch die Freisetzung flüchtiger Schadstoffe einbezogen wird und ÖkoControl, bei welchem nur Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen berücksichtigt werden und die schadstofffrei sind (siehe auch Manhart et al. 2008). Jedoch nur die Umweltzeichen „Blauer Engel“ und „EU-Blume“ betrachten zusätzlich auch Umweltaspekte und berücksichtigen hierbei den gesamten Lebensweg des Produktes von der Herstellung bis zur Entsorgung.
Matratzen für Krankenhäuser müssen entsprechend DIN 13013 (aus Latexschaum) und DIN 13014 (aus Polyurethanschaumstoff) luftdurchlässig und widerstandsfähig gegenüber Schweiß und Urin sein. Matratzen für Gefängnisse oder die Bundeswehr müssen Anforderungen an den Flammschutz erfüllen (zit. in Umweltbundesamt 1999).
Zu den Voraussetzungen für gesunden Schlaf gehört eine geeignete Liegefläche. Sie soll elastisch sein und ergonomische Anforderungen erfüllen. Sie muss punktgenau nachgeben und zugleich stützen, damit Wirbel und Muskeln entspannen können. Schwerere Körperteile, wie Schultern und Hüfte, sollten tiefer einsinken können, während leichtere Körperteile sanft gestützt werden. Darüber hinaus sollten möglichst wenige Druckstellen entstehen, die die Durchblutung behindern. Das bedeutet aber nicht, dass die Matratze über mehrere Liegezonen verfügen muss. Gängige Mehrzonenmatratzen verhalten sich nicht unbedingt wirbelsäulenfreundlicher als solche mit nur einer Zone (Stiftung Warentest 2005).
Die Lebensdauer einer Matratze beträgt acht bis zehn Jahre. Danach lässt im Allgemeinen die Elastizität nach – auch bei Beachtung der Pflegehinweise wie Drehen und/oder Wenden. Danach sollte sie auch aus hygienischen Gründen (siehe Mikroklima) ausgetauscht werden.
Der menschliche Körper gibt während des Schlafens Wärme und Feuchtigkeit ab. Die als Schweiß abgegebene Feuchtigkeit kann zwischen 0,5 bis ca. 1 Liter liegen. Je nach Raumtemperatur, Luftfeuchtigkeit sowie Gesundheitszustand können sich diese Werte erhöhen. Die Matratze muss also vor Kälte schützen, Schweiß aufnehmen und durch Lüften wieder abgeben. Entscheidend für die Wärme- und Feuchtigkeitsregulierung sind die Struktur des Matratzenkerns sowie die für die Polsterung oder Abdeckung verwendeten Materialien. Unter günstigen Bedingungen sorgt die Luftzirkulation innerhalb und unterhalb der Matratze für den Feuchtetransport und verhindert Nässebildung. Auch Decken und Unterlagen müssen ausreichend luftdurchlässig sein.
Feuchtwarme Bedingungen begünstigen die Ansiedlung von Hausstaubmilben und Schimmelpilzen, die Allergien verursachen können. Aus hygienischen Gründen sind abziehbare Schonbezüge sinnvoll, die sich unter Beachtung der Pflegehinweise entweder waschen oder reinigen lassen.
Der Kontakt des menschlichen Körpers mit der Matratze ist in der Regel nur durch etwas Stoff getrennt und beträgt bei Gesunden im Normalfall sieben Stunden pro Tag. Deswegen ist es wichtig, dass von den für die Matratze verwendeten Materialien keine Gerüche, Emissionen und anderen schädigenden Einflussfaktoren ausgehen, die den Schlaf stören oder zu gesundheitlichen Störungen führen.
Matratzen sind aus unterschiedlichen Materialien aufgebaut. Zu den konstruktiven Elementen gehören der tragende Kern, Isolations- und Polsterschichten in verschiedenen Materialkombinationen zur Abpolsterung der Federn bei Federkernmatratzen und zur Regulierung des Mikroklimas bei Schaumstoff- und Latexmatratzen sowie Wasserbetten. Ein fest gewebter Bezug aus Baumwolle oder synthetischen Fasern verleiht der Matratze straffe Liegeeigenschaften. In den Bezug können Polyesterfaservlies, Schurwolle oder Rosshaar eingesteppt sein. Reine Schurwolle und Rosshaar haben ein sehr gutes Feuchtigkeitsaufnahmevermögen. Bei einigen Matratzentypen wird die Schurwolle mit Rosshaar oder Kamelhaar kombiniert. Verschiedene Hersteller bieten Matratzen mit abnehmbaren Schutzbezügen an, die entweder waschbar oder zu reinigen sind.
Schaumstoffe können, da sie leicht brennbar sind, mit Flammschutzmitteln versehen sein oder die Matratzenbezüge bestehen aus schwer entflammbaren Stoffen. Wegen verwendeter pflanzlicher oder tierischer Fasern können die Polstermaterialien mit Mottenschutzmitteln ausgerüstet sein.
Im Folgenden werden einige Matratzentypen vorgestellt (eine ausführliche Darstellung findet man unter anderem unter www.raumausstattung.de (Rubrik „Wohnen“, Suchbegriff „Matratzen“) oder www.oekotest.de (Suchbegriff „Matratzen“).
Federkernmatratzen besitzen einen Kern aus Stahlfedern, die miteinander verbunden sind und sich unabhängig voneinander bewegen können. Damit die Federn nicht spürbar sind, wird der Federkern mit einer Aufpolsterung aus Wolle, Baumwolle oder anderen Materialien umgeben. Federkernmatratzen nehmen schnell Feuchtigkeit und Wärme auf und geben sie beim Lüften wieder ab. Nachteilig ist, dass sie den Körper flächig und nicht punktelastisch unterstützten. Sie eignen sich nicht für Lattenroste mit verstellbaren Kopf- und Fußteilen.
Bei Taschenfederkernmatratzen sind die einzelnen Federn in kleine Säckchen („Taschen“) aus Nessel eingenäht. Sie sollen die Punktelastizität verbessern.
Kaltschaumstoffmatratzen bestehen aus synthetischem Polyurethan (PUR), das heute meist mit Kohlendioxid aufgeschäumt wird. Die Qualität des Matratzenkerns hängt vom Raumgewicht, der Stauchhärte und den eingearbeiteten Profilen ab. Das Raumgewicht gibt an, wie viel Kilogramm Rohstoff für einen Kubikmeter Schaumstoff verarbeitet wurde und bestimmt das Wiederaufrichtungsvermögen. Je höher das Raumgewicht, desto elastischer, haltbarer und tragfähiger ist der Schaumstoff. 45 bis 55 Kilogramm gelten als optimal. Die Stauchhärte ist ein Maß für den Härte- oder Weichheitsgrad.
Kaltschaummatratzen besitzen eine gute Punktelastizität und sind durch die unregelmäßige, grobe Porenstruktur atmungsaktiv. Je nach dem System sorgen Hohlprofile im Matratzeninnern für Durchlüftung.
Latexmatratzen werden aus dem milchigen Saft des Gummibaumes und synthetischen Zusätzen hergestellt. Das Raumgewicht ist im Vergleich zu synthetischem Schaumstoff sehr hoch. Latexmatratzen sind sehr elastisch, sehr formbeständig und besitzen eine hohe Punktelastizität. Da sie eher weich sind, wird zur Erhöhung des Härtegrades der Latex mit Rosshaar oder Kokosfasern vermischt. Naturkautschuk wird auch im Gemisch mit synthetischem Latex verarbeitet, dessen Eigenschaften dem natürlichen Latex ähneln. Was als Naturlatex angeboten wird, können Mischungen aus natürlichem und synthetischem Latex sein.
Senkrechte Luftkanäle verbessern die Luftzirkulation in der Matratze. In Abhängigkeit von der Form der Hohlräume wird zwischen Stift- und Kavernenlatex unterschieden.
Der Begriff Naturmatratzen bezeichnet keinen speziellen Matratzenaufbau, sondern den ausschließlichen Einsatz von Naturprodukten. Latexmatratzen mit entsprechendem Materialeinsatz bei den Auflagepolstern können demzufolge auch Naturmatratzen sein.
Bei Vollpolstermatratzen ist der gesamte Innenkern mit Füllmaterial wie Rosshaar, Wolle, Stroh oder Kapok (luftgefüllte Fruchtfaser einer tropischen Pflanze) gestopft. Sie sind hart und müssen nach einiger Zeit nachgepolstert werden, damit sie elastisch bleiben. Regelmäßiges Lüften und Drehen zur Beseitigung der Feuchtigkeit ist wichtig, damit sich keine Schimmelpilze ansiedeln.
Futons sind meist mit mehreren Schichten elastischer Fasern gepolstert. Ihr Kern besteht aus Schafschurwolle, Latex, Rosshaar und Kokosfasern. Sie sind relativ hart und geben Feuchtigkeit nur schlecht ab. Eine gute Durchlüftung ist ausschlaggebend für die Lebensdauer dieser Matratzen.
Beim Wasserbett befindet sich Wasser in einer wasserundurchlässigen Umhüllung. Bei einer Matratzengröße von 100 x 200 Zentimeter werden etwa 300 Liter, bei einem Doppelbett bis zu 800 Liter Wasser benötigt. Bevor das Wasserbett aufgestellt wird, sollte daher die Statik des Raumes überprüft werden. Das Wasserbett erfordert eine stabile, ebene Unterlage und kann nicht verstellt werden. Für die Regulierung des Mikroklimas ist eine dicke, saugfähige Auflage erforderlich. Das Wasser, das ständig mittels Heizung zu temperieren ist, verteilt den Druck gleichmäßig auf den Körper, so dass keine Druckstellen entstehen. Nach Untersuchungen von Stiftung Warentest (2003, 2005) ist der Liegekomfort gegenüber anderen Matratzen nicht besser.
In die Produktion von Matratzen sind Zulieferbetriebe aus verschiedenen Branchen einbezogen. Die Herstellung erfordert je nach Matratzentyp Metallfedern, synthetische oder natürliche Schaumstoffe, Fasern und Textilien, in einigen Fällen auch Holz, sofern in die Matratze ein Rahmen integriert ist, sowie eine Vielzahl von Chemikalien, von denen einige umweltbelastend und gesundheitsgefährdend sind, von anderen hingegen sind die Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt oftmals nicht bekannt.
Der Kontakt des menschlichen Körpers mit der Matratze ist relativ eng und von langer Dauer und wird in der Regel nur durch etwas Stoff getrennt. Von den für die Matratze verwendeten Materialien dürfen keine Emissionen, Gerüche und anderen schädigenden Einflussfaktoren ausgehen, die nachteilig für die Gesundheit sind.
Mittlerweile werden Matratzen angeboten, die umwelt- und gesundheitsverträglich hergestellt, genutzt und entsorgt oder weiter verwertet werden können.
Matratzen können wegen ihrer großen Oberfläche eine wesentliche Emissionsquelle im Innenraum darstellen. Besonders neue Matratzen geben in unterschiedlichem Maße flüchtige organische Verbindungen (englisch Volatile Organic Compounds, kurz VOC) ab, die auch geruchlich wahrnehmbar sein können. Einige dieser Verbindungen können bei höheren Konzentrationen zu Reizungen der Augenbindehaut und der Schleimhaut der Atemwege führen. Kopfschmerzen, Schwindelgefühl oder Müdigkeit können ebenfalls auftreten.
Die von der Stiftung Warentest im Zeitraum 2000 bis 2008 durchgeführten Untersuchungen auf VOC bei Federkern-, Schaumstoff- und Latexmatratzen führten in den meisten Fällen erfreulicherweise kaum zur Benotung „mangelhaft“. Häufig wurden gute und sehr gute Noten vergeben. Geruchlich wahrnehmbare Belastungen führten demgegenüber häufig zur Beanstandung (siehe auch www.test.de, Suchbegriff Matratzen).
Bei Federkernmatratzen kann gelegentlich Trichlorethen (Tri) oder Tetrachlorethen (Per) nachgewiesen werden. Diese organischen Lösungsmittel werden zum Reinigen und Entfetten der Stahlfedern verwendet. Sie sind gesundheits- und umweltgefährdend. Die Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe stuft Trichlorethen als krebserzeugend beim Menschen (Kategorie 1) ein und sieht bei Tetrachlorethen Anhaltspunkte für eine krebserzeugende Wirkung im Tierversuch (Kategorie 3B) (siehe auch Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe 2008).
Bei einem in die Matratze integrierten Rahmen aus Holz oder Holzwerkstoffen kann dieser ebenfalls eine Quelle für Innenraumbelastungen sein. Besonders Kiefernholz ist reich an Terpenen, die ein allergisierendes Potenzial besitzen. Aus Holzwerkstoffen können demgegenüber in unterschiedlichem Umfang noch Restmengen von Lösemitteln und andere VOC, die beispielsweise aus der Verleimung der Holzteilchen in der Span- oder Faserplatte und aus der Oberflächenlackierung stammen, entweichen. Zum Schutz der Gesundheit dürfen Holzwerkstoffe nicht in den Verkehr gebracht werden, wenn sie mehr als 0,1 ppm Formaldehyd abgeben. Formaldehyd reizt die Schleimhäute und wirkt allergisierend und krebserzeugend.
Für textile Bezugsstoffe stehen synthetische Fasern, wie Polyester, und natürliche Fasern, wie Baumwolle, zur Verfügung. Für die Feinpolsterung des Bezuges können Wolle oder Rosshaar eingesteppt sein.
Der Hautkontakt mit gepolsterten Oberflächen kann sich durch die im Bezugsstoff und im Matratzenkern verwendeten Chemikalien nachteilig auf die Gesundheit auswirken.
In Deutschland sind daher einige Chemikalien verboten (Anhang IV der Gefahrstoffverordnung). Dabei wurde auch europäisches in deutsches Recht umgesetzt. Dazu gehören Pentachlorphenol (PCP), als Kanzerogen Kategorie 2 eingestuft (Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe 2008), welches als Fungizid beim Anbau von Baumwolle eingesetzt wird, bestimmte als Flammschutzmittel verwendete polybromierte Diphenylether (PBDE), Azofarbstoffe, die erwiesenermaßen giftige beziehungsweise krebserzeugende Amine freisetzen können, Tributylzinn als Desinfektionsmittel wegen schädlicher Wirkungen auf Gesundheit und Umwelt (siehe auch Bundesinstitut für Risikobewertung und Umweltbundesamt 2008) sowie die ab 1989 mit dem Montreal-Protokoll völkerrechtlich vereinbarte Ächtung der Fluorkohlenwasserstoffe (FCKW), die die Ozonschicht schädigen und auch als Treibmittel für die Herstellung von Schaumstoffen Verwendung fanden. Bei unkontrollierten Importen aus Herkunftsländern, in denen diese Chemikalien nicht verboten sind, können sie in Produkten vorkommen, die in Deutschland verkauft werden.
Soll nicht auf Flammschutz verzichtet werden, kann der Matratzenbezug aus flammhemmenden Trevira-Fasern (Trevira CS) hergestellt werden. Es handelt sich hierbei um eine Polyesterfaser, in die auf molekularer Ebene eine phosphororganische Komponente eingebaut ist, so dass die daraus resultierende Schwerentflammbarkeit durch Waschen oder Reinigen nicht verloren geht. Trevira-CS-Stoffe lösen weder Hautreizungen noch Allergien aus. Flammhemmende Trevira-Fasern sind nach “Öko-Tex® Standard 100“ zertifiziert und frei von Schadstoffen.
Natürliche Fasern können zusätzlich mit einem Mottenschutzmittel versehen sein. Manchmal sind auch Desinfektionsmittel wie Triclosan (Stiftung Warentest 2004) vorhanden.
Triclosan wird im ärztlichen Bereich eingesetzt und so dosiert, dass es Bakterien abtötet. In sachfremden Bereichen kann es nur in niedriger Konzentration zum Einsatz kommen. Diese niedrige Konzentration tötet Krankheitserreger nicht ab, kann aber zur Resistenzbildung führen. Ob diese Resistenzbildung auch mit einer Antibiotikaresistenzentwicklung einhergeht, ist noch nicht abschließend geklärt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt daher, Triclosan auf den ärztlichen Bereich zu beschränken (Bundesinstitut für Risikobewertung 2006).
Schaumstoffe, synthetischer Latex und Kunstfasern werden auf der Basis von Erdöl hergestellt. Die Verwendung von natürlichem Latexschaum, der aus dem milchigen Saft des Gummibaumes hergestellt wird, ist demgegenüber Ressourcen schonend, aber auch teurer.
Erdöl gehört zu den endlichen, knapper werdenden Ressourcen. Neben der Effizienzsteigerung bei Förderung, Transport und Nutzung als wertvollen Rohstoff in der petrochemischen Industrie und einer adäquaten Umwelttechnik gilt es daher Substitutionsmöglichkeiten zu erschließen. Teilweise wird zur Herstellung synthetischer Schaumstoffe auch schon Sonnenblumenöl eingesetzt.
Die Schaumstoffe werden heute meist unter der Verwendung der Treibmittel Pentan, Methylenchlorid oder Kohlendioxid hergestellt, nachdem FCKW als „Ozonkiller“ weltweit geächtet wurden.
Schaumstoffe können schwerflüchtige organische Verbindungen (englisch SVOC; Abkürzung für Semi-Volatile Organic Compounds) als so genannte Weichmacher, wie Phthalate enthalten (Öko-Test 2006). Zu den besonders gefährlichen Phthalten gehören Di(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP), Dibutylphthalat (DBP) und Benzylbutylphthalat (BBP). Sie haben hormonähnliche Eigenschaften und können schädliche Wirkungen auf die Fortpflanzungsfähigkeit haben. Sie stellen auch ein Risiko für die Umwelt dar. DBP und BBP sind beispielsweise giftig für Wasserorganismen. Ihre Anwendung in einigen verbrauchernahen Produkten ist daher verboten (mehr dazu: Umweltbundesamt 2007)
Naturlatexmatratzen können Allergene enthalten. Es handelt sich dabei um bestimmte Eiweißbestandteile im Latex, gegen die bei Kontakt eine Sensibilisierung erfolgen kann und die eine entzündliche Reaktion der Haut, eine so genannte Kontaktallergie, auslösen können. Oft sind diese Eiweißallergene vor der Schaumstoffproduktion weitgehend entfernt. Zudem verhindern Matratzenauflagen, dass der Schlafende direkt mit dem Latex in Berührung kommt.
Anders verhält es sich mit den während der Nutzungsphase der Matratze auftretenden Allergenen. Feuchtwarme Bedingungen und das Nahrungsangebot begünstigen die Ansiedlung von Schimmelpilzen und Hausstaubmilben, die in der Umwelt weit verbreitet sind. Schimmelpilze und deren Sporen sowie der eiweißhaltige Kot von Hausstaubmilben („Milbenallergene“) sind luftgetragene Allergene. Sie werden eingeatmet und können eine Allergie verursachen. Um Schimmelpilzwachstum vorzubeugen, ist vor allem die Feuchtigkeit zu begrenzen. Hausstaubmilben ernähren sich von den Hautschuppen. Das Umweltbundesamt fand Milbenallergene, bei den im Rahmen des Kinder-Umwelt-Survey zwischen 2003 und 2006 durchgeführten Untersuchungen des Matratzenstaubes (Szewzyk 2008). Milbenallergene zählen mit zu den wichtigsten Allergieauslösern. Regelmäßiges Reinigen der Matratzenbezüge, Lüften und Ausschütteln des Bettzeuges sowie Waschen der Bettwäsche tragen zu einer Verminderung der Milbenallergene bei.
Die Gebrauchsfähigkeit von Matratzen ist im Allgemeinen auf die Dauer von acht bis zehn Jahren beschränkt. Danach sollte die Matratze ausgetauscht werden. Der Bundesverband für Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. rechnet pro Jahr mit 1,6 Millionen Matratzen in Deutschland (zit. in Umweltbundesamt 1999). Wegen dieses Umfangs und ihrer Sperrigkeit stellen sie ein beträchtliches Entsorgungsproblem dar. Häufig nimmt der Handel bei Neukauf alte, ausgediente Matratzen zurück.
Ein Großteil der in der Matratze verwendeten Materialien ist wieder verwertbar. Zwecks Recycling sollte sie sich daher problemlos in ihre Bestandteile zerlegen lassen. Es gibt maschinelle Zerlegeeinrichtungen, die diesen Vorgang erleichtern.
Das Verpackungsmaterial sollte wieder verwertbar sein.
Quelle: Dr. Jutta Dürkop
Blauer Engel, RAL-UZ 119Der „Blaue Engel“ ist das älteste offizielle Umweltzeichen in Deutschland. Zeicheninhaber ist das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Von dem Label geht ein Anreiz aus, umwelt- und gesundheitsverträglichere Produkte zu entwickeln.
Matratzen können mit dem Blauen Engel gekennzeichnet werden. Sie erhalten das Umweltzeichen RAL-UZ 119 dann, wenn sie umweltfreundlich hergestellt werden, aus gesundheitlicher Sicht unbedenklich sind und keine Schadstoffe enthalten, die bei der Verwertung erheblich stören. Sie erfüllen die geforderte Begrenzung der Emissionen von flüchtigen organischen Verbindungen und von Formaldehyd und enthalten keine krebserzeugenden, erbgutverändernden, fortpflanzungsgefährdenden, sehr giftigen und giftigen Stoffe. Sie sind frei von Flammschutz- und Mottenschutzmitteln.
Die Kriterien werden vom Umweltbundesamt in Kooperation mit Herstellern, Prüfinstituten, weiteren Fachleuten und Verbrauchervertretern erarbeitet. Die unabhängige Jury Umweltzeichen prüft und beschließt die Vergabegrundlagen. Die Vergabe erfolgt durch die RAL gGmbH im Auftrag des Umweltbundesamtes.
EU-Umweltzeichen "EU-Blume"Die EU-Blume ist das EU-Umweltzeichen. Zeicheninhaber ist die Kommission der Europäischen Gemeinschaften.
An der Erarbeitung der Kriterien für die Vergabe der EU-Blume sind Vertreter aus Industrie, Handel, Verbraucher- und Umweltorganisationen sowie Gewerkschaften beteiligt. Sie werden von den Mitgliedstaaten angenommen und von der Europäischen Kommission verabschiedet. Mit der EU-Blume wird nicht nur die Reduzierung der von einem Produkt ausgehenden Umweltbelastungen während des gesamten Lebenszyklus angestrebt, sondern auch dessen Gebrauchstauglichkeit berücksichtigt. Die EU-Blume wird nach erfolgreicher Prüfung nur Produkten mit geringeren Umweltbelastungen als andere mit vergleichbarem Anwendungsprofil verliehen.
Die EU-Blume wird durch zuständige nationale Einrichtungen verliehen, in Deutschland durch die RAL gGmbH.
Forest Stewardship Council (FSC)Der Forest Stewardship Council (FSC) ist eine internationale nichtstaatliche, gemeinnützige Organisation, die sich für eine umweltgerechte, sozialverträgliche und ökonomisch tragfähige Nutzung der Wälder auf der Erde einsetzt. Die Organisation wird weltweit von Umweltorganisationen, Gewerkschaften, Interessensvertretern indigener Völker sowie zahlreichen Unternehmen aus der Forst- und Holzwirtschaft unterstützt. Die FSC-Zertifizierung des eingesetzten Holzes oder Holzwerkstoffes ist Bestandteil der Vergabegrundlage des Blauen Engels. Auch gleichwertige Zertifizierungssysteme (z. B. PEFC) werden anerkannt.
Der FSC hat zehn verbindliche Prinzipien und 56 Kriterien für eine nachhaltige Forstwirtschaft festgelegt. Sie berücksichtigen soziale, ökologische und wirtschaftliche Aspekte. Nationale Arbeitsgruppen passen diese Prinzipien und Kriterien an die regionalen Verhältnisse in Form von nationalen FSC-Standards an. Das FSC-Label kennzeichnet die Erzeugung des Rohstoffs Holz, aus dem das jeweilige Produkt gefertigt wurde und garantiert die lückenlose Verarbeitungskette.
Mit der Vergabe beauftragt der FSC Zertifizierungsorganisationen, die weltweit nach einheitlichen Maßstäben arbeiten. Die Kennzeichnung gilt weltweit.
ÖkoControlDas ÖkoControl-Siegel ist eine Selbstverpflichtung des organisierten ökologischen Einzelhandels. Zeicheninhaber ist ÖkoControl Gesellschaft für Qualitätsstandards ökologischer Einrichtungshäuser mbH. Zu den Mitgliedern gehören Einzelhändler.
Die Kriterien für die Zertifizierung werden von ÖkoControl festgelegt. Nur solche Produkte werden zertifiziert, die aus nachwachsenden Rohstoffen und kontrolliertem, ökologischem Anbau stammen sowie weitestgehend schadstofffrei sind. Sie enthalten keine Flammschutz- und Mottenschutzmittel. Das ÖkoControl-Siegel darf nur innerhalb des Verbandes ökologischer Einrichtungshäuser verwendet werden.
Das Zeichen wird von ÖkoControl vergeben.
Die tabellarisch zusammengestellte Ausschreibungsempfehlung für Matratzen orientiert sich an den Vorgaben des Umweltzeichens Blauer Engel (RAL-UZ 119).
Der Bieter erklärt die Einhaltung der Anforderungen und legt zum Nachweis Prüfprotokolle und Zertifikate vor. Näheres zu den Prüfmethoden ist der aufgeführten Vergabegrundlage für RAL-UZ 119 zu entnehmen.
Wenn für das angebotene Produkt ein Zeichennutzungsvertrag für den Blauen Engel besteht, kann ungeprüft die Einhaltung aller Anforderungen mit Ausnahme der Anforderung an die Herkunft des Holzes aus nachhaltiger Forstswirtschaft angenommen werden. Ein entsprechendes Zertifikat oder ein anderer geeigneter Nachweis ist daher auch bei Zeichennutzung vorzulegen.
Die Vergabegrundlage RAL-UZ 119 gilt für Matratzen, die im Innenraum verwendet werden. Der Begriff „Matratze“ (Bettmatratze) bezeichnet Erzeugnisse, die als Unterlage zum Schlafen oder Ruhen dienen. Sie bestehen aus einem mit Füllmaterial gefüllten Überzug aus festem Stoff und können auf ein Bettgestell gelegt werden. Das schließt auch Matratzen mit integriertem Rahmen ein, das heißt, gepolsterte Bettauflagen auf Rahmen, die auf ein Bettgestell gelegt oder freistehend verwendet werden können, und die dafür vorgesehenen Matratzenunterlagen, wie Lattenroste oder Sprungfederrahmen. Die Vergabegrundlage gilt nicht für aufblasbare Matratzen und Wassermatratzen.
Quelle: Dr. Jutta Dürkop
Quelle: Dr. Jutta Dürkop