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Umweltfreundliche Beschaffung

Büro/Büromaterial

Letzte Änderung: 19.11.2009

Papierprodukte

Einführung

In Deutschland stagniert seit einigen Jahren der Verbrauch von Papier auf sehr hohem Niveau bei ca. 235 kg pro Person und Jahr. Weltweit wächst er hingegen weiter. Ursache dafür ist die wirtschaftliche Entwicklung insbesondere Chinas aber auch anderer Länder Asiens und Osteuropas sowie Brasiliens. China lag im Jahr 2004 bei einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch von rund 42 kg, Brasilien bei 39 kg, Russland bei 34 kg – vom EU-Durchschnitt von 187 kg sind sie damit noch weit entfernt (VDP 2006, Leistungsbericht Papier, S. 82). Als Mindestbedarf zur Befriedigung der Grundbedürfnisse für Bildung, Kommunikation und Hygiene gelten laut Worldwatch Institute jährlich 30 bis 40 kg Papier pro Person (1999). Doch rund drei Viertel der Weltbevölkerung haben im Schnitt nur die Hälfte dieser Mindestmenge zur Verfügung.

Die ungleiche Verteilung lässt sich nicht durch einfache Verdoppelung der Papierversorgung in den Entwicklungs- und Schwellenländern lösen. Denn bereits heute verursacht der globale Papierverbrauch weitreichende ökologische Schäden. Der Druck auf die letzten Urwälder der Erde als Holzlieferanten nimmt stetig zu. Wie die FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) Anfang März 2007 berichtete, ist in den vergangenen 15 Jahren weltweit eine Waldfläche vom mehr als der dreifachen Größe Deutschlands verloren gegangen. Dabei habe sich der Verlust beschleunigt.

Die Produktion einer Tonne Papier benötigt außerdem genau soviel Energie wie die Herstellung einer Tonne Stahl. Damit ist die Papierindustrie der weltweit fünftgrößte Energieverbraucher. Hinzu kommen die Transporte von Rohstoffen und Fertigprodukten. Vor diesem Hintergrund wird die Notwendigkeit eines sparsamen Umgangs mit Papier deutlich. Der Verbrauch muss in den westlichen Ländern nahezu halbiert werden, nur so kann eine nachhaltige Papierversorgung gewährleistet werden.

Das Angebot an Papierprodukten aus Sekundärfasern für alle Einsatzzwecke hat sich in den vergangenen Jahren stetig erweitert und die technische Qualität wurde enorm verbessert, so dass es heute für jedes Alltagspapier dem Primärfaserprodukt vergleichbare Papiere in Recyclingqualität gibt. Wo Vorurteile der Entscheidung für Recyclingpapier im Wege stehen, ist weitere Informationsarbeit notwendig. Die Praxis zeigt, dass nur selten negative Erfahrungen mit Recyclingpapier die Ursache sind. Viel häufiger liegen einer ablehnenden Haltung Vorbehalte gegen Veränderungen zugrunde.

Recyclingpapiere mit Blauem Engel stehen qualitativ auf gleicher Stufe wie hochwertige Primärfaserpapiere, haben aber auf der Preisebene immer mit Billigangeboten ohne Herkunftsangabe bzw. aus Eukalyptusplantagen zu kämpfen. Bei billigem Primärfaserpapier ohne Angabe der Herkunft und Rohstoffzusammensetzung besteht immer das Risiko, dass es Fasern aus Urwaldzerstörung enthält. Wie Primärfaserpapiere hoher Qualität können auch Blauer Engel-Papiere mit solchen „no name-Produkten“ preislich nicht mithalten. Dennoch gilt seit langem die Faustformel: Ein Recyclingpapier der 60er Weiße („presseweiß“) kostet in der Regel rund 15 % weniger als ein vergleichbares Primärfaserpapier, die 70er Weiße rund 10 %, die 80er Weiße rund 5 % weniger.

Wo immer Papier benötigt wird, sollten Produkte aus 100 % Recyclingpapier, die die Kriterien des Umweltzeichens Blauer Engel erfüllen, verwendet werden (Umweltzeichen). Diese sind ökologisch erste Wahl, wie eine Untersuchung des IFEU-Instituts vom August 2006 erneut bestätigt und damit die Ergebnisse der umfassenden Ökobilanz des Umweltbundesamtes aus dem Jahr 2000 untermauert (Ökobilanzen für graphische Papiere).

In der Praxis setzen laut der FORSA-Studie „Verwendung von Recyclingpapier in der öffentlichen Verwaltung“ von Februar 2002 nur rund zwei Drittel der deutschen Behörden auf Recyclingpapier. In Unternehmen ist dieser Prozentsatz noch erheblich niedriger. Hier sind die Beschaffer gefragt, durch konsequente Ausschreibung umweltverträglicher Papierprodukte zu stärkerer Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung beizutragen.

Quelle: Jupp Trauth, Evelyn Schönheit, forum ökologie und papier, hunsrueckvelo@gmx.de

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Umweltbezogene Produkteigenschaften

Die Rohstoffseite: Wertvolle Wälder verschwinden in den Papiermühlen und die Plantagenflächen nehmen zu

Deutschland verbraucht nach den USA, China und Japan die viertgrößte Menge an Papier, ist Europas größter Papierproduzent und bedeutendstes Papier-Exportland. Rund 80 % der in Deutschland verarbeiteten Primärfasern stammen aus Importen. Damit ist der umweltbelastenste Teil der Papierherstellung ins Ausland verlagert. Würden wir unseren gesamten Primärfaserverbrauch von rund 10 Millionen Tonnen im Jahr (inländische Produktion sowie Papierimporte abzüglich Papierexporte) aus heimischem Holz herstellen wollen, müsste alles derzeit im Jahresschnitt eingeschlagene Holz ausschließlich für die Fasergewinnung zur Verfügung stehen und es würden etwa 10 weitere große Zellstoffwerke benötigt, wie der Kritische Papierbericht 2004 auf den Seiten 18-31 belegt (Trauth, J., Schönheit, E.). Derzeit kommt fast die Hälfte des in Deutschland eingesetzten Zellstoffs und fertigen Papiers aus Skandinavien. Finnland, neben Schweden unser Hauptlieferant für Papier, importiert wiederum einen Teil seines Rohholzes aus Russland, wo für die Holzbeschaffung auch Urwälder eingeschlagen werden. Über 10 % seiner Primärfasern bezieht Deutschland aus Kanada, auch hier sind Urwälder bedroht. Weltweit landet jeder fünfte eingeschlagene Baum im Papier, etwa 17 % des zur Herstellung von Papier verwendeten Holzes stammen laut Worldwatch Institute aus Urwäldern. Von der Zerstörung sind sowohl nordische als auch tropische Regionen betroffen. So importieren wir rund 18 % unseres Zellstoffs aus Brasilien und geringere Mengen aus Indonesien. Das sind Länder in denen der Urwaldbestand weiterhin in dramatischem Ausmaß schwindet. Zu großen Teilen wird das Holz nach wie vor illegal eingeschlagen. Unsere hohe Zellstoffnachfrage trägt also maßgeblich zur weltweiten Waldzerstörung bei.

Um der wachsenden Holznachfrage bei schwindenden Primärwäldern nachzukommen, werden zunehmend Plantagen angelegt. Teils geschieht dies auf Brachflächen, teils werden Urwälder gerodet, um schnell wachsende Baumarten wie Eukalyptus anzupflanzen, die bei kurzer Umtriebszeit hohe Erträge versprechen. Doch die Monokulturen laugen durch ihren einseitigen Nährstoffbedarf die Böden aus, sind empfindlich gegenüber Schädlingsbefall und Sturmschäden, verlangen hohe Pestizid- und Düngereinsätze und verschmutzen die Wasserressourcen und Böden. Vielfach werden durch die Plantagen Landrechte verletzt: Waldbewohnern und Kleinbauern wird die Lebensgrundlage entzogen, weil wertvolle Flächen, die zur Versorgung mit Grundnahrungsmitteln nötig wären, in artenarme Plantagen umgewandelt werden und kaum Einkommensquellen für die ansässige Bevölkerung bieten.

Die Produktionsseite: Die Herstellung von Papier zieht je nach Rohstoff sehr unterschiedliche Umweltbelastungen nach sich

Die Papierherstellung erfolgt in zwei Schritten: Zunächst wird der Faserrohstoff hergestellt, aus dem dann im zweiten Schritt das Papier produziert wird. Faserrohstoffe sind sowohl Primärfasern aus Holz als auch Sekundärfasern aus Altpapier. Bei Nutzung von Primärfasern erfolgt das Herauslösen der Fasern aus dem stabilen Holzverbund in speziellen Produktionsstätten, den Holzschliff- oder Zellstoffwerken und verbraucht große Mengen an Holz, Energie, Chemikalien und Wasser. Erst nach diesem Fasergewinnungsprozess kommt der Primärfaserstoff als Rohstoff in die eigentliche Papierfabrik. Altpapier hingegen gibt allein durch Auflösen und Reinigung im Wasser seine Fasern zur nächsten Verwendung frei und jede Papierfabrik kann diese Art der Rohstoffgewinnung im eigenen Hause vornehmen.

So erklären sich die besseren Umweltwerte von Recyclingpapier, das im Vergleich mit Primärfaserpapier nur rund ein Drittel der Wassermenge und nur etwa die Hälfte an Energie benötigt.

Die Konsumentenseite: Der Altpapiereinsatz in Deutschland hat noch nicht sein Optimum erreicht

Nach Angaben des Verbands Deutscher Papierfabriken (VDP 2006) sind knapp die Hälfte unseres inländischen Papierverbrauchs von etwas mehr als 19 Millionen Tonnen pro Jahr Papiere für Presse und Druck, Büro und Kommunikation. Verpackungen machen 7,7 Millionen Tonnen aus, in Taschentüchern, Toilettenpapier, Küchenrollen & Co. landen 1,2 Millio-nen Tonnen Papier und für technische und spezielle Verwendungszwecke wie Tapeten, Filter- und Zigarettenpapier werden 1,1 Millionen verbraucht.

2005 wurden 79 % des Papiers nach Gebrauch wieder eingesammelt und überwiegend stofflich verwertet, was zu einer Altpapiereinsatz-Quote von 66 % führt (VDP 2006, Leistungsbericht Papier, S. 62). Diese ließe sich auf 75 bis 80 % steigern, wenn vor allem in den Sorten der Druck- und Büropapiere der Altpapieranteil erhöht würde, der dort seit 2001 zwischen 21 und 23 % verharrt und noch steigerungsfähig ist (Kritischer Papierbericht 2004, S. 12-14; Kritischer Papierbericht 2005, S. 11).

Der Klimawandel: Wie muss die Papierwirtschaft gestaltet werden, um zukunftsfähig zu sein?

Wenn auch moderne Zellstoffwerke den Primärfaserstoff für Papier ohne fossile Energie herstellen, weil sie das Holz zur Hälfte stofflich als Fasergrundlage und zur anderen Hälfte energetisch für den Zellstoffkochprozess nutzen, so ist die Papierindustrie dennoch alles andere als „klimaneutral“:

Die Eckpunkte einer dauerhaften Papierwirtschaft können deshalb nur folgendermaßen lauten:

Ökobilanzierungen bestätigen: Recyclingpapier hat die Nase weit vorn!

Genau besehen stehen sich Primär- und Sekundärfasern nicht als Konkurrenten gegenüber, sondern als unterschiedliche Generationen in der gleichen „Materialfamilie“: Jede Sekundärfaser war einmal eine Primärfaser und ist erst nach mindestens sechsmaligem Gebrauch stofflich „am Ende“. Der ökologische Vorsprung der Sekundärfaser besteht darin, dass zu ihrer Gewinnung kein Holz eingeschlagen, dieses nicht mit Hilfe von Hitze (Kochung) und Chemikalien aufgeschlossen und das Fasermaterial nicht aufwändig gebleicht werden muss, wie es zur Gewinnung der Primärfaser geschieht. Diese Umweltvorteile wurden in Ökobilanzierungen seit den 90er Jahren immer wieder nachgewiesen, am umfassendsten mit den „Ökobilanzen für graphische Papier“ des Umweltbundesamtes im Jahre 2000 mit klaren Empfehlungen:

Bei der Herstellung von Recyclingpapier sind praktisch alle Umweltbelastungen geringer als bei der Produktion von Primärfaserpapier. Vorteile ergeben sich insbesondere bei der Naturraumbeanspruchung, dem Treibhauspotenzial, der Knappheit fossiler Energieträger, der Überdüngung von Böden und Gewässern sowie den Indikatoren Ökotoxizität (Giftigkeit für die Umwelt) und Humantoxizität (Giftigkeit für den Menschen).

Studie des IFEU-Instituts „Ökologischer Vergleich von Büropapieren in Abhängigkeit vom Faserrohstoff“ von 2006 belegt Ökovorsprung von Recyclingpapier

Eine Untersuchung des Heidelberger IFEU-Instituts aus dem Herbst 2006 bestätigt diese Empfehlungen erneut. Das IFEU wertete aktuelle Zahlen zur Produktion von Büropapieren aus Primär- und Sekundärfasern in einer Umweltbilanz aus.

Verglichen wurden die Umweltbelastungen von drei typischen Kopierpapieren:

Dabei wurden die Prozessschritte der Fasergewinnung und der Papierherstellung betrachtet einschließlich der eingesetzten Energie, aller Hilfsmittel wie Chemikalien und Wasser sowie der Transportwege. Bei allen untersuchten Indikatoren, wie dem Energie- und Wasser-verbrauch sowie den Auswirkungen auf den Treibhauseffekt, liegen die Umweltlasten bei der Herstellung von Recyclingpapier am niedrigsten, wie folgende Tabelle zeigt:

Hinsichtlich des gesamten Energiebedarfs erfordert das Recyclingpapier laut IFEU nur zwischen 37 und 40 % der Energie, die für die beiden Primärfaserpapiere nötig sind. Beim Wasser kommt die Recyclingvariante mit 40 % gegenüber dem Primärfaserpapier aus, belastet das Wasser nur mit ca. 25 % der Schmutzfracht (angegeben in CSB = Chemischer Sauerstoffbedarf, der zum vollständigen Abbau der organischen Abwasserinhaltsstoffe nötig ist) und trägt im Vergleich zum Primärfaserpapier mit weniger als 50 % zur Überdüngung („Aquatische Eutrophierung“) bei. An Feinstäuben werden entlang der Recyclingkette nur ca. 40 % gegenüber den Papieren aus Skandinavien emittiert und nur ca. 23 % im Vergleich zu den Überseepapieren.

Fazit der Studie: Alles spricht für Recyclingpapier

Die IFEU-Studie kommt zum Ergebnis: „Für alle betrachteten Indikatoren sind die Umweltlasten bei der Recyclingpapierherstellung am niedrigsten.“ Die Empfehlungen des Umweltbundesamtes zur Verwendung von Recyclingpapier werden damit untermauert. Besonders gilt dies, wenn „hohe Transportentfernungen zurückgelegt werden. So sollte aus ökologischen Gründen auf Zellstoff aus Übersee verzichtet werden und Altpapier zur Produktion von Recyclingpapier aus regionaler Sammlung stammen.“

Doch auch Recyclingpapier ist ein energieintensiver, wertvoller Stoff, bei dem das größte Einsparpotential in der sparsamen Verwendung besteht. Der Feststellung in der IFEU-Untersuchung „Ein Paket Recyclingpapier von 500 Blatt spart im Vergleich zur skandinavischen Primärfaservariante soviel CO2 ein wie ein Auto auf rund 2,5 km ausstößt“ müsste die Feststellung folgen: 500 Blatt Recyclingpapier verursachen soviel CO2 wie eine Autofahrt von ca. 10 - 12 km. Papiersparen könnte diese Emission vollständig vermeiden.

Fast unbemerkt wird Papier derzeit in etlichen Unternehmen durch die Einführung von Softwareprogrammen ersetzt, mit denen große Teile des Betriebsablaufs von der Planung über das Rechnungswesen bis hin zur Archivierung ganz auf elektronischem Weg erfolgen. Papiersparen ist wohl in den seltensten Fällen Auslöser für eine solche Umstellung. Wichtiger sind Gründe wie Kosten-, Platz- und Zeitersparnis. Noch ist nicht absehbar, ob sich hier eine dauerhafte Verbrauchsreduktion andeutet.

Weitere Hinweise zum Papiersparen: siehe Ausschreibungsempfehlungen

Recyclingpapier erfüllt höchste Qualitätsansprüche

Was Qualität, Gebrauchstauglichkeit und Sortimentsvielfalt betrifft, bieten Recyclingpapiere beste Werte für nahezu alle Anwendungen.

Bereits 1995 kam die Stiftung Warentest nach umfangreichen Tests zu dem Ergebnis: „Moderne Produktionsverfahren sorgen für eine Qualität der Altpapierprodukte, die der von ‚weißer Ware‘ in nichts nachsteht“. Führende Kopiergerätehersteller wie Xerox, Océ oder Canon vertreiben seit Jahren Recyclingpapiere mit Blauem Engel unter eigenem Namen im Eigeneinschlag und demonstrieren damit, dass ihre Maschinen diese Papierqualität einwandfrei verarbeiten. Die Firma Xerox hat im Jahr 2002 durch Belastungstests nachgewiesen, dass sich beim Einsatz von Recyclingpapier mit dem Blauen Engel keinerlei Unterschiede zum Einsatz von vergleichbarem Primärfaserpapier ergeben und dieses Ergebnis in einem Zertifikat bestätigt.

Auch die Untersuchung des bfub „Umweltverträgliche Beschaffung von Büropapieren“ aus dem Jahr 2002 belegt anschaulich, dass Recyclingpapiere auf allen Bürogeräten uneingeschränkt einsetzbar sind. Bei Verwendung von Recyclingpapier nach DIN EN 12281 (alle Kopierpapiere mit Blauem Engel erfüllen diese Norm, welche die DIN 19309 abgelöst hat und die Anforderungen an die technischen Eigenschaften von Kopierpapier vorschreibt) dürfen weder höhere Wartungskosten berechnet noch Gewährleistungsansprüche in Frage gestellt werden, bestätigt ein juristisches Gutachten. Ferner sind in der bfub-Broschüre Hintergrundinformationen zu den einzelnen Geräteanwendungen (konkrete technische Probleme) zu finden, Anwendererfahrungen von Großverbrauchern sowie praktische Tipps zur Umstellung auf Recyclingpapier. Die Broschüre kann beim Bundesverband für Umweltberatung e.V., Bornstr. 12-13, 28195 Bremen bestellt werden.

Perfekte Optik

Das Marktforschungsinstitut TNS Emnid wies Ende 2005 in einer bundesweiten repräsentativen Umfrage nach, dass bei identischem Inhalt ein auf Recyclingpapier gedrucktes Magazin als dem weißen Primärfaserpapier gleichwertig empfunden wurde. Etliche Großunternehmen wie AOK, Karstadt, Commerzbank oder Hamburg-Mannheimer arbeiten seit Jahrzehnten mit Recyclingpapier und bestätigen dessen hervorragende Farbwiedergabe und Bildqualität bei Drucken und Kopien.

Lange Archivierbarkeit

Für die Aufbewahrung von Papier in Stadt-, Landes- und Bundesarchiven spielt die Alterungsbeständigkeit eine entscheidende Rolle. Alle Büropapiere mit Blauem Engel erfüllen die DIN-Norm 6738 und entsprechen der höchsten Lebensdauerklasse LDK 24-85. Damit erfüllen sie bei schonender Behandlung und Lagerung höchste Ansprüche und sind mehrere 100 Jahre alterungsbeständig.

Die Frage nach dem Weißgrad

Ökologisch betrachtet, gilt die Devise: Nur so weiß wie nötig. Für viele Anwendungen ist eine 60er Weiße völlig ausreichend, zumal geringere Kontraste die Augen entlasten. Wollen Institutionen nicht auf hohe Weiße verzichten, sind 70er und 80er Weiße empfehlenswerte Alternativen. Inzwischen gibt es sogar Recyclingpapiere der 90er Weiße mit Blauem Engel. Zu bedenken ist allerdings, dass sehr helle Sekundärfaserqualitäten nur durch einen erhöhten Einsatz besserer Altpapiersorten zu erzielen sind. Laut Vorgaben des Blauen Engels dürfen bis zu maximal 35 Prozent besserer Altpapiere eingesetzt werden. Diese Sorten sind jedoch knapp auf dem Markt, denn den Großteil des anfallenden Altpapiers machen die sogenannten unteren Sorten mit über 80 % aus. Außerdem ist für eine höhere Weiße eine aufwändigere Faserreinigung mit mehr Energie- und Wassereinsatz nötig.

Quelle: Jupp Trauth, Evelyn Schönheit, forum ökologie und papier, hunsrueckvelo@gmx.de

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Umweltzeichen

Blauer EngelBlauer Engel
Anforderungen

Der Blaue Engel zeichnet als weit verbreitetes Umweltzeichen Produkte aus, die innerhalb der gleichen Produktgruppe besonders umweltfreundlich sind und zudem hohe Ansprüche an Gesundheits- und Arbeitsschutz sowie die Gebrauchstauglichkeit erfüllen. 1978 wurde der Engel zum ersten Mal vergeben und ist damit das älteste Umweltzeichen weltweit. Im Papierbereich bietet der Blaue Engel optimale Orientierung für eine umweltverträgliche Beschaffung technisch hochwertiger Papiere mit minimaler Schadstoffbelastung. Dabei werden vier Produktgruppen unterschieden: Recyclingpapiere RAL-UZ 14, Druck- und Pressepapiere überwiegend aus Altpapier RAL-UZ 72, Recyclingkarton RAL-UZ 56 sowie Hygiene-Papiere aus Altpapier RAL-UZ 5. Büropapiere entsprechend dem RAL-UZ 14 mit Blauem Engel bestehen zu 100 % aus Altpapier. Für ihre Herstellung müssen mindestens 65 % Altpapier der unteren, mittleren und krafthaltigen Sorten eingesetzt werden – bezogen auf den gesamten Faserstoffeinsatz. Diese Sorten machen als Haushaltssammelware einen Großteil des Altpapieraufkommens aus. Fertigungsausschuss aus der Papierfabrik gilt nicht als Altpapier, es sei denn er fällt bei der Papierherstellung aus 100 % Altfaserstoff an. Der Blaue Engel für Recyclingpapier verbietet den Einsatz von Chlor, optischen Aufhellern, halogenierten Bleichmitteln und weiteren Chemikalien. Kopierpapiere mit dem Engel sind nach DIN EN 12281:2003 geprüft und erfüllen die gleichen Anforderungen an ihre technische Eignung wie normgerechte Primärfaserpapiere. Die Emission von flüchtigen organischen Verbindungen beim Bedrucken von Papier mittels Laserdrucker oder Kopierer wird in den Kriterien des RAL-UZ 14 begrenzt. Die Lebensdauer der Recyclingpapiere für die Herstellung von Druckerzeugnissen erfüllt ebenfalls höchste Ansprüche (LDK 24-85 nach DIN 6738:1999).

Vergabe

Die Kriterien werden vom Umweltbundesamt in Kooperation mit Herstellern, Prüfinstituten, weiteren Fachleuten und Verbrauchervertretern erarbeitet. Die unabhängige Jury Umweltzeichen prüft und beschließt die Vergabegrundlagen. Die Vergabe erfolgt durch die RAL gGmbH im Auftrag des Umweltbundesamtes.

Weitere Informationen
Logo EU-UmweltzeichenEU-Umweltzeichen "EU-Blume"
Anforderungen

Das Umweltzeichen der Europäischen Union legt ähnlich wie der Nordische Schwan Grenzwerte für Energieverbrauch, Abwasserbelastung und Luftemissionen fest und zielt darauf, die durch den Einsatz gefährlicher Chemikalien bedingten Umweltschäden und –risiken zu reduzieren. Es darf kein elementares Chlor zur Bleiche eingesetzt werden. Was den Faserrohstoff betrifft, schreibt die Europäische Blume kein Altpapier vor. Für Primärfasern wird die „Gewährleistung einer nachhaltigen Forstwirtschaft“ verlangt, aber nur 15 % müssen zertifiziert sein ohne Vorgabe bestimmter Zertifizierungssysteme. Damit ist die Europäische Blume unter dem Aspekt der Ressourcenschonung kein ausreichendes Kennzeichen für eine ökologische Papierbeschaffung.

Vergabe

Durch die nationalen Umweltzeichen-Vergabestellen, in Deutschland durch die RAL gGmbH, RAL.

Weitere Informationen
EugropaEugropa
Anforderungen

Das EUGROPA-Zeichen tragen Papiere, die mindestens 75 % Altpapier aus bereits gebrauchtem Altpapier und Remittentenware (Reklamationen, Überschuss) enthalten. Fabrikabfälle sind nicht eingeschlossen. Für die restlichen 25 % ist der Einsatz von Primärfasern erlaubt – ohne weitere Spezifizierung.

Vergabe

Durch den Europäischen Verband der Papiergroßhändler.

Weitere Informationen
Forest Stewardship Council (FSC)Forest Stewardship Council (FSC)
Anforderungen

Das FSC-Zeichen können Hölzer und Holzprodukte aus ökologischer und sozial verantwortlicher Waldwirtschaft tragen. Speziell für Papier gibt es drei Zeichen: Das bedeutsamste ist „FSC-Pure“ , dieses verlangt den Nachweis, dass die Primärfasern aus FSC-zertifiziertem Holz hergestellt sind. Das Zeichen „FSC-recycled“ schreibt 100 % Altpapier vor ohne jede weitere Vorgabe hinsichtlich Chemikalieneinsatz wie dies der Blaue Engel verlangt. Das dritte Zeichen „FSC-mixed“ erlaubt in festgelegten Anteilen die Mischung von Primärfasern und Sekundärfasern. Praxisrelevant ist derzeit allein das „FSC-Pure“- Zeichen, das in der Regel auch gemeint ist, wenn von „FSC-Papier“ gesprochen wird. Es steht für ein reines Primärfaserprodukt und hat gegenüber allen anderen Papieren aus Holz den einzigen Vorteil, dass die Holzquelle zertifiziert ist. Alle sonstigen Umweltbelastungen werden nicht betrachtet. Daher ist das FSC-Zeichen nur für die Auswahl bei Primärfaserpapieren geeignet und kein dem Blauen Engel vergleichbares, umfassendes Umweltzeichen. Dies ist auch in einer gemeinsamen öffentlichen Erklärung von Bundesumweltministerium, Umweltbundesamt, Initiative „Pro Recyclingpapier“, FSC Deutschland und „Jury Umweltzeichen" vom 12. Dezember 2006 festgehalten: Der Blaue Engel ist das qualitativ anspruchsvollste Umweltzeichen für Papier in Deutschland. FSC ist in Staaten sinnvoll, in denen die Verwendung von Recycling-Papier voran gebracht werden soll und hierfür noch keine spezifischen Standards existieren. Bei der Vergabe des FSC-Labels für Recycling-Papier wird allein die Wiederverwendung der Fasern berücksichtigt, nicht jedoch die Gesamtbelastung der Umwelt im Produktionsverfahren. FSC Deutschland setzt sich daher dafür ein, dass Umweltanforderungen im Produktionsprozess auch in die weltweiten Regelungen des FSC aufgenommen werden. Maßstab für diese wichtige Pionierarbeit sollen die Standards des Blauen Engels sein.

Vergabe

Der FSC zertifiziert nicht selbst, sondern bevollmächtigt unabhängige Zertifizierungsorganisationen, die kontrollieren, ob die FSC-Prinzipien eingehalten werden. Der FSC überprüft einmal jährlich die Zertifizierungsorganisationen darauf, ob sie die Arbeit im Sinne des FSC ausführen. Holzprodukte durchlaufen vom Wald bis zum Endverbraucher mehrere Stationen und damit verbunden mehrere Eigentumsverhältnisse. Entscheidend für die FSC-Zertifizierung ist, dass alle Eigentümer innerhalb der Produktkette ("COC - Chain of Custody") zertifiziert sind. Wichtige Elemente der Prüfung sind der Nachweis der Holzherkunft, eine Mengenplausibilität und die Sicherstellung, dass zertifiziertes Holz nicht unzulässig mit unzertifiziertem Holz vermischt wird.

Weitere Informationen
PEFC LogoPEFC

Das Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC) wurde 1999 als „Pan European Forest Certification Council“, der ursprünglichen Bedeutung des Akronyms, hauptsächlich von europäischen Waldbesitzern initiiert. Seit 2003 bildet PEFC den internationalen Rahmen für die Anerkennung nationaler Zertifizierungssysteme.

In Deutschland wird der PEFC Zertifizierungsprozess durch den PEFC-Deutschland e.V. repräsentiert. Er ist auch für die Entwicklung und Umsetzung eines nationalen Standards für die Waldbewirtschaftung, der alle 5 Jahre einer Revision zu unterziehen ist, zuständig.

Mit Hilfe der Produktkettenzertifizierung (Chain-of Custudy) kann „PEFC-Holz“ lückenlos bis zum Endverbraucher nachverfolgt werden. Hierzu müssen sich alle Betriebe einer Produktkette zertifizieren lassen.

Anforderungen

Das PEFC-Zertifikat garantiert, dass Holz und Holzprodukte aus legaler und nachhaltiger Waldwirtschaft stammen. Der Standard für die Waldbewirtschaftung beinhaltet somit ökonomische, ökologische und soziale Anforderungen. Hierzu zählen unter anderem:

Der Blaue Engel für Papierprodukte fordert grundsätzlich den Einsatz eines bestimmten Anteils von Altpapier (Sekundärfasern). Mit dem PEFC-Zeichen werden hauptsächlich Primärfaserprodukte (Produkte aus Frischfasern) ausgezeichnet. Aber auch Produkte mit einem Altpapieranteil können das PEFC-Zeichen tragen. Umweltanforderungen beziehen sich bei PEFC auf die Waldbewirtschaftung, nicht aber auf den Produktionsprozess des Papiers. Der Blaue Engel stellt dagegen strenge Umweltanforderungen an den Produktionsprozess des Papiers.

Vergabe

Von den Mitgliedern des PEFC e.V. wird der Deutsche Forstzertifizierungsrat (DFZR) gewählt. In diesem Gremium werden Entscheidungen in Hinblick auf Kriterien und das Zertifzierungssystem getroffen.

Das PEFC verfolgt in Deutschland den Ansatz einer regionalen Zertifzierung auf der Ebene der Bundesländer. Waldbesitzer einer Region beantragen die Begutachtung der Wälder in der Region. Auf der Grundlage des Standards (Kriterien und Indikatoren) wird ein regionaler Waldbericht erstellt. Dieser wird durch die Zertifizierungsstellen auf Übereinstimmungen mit den Anforderungen des PEFC Systems geprüft (Konformitätsprüfung). Bei positiver Begutachtung können alle Forstbetriebe der Region die Ausstellung eines Zertifikats und die Berechtigung zur Zeichennutzung beantragen. Nach der Unterzeichnung einer freiwilligen Selbstverpflichtung, in der sich die Forstbetriebe zur Einhaltung der PEFC Standards bekennen, erfolgt die Zertifikat- und Zeichenvergabe durch die Zertifzierungsstellen.

Jährliche Kontrollen finden in Form von flächengerichteten Kontrollstichproben statt.

Weitere Informationen
Nordischer SchwanNordischer Schwan
Anforderungen

Das skandinavische Umweltzeichen kennzeichnet Papiere, die niedrigere Umweltbelastungen beim Energie-, Wasser- und Chemikalieneinsatz verursachen als durchschnittlich bei der Papierherstellung. Der Einsatz von Sekundärfasern wird nicht verlangt. Der Rohstoff Holz muss zu mindestens 20 % aus nachhaltiger Waldwirtschaft stammen – wobei unterschiedliche Zertifizierungssysteme zugelassen sind – oder zu 75 % aus Altpapier, Durchforstungs- oder Sägerestholz bzw. eine Kombination aus beiden. Das übrige Holz kann aus Primärwäldern stammen. Damit leistet der Schwan keinen ausreichenden Beitrag zum Waldschutz und bietet in erster Linie eine Orientierung hinsichtlich unterschiedlicher Primärfaserpapiere.

Vergabe

Durch die nationalen Umweltzeichenstellen in Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland und Island.

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Ausschreibungsempfehlungen

Alle Gründe sprechen für den Einsatz von Recyclingpapier. Die vielfältigen Umweltbelastungen in der Papierkette zeigen aber deutlich, dass nachhaltiges Wirtschaften nicht allein durch den Ersatz von Primär- durch Sekundärfaserpapier erreicht werden kann. Wir brauchen dringend einen bewussteren Umgang mit dem Material, das jedem von uns so selbstverständlich Tag für Tag in unbegrenzter Menge zur Verfügung steht! Papiersparen muss klare Priorität eingeräumt werden. Papier vermeiden oder einsparen ist in öffentlichen Einrichtungen allerdings immer ein Zusammenspiel mehrerer Abteilungen und Personen. Deshalb ist es für den Erfolg sehr wichtig, dass das gemeinsame Vorhaben formuliert, kommuniziert und von allen Mitarbeitern mitgetragen wird. Wir empfehlen deshalb folgendes Vorgehen: 1. Festellen des Ist-Zustandes: Wo wird zu welchem Zweck wie viel von welchem Papier verbraucht? 2. Festlegen konkreter Einsparziele 3. Konkrete Vorgaben für jede Abteilung samt ausführlicher Informationsphase für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

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Beispiele aus der Praxis

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Literatur

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Weitere Informationsquellen

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