Umweltbedingte Krankheitslasten

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Umwelteinflüsse können krank machen
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Umwelteinflüsse können krank machen: Lärm kann zum Beispiel das Herzinfarktrisiko erhöhen oder Feinstaub Lungenkrebs verursachen. Mit dem Konzept der „Umweltbedingten Krankheitslasten“ untersucht das Umweltbundesamt, welche Umweltbelastungen mit besonders vielen Erkrankungen zusammenhängen und welchen Nutzen Umweltschutz für unsere Gesundheit haben kann.

Inhaltsverzeichnis

 

Umwelt und Gesundheit systematisch untersucht

Seit den 90er Jahren untersucht die Weltgesundheitsorganisation (WHO), wie sich schädliche Umwelteinflüsse auf das Krankheitsgeschehen in verschiedenen Ländern auswirken. Dazu entwickelte die WHO in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen das Konzept der „Umweltbedingten Krankheitslasten″ (engl. Environmental Burden of Disease, kurz: EBD). Im Rahmen von EBD-Studien werden Umwelt- und Gesundheitsdaten verknüpft und statistisch ausgewertet. Auf Basis der Herzinfarkt-Häufigkeit in Deutschland und Daten zur Lärmbelastung der Bevölkerung kann beispielsweise geschätzt werden, welcher Anteil der Herzinfarkte in Deutschland auf Umweltlärm zurückzuführen sind. Dazu muss aus Bevölkerungsstudien sein, wie das Herzinfarkt-Risiko mit der Lärmbelastung steigt.

Für Deutschland führt das Umweltbundesamt eine Vielzahl von EBD-Analysen durch um zu ermitteln, welche Umwelteinflüsse mit besonders hohen Krankheitslasten einhergehen und wann Umweltschutz besonders wichtig für unsere Gesundheit ist.

 

Aktuelle Forschung und Ergebnisse

Nach Berechnungen des Umweltbundesamtes können in Deutschland jährlich im Durchschnitt ca. 40.000 vorzeitige Todesfälle aufgrund akuter Atemwegserkrankungen, kardiopulmonaler Erkrankungen und Lungenkrebs auf die Feinstaubbelastung der Bevölkerung zurückgeführt werden. Dies entspricht einem Verlust von acht Lebensjahren pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohnern.

Im Rahmen weiterer Studien werden derzeit EBD-Analysen für die Umwelteinflüsse Feinstaub, Ozon und Benzol in der Atemluft, Lärm, Tabakrauch in der Raumluft sowie Cadmium durchgeführt.

 

Umweltbedingte Krankheitslasten: eine Methode mit Potenzial

Das EBD-Konzept ist ein wichtiges Instrument, um die gesundheitliche Bedeutung des Umweltschutzes aufzuzeigen. Auch kann man auf Basis von EBD-Studien schätzen, welche Gesundheitskosten durch eine gute Umwelt eingespart werden können.

Um noch hilfreichere Informationen für den gesundheitsbezogenen Umweltschutz liefern zu können, muss das EBD-Konzept weiterentwickelt und an den aktuellen Stand der Forschung angepasst werden. So berücksichtigt das EBD-Konzept zum Beispiel noch unzureichend, dass Erkrankungen oder vorzeitige Todesfälle meist durch eine Kombination verschiedener (Umwelt-)einflüsse hervorgerufen werden. Auch diskutieren Fachleute derzeit noch kontrovers, wie der Verlust an Lebensqualität durch verschiedene Erkrankungen einheitlich und somit vergleichbar ermittelt werden kann. Das Umweltbundesamt beteiligt sich mit eigenen Forschungsprojekten und im Rahmen internationaler Kooperation auch an der methodischen Verbesserung des EBD-Konzepts.