FW-R-4 Erhaltung forstgenetischer Ressourcen

Nahaufnahme von Eicheln an Eichenzweig.zum Vergrößern anklicken
Genetisch vielfältiges Saatgut ist Voraussetzung für die Anpassungsfähigkeit der Wälder.
Quelle: Susanne Schmich/pixelio

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

FW-R-4: Erhaltung forstgenetischer Ressourcen

Die In-situ- und Ex-situ-Erhaltungsbestände konnten in den zurückliegenden Jahren ausgeweitet werden. Sie stellen sicher, dass die genetische Vielfalt bei den häufigen und seltenen Baumarten erhalten bleibt. Damit werden grundlegende Voraussetzungen für die Bewahrung der Anpassungsfähigkeit der Wälder geschaffen.

Darstellung der Fläche (ha) von Beständen zur Generhaltung am Ort des natürlichen Vorkommens der Arten (in situ) und angelegten Beständen und Samenplantagen zur Generhaltung außerhalb des natürlichen Vorkommens der Arten (Ex-situ), von 2004 bis 2012
FW-R-4 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Genetische Vielfalt – Schlüssel zur Anpassung

Das genetische System ist grundlegend für das Überleben von Arten und mithin des gesamten Ökosystems, denn es ist letztendlich die Voraussetzung für Veränderung, Anpassung und Evolution. Wo es eine hohe genetische Vielfalt gibt, können neue genetische Informationen erzeugt werden und sich auf diese Weise Arten weiterentwickeln und an veränderte Umweltbedingungen anpassen. Forstgenetische Ressourcen sind daher von grundlegender Bedeutung für das Entwicklungspotenzial von Waldökosystemen. Sie sichern die Anpassungsfähigkeit der Wälder und damit eine zukunftsfähige Waldwirtschaft. Das in Waldbeständen vorhandene genetische  Anpassungspotenzial muss daher unter allen Umständen erhalten und möglichst gezielt ausgebaut werden.

Bei den Maßnahmen zur Generhaltung unterscheidet man sogenannte In-situ- und Ex-situ-Maßnahmen. In- situ-Maßnahmen haben zum Ziel, die jeweilige genetische Ressource am Ort ihres Vorkommens zu erhalten. Ausgewählt werden dabei Bestände, die besonders vital sind und sich natürlich verjüngen. Sie lassen sich unter anderem gezielt für die Saatgutherstellung nutzen. In solchen ausgewiesenen Generhaltungswäldern und Erhaltungsbeständen genießt die Sicherstellung der natürlichen Verjüngung höchste Priorität. Künstliche Verjüngung darf nur mit ressourceneigenem Material stattfinden. Bei einigen Baum­ und Straucharten kann außerdem der gezielte Schutz der Biotope für ihre Erhaltung entscheidend sein. In-situ-Maßnahmen lassen sich i. d. R. vorteilhaft in den Forstbetrieb integrieren. Ex-situ- Maßnahmen bestehen darin, spezifische Erhaltungsbestände oder Erhaltungssamenplantagen der betreffenden Arten anzulegen und zu pflegen sowie Saatgut, Pollen, Pflanzen oder Pflanzenteile unter kontrollierten Bedingungen einzulagern und auf diese Weise das genetische Material zu erhalten. Viele Ex-situ-Maßnahmen erfordern spezielle Einrichtungen und sind daher auch finanziell aufwändig. Dies ist auch der Grund, warum die Fläche für In-situ-Maßnahmen deutlich größer ist als die für Ex- situ-Maßnahmen.

In Deutschland werden Generhaltungsobjekte bereits seit den 1980er Jahren ausgewiesen bzw. gezielt angelegt. War am Anfang noch das Waldsterben die primäre Motivation für diese Maßnahmen, steht heute vielmehr die erforderliche Anpassung der Wälder an die sich verändernden klimatischen Rahmenbedingungen im Vordergrund. Der starke Selektionsdruck, der mit den sich rasch vollziehenden Klimaveränderungen einhergeht, erfordert ein hohes Maß an Anpassungskapazität. In Deutschland liegt die Verantwortung für Generhaltungsmaßnahmen bei den Ländern. Sie setzen Ex-situ- und In-situ-Maßnahmen in unterschiedlicher Intensität um. Es gibt dabei große Unterschiede in der Pflege und im Monitoring des Genpools. Auf Bundesebene werden die Informationen über die Generhaltungsobjekte in einem Nationalen Inventar forstgenetischer Ressourcen zusammengeführt. Die Daten werden im mehrjährlichen Turnus aktualisiert und ergänzt.

Eine einfache Interpretation der Entwicklung der Generhaltungsobjekte in Deutschland ist nicht möglich. Von einem eindimensionalen „je mehr, desto besser“ kann nicht ausgegangen werden, denn für jede Baumart gibt es einen sinnvollen Umfang von Generhaltungsbeständen, über den hinaus eine Steigerung der Fläche oder des Umfangs der Einlagerung von Generhaltungsobjekten keine weitere Verbesserung der Absicherung bringt. Allerdings konnte dieser „sinnvolle Umfang“ noch nicht für alle Baumarten und Bundesländer definiert werden. Damit lässt sich derzeit auch noch nicht eindeutig bewerten, ob die derzeitigen Generhaltungsbemühungen für alle Arten ausreichend sind. Wichtig ist in erster Linie, dass das inzwischen erreichte Niveau der Generhaltung gesichert ist.

In Deutschland haben die Flächen der In-situ- und Ex-situ-Generhaltungsobjekte in den letzten Jahren zugenommen. Lediglich zwischen 2010 und 2012 gab es eine geringfügige Reduzierung der Fläche der In-situ- Bestände. Bei den häufigeren Waldbaumarten, für die das Forstvermehrungsgutgesetz (FoVG) die Erzeugung, das Inverkehrbringen sowie die Ein- und Ausfuhr von Forstvermehrungsgut regelt, ging die Fläche von In-situ-Beständen von knapp 30.000 Hektar auf ca. 26.350 Hektar zurück. Demgegenüber konnte innerhalb der Gruppe der seltenen und gefährdeten Baumarten, die nicht dem FoVG unterliegen, durch eine systematische und vereinheitlichte Erfassung der Lage, Populationsgröße, des Vitalitätszustands und der Altersstruktur der Vorkommen von Flaum-Eiche, Elsbeere, Speierling, Wild-Apfel, Wild-Birne, Eibe, Feld-Ahorn, Grün-Erle, Grau-Erle und Gemeiner Trauben-Kirsche im selben Zeitraum eine Ausweitung der gemeldeten In-situ-Bestände von ca. 2.430 Hektar auf rund 4.360 Hektar erreicht werden.

 

Schnittstellen

FW-R-1: Mischbestände

 

Ziele

Erhaltung der Vielfalt und eines angepassten Genpools von Baum- und Straucharten (Konzept zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung forstlicher Genressourcen in der Bundesrepublik Deutschland 2010, S. 29)

Erhaltung der genetischen Vielfalt der Forstpflanzen (Waldstrategie 2020, S. 23)