FW-R-3 Umbau gefährdeter Fichtenbestände

Unterpflanzung im Fichtenforst.zum Vergrößern anklicken
Beim Waldumbau müssen die besonders risikoreichen Fichtenreinbestände Priorität haben.
Quelle: Tobias Bosch / LWF

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

FW-R-3: Umbau gefährdeter Fichtenbestände

Der Waldumbau von Fichtenreinbeständen schreitet voran. Die Umbaumaßnahmen konzentrierten sich zwischen 2002 und 2012 aber noch nicht systematisch auf die Gebiete mit besonders warm-trockenen Klimaverhältnissen, in denen das Anbaurisiko deutlich erhöht bis sehr hoch ist.

Die Risikogruppen in der Abbildung sind wie folgt definiert:
•    sehr geringes Risiko = Fichte als führende Baumart möglich
•    geringes Risiko = als führende Baumart mit ausreichender Beimischung anderer Baumarten möglich
•    erkennbares Risiko = als Mischbaumart in hohen Anteilen möglich
•    mittelhohes Risiko = als Mischbaumart in mittleren Anteilen möglich
•    deutlich erhöhtes Risiko = als Mischbaumart in mäßigen Anteilen möglich
•    hohes Risiko = als Mischbaumart in geringen Anteilen möglich
•    sehr hohes Risiko = als Mischbaumart in sehr geringen Anteilen möglich

Rückgang der Fichtenfläche in den einzelnen Risikogruppen 2002-2012 (%), aufgeteilt in Risikoklassen
FW-R-3 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Gefährdete Nadelholzbestände gezielt reduzieren

Im Fokus des Waldumbaus stehen heute insbesondere reine Nadelholzbestände auf Flächen, auf denen sie bereits heute nicht standortgerecht sind oder dies durch den Klimawandel bedingt künftig nicht sein werden. Nicht naturnahe Reinbestände von Kiefer spielen insbesondere in der nordostdeutschen Tiefebene eine herausragende Rolle, während die Fichte im zentralen und südlichen Deutschland und in höheren Lagen angebaut wird. Forstwirtschaftliche und ökologische Probleme mit nicht standortgerechten Fichtenbeständen gibt es insbesondere auf den warm-trockenen Standorten. Aus diesem Grunde sollte sich der Waldumbau mit erster Priorität auch auf diejenigen Standorte konzentrieren, die schon heute als kritisch einzustufen sind und auf denen sich mit Blick auf die Klimaprojektionsergebnisse die Anbauprobleme voraussichtlich noch weiter verschärfen werden.

Bei der differenzierten Analyse der Entwicklung der Fichtenfläche zwischen 2002 und 2012 wird deutlich, dass in diesem Zeitraum bundesweit gesehen noch keine systematischen und speziell auf die Hochrisikogebiete des Fichtenanbaus ausgerichteten Waldumbaumaßnahmen stattgefunden haben. Legt man die mittlere klimatische Situation der Periode 1961-1990 zugrunde, an deren Ende mit dem gezielten Waldumbau begonnen wurde, ließen sich im Jahr 2002 rund 6,6 % der Fichtenfläche Gebieten mit einem hohen bis sehr hohen Fichtenanbaurisiko zuordnen. In diese Risikoklassen werden Gebiete mit einer jährlichen Durchschnittstemperatur von über 8 °C und einer Jahresniederschlagssumme von weniger als 800 mm eingestuft. Mit dem Ziel einer nachhaltigen forstlichen Bewirtschaftung sollte die Fichte in diesen Gebieten eigentlich nur als Mischbaumart in mäßigen bis sehr geringen Anteilen in die Bestände eingebracht werden. In den deutschen Wäldern war sie in 2002 innerhalb dieser vergleichsweise warm-trockenen Gebiete aber noch auf ca. 196.700 Hektar Fläche die Hauptbaumart, d. h. sie machte dort mehr als 90 % der Gesamtbestockung aus. Bis zum Jahr 2012 reduzierte sich diese Fläche nur geringfügig auf ca. 186.100 Hektar und hatte einen Anteil von 6,7 % an der gesamten Fichtenfläche. Ursachen für den Rückgang können entweder gezielte Waldumbaumaßnahmen sein oder Bestandzerstörungen durch Kalamitäten wie beispielsweise Borkenkäferbefall. Dass der Rückgang in diesen zehn Jahren nur so gering ausgefallen ist, könnte zum einen daran liegen, dass viele Bestände in diesen Risikoklassen die Hiebsreife noch nicht erreicht haben und aus wirtschaftlichen Gründen noch nicht mit dem gezielten Waldumbau begonnen wurde. Zum anderen ist es möglich, dass die im Rahmen von Umbaumaßnahmen unterpflanzten Bäume noch zu geringe Stammdurchmesser haben, um in der Inventur bereits erfasst zu werden.

Im bundesweiten Rahmen ist für den Zeitraum 2002 bis 2012 also noch nicht klar erkennbar, dass für die Gebiete mit deutlich erhöhtem bis sehr hohem Fichtenanbaurisiko besonders intensive Bemühungen zur Ablösung der Fichte durch weniger anfällige Arten unternommen worden wären. Die stärkste absolute Reduzierung der Fichtenfläche hat sich mit fast 108.100 Hektar sogar in Gebieten mit sehr geringem Risiko vollzogen, in denen die standörtlichen Verhältnisse den Anbau der Fichte als führende Baumart auch weiterhin möglich machen. Allerdings ist diese Risikokategorie auch bei weitem die flächenmäßig größte. Die durch den Risikoindikator nicht abgedeckten Sturmrisiken haben hier vermutlich eine wichtige Rolle bei der Umbauentscheidung gespielt.

In der aktuellen Diskussion um einen klimagerechten Waldumbau stehen die standortgerechten Fichtenbestände im besonderen forstwirtschaftlichen Fokus. Möglicherweise ist bis zur nächsten Inventur in zehn Jahren vielerorts die Verjüngung anderer Baumarten unter Fichtenaltbeständen soweit aufgewachsen, dass sie dann im Hauptbestand mit erfasst wird und sich demensprechend 2022 ein anderes Bild zeigt.

 

Schnittstellen

FW-I-2: Gefährdete Fichtenbestände

FW-R-1: Mischbestände

 

Ziele

Die Waldeigentümer sollten den Waldumbau von Reinbeständen in standortgerechte, risikoarme Mischbestände voranbringen. […] Bei der Wahl der Baumarten [...] muss darauf geachtet werden, dass sie dem Standort und seiner zu erwartenden Entwicklung angepasst sind. (DAS, Kap. 3.2.7)

Anbau standortgerechter und überwiegend heimischer Baumarten mit hoher Widerstandfähigkeit und Wuchsleistung (Waldstrategie 2020, S. 23)