FW-I-7 Waldzustand

Stark ausgelichtete Nadelbäume von unten in den Himmel fotografiert.zum Vergrößern anklicken
Kronenverlichtung kann viele Ursachen haben. Witterungsextreme sind eine davon.
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Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

FW-I-7: Waldzustand

Derzeit gibt es keine Anzeichen, dass sich der Waldzustand aufgrund von Klimaveränderungen kontinuierlich verschlechtert. Die Auswirkungen besonders heißer und trockener Jahre wie z. B. des Jahres 2003 äußern sich aber – mit Ausnahme der Kiefer – bei allen Hauptbaumarten in deutlichen Nadel- und Blattverlusten. Bei den Laubbäumen hat sich der Waldzustand seit 1991 signifikant verschlechtert.

Darstellung der mittleren Kronenverlichtung (%) für Gesamt / alle Baumarten gegenüber Fichte, Kiefer, Buche und Eiche, von 1991 bis 2013.
FW-I-7 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Kronenverlichtung durch Klimawandel?

Der Kronenzustand galt viele Jahre als geeigneter Indikator, um die Auswirkungen von Schadstoffbelastungen auf die Vitalität der Waldbäume abzubilden. Heute weiß man, dass die Ursachen vielfältiger sind und in komplexer Weise zusammenwirken. Das Witterungsgeschehen ist inzwischen stärker ins Blickfeld geraten, denn Zusammenhänge zwischen dem zeitlichen Verlauf der Nadel- und Blattverluste und dem sommerlichen Witterungsverlauf sind offensichtlich geworden.

In allen Statistiken zur Entwicklung des Waldzustands der vergangenen Jahre stechen die Folgen des Hitzejahrs 2003 mit verstärkten Blatt- und Nadelverlusten bei den Hauptbaumarten besonders hervor. Lediglich bei der trockenheitstoleranten Kiefer zeigten sich im Folgejahr 2004 keine signifikanten Veränderungen gegenüber den Vorjahren. Blatt- und Nadelverluste können dabei direkte Folge von Trockenheit und Hitze sein oder auch indirekt durch verstärkten Schädlingsbefall zustande kommen. Aufgrund der beschriebenen Zusammenhänge liegt es nahe, einen Einfluss des Klimawandels auf den Kronenzustand der Waldbäume zu diskutieren.

Wenn Bäume ihr Blätter und Nadeln verlieren, dann bedeutet das allerdings nicht zwangsläufig, dass sie geschädigt sind. Bei Laubbäumen ist die spontane Reduzierung der Blattmasse unter ungünstigen Bedingungen zumeist eine angemessene Anpassungsreaktion. Die Bäume können auf diese Weise zu großen Wasserverlusten vorbeugen. Kritisch wird es nur dann, wenn infolge einer Häufung von Jahren mit Trockenstress die Kronenverlichtung zum Dauerzustand wird. Dann wird es zwangsläufig zu Produktivitätseinbußen oder gar zum Absterben von Bäumen kommen. Bei Nadelbäumen ist die Situation etwas anders, denn Nadelbäume reagieren weniger spontan mit Nadelverlusten, da sie mehr in ihre dauerhafteren Nadeln investieren müssen. In diesen Fällen liegt es daher näher, von einer Schädigung der Bäume auszugehen, wenn die Krone lichter wird.

Noch schwieriger wird die Interpretation von Nadel- und Blattverlusten, wenn man zusätzlich die Zusammenhänge mit der Fruchtbildung berücksichtigt. Auch diese kann erheblichen Einfluss auf den Kronenzustand nehmen. In sogenannten Mastjahren mit besonders starker Fruchtbildung investieren die Bäume weniger in ihre Blatt- und Nadelmasse. Die Krone erscheint dann transparenter.
Über die Gesetzmäßigkeiten der Fruchtbildung gibt es aber bislang nur wenige Informationen, auch wenn Zusammenhänge mit dem Klimawandel diskutiert werden. Während es beispielsweise bei der Buche und Eiche früher nur rund alle sechs bis sieben Jahre zu Mastjahren kam, liegt die Häufigkeit heute zwischen zwei und drei Jahren. Erwiesen ist ein Zusammenhang mit dem Klimawandel aber noch nicht.

Noch gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich der Waldzustand infolge der Klimaveränderungen kontinuierlich verschlechtert. Es ist aber nachweisbar, dass widrige Witterungseinflüsse, insbesondere heiße und trockene Sommer, zu Nadel- und Blattverlusten führen. Sollten sich diese Extrembedingungen in Zukunft vermehrt einstellen und der Umbau des Waldes zu trocken- und hitzetoleranteren Beständen nicht schnell genug voranschreiten, könnte dies tatsächlich verstärkte Waldschäden zur Folge haben.

 

Schnittstellen

FW-I-5: Schadholzaufkommen durch Buchdrucker – Fallstudie

 

Ziele

Steigerung der Stabilität, Vielfalt und Naturnähe der Wälder (Waldstrategie 2020, S. 23)