FW-I-3 Holzzuwachs

Blick auf Schnittfläche mit Jahresringen eines frisch geschlagenen Baumes.zum Vergrößern anklicken
Je nach Witterungsbedingungen können die Erträge in den Jahren sehr unterschiedlich hoch ausfallen.
Quelle: sabine käfer / pixelio.de

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

FW-I-3: Holzzuwachs

Der Zuwachs im Zeitraum 2008 bis 2012 fiel für alle Hauptbaumarten geringer aus als im vorhergehenden Zeitraum 2002 bis 2008. Dies deutet darauf hin, dass einzelne Trockenjahre bisher nicht dominant die Zuwächse bestimmten, denn die besonders warmen und trockenen Jahre 2003 und 2006 fielen in den ersten Zeitraum mit den noch höheren Zuwächsen.

In einer Grafik sind Punkte für den Jährlichen Grundflächenzuwachs (Zuwachs an Derbholz mit Rinde) in m²/ha und Jahr für Fichte, Buche, Eiche und Kiefer jeweils für den Zeitraum 2002-2008 und 2008-2012 angegeben. Die Werte sind für (2002-2008) Fichte 0,81, Kiefer 0,65, Buche 0,64, Eiche 0,58. Für 2008-2012 Fichte 0,75, Kiefer 0,53, Buche 0,57, Eiche 0,53.
FW-I-3 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Veränderungen im Zuwachs

Wie schnell Bäume wachsen und wie viel Holzvolumen je Zeiteinheit gebildet wird, ist wesentlich von der Nährstoff­ und Wasserversorgung ihrer Standorte sowie von den vorherrschenden Temperaturen abhängig. In  Berglagen oder kalten Senken, die bisher wärmelimitiert sind, können sich Temperaturerhöhungen positiv auf den Zuwachs der dort stockenden Bäume auswirken. In Bereichen wie beispielsweise der Oberrheinebene, in denen das Wachstum schon heute vielerorts durch Hitze- und Trockenheit begrenzt ist, werden sich weitere Temperaturerhöhungen und zunehmende Trockenheit infolge des Klimawandels dagegen nachteilig auf die Holzzuwächse auswirken. Insgesamt wird erwartet, dass sich die mit dem Klimawandel einhergehenden Witterungsveränderungen standorts­ und bestandsspezifisch unterschiedlich auf den Holzzuwachs auswirken werden.

Viel diskutiert wird neben den Witterungseinflüssen auch der düngende Effekt erhöhter Kohlendioxid­Konzentrationen in der Atmosphäre. Er kann sich grundsätzlich produktivitätssteigernd auswirken, wenn gleichzeitig andere wichtige Wachstumsfaktoren nicht begrenzt sind. Ein weiterer bedeutender Einflussfaktor ist die Altersstruktur der Bestände, denn die Zuwachsleistung der Bäume ist abhängig von ihrem Alter. Junge Bäume mit einem Alter von unter 20 Jahren weisen einen geringen Volumenzuwachs auf. Dieser steigt dann in den Folgejahren stark an und sinkt im Alter in Abhängigkeit von der Baumart wieder ab. Analysen von Zuwachsdaten müssen daher stets das Alter berücksichtigen.

Das Zusammenwirken aller Einflussfaktoren ist komplex und lässt sich in seinen Auswirkungen für den künftigen Zuwachs nur schwer voraussagen. Klar ist aber bereits heute, dass es im Wald in Abhängigkeit von den jeweiligen Standortverhältnissen Gewinner und Verlierer des Klimawandels geben wird. Grundsätzlich ist der produktive Holzzuwachs neben der Qualität des Holzes für die Forstwirtschaft eine relevante Größe, denn er entscheidet letztendlich über die Höhe der erzielbaren Holzerträge. Sinken in Wirtschaftswäldern u. a. infolge ungünstigerer Witterungsverhältnisse die Zuwächse beständig in erheblichem Umfang, werden gezielte forstliche Managementmaßnahmen erforderlich, um die Produktionsfunktion des Waldes aufrecht zu erhalten. Der Holzzuwachs ist außerdem insofern von Bedeutung, als er Voraussetzung für die Funktion des Waldes als Kohlenstoffspeicher ist. Je mehr Holz in einem Bestand zuwächst, desto mehr Kohlendioxid wird der Atmosphäre entzogen und in Form von Kohlenstoff im Holz festgelegt. Man geht davon aus, dass in jedem Kubikmeter Holz rund 250 kg Kohlenstoff gebunden sind. Damit leisten Wälder mit positiver Kohlenstoffbilanz auch einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz.

Die bisher verfügbaren Ergebnisse der Bundeswaldinventur stellen Startpunkte für den Aufbau einer längeren Zeitreihe zum Holzzuwachs dar. Ab 2002 stehen bundesweite Inventurdaten zur Verfügung. Die Daten lassen derzeit vor allem Schlussfolgerungen zu den Wirkungen extremer Witterungssituationen im jeweiligen Beobachtungszeitraum zu. So ließen sich die hohen durchschnittlichen Holzzuwächse der Wälder, die bis zum Ende des 20. Jahrhunderts ermittelt wurden, im Zeitraum 2002 bis 2008 in den alten Bundesländern vor allem für die Fichte nicht mehr in diesem Umfang ermitteln. Es wird davon ausgegangen, dass insbesondere die heißen und trockenen Jahre 2003 und 2006 zu Produktivitätseinbußen geführt haben. Aber auch im Folgezeitraum 2008-2012 ohne Trockenjahre sind die Holzzuwächse im bundesweiten Mittel bei den vier Hauptbaumarten weiter zurückgegangen, am stärksten bei der Kiefer, gefolgt von der Buche.

Mit einer längeren Zeitreihe werden sich künftig die längerfristig wirkenden Effekten des Klimawandels auf den Holzzuwachs abbilden lassen.

 

Schnittstellen

LW-I-2: Ertragsschwankungen

 

Ziele

Sicherstellung der Produktion von Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft; Deckung des steigenden inländischen Holzbedarf auch nach 2020 überwiegend aus heimischer Erzeugung (Waldstrategie 2020, S. 7)