FW-I-1 Baumartenzusammensetzung in Naturwaldreservaten – Fallstudie

Nahaufnahme zweier unterschiedlicher Laubbaumstämme, die nah beieinander stehen.zum Vergrößern anklicken
In Naturwaldreservaten lässt sich die Konkurrenzfähigkeit der jeweiligen Baumarten beobachten.
Quelle: Peter Meyer / NWFVA

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

FW-I-1: Baumartenzusammensetzung in Naturwaldreservaten – Fallstudie

In den Naturwaldreservaten, in denen in Zukunft stärkere Klimaänderungen mit höheren Temperaturen und trockeneren Bedingungen sowie häufigeren und stärker ausgeprägten Witterungsextremen erwartet werden, deuten die Entwicklungen bisher noch darauf hin, dass Sukzession und konkurrenzbedingte Effekte die Baumartenveränderungen stärker prägen als ein sich veränderndes Klima.

Ein Blockdiagramm stellt die Jährliche Veränderung in Naturwaldreservaten mit erwarteter starker Klimaänderung in Prozent dar. Für den Zeitraum 1884-2014 nahm die Bestandsdichte um 0,7% zu, Buchen verzeichnen 0,3% Zuwachs, Eichen einen Rückgang von 0,7%, Esche und Ahorn einen Rückgang von 0,4% und Pioniere einen Zuwachs von 0,05%.
FW-I-1 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Anpassungsfähigkeit der natürlichen Baumarten

Wälder sind sehr langlebige Ökosysteme. Dementsprechend hat es auch die Forstwirtschaft mit langen Produktionszeiträumen zu tun. Sie muss weit vorausschauend planen und zukünftige Veränderungen der Wuchsbedingungen berücksichtigen. Baumarten, die heute noch gut mit den Klimabedingungen an ihrem Standort zurechtkommen, können in den kommenden Jahrzehnten anfälliger für Schäden werden und Zuwachseinbußen erleiden. Verschiebungen in der Artenzusammensetzung vollziehen sich schon heute an der Wärme- und Trockenheitsgrenze der Baumartenverbreitung. Der Klimawandel führt dazu, dass Baumarten am warmen und trockenen Rand ihrer Verbreitung ihren Lebensraum verlieren und nur noch in kühleren und feuchteren Regionen überlebensfähig sind. Die natürlichen Ausbreitungsmöglichkeiten der Arten sind jedoch begrenzt.

Im Wirtschaftswald wird die Artenzusammensetzung von der forstlichen Nutzung und Pflege geprägt. Hier überlagern sich die natürliche Waldentwicklung und die vom Menschen durchgeführten Eingriffe. In Naturwaldreservaten entwickeln sich die Wälder ohne direkte menschliche Eingriffe. Ende 2013 gab es in Deutschland 743 Naturwaldreservate mit einer Fläche von insgesamt 34.000 Hektar. In der überwiegenden Zahl der Naturwaldreservate dominieren die standortheimischen Baumarten. Ob die Grenzen ihrer Anpassungsfähigkeit infolge der Klimaveränderungen überschritten werden, sollen Beobachtungen der natürlichen Walddynamik in diesen Gebieten zeigen. Die Ergebnisse erleichtern den Forstwirten und Waldbauern die Entscheidung, in welchem Umfang wärme- und trockenheitstolerantere Baumarten in forstlich genutzte Bestände eingebracht werden sollten, um die Holznutzung auch künftig zu sichern.

Regionale Projektionen des künftigen Klimawandels ermöglichen eine Unterscheidung zwischen Naturwaldreservaten, in denen in Zukunft eher geringe Änderungen der Wasserversorgung zu erwarten sind, und solchen, in denen sich die Wasserbilanz voraussichtlich deutlich negativ verändern wird, sodass der Baumbestand unter Trockenstress geraten könnte. Fasst man innerhalb dieser Gebiete die vorkommenden Baumarten zu Gruppen mit bestimmten Anpassungseigenschaften zusammen und beobachtet deren langfristige Entwicklung, lassen sich Aussagen zum Verlauf von Anpassungsprozessen der Waldökosysteme treffen. Während der Trauben­ und Stieleiche, der Esche, dem Berg- und Spitzahorn sowie den sogenannten Pionierarten wie der Sand- und Moorbirke, der Salweide, der Aspe und der Eberesche ein vergleichsweise hohes Anpassungsvermögen zugeschrieben wird, ist zu vermuten, dass die Rotbuche eher empfindlich auf Trockenstress reagiert. Zusätzlich ist zu berücksichtigen, dass auch andere Faktoren wie beispielsweise Schädlingsbefall, Windwürfe oder die Konkurrenz um Licht, Wasser und Nährstoffe die Entwicklung der einzelnen Baumartengruppen beeinflussen.

In Naturwaldreservaten der Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein zeichneten sich in den letzten dreißig bis vierzig Jahren Verschiebungen in der Baumartenzusammensetzung ab. Diese lassen sich aber bisher nicht mit Klimaveränderungen erklären.

Überwiegend zeigen die Baumbestände in den betrachteten Naturwaldreservaten ein erhebliches Durchmesserwachstum, sodass die Bestandesdichte deutlich ansteigt. Dies ist ein Hinweis darauf, dass die Vitalität der Bäume bisher nicht erkennbar beeinträchtigt wurde. Während die Buche ihren Anteil erhöhen konnte, sind die Anteile der Eichenarten und der Esche/Ahorn-Gruppe zurückgegangen. Diese Entwicklungen können zum einen mit der Konkurrenzkraft der Buche aufgrund ihrer hohen Schattverträglichkeit und zum anderen mit krankheitsbedingten Absterbeerscheinungen bei der Eiche und der Esche erklärt werden. Die Gruppe der Pioniere zeigte nur eine sehr geringfügige Veränderung. Insgesamt deuten die bisher verfügbaren Daten nicht darauf hin, dass die Entwicklungen bereits merklich vom Klimawandel beeinflusst sind.

 

Ziele

In vorhandenen nutzungsfreien Wäldern sollen das Klimaanpassungspotenzial untersucht und Hinweise für die Forstwirtschaft gegeben werden. (Waldstrategie 2020, S. 11)

Erhaltung und Entwicklung der natürlichen und naturnahen Waldgesellschaften (NBS, Kap. B 1.2.1)