VE-I-2 Witterungsbedingte Straßenverkehrsunfälle

Sicht durch die Frontscheibe eines PKW bei Regen.zum Vergrößern anklicken
Schlechte Sicht bei Starkregen erhöht die Unfallgefahr.
Quelle: Gabi Eder / pixelio.de

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

VE-I-2: Witterungsbedingte Straßenverkehrsunfälle

Stark winterliche Straßenverhältnisse sowohl in Januar und Februar als auch im Dezember waren im Jahr 2010 die Ursache für eine außergewöhnlich hohe Zahl von Unfällen, die durch Schnee und Eisglätte verursacht wurden. Signifikante Trends zeichnen sich bislang aber für keine der dargestellten Entwicklungen ab.

Die Grafik beschreibt den Anteil wetter- bzw. witterungsbedingter Verkehrsunfälle mit Personenschaden in %, mitverursacht durch Schnee- und Eisglätte sowie Glätte bei Regen, in den Monaten Juni - August
VE-I-2 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Sicher unterwegs bei Schnee und Eis, Regen und Hitze

Die Verkehrssicherheit und das Unfallgeschehen auf Deutschlands Straßen hängen von zahlreichen Einflussfaktoren ab. Dazu zählen, neben der vorhandenen Infrastruktur, der Dichte und der Struktur des Verkehrs und dem Verhalten der Verkehrsteilnehmer, auch Wetter und Witterung. Regen und Schnee, Eis und Hagel beeinflussen die Straßenverhältnisse und sorgen für widrige Fahrbahnbedingungen, z. B. Aquaplaning oder Glätte. Niederschlag und Nebel trüben die Sichtverhältnisse. Die Unfallgefahr ist daher in den Herbst- und Wintermonaten i. d. R. höher als im Frühjahr und Sommer. Es kommt insgesamt zu mehr Unfällen. Häufiger als in den warmen Monaten kommen dabei aber keine Personen zu Schaden, denn die Verkehrsteilnehmer passen ihre Geschwindigkeit den schlechten Bedingungen an. Dazu trägt auch die durch das schlechte Wetter beeinflusste Verkehrsmittelwahl bei: Die Menschen nutzen bevorzugt den Pkw oder öffentliche Verkehrsmittel, sodass sich weniger ungeschützte und besonders verletzliche Teilnehmer im Straßenverkehr bewegen.

In der warmen Jahreszeit sind gegenläufige Verhaltensmuster zu beobachten. Die Menschen nutzen die angenehmen Temperaturen und die längeren Tage, sind mehr im öffentlichen Raum unterwegs und erledigen mehr Wege zu Fuß oder mit dem motorisierten oder nicht-motorisierten Zweirad. Das Verkehrsgeschehen wird insgesamt komplexer, und der Anteil schwächerer Verkehrsteilnehmer ist höher. Zudem fahren motorisierte Verkehrsteilnehmer bei guter und trockener Witterung schneller als bei rutschiger oder nasser Fahrbahn und provozieren damit auch folgenschwerere Unfälle. Obwohl also in den Sommermonaten die Unfallzahlen im Jahresvergleich eher durchschnittlich sind, ist der Anteil von Unfällen mit Personenschäden, bei denen Personen verletzt oder getötet werden, in diesem Zeitraum besonders hoch.

Das Unfallgeschehen im Jahr 2010 zeigt – einer Auswertung des Statistischen Bundesamts25 zufolge – beispielhaft, in welcher Weise Wetter und Witterung die Verkehrssicherheit beeinflussen können. In den Monaten Januar, Februar und Dezember herrschten jeweils stark winterliche Straßenverhältnisse. Schnee- und Eisglätte waren Mitverursacher von annähernd doppelt so vielen Unfällen mit Personenschaden wie in den anderen Jahren des betrachteten Zeitraums. Gleichwohl lag der relative Anteil der Unfälle mit Personenschaden in diesen Monaten auf dem niedrigsten Stand seit 1991. Insgesamt hatten sich also viel mehr Unfälle ereignet, wegen einer grundsätzlich vorsichtigen Fahrweise blieb es aber in vielen Fällen bei Sachschäden. Demgegenüber war der Anteil der Unfälle mit Personenschaden in den Sommermonaten im Jahr 2010 überdurchschnittlich hoch. Eine „Teilschuld“ daran kann der Witterung zugeschrieben werden, denn der Juni und der Juli waren in diesem Jahr insgesamt sehr sonnig und die ersten Juliwochen zudem sehr heiß.

In Anbetracht der Einflüsse, die Wetter und Witterung auf das Unfallgeschehen  haben, wird diskutiert, dass der Klimawandel möglicherweise relevante Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit und das Unfallgeschehen hat. Für die winterlichen Gefahren wird dabei für die Zukunft allgemein von einer Abnahme ausgegangen, während es in Frühjahr, Sommer und Herbst u. a. infolge größerer Hitze und vermehrter Starkregen häufiger zu Unfällen kommen könnte. Regional sind in den vergangenen Jahren auch Staub- und Sandstürme als Unfallverursacher in den Blick geraten. Bei zunehmender sommerlicher Bodentrockenheit könnten diese künftig häufiger auftreten. Bislang zeichnen sich in den abgebildeten Zeitreihen aber weder zu den Verkehrsunfällen mit einer Mitverursachung durch Schnee- und Eisglätte bzw. Glätte bei Regen noch zu den Verkehrsunfällen in den Sommermonaten signifkante Trends ab.

In der Verantwortung der Verkehrsteilnehmer liegt es dabei, sich über bestehende Gefahren zu informieren, Warnhinweise zu beachten und sich in extremen Situationen richtig und angemessen zu verhalten. Die Verkehrsteilnehmer sind aber grundsätzlich darauf angewiesen, dass Verkehrsinfrastrukturen auch unter extremen Bedingungen funktionieren und keine witterungsbedingten Schäden entstehen. Vorrangige Aufgabe von Bund und Ländern ist es daher, die Verkehrsinfrastrukturen an die sich ändernden klimatischen Verhältnisse anzupassen. Um hierfür die notwendigen Grundlagen zu schaffen, wurde an der Bundesanstalt für Straßenwesen ein spezifisches Forschungsprogramm aufgelegt. In verschiedenen Projekten werden u. a. die Verwundbarkeit von Brücken- und Tunnelbauwerken gegenüber Hitze, Wind und Starkregen sowie die Standsicherheit von Böschungen bei Starkregen untersucht, und es werden mögliche Anpassungsmaßnahmen entwickelt. Im Fokus des Programms stehen außerdem die Auswirkungen von Hitze und anderen Extremereignissen auf Asphalt- und Betonfahrbahnen und die sich daran anknüpfende Frage, wie die verschiedenen Bauweisen daran angepasst werden müssen.

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25 StBA –Statistisches Bundesamt (Hrsg.) 2011: Unfallentwicklung auf deutschen Straßen 2010. Begleitmaterial zur Pressekonferenz am 6. Juli 2011 in Berlin. Wiesbaden, 38 S.

 

Schnittstellen

GE-I-1: Hitzebelastung

BO-I-2: Regenerosivität

 

Ziele

Monitoring der gegenläufigen Auswirkungen im Winter möglicherweise abnehmender und im Sommer möglicherweise zunehmender Unfallgefahren
(DAS, Kap. 3.2.11)