TOU-I-6 Saisonale Übernachtungen in deutschen Tourismusgebieten

Beine eines Wanderers vor Hochgebirgskulisse.zum Vergrößern anklicken
Frühjahr und Herbst könnten zukünftig wichtiger für die deutschen Tourismusregionen werden.
Quelle: Peter Freitag / pixelio.de

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

TOU-I-6: Saisonale Übernachtungen in deutschen Tourismusgebieten

Während die Tourismuswirtschaft in den Alpen und im Alpenvorland sowie insbesondere an der Küste schwerpunktmäßig in der Hauptsaison hohe Übernachtungszahlen verbuchen kann, verteilen sich die Gästezahlen in den anderen Tourismusgebieten gleichmäßiger über das Jahr. Signifikante Veränderungen zeigten sich in den vergangenen Jahren nicht.

Darstellung des Verhältnisses der Übernachtungen in der Nebensaison (III-V, X) und Hauptsaison (VI-IX) (ohne Einheit; 1 = Gleichverteilung): an der Küste, im Mittelgebirge sowie Alpen und Alpenvorland, Urbane Gebiete und übrige Gebiete, von 2006 bis 2013
TOU-I-6 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Verschieben sich die Urlaubszeiten?

Mit der Änderung der klimatischen Verhältnisse gehen für die Tourismusregionen in Deutschland Veränderungen ihrer Standortfaktoren einher. Während damit z. B. für den klassischen Wintertourismus überwiegend Risiken verbunden sind, können in den warmen Monaten des Jahres durchaus Chancen für die Urlaubsziele in Deutschland erwachsen. Der erwartete Anstieg der Temperaturen und die geringeren Niederschläge vom Frühling bis in den Herbst sowie eine Zunahme von thermisch komfortablen Bedingungen, vor allem in den höheren Gebirgslagen sowie in den Küstenregionen, können sich insgesamt günstig auswirken. Die Urlaubsregionen in Deutschland könnten von diesen Veränderungen z. B. durch steigende Besucherzahlen in der bisherigen Nebensaison oder eine verlängerte Sommersaison profitieren.

Besonders sensibel gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels sind in positiver wie in negativer Hinsicht Destinationen, die vorrangig wegen wetter- bzw. witterungsabhängigen Aktivitäten ausgewählt werden und eine starke jahreszeitliche Bindung aufweisen. Dies gilt in ganz besonderer Weise für den Tourismus an der Küste, der in Deutschland überwiegend in der Hauptreisezeit von Juni bis September nachgefragt ist. In diesem Zeitraum werden dort bisher annähernd doppelt so viele Übernachtungsgäste gezählt wie in der Nebensaison.
Auch in der Tourismusregion Alpen und Alpenvorland ist die Bedeutung der Hauptsaison von Juni bis September für den Übernachtungstourismus sehr hoch. Die touristische Bedeutung der Wintersaison in den Alpen manifestiert sich mehr im Tagestourismus und der damit verbundenen hohen Wertschöpfung vor allem in den Skigebieten. An den jährlichen Übernachtungen hat die Wintersaison nur einen Anteil von etwas mehr als 20 %.

Die weiteren Tourismusregionen, d. h. die Mittelgebirgsregionen, die urbanen Gebiete und alle übrigen Regionen, weisen bezogen auf die Übernachtungszahlen eine deutlich gleichmäßigere Nachfrage im Jahresverlauf auf. Vor allem der Tourismus in den urbanen Gebieten ist in hohem Maße saisonunabhängig. Diese Regionen profitieren davon, dass die dort vorhandenen Angebote weniger abhängig von Wetter und Witterung sind und ganzjährig genutzt werden können. Hierzu zählen z. B. Kulturreisen, der Wellnesstourismus und andere themenbezogene Reisen.

In allen deutschen Tourismusregionen hat die Zahl der Übernachtungen in den vergangenen Jahren zugenommen, am stärksten in den urbanen Gebieten.  Die Zuwächse der Übernachtungszahlen verteilen sich bislang gleichmäßig auf Haupt-, Neben und auch Wintersaison. Ein signifikanter Trend zur Verschiebung der saisonalen Nachfrage lässt sich bislang nicht feststellen. Für eine Interpretation der Zahlen im Zusammenhang mit den klimatischen Veränderungen ist im Übrigen grundsätzlich Vorsicht angebracht, denn die Zahl der Übernachtungen in deutschen Reisegebieten ist von sehr vielen Faktoren und keineswegs nur von den klimatischen Bedingungen und deren Veränderungen abhängig.

Im Rahmen eines durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekts wurden Möglichkeiten einer nachhaltigen Tourismusentwicklung unter den Vorzeichen des Klimawandels für Pilotregionen an der Küste und in Mittelgebirgsregionen untersucht. Die Ergebnisse zeigen u. a., dass Auswirkungen des Klimawandels bislang nur wenig wahrgenommen werden und das Thema Anpassung im Tourismus deswegen noch keine wichtige Rolle spielt. Eine grundsätzliche Bereitschaft, sich mit dem Thema Klimawandel zu beschäftigen, ist zwar durchaus vorhanden, noch liegt der Schwerpunkt aber im Bereich Klimaschutz, der als Chance genutzt wird, um für touristische Angebote ein umweltfreundliches und innovatives Image zu erzeugen.36

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36 Matzarakis A., Möller A., Kreilkamp E., Carstensen I., Bartels C., Burandt S., Endler C. 2009: Anpassungsstrategien zum Klimawandel touristischer Pilotdestinationen in Küsten- und Mittelgebirgsregionen. In: Mahammadzadeh M., Biebeler H., Bardt H. 2009: Klimaschutz und Anpassung an die Klimafolgen – Strategien, Maßnahmen und Anwendungsbeispiele. Institut der deutschen Wirtschaft Medien GmbH, Köln: 253-262.

 

Schnittstellen

TOU-I-2: Übernachtungen im touristischen Großraum Küste

TOU-I-5: Übernachtungen in Wintersportorten