TOU-I-5 Übernachtungen in Wintersportorten

Rückenansicht von Schneeschuhwanderern.zum Vergrößern anklicken
Alternative Wintersportarten wie Schneeschuhwandern kommen mit einer geringeren Schneeauflage aus.
Quelle: Rainer Sturm/pixelio.de

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

TOU-I-5: Übernachtungen in Wintersportorten

Die Übernachtungszahlen in den verschiedenen Skiregionen entwickeln sich insgesamt recht unterschiedlich. Augenfällig sind die Folgen des besonders warmen und schneearmen Winters 2006 / 2007, in dem die Beherbergungsbetriebe in allen Wintersportregionen Einbußen verzeichneten. Die noch kurze Zeitreihe der Skier Days, d. h. der Erstnutzungen von Seilbahnen in Skigebieten, lässt noch keine Aussagen zu Entwicklungstrends zu.

BB: Darstellung der Anzahl Übernachtungen in Wintersportorten im Winterhalbjahr (Index 1991/92 = 100) in dem westlichen und zentralen Mittelgebirge, Schwarzwald, Alpen, Östliche Mittelgebirge sowie Skier Days ab 2010/11, von 1991/92 bis 2012/13.
TOU-I-5 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Wie geht’s dem Wintertourismus?

Für den Wintersporttourismus in Deutschland sind die Vorhersagen angesichts des Klimawandels nicht günstig. Die Skigebiete in den deutschen Alpen liegen überwiegend in einer Höhenlage zwischen ca. 800 und 1.700 m ü. NN und damit deutlich niedriger als die alpinen Skigebiete in der Schweiz, in Italien, Frankreich und z. T. auch in Österreich. Derzeit gelten 27 von ca. 39 Skigebieten in den bayerischen Alpen als schneesicher. Bei einer Erwärmung der Mitteltemperatur um 1 °C wird sich Projektionen zufolge ihre Zahl auf 11 Gebiete, bei 2 °C auf 5 und bei 4 °C auf nur noch ein einziges reduzieren. In den anderen Alpenstaaten – einige österreichische Bundesländer ausgenommen – wird eine deutliche Abnahme schneesicherer Gebiete erst ab einem Temperaturanstieg von über 2 °C erwartet.33

In den Projektionsergebnissen spiegelt sich die heute schon geringere Schneesicherheit der Skigebiete in den deutschen Alpen wider. Besonders schneearme Winter wie zuletzt 2013 / 2014 haben zur Folge, dass Skigebiete vielerorts nur mit Einschränkungen betrieben werden können. Neben anderen Faktoren, z. B. der größeren Auswahl an Pisten oder der wegen anderer topographischer Verhältnisse  im Bereich des Alpenhauptkamms oft breiteren und längeren Abfahrten, ist dies ein Grund, warum anderen Alpenländern bereits heute eine höhere Attraktivität für längere Ski- bzw. Wintersporturlaube beigemessen wird.35 Diese Konkurrenz durch schneesicherere und attraktivere Skigebiete in den Nachbarstaaten der Alpen ist möglicherweise auch dafür verantwortlich, dass der Tourismusboom der Nachwendejahre, der im Winter 1991 / 1992 für einen Übernachtungsrekord sorgte, nicht lange anhielt. Ab Mitte der 1990er Jahre gingen die Übernachtungszahlen in den Wintersportgemeinden im deutschen Alpenraum wieder zurück und stagnieren seither auf einem niedrigeren Niveau.

Auch für die Mittelgebirge Deutschlands werden schwierige Zeiten für die Skigebiete vorhergesagt. Modellierungen zufolge soll sich die Anzahl der Schneetage in den Mittelgebirgen bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts durchschnittlich um mehr als die Hälfte reduzieren. In höheren Lagen fällt der Rückgang zwar geringer aus – in Abhängigkeit von der geographischen und der Höhenlage kann die Schneebedeckung in manchen Regionen vorübergehend sogar zunehmen –, längerfristig ist aber mit deutlichen Einschränkungen zu rechnen.

Einzelne besonders schneearme und warme Winter schlugen sich in der Vergangenheit schon negativ in den Übernachtungszahlen nieder. Der bislang wärmste Winter in Deutschland war der Winter 2006 / 2007 mit einer Durchschnittstemperatur von 4,4 °C. In diesem Jahr sind in allen Wintersportregionen im Vergleich zu den Vorjahren rückläufige Übernachtungszahlen festzustellen, besonders markant in den westlichen und zentralen Mittelgebirgen sowie den östlichen Mittelgebirgen. Auch der Winter 1997 / 1998, in dem die Übernachtungszahlen insgesamt relativ niedrig ausfielen, war mit durchschnittlich 3 °C sehr mild und zumindest in den Mittelgebirgen vergleichsweise schneearm. Möglicherweise verstärkt hier der warme Winter auch die Folgen der sogenannten „Bäderkrise“, als in den Jahren 1996 und 1997 infolge von Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen die Übernachtungszahlen in Kurorten deutlich zurückgingen.

Machen Wintersporttouristen in den deutschen Wintersportregionen häufiger negative Erfahrungen, werden sie zukünftig zumindest teilweise ihre Urlaubsaktivitäten verändern. So gab in der repräsentativen Bevölkerungsumfrage „Umweltbewusstsein in Deutschland“ im Jahr 2012 gut ein Viertel der Befragten an, ihre Wintersportaktivitäten anpassen zu wollen, wenn es die klimatischen Rahmenbedingungen erfordern. Deutsche Wintersporttouristen könnten deshalb in stärkerem Maße als bisher für längere Winterurlaube Destinationen in europäischen Nachbarländern ansteuern.

Für die hiesigen Wintersportregionen kann dies dann zur Folge haben, dass die Bedeutung des Tagestourismus weiter zunimmt. Sowohl der deutsche Alpenraum als auch die Mittelgebirge sind in den Wintermonaten sehr beliebte Ziele für den Tagestourismus und genießen u. a. wegen relativ kurzer Anfahrtszeiten aus den Ballungsräumen hohe Attraktivität. Hier wie dort ist der Wintertourismus ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Sind die Schneebedingungen in einzelnen Jahren wie im langen Winter 2012 / 2013 gut, werden die Wintersportangebote gerne genutzt, wie die hohe Zahl von Ersteintritten an den Liftanlagen der Skigebiete (Skier Days) zeigt. Um auch für warme und schneearme Winter wie 2013 / 2014 gerüstet zu sein, empfiehlt es sich für Tourismusregionen, zunehmend alternative Angebote zu entwickeln, die weniger oder gar nicht auf Schnee angewiesen sind.

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33 Agrawala S. (Hrsg.) 2007: Klimawandel in den Alpen: Anpassung des Wintertourismus und des Naturgefahrenmanagements. OECD Publications, Paris, 131 S.

35 Bausch T. 2010: Wintertourismus und Großveranstaltungen. Hintergrundinformationen und Überlegungen zur weiteren Diskussion. Unveröffentlichte Präsentation, zit. nach: Bayerisches Landesamt für Umwelt (Hrsg.) 2010: Perspektiven naturverträglicher Sport- und Erholungsnutzung im bayerischen Alpenraum. Augsburg, 123 S.

 

Schnittstellen

TOU-I-6: Saisonale Übernachtungen