TOU-I-4 Schneedecke für den Wintersport

Künstlich beschneite Skipisten in grüner Landschaft.zum Vergrößern anklicken
In warmen Wintern können auch technische Maßnahmen keine ausreichende Schneeauflage schaffen.
Quelle: Jürgen Rode / fotolia.com

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

TOU-I-4: Schneedecke für den Wintersport

Für keine der Skiregionen in Deutschland zeigt die Anzahl der Tage mit einer natürlichen Schneedecke von mindestens 30 cm einen signifikanten Trend. In allen Regionen traten in den letzten rund vierzig Jahren vereinzelt oder auch periodisch schneearme bzw. schneereiche Winter auf. Nehmen diese natürlichen Schwankungen zu und die Schneesicherheit insgesamt ab, können daraus künftig Imageprobleme für die Skiregionen entstehen.

Darstellung der Anzahl von Tagen mit Schneehöhen von mind. 30 cm in den Alpen, Schwarzwald, Östliche Mittelgebirge sowie Westliche und zentrale Mittelgebirge, von 1970 bis 2012.
TOU-I-4 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Nimmt die Schneesicherheit ab?

Ob Skifahrer oder Snowboarder, Langläufer, Tourengeher oder Schneewanderer – schneebedeckte Berge, verschneite Wälder und strahlender Sonnenschein sind das Ideal für Wintertouristen und Wintersportler. Fehlt eine ausreichende Schneeauflage, mangelt es an der winterlichen Atmosphäre, vor allem aber an der notwendigen Grundlage für schneegebundene Tourismusformen. Für die Wintertourismusindustrie können sich deutliche wirtschaftliche Einschränkungen ergeben, wenn die Schneebedeckung rückläufig ist und die Grenze der Schneesicherheit in immer höhere Lagen zurückweicht.

Welche Schneeauflage erforderlich ist, hängt vor allem von der jeweiligen Aktivität und dem Gelände ab. Für Langlauf sind i. d. R. bereits Schneehöhen von 10 bis 15 cm ausreichend. Für den Alpinskibetrieb bestimmt vor allem die Pistencharakteristik, welche Schneehöhe mindestens notwendig ist, um Pisten präparieren zu können, den Boden zu schützen, einen sicheren Skibetrieb zu gewährleisten und den Skifahrern angenehme Skierlebnisse zu ermöglichen. Allgemein gilt eine Schneehöhe von 30 cm als ausreichend, 50 cm gelten als gut.33 Steinige und felsige Pisten können aber auch eine sehr viel größere Schneehöhe von bis zu 1 m erfordern, um befahrbar zu sein. Die sogenannte 100-Tage-Regel besagt, dass der erfolgreiche Betrieb eines Skigebiets nur dann gewährleistet ist, wenn solche Bedingungen an mindestens hundert Tagen der Saison gegeben sind.

Eine Analyse der Schneehöhendaten der letzten rund vierzig Jahre zeigt, dass die Schneesituation zwischen 1970 und 2012 in allen skitouristischen Räumen sehr wechselhaft war. Eine an mehr als hundert Tagen in der Saison für den alpinen Skisport ausreichende natürliche Schneedecke in allen Jahren bot nur die Zugspitzregion. Dort und in den weiteren Skiregionen der Alpen herrschten aufgrund der Höhenlage insgesamt die besten Schneebedingungen, in einigen Regionen war die natürliche Schneesicherheit aber auch hier deutlich eingeschränkt. Bei z. T. sehr starken Schwankungen zwischen den Jahren wurde eine ausreichende natürliche Schneedecke immerhin in über der Hälfte der Jahre erreicht. Hierzu vergleichbare Verhältnisse herrschten in den östlichen Mittelgebirgen, d. h. dem Erzgebirge und dem Bayerischen Wald. In den westlichen und zentralen Mittelgebirgen, d. h. in Harz, Sauerland, Rhön, Thüringer Wald und Fichtelgebirge sowie im Schwarzwald sind die Bedingungen grundsätzlich anders. Hier erreichte die natürliche Schneeauflage in den meisten Teilgebieten nur in besonders schneereichen Jahren an mehr als hundert Tagen eine Höhe von mindestens 30 cm. Im Sauerland und in der Rhön war dies in keinem Jahr der Fall.

Mit diesen Daten wird ausdrücklich nur das natürliche Potenzial der jeweiligen Region für den Wintersporttourismus beschrieben. Zu den tatsächlichen Schneeverhältnissen in den Skigebieten lässt diese Größe keine Aussage zu. Dort kann eine für den Wintersport erforderliche Schneeauflage z. T. durch künstliche Beschneiung hergestellt oder deutlich erhöht werden. Als Reaktion auf z. T. in Folge aufgetretene schneearme Winter, aber auch mit Blick auf die entsprechenden Aktivitäten der internationalen Konkurrenz haben die Betreiber von Skigebieten mit der Einrichtung z. T. umfangreicher Infrastrukturen zur künstlichen Beschneiung reagiert. Kunstschnee ist die am weitesten verbreitete Maßnahme, um die Saison zu verlängern oder den Skibetrieb bei starken Wetterschwankungen aufrecht zu erhalten. Im alpenweiten Durchschnitt kann etwa die Hälfte der Skigebiete künstlich beschneit werden, in den bayerischen Alpen verfügte im Jahr 2009 knapp ein Sechstel der Skigebiete über Beschneiungsanlagen.34 Die beschneibare Fläche wuchs in Bayern zwischen 2005 und 2012 um 350 Hektar auf heute ca. 765 Hektar.

Allerdings sind der Beschneiung physische und ökonomische Grenzen gesetzt. Ohne additive Stoffe, die in Deutschland nicht genehmigt sind, werden Temperaturen von unter -3 °C benötigt, um Kunstschnee zu erzeugen. Die Kosten der Kunstschneeerzeugung (Investitions-, Betriebs- und Unterhaltungskosten) sind erheblich, bei steigenden Temperaturen steigen die Kosten überproportional an. Sind die Infrastrukturen wie in den Mittelgebirgen wegen häufiger auftretender schneearmer Winter zudem nicht kontinuierlich ausgelastet, ist eine Wirtschaftlichkeit der Anlagen stark in Frage gestellt. Die Maßnahme eignet sich daher grundsätzlich nur begrenzt zur Anpassung. Hinzu kommt, dass die Beschneiung aufgrund des hohen Energie- und Wasserverbrauchs stark umstritten ist. Dies ist ein Grund, warum sich z. B. die Alpenstaaten in der Alpenkonvention, die auf den Schutz und die nachhaltige Entwicklung der Alpen zielt, darauf verständigt haben, die Erzeugung von Schnee nur in den Kälteperioden zuzulassen, gekoppelt an die Voraussetzung, dass die jeweiligen örtlichen hydrologischen, klimatischen und ökologischen Bedingungen es erlauben.

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33 Agrawala S. (Hrsg.) 2007: Klimawandel in den Alpen: Anpassung des Wintertourismus und des Naturgefahrenmanagements. OECD Publications, Paris, 131 S.

34 LfU – Bayerisches Landesamt für Umwelt (Hrsg.) 2008: Beschneiungsanlagen und Kunstschnee. Reihe UmweltWissen, Nr. 11, Augsburg, 8 S.

 

Schnittstellen

TOU-I-7: Präferenz von Urlaubsreisezielen

 

Ziele

Vorausschauende Mitwirkung der Raumplanung bei räumlichen Anpassungsmaßnahmen im Tourismus insbesondere in Küstenbereichen und Berggebieten
(DAS, Kap. 3.2.14)

Möglichst landschaftsschonender Bau, Unterhalt und Betrieb von Skipisten unter Berücksichtigung der natürlichen Kreisläufe sowie der Empfindlichkeit der Biotope; Koppelung der Zulassung der Schneeerzeugung in Kälteperioden an die Vereinbarkeit mit den jeweiligen örtlichen hydrologischen, klimatischen und ökologischen Bedingungen
(Alpenkonvention, Art. 14)