TOU-I-3 Wärmebelastung in heilklimatischen Kurorten

Parklandschaft mit Bank.zum Vergrößern anklicken
Heilklimatische Kurorte nutzen Klimafaktoren zur Heilung, Linderung und Vorbeugung von Erkrankungen.
Quelle: Angelina Ströbel / pixelio.de

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

TOU-I-3: Wärmebelastung in heilklimatischen Kurorten

Im Zeitraum 1971-2000 wurde in vier der 62 heilklimatischen Kurorte der Schwellenwert für die Wärmebelastung an mehr als 20 Tagen überschritten. In den vier Gemeinden kam es insgesamt zu Überschreitungen an 21,6 bis 23,3 Tagen.

Darstellung der Anzahl heilklimatischer Kurorte mit Schwellenwertüberschreitung, ohne Schwellenwertüberschreitung sowie Mittel der Tage über dem Schwellenwert in heilklimatischen Kurorten mit Schwellenwertüberschreitung, von 1971 - 2000.
TOU-I-3 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Bleibt das heilende Klima in Kurorten erhalten?

Der Urlaub in Kurorten hat eine große Bedeutung für den innerdeutschen Tourismus. Das Angebot dieser Orte beschränkt sich dabei nicht allein auf die durch die Sozialversicherungsträger finanzierten Kur­ und Rehabilitationsmaßnahmen, auch Gesundheits- und Wellnessurlaub genießen einen zunehmend bedeutenden Stellenwert. Im Jahr 2012 beispielsweise erfolgte annähernd ein Drittel aller touristischen Übernachtungen in Deutschland in Gemeinden mit einem entsprechenden Prädikat, d. h.in Heilbädern, Seebädern oder Luftkurorten.32 Auch wenn das vorhandene Prädikat und die angebotenen Kurleistungen für einen Teil der Übernachtungen nicht ausschlaggebend sind (z. B. ist der Familienurlaub an der Nordsee wahrscheinlich oftmals anders motiviert), so stellen Übernachtungen allein in Vorsorge- und Rehabilitationszentren immerhin noch einen Anteil von über 10 % an allen Übernachtungen bundesweit. Gerade diese Einrichtungen sind in starkem Maße abhängig von dem Prädikat einer Gemeinde als Kurort.

Allen Kurorten ist eigen, dass sie besondere Anforderungen u. a. an bioklimatische und lufthygienische Bedingungen erfüllen müssen. Das lokale Klima soll als natürliches ortsgebundenes Heilmittel angewendet werden können. In heilklimatischen Kurorten und Seeheilbädern müssen darüber hinaus die natürlichen Heilmittel des Klimas eine Eignung für Kuren zur Heilung, Linderung oder Vorbeugung menschlicher Erkrankungen aufweisen. Das bedeutet, stimulierende Reize oder Schonfaktoren überwiegen. Als stimulierende Reize gelten z. B. Kältereize, starke Temperaturschwankungen oder böiger Wind; Schonfaktoren sind z. B. weitgehende Luftreinheit oder thermische ausgeglichene Bedingungen. Belastungsfaktoren, zu denen neben einer geringen Intensität der Sonnenstrahlung und einer schadstoffhaltigen Luft auch die Wärmebelastung zählt, dürfen auf lange Sicht nur minimal sein. Je nach Krankheit und nach individueller Konstitution nutzt die Therapie im Heilklima stimulierende Reize und Schonfaktoren so, dass der Körper sich regenerieren oder aber auch abhärten und vor Erkrankungen schützen kann.

Ein wichtiger Aspekt bei der Beurteilung der bioklimatischen Situation in Kurorten ist die Zahl der Tage mit Wärmebelastung. Als solche gelten Tage, an denen der Schwellenwert von 29 °C für die Gefühlte Temperatur mindestens einmal überschritten wird. In heilklimatischen Kurorten darf dies im langjährigen Durchschnitt höchstens an 20 Tagen der Fall sein. Wärmebelastungen entstehen i. d. R. an Tagen mit sommerlichen, gering bewölkten Hochdruckwetterlagen mit hohen Temperaturen, hoher Luftfeuchte und schwachem Wind. Unter diesen Bedingungen ist die Wärmeabgabe des Körpers erschwert und das körpereigene Thermoregulationssystem muss verstärkt arbeiten, um die Wärmebilanz auszugleichen und eine Überhitzung zu vermeiden.

Statistische Auswertungen von Klimadaten zeigen für Deutschland, dass sich überdurchschnittlich warme Tage und Monate im Lauf des 20. Jahrhunderts häufen und extreme Wärmeereignisse zunehmen. Durch den Klimawandel wird für die Zukunft mit einer weiteren Zunahme der Häufigkeit und Intensität sowie der mittleren Temperaturen von Wärmeperioden gerechnet. Im Zuge dieser Entwicklung können sich in den heilklimatischen Kurorten die bioklimatischen Faktoren verändern, sodass das Klima keine heilsame Wirkung für den Kurgast mehr entfaltet und es nicht mehr als Heilmittel angewendet werden kann. Im schlimmsten Falle kann dies dazu führen, dass einzelnen Gemeinden ihr Prädikat aberkannt wird.

Die Wärmebelastung in heilklimatischen Kurorten wurde zuletzt für den Zeitraum 1971-2000 ermittelt. Auch für frühere Zeiträume wurden Berechnungen durchgeführt, deren Ergebnisse aufgrund anderer Berechnungsmethoden aber mit den jüngsten Zahlen nicht vergleichbar sind und hier nicht berücksichtigt werden. Im Zeitraum 1971-2000 wurde in vier der 62 heilklimatischen Kurorte der Schwellenwert für die Wärmebelastung an mehr als 20 Tagen überschritten, maximal wurden in einer Gemeinde im langjährigen Durchschnitt 23,3 Tage mit Wärmebelastungen ermittelt. Zu einer Aberkennung des Prädikats hat dies bislang aber nicht geführt.

_____
32 StBA – Statistisches Bundesamt 2014: Tourismus in Zahlen 2012. Tabelle 2.1 Ankünfte und Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben 2012.

 

Schnittstellen

BAU-I-1: Wärmebelastung in Städten

GE-I-1: Hitzebelastung