IG-I-1 Hitzebedingte Minderung der Leistungsfähigkeit

Zwei Männer mit Strohhüten auf Baugerüst beim Decken eines Daches.zum Vergrößern anklicken
Vor allem Beschäftigte in Freiluftberufen und Büros müssen sich vor sommerlicher Hitze schützen.
Quelle: Rita Köhler / pixelio.de

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

IG-I-1: Hitzebedingte Minderung der Leistungsfähigkeit

Durch den Klimawandel können Belastungen durch sommerliche Hitze am Arbeitsplatz künftig zunehmen – sowohl in Gebäuden als auch im Freien. Etwa drei Viertel der Bevölkerung erwarten bislang aber keine negativen Auswirkungen auf ihre Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz.

Grafik zur Einschätzung der Beeinträchtigung der eigenen Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz durch Hitze
IG-I-1 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Geringere Leistungsfähigkeit bei Sommerhitze

Steigen die Temperaturen am Arbeitsplatz auf gesundheitlich nicht mehr zuträgliche Werte, können Beschäftigte unter Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Belastungen des Herz-Kreislaufsystems leiden. Die Arbeit wird als anstrengender empfunden, und bei länger andauernden Belastungen können die Arbeitsmotivation und die Leistungsfähigkeit nachlassen. Die konkreten Auswirkungen der (raum-)klimatischen Bedingungen auf die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten wurden in den vergangenen Jahrzehnten in verschiedenen Studien untersucht. Für Innenraumarbeitsplätze zeigte sich in vielen der Studien ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Leistungsfähigkeit und dem sogenannten thermischen Behaglichkeitsbereich. Weichen die Raumtemperaturen von diesem Bereich nach unten oder oben ab, nimmt die Leistungsfähigkeit ab.

Als thermisch behaglich wird ein Raumklima dann bezeichnet, wenn der Mensch Lufttemperatur, Luftfeuchte, Luftbewegung und Wärmestrahlung in seiner Umgebung als optimal empfindet und weder wärmere noch kältere, weder trockenere noch feuchtere Raumluft wünscht. Für die Sommermonate werden für Beschäftigte mit sitzenden und leichten Tätigkeiten Temperaturen zwischen 23 °C bis 26 °C als Behaglichkeitsbereich angesehen. Wird es am Arbeitsplatz wärmer, kann die Produktivität einigen Untersuchungsergebnissen zufolge zwischen 3 und 12 % abnehmen. In einer Abschätzung wurden diese Zahlen auf das Sozialprodukt umgerechnet. Danach können sich aufgrund der heute schon auftretenden Hitzetage bei der o. g. Produktivitätsminderung Einbußen von ca. 540 Millionen Euro bis 2,4 Milliarden Euro im Vergleich zu Jahren ohne Hitzetage ergeben.26 In anderen Studien ließen sich allerdings keine oder nur deutlich geringere Auswirkungen von Hitze auf die Leistungsfähigkeit nachweisen, sodass diese Berechnung der volkswirtschaftlichen Folgen eine deutliche Unsicherheit birgt.

Klimaszenarien zeigen für Mitteleuropa u. a., dass sich durch die Klimaerwärmung die Wettercharakteristik ändert und die durchschnittlichen Temperaturen steigen werden. Es können häufiger austauscharme Wetterlagen entstehen und thermische Extremereignisse, z. B. heiße Tagen oder Tropennächte, auftreten. In der Folge kann es dann auch häufiger zu Situationen kommen, in denen die Temperaturen am Arbeitsplatz den bioklimatischen Behaglichkeitsbereich verlassen und die Beschäftigten thermischen Belastungen ausgesetzt sind. Nach den Ergebnissen der Umfrage „Umweltbewusstsein in Deutschland“ aus dem Jahr 2012 erwartet bislang aber nur etwa ein Viertel der Bevölkerung, dass sich eine künftig zunehmende Hitzebelastung stark oder sehr stark auf ihre Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz auswirken wird.

Die einschlägigen Arbeitsstättenregeln formulieren verschiedene Vorgaben, um die Gesundheit und damit auch die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten in Gebäuden auch bei hohen Außenlufttemperaturen von über 26 °C zu erhalten. Überschreiten die Raumtemperaturen in solchen Fällen die Schwelle von 26 °C bzw. 30 °C sollen bzw. müssen Maßnahmen ergriffen werden. Der Arbeitgeber kann dazu z. B. dafür sorgen, dass geeignete Sonnenschutzvorrichtungen installiert und effektiv eingesetzt, die Räumlichkeiten in den frühen Morgenstunden ausreichend gelüftet, innere Wärmelasten reduziert, Arbeitszeiten verschoben und Erfrischungsgetränke bereitgestellt werden. Auch kann es sinnvoll sein, bestehende Bekleidungsordnungen zu lockern.

In Deutschland arbeiten ca. 2 bis 3 Millionen Menschenüberwiegend oder zumindest zeitweise im Freien und sind ganzjährig den herrschenden Wetter- und Witterungsbedingungen ausgesetzt. Zunehmende Hitzebelastungen und andere klimatische Veränderungen betreffen diese Menschen deutlich unmittelbarer als solche, die ihrer beruflichen Betätigung in Gebäuden nachgehen. Zu den betroffenen Berufsgruppen zählen z. B. Bauarbeiter, Beschäftigte in der Land- und Forstwirtschaft, im Gartenbau oder bei der Müllabfuhr. Auch für sie sieht das Arbeitsschutzrecht Maßnahmen vor, um sie vor negativen gesundheitlichen Folgen von Hitze zu schützen. Der Arbeitgeber kann z. B. auf Baustellen Anlagen einrichten lassen, mit denen Arbeitsorte beschattet oder belüftet werden können. Vor allem kann er organisatorische Maßnahmen ergreifen, indem er die Arbeitszeiten der Witterung anpasst, ausreichend lange Pausenzeiten anordnet, eine gute Getränkeversorgung sicherstellt und seine Mitarbeiter im Rahmen von Schulungen auf mögliche Gefahren und die entsprechenden Gegenmaßnahmen hinweist.

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26 Hübler M. & Klepper G. 2007: Kosten des Klimawandels – Die Wirkung steigender Temperaturen auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Aktualisierte Fassung einer Studie im Auftrag des WWF Deutschland, Frankfurt, 65 S.

 

Schnittstellen

GE-I-1: Hitzebelastung

GE-R-2: Erfolge des Hitzewarnsystems

BAU-I-1: Wärmebelastung in Städten