FiW-R-1 Versicherungsdichte Erweiterte Elementarschadenversicherung

Luftaufnahme eines überfluteten Stadtquartiers.zum Vergrößern anklicken
Die Elementarschadenversicherung versichert gegen Schäden u. a. durch Hochwasser und Starkregen.
Quelle: GDV – Ihre Deutschen Versicherer

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

FiW-R-1: Versicherungsdichte der erweiterten Elementarschadenversicherung für Wohngebäude

Die Elementarschadenversicherung (eEV) ergänzt die Verbundene Wohngebäudeversicherung um eine Absicherung der Schäden, die u. a. durch Überschwemmung, Starkregen, Schneedruck und Lawinen entstehen. Die Versicherungsdichte der eEV ist in den zurückliegenden Jahren zwar signifikant gestiegen, sie ist im bundesweiten Überblick aber noch immer gering.

Ein Blockdiagramm stellt die Versicherungsdichte der erweiterten Elementarschadenversicherung anhand des Anteils Elementarschaden Elementarschadeneinschluss auf VGV-Feuer in einer Zeitreihe von 2001 bis 2012 dar. Die Werte steigen von 2001 mit 17% auf 2012 mit 32% kontinuierlich an. Für 2012 ist zusätzlich ein Wert von 6% angegeben von Befragten, die zwar noch keine eEV haben, einen Abschluss aber beabsichtigen. Ein grüner aufsteigender Pfeil symbolisiert einen positiv, bewerteten aufsteigenden Trend.
FiW-R-1 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Appell an die Eigenvorsorge: Elementar versichern

Die Wohngebäudeversicherung gegenüber Sturm und Hagel ist bei den Hausbesitzern inzwischen eine Selbstverständlichkeit. Demgegenüber hat sich der Abschluss von Versicherungen gegenüber anderen extremen Naturereignissen wie Starkregen und Hochwasser noch nicht in der Breite durchgesetzt, auch wenn gerade für diese Gefahren eine Zunahme infolge des Klimawandels zu befürchten ist. Jeder kann dabei von Schäden an seiner Immobilie betroffen sein.

Im Schadensfall haben die geschädigten Privatleute und Gewerbetreibende in der Vergangenheit häufig staatliche und nicht-staatliche Hilfen erhalten, so zum Beispiel nach dem extremen Elbe- und Donau-Hochwasser vom Sommer 2002, das Schäden in Höhe von insgesamt über 11 Milliarden Euro verursachte. Für Wiederaufbau und Schadenersatz wurde der Bund-Länder-Fonds „Aufbauhilfe“ eingerichtet. Er speiste sich zu 3,5 Milliarden Euro aus Bundes- und 3,6 Milliarden Euro aus Landesmitteln. 923 Millionen Euro davon flossen allein in die Instandsetzung beschädigter Wohngebäude sowie in die Erneuerung beschädigter oder zerstörter Bauteile. Außerdem kam es zu einem unerwartet hohen Spendenaufkommen in Höhe von 340 Millionen Euro für die Betroffenen.22 Ähnlich hoch waren die Schäden des Juni-Hochwassers 2013, das Sachsen-Anhalt, Sachsen,Bayern und Thüringen am schlimmsten betroffen hat. In diesem Falle statteten Bund und Länder einen Fluthilfefonds mit über 8 Milliarden Euro aus.

In Anbetracht der erheblichen Mittel, die in die Fluthilfe fließen, und da staatliche Hilfen nicht alle privaten Schäden decken können, appelliert der Staat an Haus- und Wohnungsbesitzer sowie Mieter, in größerem Umfang Eigenvorsorge zu betreiben, um mögliche Schäden und damit auch Anforderungen an staatliche Hilfen zu reduzieren. Zur Eigenvorsorge gehört neben baulichen Maßnahmen vor allem auch ein ausreichender Versicherungsschutz.

Im Versicherungsmarkt ist die erweiterte Elementarschadenversicherung (eEV) inzwischen ein etabliertes Produkt. Sie deckt Schäden durch Überschwemmung, Rückstau, Erdbeben, Erdsenkung, Erdrutsch, Schneedruck, Lawinen und Vulkanausbruch ab. Bundesweit war Ende 2012 aber nur für 33 % der Wohngebäude eine eEV abgeschlossen. Für Mieter sind Hausratsversicherungen mit Elementardeckung relevant, denn mit Elementarschäden an Gebäuden können vor allem in Erdgeschosswohnungen oder Kellerräumen auch Schäden am Hausrat von Mietern einhergehen. Im Jahr 2012 hatten allerdings nicht einmal 20 % aller abgeschlossenen Hausratversicherungen eine Elementardeckung.24

Auch wenn die Zahl der Versicherungsabschlüsse steigt, ist das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer eEV in der Bevölkerung noch immer ungenügend verankert. Die Gefahren werden unterschätzt und die Kenntnis über die mit den abgeschlossenen Versicherungen tatsächlich abgedeckten Schäden reicht nicht aus. Extremereignisse hatten in der Vergangenheit immer nur sehr kurzfristig eine Steigerung der Versicherungsbereitschaft zur Folge.

Die Versicherungswirtschaft betreibt, z. T. mit Unterstützung staatlicher Stellen, Aufklärung und wirbt für ihre Produkte. Es konnte bisher auf diesem Wege aber die Versicherungsdichte der eEV nur mäßig gesteigert werden. Und dies, obwohl die eEV zu attraktiven Preisen angeboten wird und sich 99 % aller Gebäude problemlos gegen Elementarschäden versichern lassen. Auch die verbleibenden 1 % sind nicht generell unversicherbar, vielmehr können hier oft individuelle Versicherungslösungen durch die Vereinbarung von hohen Selbstbehalten und risikoadäquaten, höheren Prämien gefunden werden. Die Ergebnisse der im Auftrag des Umweltbundesamts zweijährlich durchgeführten repräsentativen Bevölkerungsumfrage „Umweltbewusstsein in Deutschland“ lassen auch für die nächsten Jahre keinen steilen Anstieg der Versicherungsdichte erwarten. Im Jahr 2012 bekundeten nur 6 % aller Befragten, dass sie zwar noch keine eEV abgeschlossen haben, eine solche Versicherung aber in Zukunft abschließen möchten.

Neben dem Abschluss von Versicherungen sollten sich alle Bürgerinnen und Bürger aber auch mit gezielten Maßnahmen gegen mögliche Schäden schützen. Dazu gehören bau- und anlagentechnische Schutzmaßnahmen an Haus und Wohnung sowie Vorsichtsmaßnahmen vor, während und nach einem Extremereignis.

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22 WWF Deutschland 2007: Fünf Jahre nach der Elbeflut ­ Wurden und werden öffentliche Finanzhilfen im Sinne eines nachhaltigen Hochwasserschutzes verwendet? Frankfurt am Main, 136 S.

24 GDV – Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. 2013b: Online-Serviceteil zum Naturgefahrenreport 2013. Tabellen, Grafiken und Karten. Berlin, 28 S.
www.gdv.de/2013/10/naturgefahrenreport-2013-die-schaden-chronik-der-versicherer

 

Schnittstellen

WW-I-3: Hochwasser

BAU-R-3: Fördermittel für klimawandelangepasstes Bauen und Sanieren

RO-R-6: Siedlungsnutzung in Hochwassergefahrenbereichen

 

Ziele

Aufklärung von Kunden und Behörden über klimarelevante Zusammenhänge und Schaffung finanzieller Anreize durch entsprechende Vertragsgestaltung durch die Versicherungswirtschaft (DAS, Kap. 3.2.10)