FiW-I-3 Betroffenheit durch Stürme und Hochwasser

Rückenaufnahme eines Mannes im schwarzen Anzug mit Aktentasche, der auf überfluteter Fläche steht.zum Vergrößern anklicken
Viele Menschen unterschätzen das Risiko von Schäden an ihren Wohnhäusern durch Klimawandelfolgen.
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Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

FiW-I-3: Betroffenheit durch Stürme und Hochwasser

Das Risikobewusstsein in der deutschen Bevölkerung ist trotz der extremen Wetterereignisse der vergangenen Jahre noch immer gering. Nicht einmal ein Viertel der befragten Bürgerinnen und Bürger geht davon aus, dass für ihr Haus oder ihre Wohnung ein reales Schadensrisiko durch Stürme und Hochwasser besteht. Entsprechend gering ist damit auch die Bereitschaft, eine Versicherung abzuschließen, die klimabedingte Risiken abdeckt.

Ein Tortendiagramm stellt die Einschätzung zur Betroffenheit durch Klimafolgen dar. Auf die Frage der Betroffenheit von Haus oder Wohnung durch Schäden infolge von Hochwasserereignissen/Stürmen gaben 2,1% an "sehr stark betroffen", 17,1% "stark betroffen", 45% "weniger betroffen", 35,7% "überhaupt nicht betroffen".
FiW-I-3 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Risikobewusstsein – Schlüssel zur Vorsorge

Wie Menschen Gefährdungen bzw. Risiken wahrnehmen, wie sie die möglichen Folgen und den Handlungsbedarf einschätzen, ist individuell sehr unterschiedlich. Neben harten naturwissenschaftlich belegten und messbaren Faktoren, die das Ausmaß des Risikos bestimmen, gibt es zahlreiche subjektive Komponenten, die die Risikowahrnehmung in erheblichem Maße beeinflussen können. Risikowahrnehmungen sind dabei oftmals verzerrt. Sie können einerseits geprägt sein von unrealistischem Optimismus und der Illusion, alles unter Kontrolle zu haben, andererseits von den Eindrücken aktueller katastrophaler Ereignisse, die große Betroffenheit auslösen und zur Überschätzung einzelner Risiken führen können.

In der im Auftrag des Umweltbundesamts zweijährlich durchgeführten repräsentativen Bevölkerungsumfrage „Umweltbewusstsein in Deutschland“ sollten die Befragten im Jahr 2012 erstmals auch Einschätzungen abgeben, in welchem Umfang sie persönlich von den Folgen des Klimawandels betroffen sein werden. Mehr als 80 % der Befragten gaben an, sie würden sich weniger bis überhaupt nicht in der Gefahr sehen, dass Hochwasserereignisse und Stürme zu Schäden an ihrem Haus oder ihrer Wohnung führen. Dieser im Rahmen dieser Studie bisher nur einmalig erhobene Wert erlaubt allerdings nur eingeschränkte Interpretationen, da er nicht mit der Information über die tatsächliche Exposition der Befragten gegenüber den genannten Klimawandelfolgen verbunden ist. Zu einem ähnlichen Ergebnis zu Risikoeinschätzungen kommen auch andere ähnlich geartete Umfragen.
So hat sich der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft im Rahmen einer forsa-Umfrage im Juni 2013, also kurz nach der Hochwasserkatastrophe, ein Meinungsbild zum Risikobewusstsein in der Bevölkerung eingeholt. Demnach schätzten sogar 90 % der Deutschen das Risiko gering ein, persönlich von Hochwasser, Sturm oder anderen Naturgefahren betroffen zu werden.20

Die Realität zeigt jedoch ein anderes Bild, denn das Juni-Hochwasser 2013 traf auch viele Menschen, die weitab der großen Flussläufe leben und sich in Sicherheit wähnten.20 Auch Überschwemmungen durch Starkregen können fernab von hochwassergefährdeten Gebieten entstehen und erhebliche Schäden verursachen. Erwähnenswert sind hier u. a. die Unwetter Zsuzsanna im Jahr 2008, von dem vor allem der Landkreis Dortmund betroffen war, und Rainer im Jahr 2009 mit Schwerpunkt im Landkreis Herne.

Die Wahrnehmung des eigenen Risikos und der möglichen Betroffenheit sowie das Vorhandensein alltagstauglicher Handlungsoptionen ist eine der wesentlichen Motivationen für jeden Einzelnen, die bestehenden Möglichkeiten der Risikominderung auszuschöpfen und entsprechende Vorsorgemaßnahmen und Absicherungen zu treffen. Daher ist es von Bedeutung, dass die tatsächlichen Risiken, die mit dem Klimawandel verbunden sind, von möglichst vielen Menschen erkannt und realistisch bewertet werden. Hilfestellung hierfür leistet u. a. das internetgestützte Informationsinstrument „Kompass Naturgefahren“ (bis Ende 2014 unter dem Namen ZÜRS public), das Mieter, Hausbesitzer und Unternehmer darüber informiert, wie stark ihr Gebäude durch Hochwasser gefährdet ist. Darüber hinaus erfahren die Nutzer dort, welches Risiko für weitere Naturgefahren wie Starkregen, Sturm, Blitzschlag und Erdbeben besteht. Der „Kompass Naturgefahren“ soll das Bewusstsein der Menschen für die Risiken von Naturereignissen schärfen und zur Eigenvorsorge auffordern. Diesen Service gibt es derzeit für den Freistaat Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Berlin. In weiteren Bundesländern laufen aber die Vorbereitungen für die Einführung. Ziel der Versicherungswirtschaft ist ein nationales Naturgefahrenportal, das von einer Informationskampagne flankiert wird.

Für die Versicherungswirtschaft ist ein angemessenes Risikobewusstsein der Bevölkerung und der Unternehmen eine ihrer wichtigsten Geschäftsgrundlagen. Nur wenn dieses Bewusstsein breit verankert ist und sich infolgedessen viele Menschen versichern, lassen sich ausreichend große Risikogemeinschaften für eine Versicherung bilden, die sicherstellen, dass die Versicherungsprämien erschwinglich sind.

Zum geringen Risikobewusstsein kommt hinzu, dass viele Menschen glauben, sie seien über ihre bestehenden Versicherungen bereits ausreichend gegen Schäden infolge des Klimawandels versichert.21 In vielen Fällen wird dabei übersehen, dass die übliche Verbundene Wohngebäudeversicherung beispielsweise Schäden aus starken Überflutungen nicht abdeckt.

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20 GDV – Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. 2013a: Naturgefahrenreport 2013 – Die Schaden-Chronik der Versicherer. Berlin, 46 S.
www.gdv.de/2013/10/naturgefahrenreport-2013-die-schaden-chronik-der-versicherer

21 SBI – Sustainable Business Institute e.V. 2010: Herausforderung Klimakompetenz - Kundenerwartungen an Finanzdienstleister - Ergebnisse einer Befragung von Privat- und Geschäftskunden. In Zusammenarbeit mit dem „Finanz-Forum: Klimawandel“ im Rahmen des vom BMBF geförderten Projekts „CFI - Climate Change, Financial Markets and Innovation“. 20 S.
www.cfi21.org/fileadmin/user_upload/Herausforderung_Klimakompetenz.pdf

 

Schnittstellen

FiW-I-1: Schadenaufwand und Schadensatz in der Verbundenen Wohngebäudeversicherung

BS-R-1: Information zum Verhalten im Katastrophenfall

HUE-1: Wahrnehmung des Problemfelds Klimawandelfolgen

 

Ziele

Aufklärung von Kunden und Behörden über klimarelevante Zusammenhänge und Schaffung finanzieller Anreize durch entsprechende Vertragsgestaltung durch die Versicherungswirtschaft (DAS, Kap. 3.2.10)