FiW-I-2 Schaden-Kosten-Quoten Verbundene Wohngebäudeversicherung

Gebäude mit zerbrochenen Fensterscheiben und teilweise abgedecktem Dach.zum Vergrößern anklicken
Die Wohngebäudeversicherung deckt auch große Schäden durch Hagelschlag ab.
Quelle: GDV – Ihre Deutschen Versicherer

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

FiW-I-2: Schadenquote, Schaden-Kosten-Quote bei der Verbundenen Wohngebäudeversicherung

Die Verbundene Wohngebäudeversicherung ist für die Versicherer heute ein wenig rentables Geschäft. Ob und wie zukünftig Preisreaktionen auf steigende Schadensummen möglich sind, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Ein signifikanter Trend hin zu höheren Quoten bildet sich über den gesamten Betrachtungszeitraum derzeit noch nicht ab.

Zwei Graphen zeigen Zeitreihen für die Jahre von 1976 bis 2012. Eine Kurve stellt die Schadenquote bei der Verbundenen Wohngebäudeversicherung dar, sie schwankt zwischen Werten von 60% und 140%. Hohe Werte sind für 1990 (140%), 2002 (118%) und 2007 (110%) verzeichnet. Die zweite Kurve beschreibt die Zeitreihe der Schaden-Kosten-Quote bei der Verbundenen Wohngebäudeversicherung. Sie beginnt mit der Darstellung für 1997 nahe 100%, schwankt stark und verzeichnet hohe Werte für 2002 (142%) und 2007 (138%).
FiW-I-2 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Für die Versicherer könnte es teuer werden

Steigende Schadensätze bedeuten steigende Leistungsanforderungen an die Versicherer, denn das Verhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben in dem jeweiligen Versicherungssegment verändert sich. Das ist für die Versicherungen von Bedeutung für ihre Bilanz. So hat der Orkan Kyrill im Jahr 2007 für eine Sachschadenbelastung von etwa 2,2 Milliarden Euro gesorgt. Noch höher wurden die Bilanzen der Sachversicherer im Jahr 2002 belastet. Neben den Orkanen Anna und Jennifer und dem Unwetter in Berlin und Brandenburg hat die Elbeflut in erheblichem Umfang Elementarschäden verursacht.

Ob ein Versicherungssegment profitabel ist, zeigt die sogenannte Schaden-Kosten-Quote („Combined Ratio“). Liegt die Quote über 100 %, bedeutet dies, dass das Unternehmen mit diesem Versicherungsgeschäft Verlust macht. Im Segment der Verbundenen Wohngebäudeversicherung liegt die Schaden-Kosten-Quote typischerweise vergleichsweise hoch. Hier kommt es regelmäßig zu versicherungstechnischen Verlusten. Blickt man auf die vergangenen 16 Jahre zurück, für die die Daten der deutschen Versicherungsunternehmen in der privaten Sachversicherung zentral zusammengeführt werden, wird deutlich, dass  es den deutschen Versicherern nur ein einziges Mal, im Jahr 2001, gelang, mit der Verbundenen Wohngebäudeversicherung einen versicherungstechnischen Gewinn zu erzielen. Seit 2002 haben die Wohngebäudeversicherer ein versicherungstechnisches Minus von über 7 Milliarden Euro akkumuliert.

Die Unwetterereignisse der letzten Jahre haben sich in der Schaden-Kosten-Quote der Wohngebäudeversicherung niedergeschlagen. Ein Trend lässt sich allerdings bisher noch nicht ermitteln. Betrachtet man alternativ die Zeitreihe der Schadenquote, welche die Verwaltungs- und Abschlusskosten nicht berücksichtigt und daher keine unmittelbaren Aussagen zur Rentabilität des Versicherungsgeschäfts zulässt, zeigt sich ein ähnliches Bild. Auch hier ist ein Trend noch nicht ersichtlich.

Sollten die Schadensummen im Verhältnis zu den versicherten Werten in den nächsten Jahren und Jahrzehnten infolge zunehmender Extremereignisse ansteigen, müssen die Versicherungsunternehmen ihre Kalkulationen der Prämien anpassen. Grundsätzlich ist dies möglich, denn nach dem Versicherungsvertragsgesetz haben Verträge im Sachversicherungsbereich eine maximale Laufzeit von drei Jahren. Allerdings ist zurzeit besonders bei der verbundenen Wohngebäudeversicherung die Preiskonkurrenz am Versicherungsmarkt hoch. Das heißt, die Höhen der Prämien lassen sich nicht einfach an zunehmende Schadensummen anpassen, denn sonst droht den Versicherern der Verlust von Kunden an ihre Konkurrenz.

Trotzdem wird sich die Versicherungswirtschaft natürlich an die veränderte Situation anpassen. Wollen die Versicherungsunternehmen Prämiensteigerungen für ihre Kunden vermeiden, werden sie voraussichtlich mehr Eigenvorsorge von diesen einfordern müssen. Das bedeutet, die Hausbesitzer müssen selbst aktiv werden und nachweisen, dass sie durch bauliche Maßnahmen ihre Gebäude besser vor den Folgen von Naturgefahren schützen. Die Versicherungswirtschaft geht aber nach wie vor davon aus, dass Schäden aus Naturgefahren in Deutschland auch angesichts des Klimawandels versicherbar bleiben.

 

Schnittstellen

FiW-I-1: Schadenaufwand und Schadensatz in der Verbundenen Wohngebäudeversicherung

BAU-R-3: Fördermittel für klimawandelangepasstes Bauen und Sanieren

 

Ziele

Aktives Management der Risiken und Chancen durch Banken und Versicherungen (DAS, Kap. 3.2.10)