FiW-I-1 Schäden in der Verbundenen Wohngebäudeversicherung

Sturmschäden an Gebäude mit abgebrochenen großen Laubbäumen davor.zum Vergrößern anklicken
Stürme und Hagel können große Schäden an Gebäuden anrichten.
Quelle: Dieter Hopf / pixelio.de

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

FiW-I-1: Schadenaufwand und Schadensatz in der Verbundenen Wohngebäudeversicherung

Starke Stürme und Unwetter verursachen den Versicherern hohe Kosten in der privaten Wohngebäudeversicherung. Bisher ist die Zeitreihe stark von einzelnen extremen Unwetterereignissen geprägt. Seit 1990 zeichnet sich aber ein signifikanter Trend zunehmender Schadensummen ab.

Ein Blockdiagramm und eine Kurve zeigen zwei Zeitreihen von 1976 bis 2012. Die Kurve bildet den Schadensaufwand in der Verbundenen Wohngebäudeversicherung (Hagel und Sturm) ab. Bis 1989 verläuft sie unter 500 Mio. €, 1990 beträgt der Wert 1.400 Mio. €. Für 1998, 2002 und 2007 werden hohe Werte gezeigt, 2007 die Summe 2.250 Mio. €. Die Werte für den Schadensatz schwanken zwischen 0,06 Promille und 0,60 Promille. Der höchste Wert ist 1990 mit 0,65 Promille gefolgt von 2007 mit 0,40 Promille angegeben.
FiW-I-1 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Sturm und Hagel: Treiben verstärkte Unwetter die Schäden in die Höhe?

Der Zusammenhang zwischen Klimawandel und steigenden Schäden durch Unwetter gilt noch nicht als gesichert, allerdings sprechen viele Indizien dafür. So wird für die Zukunft von häufigeren und extremeren Starkniederschlagsereignissen ausgegangen, die Überschwemmungen zur Folge haben können. Für die Entwicklung der Häufigkeit und Intensität von Stürmen lässt sich derzeit in Deutschland allerdings noch kein klarer Trend erkennen. Auch Projektionen in die Zukunft sind im Gegensatz zu Temperaturvorhersagen schwierig. Allerdings zeigen inzwischen mehrere wissenschaftliche Studien, dass die Heftigkeit der stärksten Stürme und damit auch das Ausmaß von sturmbedingten Schäden zunehmen werden.

Fast jeder Hausbesitzer in Deutschland hat heute sein Gebäude über eine sogenannte Verbundene Wohngebäudeversicherung versichert. „Verbunden“ bedeutet, dass die Versicherung verschiedene Schadentreiber einschließt.
Versichert sind je nach Vertrag Schäden durch Feuer, Leitungswasser, Sturm, Hagel und Brand sowie zunehmend auch Elementarschäden u. a. durch Hochwasser und Starkregen. Erfahrungsgemäß sind die Schadensummen durch Brand, Blitzschlag, Explosion und Leitungswasser über die Jahre hinweg annähernd stabil. Im Falle der Sturm- und Hagelschäden sowie der Elementarschäden schwanken die Schäden dagegen stärker von Jahr zu Jahr. Schadensereignisse können in manchen Jahren in Abhängigkeit der Witterung gehäuft auftreten, und einzelne sehr heftige Ereignisse können große Schäden verursachen. Andere Jahre verlaufen dagegen vergleichsweise „ruhig“.

Private Gebäude sind zu über 90 % gegen Sturm und Hagel versichert, was annähernd einer Marktsättigung gleichkommt. Bei dieser hohen Versicherungsdichte erlauben die Schadensstatistiken der Versicherungsunternehmen bundesweite Aussagen zum Auftreten von Extremereignissen, da auch regional oder lokal auftretende Ereignisse stets auf versicherte Werte treffen und im Schadensfalle entsprechende Forderungen von Auszahlungen nach sich ziehen. Für Elementarschäden durch Hochwasser und Starkregen gilt das in dieser Weise nicht, weil bislang deutlich weniger Gebäude gegen diese Schäden versichert sind.

Typische Sturmschäden an Gebäuden sind losgerissene Dachziegel oder Dach- und Fassadenteile und zerbrochene Fenster- oder Türscheiben. Indirekt können Gebäude durch umgefallene oder abgebrochene Bäume und Masten oder Schäden an Gebäuden in der Nachbarschaft beeinträchtigt werden. Hagelkörner haben in Abhängigkeit von ihrer Größe eine enorme Schlagkraft und beschädigen dann Dächer, Fensterscheiben oder Verblendungen. Die Wohngebäudeversicherung deckt ausschließlich Schäden an Sachen ab, die fest mit dem Gebäude verbunden sind, sowie Schäden, die am Haus z. B. durch umgestürzte Bäume oder herumfliegende Ziegel verursacht werden.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft führt seit den 1970er Jahren die Daten zum Schadenaufwand der deutschen Versicherungsunternehmen in der privaten Sachversicherung zusammen. In dieser Zeit ist der Schadenaufwand für Sturm und Hagel signifikant gestiegen. Außerdem wird deutlich, in welchem Umfang Einzelereignisse die Schadensummen in die Höhe treiben, so wie die schweren Orkane Daria, Vivian und Wiebke im ersten Quartal 1990, einem der mildesten Winter des 20. Jahrhunderts, die großen Orkane Anna und Jennifer Anfang 2002 und Jeanette im Oktober 2002 u. a. in Nordrhein-Westfalen. Hinzu kam in 2002 ein schweres Juli-Unwetter in Berlin und Brandenburg, das in einer Wetterkonstellation entstanden ist, die seit Jahrzehnten nicht mehr aufgetreten war. Das Orkantief Kyrill im Januar 2007 beeinträchtigte das öffentliche Leben in weiten Teilen Europas und forderte 47 Todesopfer. Ende Februar 2010 verursachte das Sturmtief Xynthia in Deutschland Schäden in Höhe von 500 Millionen Euro. Deutlich wird auch, dass sich nach 1990 die Situation noch einmal verschärft hat, d. h der Schadenaufwand noch einmal stärker gestiegen ist.

Steigende Schadensummen lassen allerdings keine unmittelbaren Rückschlüsse auf häufigere und heftigere Wetterextreme zu. Dies ist darin begründet, dass die Schadensummen auch wesentlich von der Höhe der versicherten Werte abhängen. Mit Wertsteigerungen der versicherten Objekte beispielsweise durch hochwertigere Fußbodenbeläge, sanitäre und elektrische Anlagen sowie Zentralheizung und Klimaanlagen und dem Inflationsausgleich steigen die Werte, die die Versicherer decken.

Eine um Wertsteigerungen und Inflation bereinigte Größe ist der Schadensatz. Er setzt den Schadenaufwand, den ein Versicherer zu leisten hat, ins Verhältnis zur Versicherungssumme. Bestimmend für den Schadensatz ist die Entwicklung der Schadentreiber, d. h. die Häufigkeit und Stärke von Schadensereignissen wie Sturm und Hagel.
Bei Betrachtung dieser Zeitreihe wird deutlich, dass es im Gegensatz zum Schadenaufwand im betrachteten Zeitraum keinen signifikanten Anstieg gab, aber dass sich die Spitzen durch die besonders schweren Unwetter noch eindeutiger abbilden.

 

Schnittstellen

FiW-I-2: Schadenquote und Schaden-Kosten-Quote bei der Verbundenen Wohngebäudeversicherung

FiW-R-1: Versicherungsdichte der erweiterten Elementarschadenversicherung für Wohngebäude

 

Ziele

Aktives Management der Risiken und Chancen durch Banken und Versicherungen (DAS, Kap. 3.2.10)