EW-R-1 + 2 Diversifizierung Energie (Strom, Wärme und Kälte)

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

EW-R-1: Diversifizierung der Elektrizitätserzeugung

Die energiepolitischen Weichenstellungen der letzten Jahre haben bei einer nach wie vor zunehmenden Stromerzeugung eine stärker diversifizierte Struktur hervorgebracht, die im Sinne einer Risikostreuung auch die Anpassung an den Klimawandel unterstützen kann. Klimaschutz- und Anpassungsziele lassen sich dabei vor allem durch eine stärkere Nutzung CO2-armer, insbesondere erneuerbarer Energieträger verbinden.

Ein gestapeltes Blockdiagramm zeigt die Elektrizitätserzeugung (brutto) in Terrawattstunden in einer Zeitreihe von 1990 bis 2013 an. Die gestapelten Säulen berücksichtigen Erneuerbare, Steinkohle, Braunkohle, Mineralölprodukte, Erdgas, Uran und übrige Energieträger.
EW-R-1 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

EW-R-2: Diversifizierung des Endenergieverbrauchs für Wärme und Kälte

Beim Endenergieverbrauch zur Wärme- und Kältegewinnung sind seit einigen Jahren stärkere Schwankungen zu beobachten, wobei sich die einzelnen Energieträger sehr unterschiedlich entwickeln. Grundsätzlich positiv ist auch hier die breitere Risikostreuung durch den Aufwärtstrend der erneuerbaren Energieträger zu bewerten, der gleichzeitig zum Klimaschutz beiträgt.

Ein gestapeltes Blockdiagramm zeigt den Endenergieverbrauch für Wärme und Kälte in Terrawattstunden in einer Zeitreihe von 1995 bis 2012. Die gestapelten Säulen berücksichtigen Erneuerbare, Fernwärme, Kohle, Mineralöl, Gas, Uran und Sonstige.
EW-R-2 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Auf viele Schultern verteilt – die Energieversorgung

Vor allem mit Blick auf häufigere und intensivere extreme Wetter- und Witterungsereignisse und deren Folgen gibt es kaum einen Energieträger, auf den Auswirkungen durch den Klimawandel nicht denkbar wären. Je nach Energieträger sind die möglichen Klimawandelfolgen dabei verschieden und erfordern unterschiedliche Anpassungsmaßnahmen. Um die Risiken für die Zuverlässigkeit und Qualität des Energieversorgungssystems insgesamt gering zu halten, sind eine Senkung des absoluten Endenergieverbrauchs und eine risikomindernde räumliche Verteilung von Energieinfrastrukturen wichtige Bausteine. Auch eine Energieversorgungsstruktur, die viele Energieträger und Kraftwerkstypen nutzt, trägt dazu bei, die Risiken künftiger Klimawandelfolgen auf viele Schultern zu verteilen und dadurch zu mindern.

Den Rahmen für den zukünftigen Energieträgermix in Deutschland spannen die energie- und klimaschutzpolitischen Vorgaben auf, die langfristig u. a. auf den vollständigen Ersatz fossiler und nuklearer Energieträger durch klimafreundliche erneuerbare Energien zielen. Wie der zukünftige Mix der verschiedenen Energieträger mit Blick auf die Auswirkungen des Klimawandels optimal gestaltet werden kann, ist bislang aber noch unklar. Eine Gleichverteilung aller Energieträger ist nicht erstrebenswert. Sie lässt sich technisch und wirtschaftlich nicht sinnvoll umsetzen, denn nicht nur die Klimawandelrisiken, auch die Potenziale für den Beitrag zur Energieversorgung sind für die verschiedenen Energieträger sehr unterschiedlich. Zudem hat eine Streuung auf verschiedene Energieträger nicht zwangsläufig risikomindernde Effekte, z. B. wenn andauernde sommerliche Trockenheit die Stromproduktion von Wasserkraftwerken einschränkt und gleichzeitig die Wirkungsgrade von Photovoltaik-Anlagen und Gasturbinen durch Hitze vermindert sind.

Die energie- und klimaschutzpolitischen Weichenstellungen der vergangenen Jahre haben eine hohe Dynamik in der Energiewirtschaft ausgelöst und Bewegung in die Energieträgerstruktur gebracht. Das gilt besonders für die Stromerzeugung, bei der die erneuerbaren Energien sehr stark und mit signifikantem Trend zunahmen. Im Bereich des Endenergieverbrauchs für Wärme (Raumwärme, Warmwasser, Prozesswärme) und Kälte (Klimatisierung, Prozesskälte) stieg der Anteil der erneuerbaren Energien ebenfalls an, insgesamt ist der Transformationsprozess jedoch langsamer. Rückgänge betrafen bei der Stromerzeugung vor allem Steinkohle und Kernenergie, während Gas und in den letzten Jahren zunehmend auch die mit hohen CO2-Emissionen verbundene Braunkohle an Bedeutung gewannen. Bei der Wärme- bzw. Kälteerzeugung nahm der Einsatz von Mineralöl und dem wichtigsten Energieträger für diesen Anwendungsbereich, dem Gas, signifikant ab. Davon profitierten neben den erneuerbaren Energien vor allem die Fernwärme und die CO2-intensive Kohle. Im Ergebnis ist die Energieversorgung, vor allem mit Blick auf die Stromerzeugung, heute auf mehr Schultern verteilt als Anfang der 1990er Jahre. Angesichts der bestehenden Unklarheiten, wie ein zuverlässiges und wirtschaftliches Energiesystem gestaltet sein kann, das sowohl treibhausgasarm als auch klimaresilient ist, lassen sich diese Entwicklungen zumindest aus Anpassungssicht bislang aber nur schwierig bewerten. Voraussetzung hierfür wäre es, die energieträgerspezifischen Klimarisiken zu analysieren und diese in den Entwicklungsvorstellungen für eine zukünftige Energielandschaft zu integrieren. Ungeachtet dessen führte der Zuwachs der erneuerbaren Energieträger sowohl bei der Stromerzeugung als auch beim Endenergieverbrauch für Wärme und Kälte zu einem stärker diversifizierten Energieträgermix, der durch eine breitere Streuung der Risiken die Anpassung an den Klimawandel unterstützen kann und der gleichzeitig durch die Vermeidung von Treibhausgasemissionen zum Klimaschutz beiträgt.

 

Schnittstellen

EW-I-4: Potenzieller und realer Windenergieertrag

BAU­-R-­2: Spezifischer Energieverbrauch der privaten Haushalte für Raumwärme

 

Ziele

Erhöhung der Versorgungssicherheit durch sich ergänzende [...] diversifizierte Erzeugungsstrukturen, die erneuerbare Energien einschließen (DAS, Kap. 3.2.9)

Sichere [...] Versorgung der Allgemeinheit mit Elektrizität und Gas, die zunehmend auf erneuerbaren Energien beruht (Energiewirtschaftsgesetz, § 1 (1))