EW-I-1 + 2 Wetterbedingte Unterbrechungen der Stromversorgung

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

EW-I-1: Wetterbedingte Unterbrechungen der Stromversorgung

Extremwetterereignisse wie die Orkane Kyrill in 2007 oder Xynthia in 2010 schlugen sich in den letzten Jahren bereits in der Unterbrechungsstatistik der Stromversorgung nieder. Der Anteil von atmosphärischen Einwirkungen und höherer Gewalt an allen Unterbrechungen war in diesen Jahren deutlich erhöht. Signifikante Trends zeichnen sich bislang aber nicht ab.

Zwei Kurven zeigen die Wetterbedingten Unterbrechungen der Stromerzeugung mit Zeitreihen für die Jahre 2006 bis 2012, aufgeteilt nach dem prozentualen Anteil der Wetterbedingten ungeplanten Unterbrechungen für die Niederspannungsebene und sowie für die Mittelspannungsebene.
EW-I-1 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

EW-I-2: Wetterbedingte Nichtverfügbarkeit der Stromversorgung

Kyrill und Xynthia führten in 2007 bzw. 2010 auch zu schwereren und umfangreicheren Schäden an den Stromnetzen im Vergleich zu anderen Jahren. Die betroffenen Stromkunden mussten daher durchschnittlich längere Wartezeiten in Kauf nehmen, bis die Stromversorgung wiederhergestellt war.

Ein gestapeltes Balkendiagramm zeigt die Wetterbedingte Nichtverfügbarkeit der Stromversorgung in Minuten für den Letztverbraucher. Die gestapelten Säulen stellen zusammen die Atmosphärischen Einwirkungen und höhere Gewalt sowie die sonstigen ungeplanten Unterbrechungen dar.
EW-I-2 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Stromversorgung – mehr und längere Unterbrechungen?

Die sehr zuverlässige Stromversorgung in Deutschland zeichnet sich u. a. dadurch aus, dass Unterbrechungen nur selten und mit kurzer Dauer auftreten. Nehmen extreme Wettersituationen, vor allem schwere Stürme und Orkane, infolge des Klimawandels zu, können sich dadurch verursachte Unterbrechungen der Stromversorgung künftig möglicherweise mehren und länger dauern.

In Deutschland erfasst die Bundesnetzagentur (BNetzA) das Unterbrechungsgeschehen. Im Rahmen ihrer Zuständigkeit wertet sie die Meldungen der Netzbetreiber zu Unterbrechungen der Mittel- und Niederspannungsebene aus, die das verbrauchernahe Verteilnetz bilden. Die BNetzA unterscheidet verschiedene Ursachen von Netzunterbrechungen. Unter dem Begriff „Atmosphärische Einwirkungen“ fasst sie Wind- und Temperatureinwirkungen oder Überspannungen durch Blitze zusammen. Als „Höhere Gewalt“ werden Ereignisse besonderer Schwere klassifiziert, z. B. außergewöhnliche Hochwasser oder Orkane. Vor allem diese Ereignisse können längere Beeinträchtigungen nach sich ziehen, denn wenn Leitungsnetze z. B. auf größerer Strecke unterbrochen sind, können die notwendigen Reparaturen mitunter viel Zeit in Anspruch nehmen.

Auch wenn Deutschland über ein sehr stabiles Stromnetz verfügt, machen schon die noch kurzen Zeitreihen zur Häufigkeit und Dauer von atmosphärischen Einwirkungen und höherer Gewalt deutlich, dass extreme Wetter- und Witterungsereignisse die Elektrizitätsübertragung und ­verteilung beeinflussen können. Besonders markant sind die Auswirkungen des Orkans „Kyrill“ im Jahr 2007. Die Zahl der Unterbrechungen lag in diesem Jahr etwa doppelt so hoch wie in den meisten anderen bislang erfassten Jahren, und Letztverbraucher waren durchschnittlich fast 22 Minuten aufgrund von Wetter und Witterung ohne Strom. Zum Vergleich: In den weiteren Jahren liegt dieser Wert zwischen 3 und 7,5 Minuten.
Die erhöhten Werte für das Jahr 2006 sind auf massive Schneefälle zurückzuführen, im Jahr 2010 sorgte der Orkan Xynthia für längere Versorgungsunterbrechungen.

Inwieweit Elektrizitätsnetze von atmosphärischen Einwirkungen betroffen sind, hängt u. a. von Qualität, Wartungszustand und Alter der im Netz verwendeten technischen Komponenten ab. Auch die Netzstruktur ist eine wichtige Einflussgröße. So verlaufen Höchst­ und Hochspannungsnetz zwar zu etwa 95 % oberirdisch und sind Wind und Wetter direkt ausgesetzt, die Knotenpunkte des Netzes sind aber miteinander verknüpft (Vermaschung). Fallen einzelne Leitungen aus, kann die Versorgung i. d. R. über redundante andere Leitungen erfolgen. Für den Letztverbraucher bedeuten Unterbrechungen im Übertragungsnetz daher i. d. R. keinen Stromausfall. Mittel- und Niederspannungsnetze besitzen dagegen keine vermaschte Struktur.  Unterbrechungen in diesen Netzebenen kommen daher häufig direkt beim Letztverbraucher an, führen also zu Stromausfällen.

Einen wirksamen Schutz vor Stürmen, Schnee- oder Eislasten bietet die unterirdische Verlegung von Stromleitungen (Verkabelung). Große Teile des Verteilnetzes sind bereits heute unterirdisch verlegt. Eine Verkabelung im Bereich des Übertragungsnetzes, d. h. der Höchst- und Hochspannungsebene, ist technisch komplex und in Bau und Betrieb aufwändig. Eine andere Möglichkeit, um das Stromnetz langfristig an sich ändernde Klimabedingungen anzupassen, kann die vorausschauende Berücksichtigung und Integration des Klimawandels in den (Weiter-) Entwicklungsprozess technischer Standards und Normen sein. Anpassungen könnten etwa an klimabezogenen Bestandteilen von Normen wie der Eislastkarte ansetzen, die die regional zu berücksichtigenden Eislasten an Stromleitungen darstellt.

 

Ziele

Verpflichtung der Betreiber zum Betrieb eines sicheren, zuverlässigen und leistungsfähigen Energieversorgungsnetzes (Energiewirtschaftsgesetz, § 11 (1))