BS-R-4 Aktive Katastrophenschutzhelfer

Einsatzkräfte in Uniformen des THW und einer Feuerwehr als Gruppenfoto vor ihren Einsatzfahrzeugen.zum Vergrößern anklicken
Ausreichend Einsatzkräfte sind erforderlich, um für Einsatzanforderungen gewappnet zu sein.
Quelle: Konstantin Wamser / THW Ortsverband Schwabmünchen

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

BS-R-4: Aktive Katastrophenschutzhelfer

Die Zahl der Einsatzkräfte war im Zeitraum von 2000 bis 2011 signifikant rückläufig, vor allem wegen eines Rückgangs der Mitgliederzahlen bei den Feuerwehren. Das wachsende Engagement weiblicher Einsatzkräfte, dem auch mit Blick auf die ausgesetzte Wehr­ und Zivildienstpflicht immer mehr Bedeutung zukommt, kann den Rückgang an männlichen Freiwilligen nur teilweise abfedern.

Es sind ein Balkendiagramm und eine Kurve abgebildet, die die Anzahl der aktiven Katastrophenschutzkräfte in 1000 sowie die Anzahl der Aktiven Katastrophenschutzhelfer als Index 2000 = 100 in Zeitreihen für die Jahre 2000 bis 2011 abbilden.
BS-R-4 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Gehen uns die (Einsatz­)Kräfte aus?

Für den Bevölkerungsschutz in Deutschland ist das Ehrenamt die maßgebliche Stütze: Rund 1,7 Millionen ehrenamtliche Helferinnen und Helfer engagieren sich in den verschiedenen Hilfsorganisationen. Beim Technischen Hilfswerk (THW) üben ca. 99 % der Angehörigen ihre Tätigkeit ehrenamtlich aus. Rund 95 % der Feuerwehrmitglieder in Deutschland sind in Freiwilligen Feuerwehren organisiert. Die im Bevölkerungsschutz eingebundenen Akteure betonen daher regelmäßig, dass ohne die Bereitschaft zur ehrenamtlichen Mitarbeit in den Organisationen die Einsatzfähigkeit der Einheiten bedroht ist.

Auch für die weitere Entwicklung des Bevölkerungsschutzes mit Blick auf den Klimawandel ist ein zumindest stabiler Bestand an haupt-und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern notwendig. Nicht nur, weil sich durch die erwarteten Änderungen der klimatischen Rahmenbedingungen möglicherweise mehr und längere Einsätze und damit höhere Belastungen ergeben können, sondern auch, weil die Verfügbarkeit von Einsatzkräften z. B. wegen der gesundheitlichen Auswirkungen von Hitzewellen eingeschränkt ist.

Betrachtet man die Entwicklung der Jahre von 2000 bis 2011, so ist ein signifikanter Rückgang der aktiven Einsatzkräfte bei THW und Feuerwehren zu verzeichnen. Ihre Zahl ging in diesem Zeitraum um etwa 50.000 von etwa 1,17 Millionen auf 1,12 Millionen Aktive zurück. Der Rückgangstrend spiegelt vor allem die negative Entwicklung bei den Freiwilligen Feuerwehren wider. Während Berufsfeuerwehren sowie Werks- und Betriebsfeuerwehren steigende oder zumindest konstante Mitgliederzahlen vorweisen, zählen die Freiwilligen Feuerwehren 2011 rund 46.000 weniger Ehrenamtliche als noch zehn Jahre zuvor.

Die Mitgliedszahlen in den Jugendfeuerwehren lagen in den letzten Jahren ebenfalls auf einem eher niedrigen Niveau. Die Zahl der aktiven Helferinnen und Helfer beim THW liegt im Vergleich zu den Feuerwehren um ein Vielfaches niedriger und beeinflusst die Gesamtentwicklung daher in geringerem Maße, auch sie ging aber in den vergangenen Jahren deutlich zurück: Lag die Zahl der aktiven THW-Helferinnen und –Helfer im Mittel der Jahre 2000 bis 2010 noch bei ca. 41.500 Personen, wurden danach nur noch knapp 39.000 Aktive gezählt. Auf mangelnden Nachwuchs ist die Entwicklung indes nicht zurückzuführen. Die Mitgliedszahlen bei der THW-Jugend sind in den letzten Jahren auf hohem Niveau stabil.

Es sind verschiedene Entwicklungen, die den Rückgang der Mitgliederzahlen bedingen. Neue Herausforderungen entstanden für die im Bevölkerungsschutz tätigen Organisationen etwa durch die Aussetzung der Wehrpflicht seit dem Jahr 2011. Der Wehrersatzdienst in Einheiten des Bevölkerungsschutzes hatte insbesondere für das THW und die Feuerwehren eine wichtige Bedeutung für die Rekrutierung von Helfern in der Altersgruppe der 20- bis 25-Jährigen. Beispielsweise sind für die Sicherung des Bestands an Einsatzkräften beim THW jährlich etwa 5.200 neue Helferinnen und Helfer notwendig. Bis zum Jahr 2011 konnten hiervon jährlich 2.500 Helfer über die Freistellung vom Wehrdienst verpflichtet werden.

Auch die Auswirkungen des demografischen Wandels auf den Bevölkerungsschutz sind unübersehbar. Die Veränderungen in der Alterspyramide reduzieren den Pool an potenziellen Helferinnen und Helfern ebenso wie die zunehmende Konzentration der Bevölkerung in den Städten. Vor allem in dünn besiedelten ländlichen Bereichen mit einer vergleichsweise älteren Bevölkerung können trotz einer im Vergleich zu den Städten höheren Bereitschaft zu bürgerschaftlichem Engagement personelle Engpässe entstehen. Verschiedene Studien beurteilen die Zukunft diesbezüglich sehr kritisch und werfen die Frage auf, wie die bestehenden Strukturen fortgeführt werden und verlässlich funktionieren können.

Um die ehrenamtlichen Strukturen des Bevölkerungsschutzes und eine ausreichende Zahl an Helferinnen und Helfern zu erhalten, wollen sich die im Bevölkerungsschutz tätigen Organisationen z. B. stärker um die Einbeziehung von Menschen mit Migrationshintergrund bemühen oder auch Senioren nach ihren Möglichkeiten einbinden. Zumindest ist es in den letzten Jahren schon gelungen, den Frauenanteil bei den eher technisch ausgerichteten Organisationen zu steigern: Bei den Feuerwehren sind heute 25.000 Frauen mehr aktiv als im Jahr 2000, beim THW stieg die Zahl der aktiven Helferinnen seither um 3.000 Frauen.

Darüber hinaus eröffnen gesellschaftliche und technische Entwicklungen aber auch neue Wege. So wurde beispielsweise während des Juni-Hochwassers 2013 in  vielen betroffenen Gebieten Hilfe schnell und unbürokratisch über soziale Netzwerke organisiert. Möglicherweise lässt sich so die nach wie vor bestehende Bereitschaft zu Engagement und Hilfeleistung, die sich aber weniger als früher in festen Strukturen binden möchte, auch für den Bevölkerungsschutz nutzen.

 

Schnittstellen

BS-I-1: Einsatzstunden bei wetter- und witterungsbedingten Schadenereignissen

 

Ziele

Anpassung des bestehenden effektiven Krisenmanagements und der Notfallvorsorge an aktuelle Erfordernisse und künftige Entwicklungen wie den Klimawandel (DAS, Kap. 3.2.14)