BS-I-1 Einsatz bei wetter- und witterungsbedingten Schadenereignissen

Personen des THW beim Errichten eines Deichs aus Sandsäcken in Flußlandschaft.zum Vergrößern anklicken
Großschadenslagen wie die Hochwasser verlangen den ausdauernden Einsatz der Helferinnen und Helfer.
Quelle: THW / Nicolas Hefner

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

BS-I-1: Einsatzstunden bei wetter- und witterungsbedingten Schadenereignissen

In Jahren mit Orkanen, heftigen Starkregen oder extremen Hochwasserereignissen kommt es zu deutlich erhöhten Einsatzbelastungen für die Helferinnen und Helfer des Technischen Hilfswerks. Die Zeitreihe ist stark von einzelnen extremen Ereignissen geprägt. Ein signifikanter Trend zeichnet sich bislang nicht ab.

In der Grafik sind zwei Zeitreihen für die Jahre 1999 bis 2013 dargestellt. Ein Blockdiagramm zeigt die geleisteten Einsatzstunden gesamt in tausend Stunden. Die Werte für die einzelnen Jahre schwanken stark. Eine orange Kurve stellt die durchschnittlichen Einsatzstunden pro THW-Helfenden dar, sie schwankt ebenfalls stark.
BS-I-1 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Einsatz bis ans Ende der Kräfte?

Deutschland erlebte seit dem Jahr 2000 eine Reihe von extremen Hochwasserereignissen, die jeweils Ausmaße einer Jahrhundertflut annahmen. Zuletzt standen im Frühsommer 2013 ganze Landstriche im Süden und Osten Deutschlands unter Wasser, von Bayern über Sachsen bis nach Schleswig-Holstein. Deutliche Spuren hinterließen auch Orkane wie Kyrill 2007 oder Xynthia 2010.

Insbesondere diese extremen Ereignisse, deren Häufigkeit und Intensität den Projektionsergebnissen zufolge unter den sich ändernden Klimabedingungen zunehmen können, sind mit teilweise massiven Einsatzbelastungen für die Einsatzkräfte verbunden. Schließlich gehört es zu deren wesentlichen Aufgaben, technische Hilfe zu leisten, wenn aus extremen Wetter- und Witterungsereignissen Katastrophen entstehen. Die Einsatzkräfte sichern z. B. Deiche mit Sandsäcken oder montieren mobile Hochwasserschutzwände, um Überflutungen zu verhindern, sie evakuieren Anwohner und verhindern, dass Industrieanlagen oder Klärwerke überschwemmt werden. Nach heftigen Stürmen oder Orkanen entfernen sie Windbruch von Straßen und Schienen und machen diese wieder befahrbar.

Vielerorts signalisieren die im Bevölkerungsschutz tätigen Organisationen bereits heute, dass die Zahl der wetterbedingten Einsätze zu technischen Hilfeleistungen ansteigt. Detaillierte quantitative und vergleichbare Daten über die Anzahl, Dauer und Ursachen von Einsätzen liegen für die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) vor. Signifikante Trends zu einer dauerhaft erhöhten Belastung der Einsatzkräfte sind bislang zwar nicht zu verzeichnen, die Zahlen für die vergangenen Jahre zeigen jedoch, wie einzelne Extremereignisse – und insbesondere die Jahrhunderthochwasser in den verschiedenen Flussgebieten – das Einsatzgeschehen prägen.

Im Sommer 2002 waren rund 24.000 Helferinnen und Helfer des THW aus der ganzen Bundesrepublik zur Bewältigung der Flutkatastrophen an Donau und Elbe und ihrer Folgen im Einsatz. Der THW-Einsatz dauerte rund sechs Wochen und war der bis dahin größte in der 50-jährigen Geschichte des THW. Auch die hohen Einsatzzahlen in den Jahren 2006 und 2010 wurden maßgeblich durch Hochwasserereignisse ausgelöst. 2006 kam es wieder zu großflächigen Überschwemmungen an der Elbe. Im Jahr 2010 führten nach starken Hochwassern an Oder und Neiße Ende Mai und einem Donauhochwasser im Juni starke Regenfälle im August deutschlandweit zu Hochwasser. Besonders betroffen waren in Brandenburg und Sachsen die Flüsse Neiße, Spree und Elbe.

Für das Jahr 2007 gingen die überdurchschnittlichen Einsatzzahlen zu großen Teilen auf das Konto des Orkantiefs Kyrill im Januar. Dieses beeinträchtigte das öffentliche Leben in weiten Teilen Europas, führte – u. a. auch in Deutschland – zur streckenweisen Einstellung des Schienenverkehrs und forderte insgesamt 47 Todesopfer. In verschiedenen Regionen Deutschlands kam es darüber hinaus zu massiven Überschwemmungen infolge von Starkregen.

Die Hochwasserereignisse in den Einzugsgebieten von Donau und Elbe im Jahr 2013 stellten aber hinsichtlich der Einsatzbelastung die vorgenannten Jahre weit in den Schatten. Insgesamt fielen in diesem Jahr 1,5 Millionen Einsatzstunden an, mehr als in den Jahren 2002, 2006, 2007 und 2010 zusammen. Grund für die hohe Belastung waren eine verstärkte, z. T. auch vorsorgende Anforderung des THW, der konstant hohe Bedarf an Einsatzkräften während der gesamten Dauer des Einsatzes von Ende Mai bis Mitte Juli sowie die flächenhafte Ausdehnung: Es waren insgesamt neun Bundesländer betroffen.

Insbesondere solche mehrere Wochen dauernden Einsätze mit einem dauerhaft hohen Bedarf an Einsatzkräften sind eine große Herausforderung für das überwiegend ehrenamtlich aufgebaute THW. Für einige Helferinnen und Helfer ist eine Freistellung vom Arbeitgeber für mehrere Wochen aufgrund der Arbeitsmarktsituation problematisch. Die Folge ist ein hoher Durchlauf an Einsatzkräften, der eine verstärkte Koordination erfordert und organisatorische Probleme mit sich bringt.

Grundsätzlich ist zu berücksichtigen, dass die Einsatzzahlen des THW nur eingeschränkt Rückschlüsse auf die anderen im Bevölkerungsschutz tätigen Organisationen erlauben, da das THW nur auf Anforderung eingesetzt wird. Außerdem sind die Zahlen auch von der Art der auftretenden Ereignisse abhängig, denn für bestimmte Einsatzfälle ist vor allem das THW mit seiner spezifischen Materialausstattung gerüstet. Für Jahre mit ausgeprägten Extremereignissen muss aber davon ausgegangen werden, dass auch bei anderen Organisationen – neben dem THW sind dies die Feuerwehren, das Deutsche Rote Kreuz, der Arbeiter-Samariter-Bund, die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft, der Malteser Hilfsdienst und die Johanniter Unfallhilfe – deutliche wetter- und witterungsbedingte Einsatzbelastungen und die mit der ehrenamtlichen Struktur verbundenen Schwierigkeiten auftreten.

 

Schnittstellen

BS-R-4: Aktive Katastrophenschutzhelfer

FiW-I-1: Schadenaufwand und Schadensatz in der Verbundenen Wohngebäudeversicherung

WW-I-3: Hochwasser

 

Ziele

Anpassung des bestehenden effektiven Krisenmanagements und der Notfallvorsorge an aktuelle Erfordernisse und künftige Entwicklungen wie den Klimawandel (DAS, Kap. 3.2.14)