LW-R-6 Landwirtschaftliche Beregnung

Beregnungsgerät auf landwirtschaftlicher Fläche.zum Vergrößern anklicken
Verminderte Sommerniederschläge und vermehrter Starkregen machen eine Beregnung interessant.
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Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

LW-R-6: Landwirtschaftliche Beregnung


Unter den Bedingungen des Klimawandels wird die Beregnung zur Sicherung hoher Qualitäten und Produktionsmen- gen interessant. Dies gilt vor allem dann, wenn die Agrarpreise steigen und die Nutzungsintensitäten zunehmen. Auf der Grundlage der bisherigen Daten lassen sich aber noch keine Trendaussagen treffen.

Beregnungsfläche (1.000 ha) von 1976 bis 2008
LW-R-6 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Beregnung wird lukrativer

Eine ausreichende Wasserversorgung ist Grundvoraussetzung für hohe und stabile landwirtschaftliche Erträge. Insbesondere in der Kartoffel­ und Gemüseproduktion sowie für Sonderkulturen reicht dafür Regenwasser allein in aller Regel nicht aus. In diesen Fällen ist es nur durch eine zusätzliche Beregnung möglich, auf den betroffenen Flächen bestmögliche Qualitäten und hohe Produktionsmengen zu erzielen.

Zwei heute bereits beobachtbare Klimatrends wirken sich im Hinblick auf eine ausreichende Wasserversorgung landwirtschaftlicher Kulturpflanzen in der Hauptvegetationsperiode, die für die Ertragsbildung eine entscheidende Rolle spielt, negativ aus: Zum einen nehmen die (Früh-)Sommerniederschläge ab, zum anderen können die Sommerniederschläge vermehrt als Starkregenereignisse auftreten, wodurch sich die Verfügbarkeit für die Pflanzen zusätzlich verschlechtert. Die Landwirtschaft kann u. a. mit einem verstärkten Anbau trockenstressresistenterer Sorten oder mit zunehmender Bewässerung bzw. Beregnung landwirtschaftlicher Kulturen auf diese Situation reagieren.

In Deutschland haben der Anstieg der Agrarpreise sowie die Förderung des Biomassenanbaus zur Energieerzeugung in den letzten Jahren zu einer Erhöhung der Landnutzungsintensität geführt. Unter diesen Rahmenbedingungen gewinnen intensive, auf ein hohes Ertragsniveau ausgerichtete Produktionsverfahren an Wettbewerbskraft. In diesem Zusammenhang ist auch eine Ausdehnung der Beregnung insbesondere sensitiver landwirtschaftlicher Kulturen bzw. Fruchtfolgen als Anpassungsreaktion der Landwirtschaft zu erwarten.
Das bedeutet, mit den klimatischen Veränderungen gerät die Beregnung stärker ins Blickfeld; gleichzeitig wird sie unter den gegebenen wirtschaftlichen Bedingungen zu einer interessanten Option.

Heute liegen die größten Beregnungsflächen im östlichen Niedersachsen sowie in Hessen und Rheinland-Pfalz, wobei in den beiden letztgenannten Bundesländern die Niederschläge nicht so gering sind. Dass dort trotzdem viel beregnet wird, liegt unter anderem auch daran, dass Beregnungswasser nicht allein der Wasserversorgung der Kulturen dient, sondern vor allem im Obstanbau auch zu Zwecken des Frostschutzes eingesetzt wird. Auch für die Frostschutzberegnung gibt es allerdings einen Zusammenhang mit Klimaveränderungen, da als Folge eines früher einsetzenden Blühtermins und einer höheren Empfindlichkeit bei Spätfrösten mit einem steigenden Bedarf an Frostschutzberegnung zu rechnen ist.

Da Daten zu den mit Beregnungstechnik ausgestatteten und mit Wasserrechten belegten Flächen nicht jährlich erhoben werden, sind Trendaussagen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich. Bis Anfang der 1990er Jahr haben vor allem die umfangreichen Beregnungsflächen im Osten Deutschlands die Zahlen geprägt. Aus Rentabilitätsgründen wurden nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten und im Zuge der Umstrukturierung landwirtschaftlicher Betriebe die Beregnungsanlagen vielerorts aufgegeben. Ab dem Jahr 2000 deutet sich bundesweit eine Zunahme des Interesses an der Beregnung an. Dies äußert sich u. a. auch darin, dass entschieden wurde, die finanzielle Förderung überbetrieblicher Einrichtungen zur Beregnung auch in der neuen Förderperiode der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (">GAK) und dem Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) durch die EU, Bund und Länder ab 2014 fortzusetzen. In den einzelnen Bundesländern werden die Fördermöglichkeiten aber in sehr unterschiedlichem Umfang in Anspruch genommen.

In ökologischer Hinsicht ist die Beregnung nicht in allen Regionen und Situationen gleich zu bewerten. Grundwasserspiegelabsenkungen und Veränderungen im Stoffhaushalt der Böden können nachteilige Effekte einer Beregnung sein. Noch ist der Anteil der landwirtschaftlichen Wasserentnahmen für die Beregnung in Deutschland mit knapp 0,25 % am Gesamtwasserverbrauch sehr gering. Gleichwohl können nachhaltige Einflüsse auf den Wasserhaushalt in den regionalen Bewässerungsschwerpunkten nicht ausgeschlossen werden. Bundesweit wird das Wasser für Beregnungszwecke zu über 85 % aus Grund- und Quellwasser gewonnen, weniger als 15 % entstammen den Oberflächengewässern. Die GAK­ und ELER-Förderung ist inzwischen an die Bedingung geknüpft, dass es sich um wassersparende Einrichtungen handelt.

 

Schnittstellen

BO-I-1: Bodenwasservorrat in landwirtschaftlich genutzten Böden

LW-I-1: Verschiebung agrarphänologischer Phasen

 

Ziele

Förderung der Infrastruktur zur landwirtschaftlichen Bewässerung über die ">GAK, effizienterer Einsatz von Wasser wie beispielsweise verlustärmere Bewässerung landwirtschaftlicher Nutzflächen (DAS, Kap. 3.2.3)

Förderung von Anlagen zur Wasserspeicherung, Grundwasseranhebung und Pumpanlagen zur überbetrieblichen Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Wasserressourcen, Weiterentwicklung Wasser sparender Ackerbausysteme und Bewässerungstechniken, Erweiterung der Bewässerungsmöglichkeiten (Nachhaltigkeitskonzept des BMELV, S. 10)