LW-R-5 Pflanzenschutzmittel-Anwendung

Rückenansicht eines Mannes vor Kornfeld, der Ähre in seiner Handfläche untersucht.zum Vergrößern anklicken
Wird der Schadorganismen-Befall unberechenbarer, sind regelmäßige Bestandskontrollen unvermeidlich.
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Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

LW-R-5: Pflanzenschutzmittel-Anwendung


Der Klimawandel wird größere Unsicherheiten im Pflanzenschutz mit sich bringen. Diese dürfen nicht dazu führen, dass der Absatz von Pflanzenschutzmitteln und die Intensitäten im Pflanzenschutz steigen. Für die Absatzmengen ergab sich über den Gesamtzeitraum betrachtet kein Trend. In den letzten zwölf Jahren haben die Mengen allerdings zugenommen.

Summe Inlandsabsatz Herbizide, Fungizide, Insektizide (ohne inerte Gase) von 1991 bis 2013 in Wirkstoffmengen (1.000 t). Behandlungsindex Winterweizen, Wintergerste, Winterraps von 2007 bis 2013
LW-R-5 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Differenzierte Anwendung von Pflanzenschutzmitteln erforderlich

Die Auswirkungen der Klima- und Witterungsverhältnisse auf den Befall landwirtschaftlicher Kulturen mit Schadorganismen lassen sich derzeit noch nicht konkret prognostizieren. Klar ist jedoch, dass Schadorganismen sehr empfindlich und spontan auf veränderte Witterungsverhältnisse reagieren können und dass Landwirten und Gärtnern rasche und flexible Reaktionen auf auftretende Pflanzenschutzprobleme abverlangt werden.

Für Landwirte wird damit eine genaue Beobachtung der eigenen Bestände im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes immer bedeutsamer. Dazu gehören eine sorgfältige Überwachung der Kulturen, vorbeugende Maßnahmen, der Vorrang für nicht-chemische Maßnahmen und die Berücksichtigung des Resistenzmanagements beim Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel.

Der von Bund und Ländern beschlossene Nationale Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von  Pflanzenschutzmitteln (NAP) zielt darauf ab, die Risiken, die durch die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln entstehen können, weiter zu reduzieren, die Anwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln auf das notwendige Maß zu begrenzen und unnötige Anwendungen dieser Pflanzenschutzmittel zu unterlassen.

Der Klimawandel wird größere Unsicherheiten im Pflanzenschutz mit sich bringen, die aber nicht dazu führen dürfen, dass „Unsicherheitsspritzungen“ zunehmen und Risiken durch die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln für Mensch, Tier und Naturhaushalt steigen. Das heißt, trotz Klimawandel sollte es nicht zu höheren Intensitäten im Pflanzenschutz kommen. Für die Praxis bedeutet dies, dass Produktionssysteme anzupassen sind und Investitionen in aktuelle und verbesserte Prognose- und Entscheidungshilfesysteme zunehmen werden.

Bei der Interpretation langjähriger Datenreihen zum Absatz von Pflanzenschutzmitteln und zu den Intensitäten im Pflanzenschutz ist zu berücksichtigen, dass die Entwicklungen neben witterungsbedingten Ursachen durch zahlreiche weitere Faktoren beeinflusst werden. So können unter anderem die steigende Spezialisierung der Betriebe und eine abnehmende Bodenbearbeitung mit sich bringen, dass vermehrt Probleme im Pflanzenschutz auftreten, die zu einer vermehrten Anwendung von Pflanzenschutzmitteln führen können. Außerdem ist bei der Interpretation der Daten zu Absatzmengen und Intensitäten im Pflanzenschutz zu berücksichtigen, dass moderne hochwirksame Pflanzenschutzmittel eine zunehmende Verringerung der Einsatzmengen erlauben können. Diese Mittel weisen aus ökotoxikologischer Sicht allerdings trotz geringerer Dosierung das gleiche Risiko auf wie ältere Mittel, die in höheren Dosierungen zum Einsatz kamen.

Der Inlandsabsatz von Pflanzenschutzmitteln gibt nur eine grobe Orientierung zu den Einsatzmengen in Deutschland, da Pflanzenschutzmittel auch über die Grenzen Deutschlands hinweg gehandelt werden. In den letzten zwanzig Jahren sind die Absatzmengen weder signifikant gestiegen noch gefallen. Sollten sich im Zuge des Klimawandels die Schaderregerspektren verändern, weil beispielsweise Unkräuter und -gräser sowie Insekten besonders von der wärmeren Witterung profitieren, dann könnte sich dies auch in den Anteilen der Wirkungsbereiche von Pflanzenschutzmitteln (Herbizide, Fungizide, Insektizide) am gesamten Inlandsabsatz niederschlagen. In den zurückliegenden zwanzig Jahren waren aber auch diesbezüglich noch keine Verschiebungen erkennbar.

Aussagen zur Intensität der Pflanzenschutzmittelanwendung ermöglicht der Behandlungsindex. Er verrechnet die Anzahl der in einem Jahr durchgeführten Anwendungen mit den Aufwandmengen einer jeden Spritzung im Verhältnis zur höchsten zugelassenen Aufwandmenge für die jeweilige Kultur. Mit zunehmender Intensität der Pflanzenschutzmittelanwendung steigt der Behandlungsindex. Hierzu sollte es trotz der mit dem Klimawandel verbundenen Herausforderungen im Pflanzenschutz nicht kommen. Der Behandlungsindex wird seit dem Jahr 2007 ermittelt, daher lassen sich Trendaussagen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht treffen.

 

Schnittstellen

LW-I-5: Schaderregerbefall

 

Ziele

Begrenzung der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln auf das notwendige Maß; weitere Reduzierung der Risiken, die durch die Anwendung chemischer Pflanzenschutzmittel entstehen können (Nationaler Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln 2013, Kap. 5.1)

Senkung der Anwendungen chemischer Pflanzenschutzmittel, die deutlich vom notwendigen Maß abweichen (Nationaler Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln 2013, Kap. 5.2.1)