LW-R-3 + 4 Anpassung des Sortenspektrums, Maissorten nach Reifegruppen

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

LW-R-3: Anpassung des Sortenspektrums

Mit steigenden Wärmesummen erlangen auch besonders wärmeliebende Rotweinsorten in deutschen Anbauregionen Anbaueignung. Die Anbaufläche der international beliebten Rotweinsorten Merlot und Cabernet Sauvignon bewegt sich zwar noch auf einem geringen Niveau, ist aber signifikant im Anstieg begriffen.

Abweichung des Huglin-Index vom langjährigen Mittel 1961 -1990 in % und Bestockte Rebfläche in ha: Merlot und Cabernet Sauvignon, der Jahre 1970 bis 2012
LW-R-3 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

LW-R-4: Maissorten nach Reifegruppen

Noch ist kein Trend zu einer vermehrten Anmeldung frühreifer Maissorten beim Bundessortenamt erkennbar. Diese Entwicklung ist derzeit offensichtlich durch andere Effekte überlagert. Hierzu gehört die Verschiebung der Grenze des Körnermaisanbaus nach Norden, die eher die Nachfrage nach später reifenden Sorten begünstigt, und das höhere Ertragspotenzial der spätreifenden Sorten.

Anteil der Neuanmeldungen in % in den Reifegruppen frühreif, mittelfrühreif und muttelspät-spätreif sowie die Anzahl der Neuanmeldungen insgesamt, von 2003 bis 2013
LW-R-4 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Anderes Klima – andere Sorten


Ähnlich den Anpassungsmöglichkeiten durch den Anbau wärmeliebender Kulturpflanzenarten ist auch die Sortenwahl ein für die Landwirte geeignetes Mittel, um bei gleichbleibender Fruchtart auf sich verändernde Rahmenbedingungen des Anbaus zu reagieren. Bevorzugt werden dabei diejenigen Sorten, die unter den absehbaren Bedingungen hohe und qualitativ hochwertige sowie sichere Erträge und gute Vermarktungsmöglichkeiten versprechen. Die jeweilige Sortenwahl ist dabei immer Resultat unterschiedlicher Faktoren, die der Landwirt in seiner Entscheidung gegeneinander abwägt. Die Witterung ist stets nur ein Faktor unter mehreren anderen. Mitunter erfolgt die Sortenwahl der Landwirte auch sehr spontan, primär gesteuert durch Erfahrungen aus der letzten Anbauperiode oder durch sich aktuell abzeichnende Marktchancen.

Bei den einjährigen Kulturen ist der Landwirt in seiner Sortenwahl relativ flexibel, bei mehrjährigen Kulturen dagegen legt er sich mit der Sortenentscheidung für einen längeren Zeitraum fest. Im Weinbau beispielweise will die Sortenwahl sorgfältig bedacht sein, denn die Reben haben mit zwanzig bis dreißig Jahren eine lange Lebensdauer, d. h. Winzer treffen bei Neupflanzungen längerfristige Produktionsentscheidungen. Wein ist außerdem ein landwirtschaftliches Produkt mit teilweise außerordentlich hoher Wertschöpfung und trotz vergleichsweise kleiner Fläche mit großer wirtschaftlicher Bedeutung. Die Sortenwahl genießt daher besondere Aufmerksamkeit.
Zur Beurteilung der Anbaufähigkeit bestimmter Rebsorten in verschiedenen Weinbauregionen wird der sogenannte Huglin-Index eingesetzt. Er summiert die Tage mit Temperaturen von mehr als 10 °C für den Zeitraum 1. April bis 30. September und gibt an, ob die Wärmesummen, die eine Rebsorte benötigt, um erfolgreich über längere Zeit kultiviert zu werden, in einer Region erreicht werden. In den letzten ca. vierzig Jahren ist der Huglin-Index über ganz Deutschland betrachtet signifikant angestiegen. Das hat zur Folge, dass einige bisher auf südlichere Regionen beschränkte, besonders wärmeliebende Rotweinsorten nun auch in deutschen Anbauregionen grundsätzlich Anbaueignung erlangt haben. Hierzu gehören beispielsweise Merlot, Cabernet Sauvignon und Syrah. Diese Rebsorten genießen international eine hohe Reputation, weshalb die Motivation bei einigen Winzern groß ist, sie anzubauen, wenn die klimatischen Voraussetzungen erfüllt sind. Die Anbauflächen von Merlot und Cabernet Sauvignon, die seit dem Jahr 2002 in der Weinstatistik erfasst werden, sind zwar noch vergleichsweise gering, die Flächenzunahme weist aber auf ein zunehmendes Interesse der Winzer hin. Es wird davon ausgegangen, dass der Klimawandel den Rebsortenspiegel in Zukunft beeinflussen wird.

Die Züchter stellen sich auf die neuen Anforderungen ein und richten ihre Sortenwicklungen darauf aus. Die Anträge auf Neuzulassung von Sorten, die jährlich beim Bundessortenamt angemeldet werden, lassen Rückschlüsse zu, an welchen Sorteneigenschaften in der Züchtung gearbeitet wird. Die Züchtung einer neuen Sorte beansprucht allerdings i. d. R. zwischen acht und zehn Jahre, sodass sich eine veränderte Sortennachfrage nicht immer zeitnah in den Zahlen niederschlagen wird. Beim Körnermais steigert die Verwendung frühreifer Sorten die Wahrscheinlichkeit, dass höhere Trockensubstanzgehalte bei der Ernte erzielt und damit die Trocknungskosten geringer werden. Frühreife Sorten könnten unter diesen Umständen an Attraktivität gewinnen. Allerdings haben die spätreifenden Sorten noch immer ein höheres Ertragspotenzial. Die aktuellen Züchtungsbemühungen gehen daher dahin, frühreife Maissorten mit höheren Erträgen zu entwickeln.

 

Schnittstellen

LW-R-2: Anbau und Vermehrung wärmeliebender Ackerkulturen

 

Ziele

Förderung von Innovationen im Bereich der Pflanzenzüchtung im Hinblick auf die Anpassung an Klimaänderungen, die Nährstoffbilanz der Kulturpflanzen, die Resistenz- und Qualitätseigenschaften
(DAS, Kap. 3.2.6)