LW-I-4 Hagelschäden in der Landwirtschaft

Apfel mit Faulstelle um Hagelschlagschaden.zum Vergrößern anklicken
Hagelschäden können mit erheblichen Ertragsausfällen verbunden sein.
Quelle: HHSOW / pixelio.de

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

LW-I-4: Hagelschäden in der Landwirtschaft

Extremwetterereignisse wie Dürre, Hagel, Sturm, Starkregen, Überschwemmung, Frost und Auswinterung können Ertragseinbußen in der Landwirtschaft zur Folge haben. Versichert sind i. d. R. aber nur Hagelschäden. Der zunehmende Schadenaufwand ist wesentlich durch steigende Versicherungssummen verursacht. Der Schadensatz erlaubt direktere Rückschlüsse auf Hagelereignisse. Er zeigt bisher keinen eindeutigen Trend.

Schadensatz in % in der landwirtschaftlichen Hagelversicherung (bereinigt um Inflation und steigende Versicherungssummen) und Schadenaufwand in Mio. € in der landwirtschaftlichen Hagelversicherung, von 1980 bis 2012
LW-I-4 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Ertragsausfälle durch Extremwetterereignisse

Infolge von Wetterextremen sind in der deutschen Pflanzenproduktion in den letzten 15 Jahren durchschnittliche jährliche Ertragsausfälle von ca. 470 Millionen Euro entstanden. Mehr als die Hälfte aller Schäden waren durch Trockenheit und Dürre verursacht, rund ein Fünftel durch Hagel und ein Sechstel durch Sturm, Starkregen und Überschwemmung. Auch Fröste haben Schäden hinterlassen. Nehmen Extremereignisse infolge des Klimawandels zu, wird auch die Landwirtschaft vermehrt von Ernteschäden oder ­ausfällen betroffen sein. Die genauen Zusammenhänge von Klimaveränderungen, vermehrtem Auftreten von Extremwetterereignissen und der Zunahme von Schäden in der Landwirtschaft sind zwar noch nicht abschließend geklärt, sie sind aber Gegenstand intensiver Forschung.

Für die deutschen Landwirte sind die Möglichkeiten, sich gegen Ernteausfälle infolge von Extremwetterereignissen zu versichern, bislang noch sehr eingeschränkt. Daher handelt es sich bei Angaben zu witterungsbedingten Ertragsausfällen i. d. R. um Näherungswerte. Eine Ausnahme sind Hagelschäden, denn die Absicherung gegen Hagel ist in der Landwirtschaft vergleichsweise weit verbreitet. Über 60 % der Anbaufläche sind versichert. Über die Meldungen der Hagelversicherer zu den Aufwendungen für auftretende Versicherungsfälle lassen sich damit zumindest für einen Teil der Schäden Aussagen treffen. Zu allen anderen Schäden, die die Landwirte selbst tragen oder für die sie fallweise Gelder aus Hilfsprogrammen erhalten, gibt es keine gesicherten Datengrundlagen.

Der Schadenaufwand, d. h. die Bruttoaufwendungen für auftretende Versicherungsfälle, ist seit 1980 signifikant angestiegen. Dies ist allerdings nicht allein Folge vermehrter Schadensereignisse, sondern auch Ergebnis steigender Versicherungssummen. Der Markt für die landwirtschaftliche Hagelversicherung gilt in Deutschland auch heute noch nicht als gesättigt. Vor allem die neuen EU-weit geltenden Regelungen für staatliche Beihilfen im Agrar- und Forstsektor lassen für die nächsten Jahre eine Ausweitung des Versicherungsschutzes erwarten, denn sie werden die staatlichen Hilfen für landwirtschaftliche Betriebe bei Naturkatastrophen stark einschränken und zu erheblichen Kürzungen für Landwirte führen, die keinen adäquaten Versicherungsschutz abgeschlossen haben. Im Gegensatz zum Schadenaufwand ist der Schadensatz in der landwirtschaftlichen Hagelversicherung um die Effekte steigender Versicherungssummen und der Inflation bereinigt. Er lässt daher direktere Rückschlüsse auf die Schadentreiber, sprich Hagelereignisse, zu. Für den Schadensatz zeichnet sich bisher kein klarer Trend ab.

Das Jahr 1993 war das im Beobachtungszeitraum hagelreichste Jahr. Auch in den Jahren 1994 und 2000 kam es bundesweit zu erheblichen Schäden. Im Jahr 2002 führten schwere Hagelunwetter vor allem im Südwesten und Osten Deutschlands vielerorts zu Totalschäden, 2009 waren der Norden und Süden zwischen Ende April und Mitte August von einer gewaltigen Abfolge von Unwettern überdurchschnittlich stark betroffen.

Die Hagelversicherung ersetzt den Landwirten den konkreten Ernteausfall, allerdings nicht die damit verbundenen Folgewirkungen für den Gesamtbetrieb. Der Verlust der Marktpräsenz in einem Hageljahr, die mangelnde Auslastung vorhandener betrieblicher Infrastruktur oder auch ein erhöhter Ernte- und Sortieraufwand sind durch die Versicherung nicht gedeckt. Auch aus diesem Grunde betrachten viele Landwirte den Abschluss einer Hagelversicherung nicht als alleinige Option. Insbesondere im Obstbau wird zunehmend mit Hagelschutznetzen gearbeitet, um Ernteschäden vorzubeugen.

 

Schnittstellen

LW-I-2: Ertragsschwankungen

FiW-I-1: Schadenaufwand und Schadensatz in der Verbundenen Wohngebäudeversicherung