LW-I-2 Ertragsschwankungen

Ernteszene bei der Getreideernte, Korn wird mit Rohr auf Anhänger transportiert.zum Vergrößern anklicken
Je nach Witterungsbedingungen können die Erträge in den Jahren sehr unterschiedlich ausfallen.
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Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

LW-I-2: Ertragsschwankungen


Ertragsschwankungen zwischen den Jahren lassen sich unmittelbarer mit Veränderungen des Witterungsgeschehens in Zusammenhang bringen als langfristige Ertragstrends. Nimmt die Ertragsvariabilität zu, bedeutet dies ein steigendes Produktionsrisiko für die Landwirte. Extremjahre führen zu ausgeprägten Wechseln zwischen positiven und negativen Abweichungen der Erträge von den Vorjahren.

Abweichung in % der Winterweizenertäge vom Mittel der 6 Vorjahre, von 1986 bis 2012
LW-I-2 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Stärkere Ertragsschwankungen erhöhen das Produktionsrisiko

Die Witterungsbedingungen gehören zu den wichtigsten produktionsbestimmenden Größen in der Landwirtschaft. Eine verlängerte Vegetationsperiode und höhere Temperatursummen können die Erträge steigern. Hinzu kommt, dass die höheren CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre, die letztendlich für den Treibhauseffekt verantwortlich sind, die Photosynthese und das Pflanzenwachstum stimulieren können. Allerdings bringt der Klimawandel u. a. durch Trockenstress oder Extremereignisse wie Stürme, Starkregen, Hagel und Überschwemmungen auch zunehmende Risiken von Ertragseinbußen mit sich.

Der züchterische und technische Fortschritt haben in den letzten fünfzig Jahren die landwirtschaftlichen Erträge bei den wichtigen Kulturarten in Deutschland ansteigen lassen. Die Züchtung brachte neue Sorten mit verbesserten Eigenschaften hinsichtlich Ertragshöhe und -stabilität, Qualität, Ressourceneffizienz, Stresstoleranz und Krankheitsresistenz hervor. Auch bei den Aussaat­, Pflege- und Erntetechniken sowie bei der Düngung und beim Pflanzenschutz gab es Verbesserungen. Allerdings ist die Ertragshöhe darüber hinaus noch von zahlreichen anderen Faktoren abhängig.

Die Ertragsstagnation, die beim Weizen in den letzten Jahren in der landwirtschaftlichen Praxis festzustellen war, hat komplexe Ursachen, die noch genauer untersucht werden müssen. Neben den bereits erwähnten Faktoren können hierfür auch der Anbau auf ertragsärmeren Standorten sowie engere Fruchtfolgen eine Ursache sein. In der Landwirtschaft ist es wichtig, Betriebsmanagement und Betriebsmitteleinsatz zu optimieren. In welchem Umfang ertragssteigernde Maßnahmen ergriffen werden, hängt immer auch stark von den erzielbaren Produktpreisen ab. Je höher das Preisniveau, desto eher kann sich der Einsatz ertragssteigernder oder ertragssichernder Betriebsmittel wie u. a. mineralischer Düngemittel und Pflanzenschutzmittel lohnen.

Derzeit lässt sich noch schwer abschätzen, in welchem Ausmaß der Klimawandel die Ertragshöhe hierzulande beeinflusst. Einerseits wird diskutiert, dass zumindest regional die klimatischen Grenzen für eine weitere Ertragssteigerung erreicht werden könnten. Andererseits geht man davon aus, dass die Landwirtschaft mit den langfristigen Klimatrends zurecht kommen kann, denn vor allem beim Anbau einjähriger Kulturen gibt es viele Möglichkeiten, mit der Wahl von Fruchtarten und Sorten, der Fruchtfolge und der Bewirtschaftungsplanung auf die veränderten Rahmenbedingungen zu reagieren.

Größere Herausforderungen werden voraussichtlich mit den zunehmenden Wetter- oder Witterungsschwankungen zwischen den Jahren verbunden sein, auf die sich die Landwirte weniger gut einstellen können. Witterungsextreme wie lange Trockenperioden können zu unvorhersehbaren Ertragseinbrüchen führen. Im Trockenjahr 2003 beispielsweise lag der Weizenertrag im Bundesdurchschnitt 12 bis 13 % unter dem erwarteten Trendertrag des Jahres.

In zwischenjährlichen Ertragsschwankungen werden sich daher die Folgen des Klimawandels deutlicher niederschlagen als in den langjährigen Ertragstrends, die Ausdruck längerfristig geplanter Anpassungsprozesse nicht nur an den Klimawandel, sondern auch an die Marktbedingungen sind. Die Ertragsschwankungen lassen sich über die Abweichung des Jahresertrags vom durchschnittlichen Ertrag der jeweils sechs vorangegangenen Jahre abbilden. Mit zunehmender Ertragsvariabilität erhöht sich das Produktionsrisiko für die Landwirte, da diese bei der Kalkulation u. a. der einzusetzenden Betriebsmittel mit bestimmten Ertragshöhen rechnen.

Betrachtet man für den Winterweizen, die derzeit wichtigste Kulturart in Deutschland, die Abweichung des Jahresertrags vom durchschnittlichen Ertrag der jeweils vorangegangenen sechs Jahre im Zeitverlauf, wird deutlich, dass es in den zurückliegenden Jahren ein starkes Auf und Ab der Erträge gegeben hat. Die Zahlen sind allerdings in der vergleichsweise kurzen Zeitreihe behutsam zu interpretieren. Die starken Ausschläge sind deutlich von Extremjahren geprägt, sodass von einem generell gültigen Trend noch nicht gesprochen werden kann. Neben der starken Frühsommerdürre im Jahr 2003 gab es bereits im Jahr 2002 vor allem in Nord- und Ostdeutschland deutliche Ertragseinbußen infolge von Starkregen in Verbindung mit Hochwasserschäden. Da diese beiden Erntejahre auch den sechsjährigen Mittel-wert stark prägen, fällt das Ertragsplus im Folgejahr 2004 umso deutlicher aus.

Zu berücksichtigen ist auch, dass es innerhalb Deutsch-lands erwartungsgemäß deutliche regionale Unterschiede gibt. Vor allem im Osten Deutschlands, wo in großem Umfang leichte sandige Böden bewirtschaftet werden, die auf Niederschlagsextreme besonders schnell und stark reagieren, fielen die zwischenjährlichen Ertragsschwankungen stärker aus als beispielsweise im mittleren westlichen Teil Deutschlands (Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland), wo die Erträge in den eher feuchten und kühlen Mittelgebirgsregionen stabiler waren.


 

Schnittstellen

LW-I-3: Qualität von Ernteprodukten

LW-I-4: Hagelschäden in der Landwirtschaft