BD-R-1 Berücksichtigung des Klimawandels in der Landschaftsplanung

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Landschaftsplanung entwickelt Anpassungsmaßnahmen zum Schutz und zur Entwicklung der Artenvielfalt.
Quelle: Bosch & Partner GmbH

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

BD-R-1: Berücksichtigung des Klimawandels in Landschaftsprogrammen und -rahmenplänen

Landschaftsprogramme und Landschaftsrahmenpläne konkretisieren Ziele und Grundsätze von Naturschutz und Landschaftspflege auf landesweiter und regionaler Ebene. Die Klimawandelfolgen und die daraus resultierenden Anforderungen an den Biotop­ und Artenschutz finden zunehmend Eingang in diese Planwerke. Konkrete Aussagen u. a. zu Zielen und Maßnahmen mit Klimawandelbezug fehlen bislang aber in der deutlichen Mehrzahl der Pläne.

Balkendiagramme zeigen die Berücksichtigung des Klimawandels in Landschaftsprogrammen und Landschaftsrahmenplänen. Die Auswertung der Landschaftsrahmenpläne und Landschaftsprogrammen erfolgte für die vier Stichtage zum Jahresende der Jahre 2000, 2005, 2010 und 2012. Die Darstellung wird vorgenommen für die oben benannten Kategorien 1, 2, 3a und 3b. Die Balkendiagramme zeigen in allen Bereichen einen Anstieg im Zeitverlauf.
BD-R-1 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Auswirkungen des Klimawandels finden zunehmend Eingang in die Landschaftsplanung

Die Landnutzung hat wesentlichen Einfluss auf die biologische Vielfalt und ist damit auch einer der zentralen Ansatzpunkte zum Schutz von Tieren und Pflanzen und zur Entwicklung geeigneter Lebensräume. Der Klimawandel stellt dabei in mehrfacher Hinsicht neue Anforderungen an eine naturverträgliche und zukunftsorientierte Steuerung der Landnutzung, da die Konkurrenz um Flächen aller Voraussicht nach weiter zunehmen wird. Der Ausbau erneuerbarer Energien zu Zwecken des Klimaschutzes, insbesondere aber die Verwendung von Biomasse zur Energiegewinnung führt regional zu einer Intensivierung der Flächennutzung durch Land- und Forstwirtschaft.

Zur Sicherung der biologischen Vielfalt ist es notwendig, bei naturschutzfachlichen Entscheidungen die direkten und indirekten Auswirkungen des Klimawandels zu berücksichtigen, auf der konzeptionellen und planerischen Ebene die erforderlichen Ziele zu benennen und konkrete Maßnahmen vorzubereiten. Der Landschaftsplanung kommt dabei als flächendeckendem Instrument des Naturschutzes besondere Bedeutung zu. Die Landschaftsprogramme übernehmen auf Ebene der Bundesländer wichtige koordinierende Funktionen und setzen Prioritäten bei der Festlegung landesweit bedeutsamer Erfordernisse und Maßnahmen des Naturschutzes. Sie enthalten neben programmatischen Zielsetzungen und Leitlinien für die Naturschutzpolitik eines Bundeslandes auch raumkonkrete Darstellungen beispielsweise zum landesweiten Biotopverbund oder zu den Gebietskulissen für Förderprogramme. Zur Präzisierung der Landschaftsprogramme können auf Ebene von Planungsregionen bzw. Landkreisen oder Regierungsbezirken Landschaftsrahmenpläne erstellt werden. Sie konkretisieren unter anderem die Vorgaben des Biotopverbunds oder legen Vorranggebiete fest.

Die Regelungen der einzelnen Landesnaturschutzgesetze zur Aufstellung und Fortschreibung von Landschaftsprogrammen und Landschaftsrahmenplänen sind allerdings uneinheitlich. So verzichten die Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg sowie das Saarland und künftig auch Hessen und Schleswig-Holstein auf die Aufstellung von Landschaftsrahmenplänen. Teilweise führt die aktuelle Rechtslage auch dazu, dass ältere Landschaftsprogramme nicht mehr fortgeschrieben werden müssen. Der Fortschreibungsturnus der Landschaftsrahmenpläne ist ebenfalls unterschiedlich. Nach wie vor gilt jedoch, dass Landschaftsprogramme und Landschaftsrahmenpläne die zentrale planerische Ebene darstellen, auf der die aus dem Klimawandel resultierenden Anforderungen an die Landschaftsplanung und den Naturschutz verankert werden können.

Eine Auswertung der 16 Landschaftsprogramme der Länder sowie der verfügbaren Landschaftsrahmenpläne – im Jahr 2012 waren dies 135 – zeigt, dass die Auswirkungen des Klimawandels und die daraus resultierenden planerischen Anforderungen zwar noch keine breite Berücksichtigung finden. Jedoch haben klimawandelbezogene Aussagen in Programmen und Plänen im Zeitraum zwischen den Jahren 2000 und 2012 bereits deutlich zugenommen. So finden der Klimawandel sowie Themen des Klimaschutzes und der Anpassung an den Klimawandel im Zusammenhang mit naturschutzfachlichen Fragen inzwischen in der Hälfte der Landschaftsprogramme Erwähnung. Dabei wurde für den Klimaschutz die Berücksichtigung von Flächen mit Speicher- bzw. Senkenfunktion für Kohlenstoff in den Plänen ausgewertet. Demgegenüber lässt die deutliche Mehrzahl der Planwerke Beschreibungen konkreter Auswirkungen des Klimawandels auf die biologische Vielfalt bislang vermissen.
Auf dem Stand des Jahres 2012 werden nur in ca. jedem zehnten Planwerk einzelne naturschutzfachliche Ziele Die Landschaftsplanung kann Anpassungsmaßnahmen zum Schutz und zur Entwicklung der biologischen Vielfalt vorbereiten. (Foto: Bosch & Partner GmbH) und Maßnahmen zumindest zum Teil mit dem Klimawandel begründet.
Auf Grundlage der vorgenommenen Analysen sind detaillierte Aussagen zur fachlich-inhaltlichen Tiefe der Berücksichtigung des Klimawandels in den Planwerken nicht möglich. Es lässt sich jedoch feststellen, dass die Landschaftsplanung auf Ebene der Länder und Regionen mit Blick auf die Herausforderungen des Klimawandels bislang nur in geringem Umfang zukunftsweisende Aussagen zu konkreten Zielen und Maßnahmen trifft. Die aktuellen Initiativen einzelner Länder lassen erwarten, dass diese bei anstehenden Programm- und Planfortschreibungen die planerischen Steuerungsmöglichkeiten künftig stärker ausschöpfen werden.

 

Schnittstellen

RO-R-1: Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für Natur und Landschaft

 

Ziele

Vorausschauende Berücksichtigung der Dynamik und Veränderungen in Natur und Landschaft durch den Klimawandel in der Landschaftsplanung
(DAS, Kap. 3.2.5)

Kategorien der Berücksichtigung des Klimawandels in Landschaftsprogrammen und -rahmenplänen
1    Klimawandel bzw. klimawandelrelevante Flächen (mit Speicher- bzw. Senkenfunktion für Kohlenstoff) werden im Zusammenhang mit naturschutzfachlichen Fragen erwähnt.
2    Auswirkungen des Klimawandels auf die biologische Vielfalt werden beschrieben.
3a   Einzelne naturschutzfachliche Ziele und Maßnahmen werden u. a. mit dem Klimawandel begründet.
3b   Einzelne naturschutzfachliche Ziele und Maßnahmen werden ausschließlich oder vorwiegend mit dem Klimawandel begründet.