WW-R-3 Investitionen in den Küstenschutz

Bauarbeiten an einer Küstenschutzanlage.zum Vergrößern anklicken
Küstenschutzanlagen sollen bei klimawandelbedingten Überschwemmungen Abhilfe schaffen.
Quelle: Ecologic Institut

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

WW-R-3: Investitionen in den Küstenschutz

Die durch den Bund zur Verfügung gestellten finanziellen Mittel für den Küstenschutz gingen zwischen 2000 und 2006 zurück. Zwischen 2006 und 2009 war wieder ein Anstieg zu verzeichnen. Seit diesem Zeitpunkt sind die Investitionssummen des Bundes auf hohem Niveau relativ konstant.

Investitionen in Küstenschutz (Mio. Euro) aus Bundesmitteln, Landesmitteln mit zusätzlichen öffentlichen Mitteln und EU-Mitteln, von 2000 bis 2013.
WW-R-3 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Küstenschutz erfordert umfangreiche Investitionen

Mit dem Anstieg des Meeresspiegels und der erwarteten Zunahme der Häufigkeit und Intensität von Sturmfluten sind die Küstenregionen einem erhöhten Risiko durch Überschwemmungen ausgesetzt. In Deutschland gelten Gebiete als gefährdet, die mehr als 5 Meter unter dem Meeresspiegel an der Nordseeküste und mehr als 3 Meter unter dem Meeresspiegel an der Ostseeküste liegen. Das betrifft eine Fläche von rund 13.900 Quadratkilometern mit 3,2 Mio. Bewohnerinnen und Bewohnern sowie mit volkswirtschaftlichen Werten in Höhe von 900 Mrd. Euro.8 Durch Sturmfluten bedroht sind vor allem küstennahe Städte wie Hamburg, Bremen, Kiel, Lübeck, Rostock und Greifswald.

Um Infrastrukturen, Gebäude und Menschenleben in den gefährdeten Küstenregionen vor zukünftig stärkeren Hochwasserereignissen zu schützen, müssen die existierenden Anlagen des technischen Hochwasserschutzes an die veränderten Klimabedingungen angepasst werden.
Zu den verstärkten Küstenschutzmaßnahmen gehören u. a. der Neubau oder die Erhöhung und Ertüchtigung von Deichen, der Ausbau von Uferschutzanlagen, Sandvorspülungen oder der Bau bzw. die Verstärkung von Sturmflutsperrwerken. Jede dieser Maßnahmen bedeutet allerdings auch einen genehmigungspflichtigen Eingriff, durch den natürliche Lebensräume wie Wattflächen, Seegraswiesen, Salzwiesen oder Dünen beeinträchtigt werden oder unwiderruflich verlorengehen. Als weitere Maßnahme wird diskutiert, örtlich Überflutungsräume, die durch Eindeichung in der Vergangenheit verloren gegangen sind, durch die Rückverlegung oder Schlitzung von Deichen zurückzugewinnen. Die verschiedenen Küstenschutzmaßnahmen werden durch die Ausweisung raumplanerischer Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für den Küsten­ bzw. Küstenhochwasserschutz flankiert.

Im Jahr 2011 haben Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern das Bemessungsverfahren für die Küstenschutzmaßnahmen an der Ostseeküste novelliert. Zur Berücksichtigung des mit dem Klimawandel projizierten Meeresspiegelanstiegs und zur Umsetzung der europäischen Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie wurde ein neuer Grundsatz für die Bemessung der Küstenschutzanlagen eingeführt. Dieser entspricht nun prinzipiell dem Vorgehen der Nordseeküstenbundesländer. Der Klimaschutzzuschlag für den Meeresspiegelanstieg wird demnach auf 50 cm für die nächsten hundert Jahre veranschlagt. Das neue Bemessungsverfahren hat erheblichen Einfluss auf die mittelfristige Maßnahmenplanung. Für Deiche sowie Stahl- und Stahlbetonwasserbauten bedeutet dies teilweise eine Erhöhung, für Küstenschutzdünen einschließlich ihrer Strand- und Vorstrandbereiche möglicherweise in Zukunft häufiger durchgeführte und im Volumen umfangreichere Sandaufspülungen. Außerdem wurde z. B. in Schleswig-Holstein die Konstruktion der Deiche so verändert, dass diese später relativ einfach und kostengünstig weiter erhöht werden können.

In Deutschland werden Maßnahmen des technischen Küstenschutzes zum deutlich überwiegenden Teil aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (">GAK) finanziert. Die Finanzierungsanteile der EU liegen dabei zwischen 5 und 13 %. Bund und Länder, die für den überwiegenden Teil der Förderung aufkommen, teilen sich die Investitionskosten im Verhältnis 70:30. Mit dem Ziel, die laufende Verstärkung der Küstenschutzanlagen zu beschleunigen oder im Einzelfall auch zu ergänzen, stellt der Bund den Küstenländern über einen GAK-Sonderrahmenplan in den Jahren 2009 bis 2025 für Küstenschutzmaßnahmen infolge des Klimawandels zusätzlich 25 Mio. Euro pro Jahr zur Verfügung. Voraussetzung ist, dass diese im jeweiligen Jahr zuvor 102,9 Mio. Euro für Küstenschutzmaßnahmen im Rahmen der regulären GAK verwendet haben.

Zu den mit GAK-Mitteln förderfähigen Küstenschutzmaßnahmen zählen der Neubau, die Verstärkung und die Erhöhung von Küstenschutzanlagen wie z. B. von Deichen, Sperrwerken, Buhnen, Wellenbrechern und Uferschutzwerken. Ebenso werden Vorlandarbeiten vor Deichen ohne Deichvorland bis zu einer Tiefe von 400 Metern und Sandvorspülungen gefördert. Außerdem sind der notwendige Grunderwerb und die infolge von Küstenschutzmaßnahmen notwendigen Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege förderfähig.

Die Investitionen in den Küstenschutz haben zwischen 2000 und 2006 um etwa die Hälfte abgenommen. Seit 2007 steigen die Ausgaben wieder an und erreichten im Jahr 2012 die Summe von 200 Mio. Euro. Die Investitionen des Bundes lagen zwischen 2009 und 2012 relativ konstant bei knapp über 100 Mio. Euro. Zu den neueren großen Küstenschutzprojekten gehört in Schleswig-Holstein die Verstärkung des Landesschutzdeichs Brunsbüttel. Die Arbeiten wurden im Jahr 2013 abgeschlossen. Die Maßnahme umfasste die Erhöhung des Deichs von 6,50 Metern auf bis zu 8 Meter, die Errichtung einer Hochwasserschutzwand und die Erneuerung eines Schöpfwerks. Die Maßnahmen in Brunsbüttel haben ein Investitionsvolumen von 23 Mio. Euro gebunden und stellen nun den Schutz für etwa 25.000 Einwohnerinnen und Einwohner, eine Fläche von 13.600 Hektar sowie Sachwerte in Höhe von 2,8 Mrd. Euro sicher. Vergleichbare Finanzmittel flossen u. a. in die Verstärkung und Erhöhung des Landesschutzdeichs bei Dahme in Ostholstein und in die im April 2014 aufgenommenen Arbeiten zur Erhöhung und Verstärkung der Deichlinie auf der niedersächsischen Insel Wangerooge. Dabei werden einzelne Deichabschnitte im Verlauf der Arbeiten bis 2017 um bis zu 1 Meter erhöht.

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8 maribus gGmbH (Hrsg.) 2010: World Ocean Review: Mit den Meeren leben. Hamburg, 240 S.
http://worldoceanreview.com/herunterladen/

 

Schnittstellen

WW-I-9: Meeresspiegel

WW-I-­10: Intensität von Sturmfluten

RO-R-3: Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für (vorbeugenden) Hochwasserschutz

 

Ziele

Zusätzliche Anstrengungen beim Schutz der Küstengebiete; Entwicklung neuer Formen von – insbesondere auch passiven – Sicherungsmaßnahmen für die Inseln und Küsten (DAS, Kap. 3.2.14)

Strategisches Management der Küstengebiete (IKZM, S. 6f.)