WW-R-1 Wassernutzungsindex

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Der Umfang der direkten Wassernutzung in Deutschland kann derzeitig als nachhaltig betrachtet werden
Quelle: bagal / pixelio.de

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

WW-R-1: Wassernutzungsindex

Die Wassernutzung ist den vergangenen zwanzig Jahren deutlich zurückgegangen. Im Jahr 2004 unterschritt sie erstmalig den als kritisch bewerteten Wassernutzungsindex von 20 %, was bedeutet, dass nicht mehr als 20 % des potenziellen Wasserdargebots in Anspruch genommen werden. Der Umfang der direkten Wassernutzung in Deutschland kann unter diesen Rahmenbedingungen derzeit als nachhaltig bewertet werden.

Wassernutzungsindex (%): Anteil der Wassernutzung am Wasserdargebot und Schwelle der nachhaltigen Wassernutzung, von 1991 bis 2013.
WW-R-1 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Wassernutzung deutlich zurückgegangen

Deutschland ist ein wasserreiches Land, in dem es unter den aktuellen Bedingungen lediglich regional und saisonal begrenzt zu Einschränkungen der Wasserverfügbarkeit kommen kann. Im langjährigen Mittel sind rund 188 Milliarden Kubikmeter Grund­ und Oberflächenwasser potenziell verfügbar. Gleichwohl kann es vor allem bei längeren und häufiger auftretenden regionalen Trockenheitsphasen und Niedrigwasserperioden infolge eines reduzierten Wasserdargebots zu regionalen Nutzungskonflikten bei oberirdischen Gewässern und insbesondere bei oberflächennahen Grundwasserentnahmen kommen.

Betroffen sind vor allem die zentralen Teile Ostdeutschlands, das nordostdeutsche Tiefland und das südostdeutsche Becken, die ungünstige klimatische Wasserbilanzen aufweisen. Angepasste Gewinnungs- und Verteilungssysteme machen es aber möglich, dass der Wasserbedarf für die verschiedenen Nutzungen innerhalb Deutschlands derzeit ausreichend gedeckt werden kann.

Insgesamt kann auch für die Zukunft von einer gesicherten Wasserversorgung ausgegangen werden. Allerdings könnten eine weitere Abnahme der Sommerniederschläge und eine erhöhte Verdunstung als Folge steigender Temperaturen die schon aktuell ungünstigen klimatischen Wasserbilanzen in einigen Regionen Deutschlands weiter verschlechtern.
Neben den klimatischen Einflussfaktoren ist das Aus-maß der Wassernutzung eine wichtige steuernde Größe für die Wasserverfügbarkeit. Als nachhaltig gilt eine Wasserentnahme dann, wenn sie die Marke von 20 % des verfügbaren Wasserdargebots nicht überschreitet. Die20 %-Schwelle ist dabei ein international gültiger Orientierungswert. Übersteigt die Wassernutzung diese Marke, gilt dies als Zeichen von Wasserstress. Ab 40 % wird von starkem Wasserstress ausgegangen. Zur Überschreitung der Marke kann es sowohl in Folge einer verstärkten Wasserentnahme als auch einer Verknappung des natürlichen Wasserdargebots kommen.

Durch einen Rückgang der Wassernutzung in Deutschland wird seit dem Jahr 2004 weniger als 20 % des Wasserdargebots genutzt und damit die 20 %-Schwelle unterschritten, womit das Maß der Wassernutzung in Deutschland nach den international gültigen Orientierungswerten als nachhaltig angesehen werden kann.  Zu diesem Rückgang haben sowohl eine rückläufige gewerbliche als auch private Wassernutzung beigetragen. So benötigte im Jahr 2010 jede Bürgerin bzw. jeder Bürger täglich 121 Liter und damit 23 Liter weniger als noch 1991. Noch deutlicher war im gleichen Zeitraum der Rückgang um 33 % bei der Wassernutzung durch Energieerzeuger, Industrie- und Bergbauunternehmen, die mit mehr als 80 % den deutlich überwiegenden Teil der Wassernutzung ausmachen.

Da die Kühlwasserentnahmen durch Wärmekraftwerke den größten Teil gewerblicher Wassernutzungen ausmachen, hatten Effizienzverbesserungen durch Mehrfach- bzw. Kreislaufnutzungen in diesem Bereich zumindest bis zum Jahr 2007 besonders positive Auswirkungen auf die Bilanz. Bis zum Jahr 2010 sank die Wassereffizienz der Wärmekraftwerke dagegen wieder. In den anderen Branchen entwickelt sich der Wasserverbrauch sehr unterschiedlich. So nutzten die Unternehmen in der Chemieindustrie Wasser im Jahr 2010 effizienter als im Jahr 1995, nicht so jedoch die Hersteller von Glas, Keramik oder Papiererzeugnissen.

Vor allem bedingt durch den Wiederanstieg der Wasser-entnahme durch die Energieversorgungsunternehmen zwischen 2007 und 2010 ist auch der Wassernutzungsindex in diesem Zeitintervall wieder angestiegen. Möglicherweise kam es durch die Minderung der Stromerzeugung thermischer Kraftwerke nach 2010 inzwischen schon wieder zu einer Absenkung des Wassernutzungsindex. Aktuelle Daten hierzu liegen aber derzeit noch nicht vor. Nach 1991 nahmen die Werte für den Wassernutzungsindex signifikant ab.

Eine weitere Reduzierung der Wassernutzung wird von vielen öffentlichen Wasserversorgern heute nicht mehr offensiv propagiert, denn nur bei einem ausreichenden Durchfluss in den Leitungen können Keimbildungen und Ablagerungen verhindert werden. Die Alternative sind teure Leitungsspülungen mit Frischwasser, um die Hygienestandards zu halten. Relevanter als die direkte Wasserentnahme durch Unternehmen oder Verbraucher erscheint vor diesem Hintergrund der indirekte oder auch als virtuell bezeichnete Verbrauch, der für die Erzeugung eines Produkts oder die Bereitstellung einer Dienstleistung erforderlich ist. In Anbetracht der globalen Klimaveränderungen und der Tatsache, dass viele Regionen der Welt bereit heute unter erheblichem Wassermangel leiden und mehr als die Hälfte des Wassers für die von uns benötigten Produkte und Güter nicht aus Deutschland selbst stammen, lohnt sich der kritische Blick auf die Herkunft von Produkten, zu deren Herstellung große Mengen von Wasser erforderlich sind. Hierzu gehören unter anderem Baumwolle, Fleisch, Reis und Kaffee.

 

Schnittstellen

WW-I-1: Mengenmäßiger Grundwasserzustand

WW-I-4: Niedrigwasser

EW-­R­-4: Wassereffizienz thermischer Kraftwerke

LW-R-6: Landwirtschaftliche Beregnung

IG-R-1: Wasserintensität des verarbeitenden Gewerbes

 

Ziele

Im Zusammenhang mit einem Nachfragemanagement sind technische Methoden und Verbesserungen zum effizienteren Einsatz von Wasser möglich und sollten nach dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit erwogen werden. (DAS, Kap. 3.2.3)