WW-I-2 + 3 Mittlerer Abfluss, Hochwasser

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

WW-I-2: Mittlerer Abfluss

Für den mittleren Jahresabfluss ist – bei starken Schwankungen zwischen den Jahren – bislang kein signifikanter Trend zu verzeichnen. Auch die Verteilung der Niederschlagsmenge auf das hydrologische Winterhalbjahr (Nov. – Apr.) und Sommerhalbjahr (Mai – Okt.) ist ohne signifikanten Trend. Jahre mit starken sommerlichen Trockenperioden wie das Jahr 2003 treten allerdings deutlich hervor.

Jahresmittel des auf dem deutschen Bundesgebiet gebildeten Abflusses sowie das Verhältnis des hydrologischen Winterhalbjahres (Nov. - April) zum hydrologischen Sommerhalbjahr (Mai - Okt.) von 1951 bis 2011.
WW-I-2 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

WW-I-3: Hochwasser

Der Anteil der Pegel, an denen mindestens einmal in einem Jahr ein markanter Hochwasserabfluss gemessen wurde, zeigt bislang keinen signifikanten Trend. Allerdings schlagen sich großflächigere Ereignisse, in denen mehrere Regionen in Deutschland von Hochwasser betroffen waren, z. B. in den Jahren 1970, 1981, 2002 und 2013 deutlich in der Zeitreihe nieder.

Grafik Hochwasserindex - Anteil der ausgewählten Pegel mit mind. einem markanten Hochwasserereignis pro Jahr, angegeben in % von 1951 bis 2011
WW-I-3 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Änderungen von Wasserverfügbarkeit und Hochwassergeschehen

Das natürliche Abflussgeschehen in Fließgewässern wird vor allem von der Menge und der jahreszeitlichen Verteilung der Niederschläge in den jeweiligen Einzugsgebieten bestimmt. Darüber hinaus spielen die Art der Niederschläge, d. h. ob diese als Regen oder als Schnee niedergehen, sowie die Morphologie der Einzugsgebiete eine wichtige Rolle: Diese Faktoren sind entscheidend dafür, wie schnell die Niederschläge tatsächlich abflusswirksam werden. Beispielsweise prägt in Flussgebieten mit einem schneebestimmten Abflussregime vor allem die Schneeschmelze, häufig im Frühsommer, den Jahresgang des Abflusses.

In regenbestimmten Regimen dominiert hingegen die Jahreszeit mit den höchsten Niederschlagsmengen den Jahresgang. Die klimatischen Rahmenbedingungen eines Raums, insbesondere die Niederschlags- und Temperaturverhältnisse, haben somit einen sehr unmittelbaren Einfluss auf das Abflussgeschehen. Ändern sich diese Bedingungen zukünftig mit dem fortschreitenden Klimawandel, so wird sich das auch in Veränderungen des Abflussgeschehens niederschlagen.
Auswirkungen können sich etwa für die Menge des insgesamt abfließenden Wassers und für die jahreszeitliche Verteilung des Abflusses ergeben. Das Jahresmittel der Abflüsse vom Bundesgebiet kennzeichnet dabei das Gesamtwasserdargebot und gibt Auskunft über die prinzipielle Wasserverfügbarkeit. Es ist ein Spiegel der unterschiedlichen Niederschläge und Temperaturen in den Jahren und zeigt daher generell von Jahr zu Jahr stark schwankende Werte. In der Rückschau auf die Zeitreihe seit den 1950er Jahren zeigt sich bislang kein signifikanter Trend, d. h. Veränderungen der prinzipiellen Wasserverfügbarkeit sind derzeit noch nicht zu erkennen.

Die jahreszeitliche Verteilung der Abflüsse ist eine entscheidende Größe für die Wasserwirtschaft. Nutzungen wie die Wasserkraft, die Trinkwassergewinnung, die Schifffahrt oder auch die Entnahme von Kühl­ und Bewässerungswasser sind auf Mindestabflüsse in den Sommer- und Wintermonaten hin abgestimmt. In Deutschland dominieren die winterlichen Abflüsse die jahreszeitliche Verteilung in einem starken Maße.
Während in früheren Jahren die sommerlichen Abflüsse diejenigen der Wintermonate noch vereinzelt übertrafen, war das seit 1972 nicht mehr der Fall. Seit den 1990er Jahren häufen sich zudem die Jahre, in denen Abflüsse im Winterhalbjahr diejenigen im Sommerhalbjahr deutlich übertreffen. Besonders markant tritt das Jahr 2003 hervor, als in den heißen Sommermonaten die Abflüsse in vielen Flussgebieten auf einem sehr niedrigen Niveau lagen, mit entsprechenden Folgen für die Binnenschifffahrt und die Stromerzeugung in thermischen Kraftwerken. Auch für die jahreszeitliche Verteilung des Abflusses lässt sich bislang kein signifikanter Trend erkennen.

Im Vergleich zu den Schwankungen des mittleren Abflusses sind Hochwasserereignisse stärker im öffentlichen Bewusstsein, da sie menschliche Aktivitäten ganz unmittelbar betreffen können. Die Zeitreihe zeigt, an wie vielen der 21 ausgewählten Pegel in einem Jahr markante Hochwasser auftraten. Eine hohe Zahl der von Hochwasser betroffenen Pegel bedeutet, dass es in vielen Regionen Deutschlands zu Hochwasserereignissen kam. Solch großflächige Hochwasserereignisse waren seit den 1980er Jahren mehrfach zu verzeichnen, einen signifikanten Trend weist die Zeitreihe aber nicht auf. In etlichen Fällen, so z. B. in den Jahren 1970, 1988, 1994, 1995, 2003 und 2011, war das Hochwassergeschehen überwiegend durch Winterhochwasser infolge von Tauwetter und gleichzeitig starken Niederschlägen gekennzeichnet. In den Jahren 1999, 2002 und 2013 sind die Hochwasser durch Starkniederschläge im Sommer in mehreren deutschen Bundesländern entstanden. In Einzelfällen wie 1981 können in einem Jahr auch beide Situationen zu markanten Hochwasserereignissen in unterschiedlichen Regionen führen.

 

Schnittstellen

FiW-­I­-3: Betroffenheit durch Stürme und Hochwasser

VE-­I­-1: Schiffbarkeit der Binnenschifffahrtsstraßen

 

Ziele

Schutz gegen zunehmende Hochwasserrisiken in Flussgebieten (DAS, Kap. 3.2.14)

Festsetzung von Überschwemmungsgebieten und Schaffung von Rückhalteflächen (Wasserhaushaltsgesetz, §§ 76 (2) und 77)