WW-I-1 Mengenmäßiger Grundwasserzustand

Grundwassermessstelle vor Landschaft.zum Vergrößern anklicken
In Deutschland liefert ein Netz von Grundwassermessstellen regelmäßig Daten zum Grundwasserstand.
Quelle: Wolf-Peter von Pape / HLUG

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

WW-I-1: Mengenmäßiger Grundwasserzustand

Die überwiegende Anzahl der Grundwasserkörper wies 2010 einen guten Zustand auf, d. h. Grundwasserneubildung und Grundwasserentnahme waren im Gleichgewicht. Seit der Bestandsaufnahme 2004 hat sich der Anteil der Grund- wasserkörper mit einem guten qualitativen Zustand bereits von 95 % auf 96 % leicht erhöht.

Grafik stellt den mengenmäßigen Zustand der Grundwasserkörper in % von 2004 bis 2013 dar.
Bei fast allen Grundwasserkörpern waren Grundwasserneubildung und -entnahme 2010 im Gleichgewicht.
Quelle: Umweltbundesamt
 

Trotz Klimawandel guter mengenmäßiger Zustand des Grundwassers

Wie viel Grundwasser sich in einem Gebiet neu bilden kann und welche Grundwasserstände sich dort einstellen, hängt von einer Vielzahl unterschiedlicher Einflussgrößen ab. Dazu gehören z. B. der Abstand, der zwischen dem Gelände und der grundwasserleitenden Schicht liegt, die Beschaffenheit der Deckschichten über dem Grundwasser, die Größe und Gestalt der Hohlräume im Gestein, das Gefälle der Grundwasseroberfläche oder der unterirdische Zu­ und Abfluss von Grundwasser.

Vor allem wird die Grundwasserneubildung in einem Gebiet aber durch den Niederschlag sowie den oberirdischen Abfluss und das Verdunstungsgeschehen bestimmt. Ändern sich die klimatischen Rahmenbedingungen in Deutschland, sind damit auch Auswirkungen auf diese Faktoren verbunden. Dabei reagieren Grundwässer insgesamt im Vergleich zu Oberflächengewässern eher träge auf sich verschiebende Niederschlagsmengen. Jahre mit einer geringen Gesamtniederschlagsmenge machen sich daher nicht unmittelbar im Grundwasser-stand bemerkbar. Steigende Temperaturen führen zu einer insgesamt höheren Verdunstung mit der Folge, dass potenziell weniger Wasser versickern und ins Grundwasser infiltrieren kann. Dies kann die Situation in Gebieten zuspitzen, in denen die Wasserverfügbarkeit zukünftig durch abnehmende Niederschläge beeinträchtigt wird.
Sowohl die Veränderung der Temperaturen als auch der Niederschläge beeinflussen den oberirdischen Abfluss. In den Wintermonaten nehmen die Niederschlagsmengen zwar zu. Sie treffen dann aber häufiger auf bereits wassergesättigte oder gefrorene Böden und können nicht versickern. In den Sommermonaten trocknen Böden infolge höherer Temperaturen und geringerer Niederschläge stärker aus. Niederschläge, die zukünftig häufiger als Starkregen auftreten, können dann von den trockenen Böden nicht aufgenommen werden und fließen zu einem großen Teil oberirdisch ab.

In Deutschland stammen zwei Drittel des Trinkwassers aus Grundwasser. Die mengenmäßig ausreichende Neubildung qualitativ hochwertigen Grundwassers ist daher eine grundlegende Voraussetzung für eine nachhaltige Trinkwasserbereitstellung. Dies gilt verstärkt unter den Bedingungen des Klimawandels, wenn der Bedarf nach Trink- und Brauchwasser zusammen mit steigenden Lufttemperaturen sowie häufigeren und intensiveren Hitzeperioden zunimmt. Wie sehr die Intensität der Nutzung für die Trink- oder Brauchwasserentnahme (z. B. für die landwirtschaftliche Bewässerung) die betroffenen Grundwasserkörper beeinflusst, hat die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts gezeigt. Seit den 1960er bis in die 1980er Jahre hinein stiegen die Grundwasserentnahmen als Folge des Bevölkerungs- und des Wirtschaftswachstums (insbesondere im produzierenden Gewerbe) an. In den 1980er Jahren kam es dann zu großräumigen Grundwasserabsenkungen durch gestiegene Grundwasserentnahmen und witterungsbedingte Trockenperioden.

Der Maßstab für eine nachhaltige Grundwassernutzung wird durch die Vorgaben der europäischen Wasserrahmenrichtlinie definiert. Danach ist ein guter mengenmäßiger Zustand des Grundwassers gegeben, wenn die Grundwasserneubildungsrate über der für verschiedene Nutzungen entnommenen Wassermenge liegt. Eine über die Grundwasserneubildungsrate hinausgehende Nutzung von Grundwasservorkommen führt, insbesondere bei kleinen Grundwasserkörpern, langfristig zu niedrigeren Grundwasserspiegeln. Auch bei einem gerade ausgeglichenen Verhältnis von entnommenem Grundwasser und Grundwasserneubildungsrate kommt es durch den natürlichen Abfluss des Grundwassers auf Dauer zu einer Absenkung des Grundwasserspiegels.

Im Jahr 2010 wurden die Bewertungsergebnisse der Bewirtschaftungspläne für die Flussgebietseinheiten zum mengenmäßigen Zustand der Grundwasserkörper zu einer bundesweiten Übersicht zusammengestellt. Diese Ergebnisse lassen Rückschlüsse zu, ob menschliche Eingriffe in den Grundwasserhaushalt und klimatisch bedingte Einflüsse nachteilige Auswirkungen auf den Grundwasserstand und die Grundwasserverfügbarkeit haben. 96 % der ca. 1.000 Grundwasserkörper in Deutschland weisen demnach einen mengenmäßig guten Zustand auf. Seit der Bestandsaufnahme von 2004, bei der für 95 % der Grundwasserkörper ein guter mengenmäßiger Zustand erhoben worden war, hat sich der Zustand bereits leicht verbessert. Angestrebt wird, das Ziel der Wasserrahmenrichtlinie, d. h. einen guten mengenmäßigen Zustand für 100 % der Grundwasserkörper, auch unter den sich verändernden klimatischen Bedingungen zu erreichen.

 

Schnittstellen

WW­-I­-2: Mittlerer Abfluss

WW-I-4: Niedrigwasser

BO-I-1: Bodenwasservorrat in landwirtschaftlich genutzten Böden

 

Ziele

Schutz, Verbesserung und Sanierung aller Grundwasserkörper (Richtlinie 2000/60/EG – Wasserrahmen- richtlinie, Art. 4 (1))

Verstärkte Sicherung von Wasserressourcen, Erhaltung bzw. Verbesserung des Wasserhaushalts der Böden, vorausschauende Lenkung stark wasserverbrauchender Nutzungen (Handlungskonzept Klimawandel, MKRO 2013, Kap. 3.7)

Förderung der dezentralen Niederschlagsversicherung als Beitrag zur Grundwasserneubildung; verstärkte raumordnerische Sicherung von Wasserressourcen und planerisches Hinwirken auf angepasste Nutzungen bei sinkenden Grundwasserneubildungsraten (DAS, Kap. 3.2.14)

Nachfragemanagement sowie technische Methoden und Verbesserungen zum effizienteren Wassereinsatz, um bei längeren und häufigeren regionalen Trockenheitsphasen und Niedrigwasserperioden regionale Nutzungskonflikte […] bei oberflächennahen Grundwasserentnahmen zu vermeiden (DAS, Kap. 3.2.3)