BAU-R-3 Fördermittel für klimawandelangepasstes Bauen und Sanieren

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Energieeffiziente Gebäude können vor einer Überwärmung von Innenräumen in Hitzeperioden schützen.
Quelle: Zweite Verordnung zur Änderung der Energieeinsparverordnung

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

BAU-R-3: Fördermittel für klimawandelangepasstes Bauen und Sanieren

Die KfW erhält vom Bund jährlich Fördermittel in Höhe von 1 bis 2 Milliarden Euro. Auf dieser Basis vergibt die Bank jährlich Darlehenszusagen und Zuschüsse in Höhe von 5 bis 10 Milliarden Euro für energetische Bau- und Sanierungsmaßnahmen, die bei guter Planung die Gefahr von Hitzebelastungen in Gebäuden verringern können. Seit 2006 nahmen sowohl Darlehenszusagen und Zuschüsse als auch die dadurch ausgelösten Investitionen signifikant zu.

Zwei Kurven zeigen die Höhe der Fördermittel (Mrd. €) für klimawandelangepasstes Bauen und Wohnen als Darlehenszusagen/Zuschüsse und die dadurch ausgelösten Gesamtinvestitionen an für den Zeitraum von 2006 bis 2013.
Fördermittel für und Investitionen in energetische Bau- und Sanierungsmaßnahmennehmen steigen.
Quelle: Umweltbundesamt
 

Klimawandelangepasstes Bauen und Sanieren fördern

Die in den vergangenen Jahren erzielten Verbesserungen beim Wärmeschutz und die damit verbundene Reduzierung des Energieverbrauchs im Gebäudebereich sind u. a. ein Ergebnis gezielter Förderpolitik. Viele der geförderten baulichen Maßnahmen dienen sekundär auch zum Schutz vor einer sommerlichen Überwärmung von Gebäuden und erzeugen somit Synergieeffekte zwischen Klimaschutz und Anpassung.

Eine wesentliche Säule der finanziellen Förderung von Maßnahmen zur energetischen Optimierung von Gebäuden bzw. von energieeffizienten Neubauten sind die durch Fördermittel des Bundes finanzierten Programme der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Hierfür standen in den Jahren 2006 bis 2013 Bundesmittel in Höhe von insgesamt rund 11,1 Milliarden Euro zur Verfügung, im Jahr 2013 ca. 1,8 Milliarden Euro. Mit den Programmen werden über Investitionszuschüsse oder alternativ über im Zins vergünstigte Darlehen in Verbindung mit Tilgungszuschüssen Energieeffizienzmaßnahmen gefördert, die die gesetzlichen Anforderungen (Energieeinsparverordnung) weit überschreiten. Insgesamt wurde durch die Förderung bis Ende 2013 ein Investitionsvolumen von rund 155 Milliarden Euro ausgelöst.

In den durch Bundesmittel geförderten KfW-Programmen, die für die Anpassung an den Klimawandel relevant sind, wurden in den zurückliegenden knapp zehn Jahren jährlich Darlehenszusagen oder Zuschüsse zwischen etwa fünf und zehn Milliarden Euro bewilligt. Als anpassungsrelevant werden dabei solche Programme der KfW betrachtet, deren Fördermittel zu mehr als zwei Dritteln Maßnahmen zugutekommen, die Gebäude vor dem sommerlichen Aufheizen schützen, z. B. Dämmung oder Sonnenschutz, oder Maßnahmen, mit denen sich Raumklima und Frischluftzufuhr regeln und steuern lassen. Im Jahr 2013 wurden durch diese Programme über 32 Milliarden Euro an Investitionen gefördert, die sekundär auch der Anpassung an den Klimawandel zugutekommen können.

Der Schutz vor Überwärmung ist eine der Anforderungen, mit der sich Bauherren, Immobilieneigentümer und Architekten mit Blick auf den Klimawandel auseinandersetzen müssen. Mit den oben genannten und weiteren Maßnahmen wie der Reduzierung innerer Wärmequellen, einem durchdachten Umgang mit großen Glasflächen oder dem Einsatz massiver Bauteile zum Temperaturausgleich lassen sich sommerliche Überwärmungsprobleme in Gebäuden auch ohne technische Anlagen zur Klimatisierung weitgehend vermeiden.

Darüber hinaus erfordern auch möglicherweise zunehmende extreme Ereignisse wie Starkniederschläge und Schlagregen, Stürme und Tornados, Hagel oder Schneelasten bauliche Anpassungen zum Gebäudeschutz. Zwar stellt der in Deutschland herrschende hohe Standard von Bauplanung, -technik und -ausführung grundsätzlich sicher, dass Gebäude und Baupraxis für eine große Spannbreite an wetter- und witterungsbedingten Beanspruchungen ausgelegt sind. Nicht alle Auswirkungen der genannten Extremereignisse werden sich aber innerhalb dieses Standards bewältigen lassen.

Neben dem Schutz vor Hitze umfassen mögliche Schutzmaßnahmen an einzelnen Gebäuden etwa den Einbau von Schutzgittern und Schutzglas gegen Hagelschäden, die Befestigung von Dachmaterial oder die Integration von Solarthermie- oder Photovoltaik-Anlagen in den Dachaufbau zur Sicherung bei Stürmen. Zahlreich sind die möglichen Maßnahmen zum Schutz gegen Hochwasser und Starkregen: Sie reichen von der Gebäudeabdichtung durch den Einsatz von Bitumenbahnen oder wasserdichtem Beton über Drainagen und Pumpen bis zur Rückstausicherung der Abwasserleitungen. Der Schutz von Einzelgebäuden insbesondere gegen Überflutung ist schwierig. Daher vermeidet eine vorsorgende Raum- und Stadtplanung die bauliche Nutzung von Gebieten mit einem erhöhten Schadenspotenzial durch solche Gefahren.

Im Zuge von Neubauten können die entsprechenden Anpassungserfordernisse z. B. durch die Auswahl robusterer Materialien und stabilerer Konstruktionsweisen bereits in der Planung berücksichtigt werden. Dies verursacht aber auch dort erhöhte Baukosten. Für bestehende Gebäude sind Anpassungen in Form nachträglicher Maßnahmen wie beispielsweise Abdichtungen von Kellern gegen drückendes Wasser i. d. R. schwieriger und kostspieliger umzusetzen. Aller Voraussicht nach lassen sich aber zumindest die meisten klimabedingten Probleme mit Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen in den Griff bekommen.

Grundsätzlich liegt es in der Verantwortung des jeweiligen Bauherrn oder Immobilieneigentümers, diese und andere Maßnahmen umzusetzen und sich baulich vor Klimarisiken zu sichern. Eine finanzielle Förderung, die gezielt und direkt die bauliche Klimaanpassung von Gebäuden adressiert, gibt es in Deutschland bislang nicht.

 

Schnittstellen

BAU-­R­-2: Spezifischer Energieverbrauch der privaten Haushalte für Raumwärme

RO-R-3: Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für (vorbeugenden) Hochwasserschutz

 

Ziele

Langfristige Senkung des Wärmebedarfs des Gebäudebestandes mit dem Ziel, bis 2050 nahezu einen klimaneutralen Gebäudebestand zu haben.
(Energiekonzept, S. 22)

Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel sollen Anstrengungen zum Klimaschutz möglichst nicht entgegenwirken bzw. sollen Alternativen den Vorzug erhalten, die auch zur Minderung der Treibhausgasemissionen beitragen und umgekehrt, beispielsweise Investitionen in die Isolierung von Gebäuden.
(DAS, Kap. 3.4)